Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 48 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Jüdiecfees Yolksblatt Seite 3 christlichsoziale Partei bewegt sich als politische Partei in anderer Richtung als wir, aber ein Mitglied der Unabhängigkeits- Partei kann natürlich au f sozialem Gebiete alle d i e j e n i ij c Tt Bestrebunge n der C h r i st l i ch - sozialen fördern, welche nichtpolitischcr Natur sind und sich nicht im Gegensätze zum Programme der Unabhängigkeitspartei befinden." Deutlicher geht's nicht! Was darnach konnnen muß, ist recht traurig, aber die Juden in Ungarn scheinen cs noch immer nicht zu merken. Die russischen Greuel. Aufruf! zngnnsten der Opfer der russischen Judenexzessc. Eine neue furchtbare Katastrophe ist über unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland hereingebrochen. Mit Entsetzen vernimmt die gesamte Kultnrwelt die grauenhaften Berichte von den Massenmorden und den verübten bestialischen Greneltatcn. Unzählige Existenzen sind vernichtet worden, unermeßlich ist der durch die Verwüstung von Hab und Gut angerichtete Schaden; tausenden von Familien droht infolge dieser Ereignisse der wirtschaftliche Untergang. Nasche und umfassende Hilfe ist unerläßlich. Wir wenden uns daher an alle Glaubensgenossen und andere Menschenfreunde mit der innigsten Bitte, an der von nns cingeleiteten Hilfsaktion zugunsten der beklagenswerten Opfer der Katastrophe durch Widmung von Beiträgen mitznwirken. Geldsendungen werden an die Adresse unseres Bureaus, Wien, 1. Bez., Weihburggaffe 10, erbeten. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien". * Hilfsaktion des „Israelitischen Allianz zu Wien". Das Ergebnis der zugunsten der Opfer der Judenverfolgungen in Rußland veranstalteten Sammlung beträgt bis heute rund 600 000 Kronen. Hiervon sind zirka 400 000 Kronen in Wien selbst gesammelt worden. Von den Filialen der „Israelitischen Allianz" und auswärtigen Kultusgemeinden waren bis zum 28. November folgende in obiger gesamter Summe enthaltene Sammlungsergebnisse eingcgangen: Prag und einige Provinzstädte Böhmens rund 66 000 K., Brünn zirka 17 000 K., Bielitz 2200 K., Gablonz 2000 K., Olmütz 1876 K., Ungarisch- Brod 1000 K., Nikolsburg 1100 K., Schüttenhofcn 600 5k.-, Karolinenthal 657 K., Ujvidek 220 K., Tobitschau 170 5k., Napagedl 232 K., Deutsch-Brod 366 5k., Saybusch 368.50 K., Marienbad 360 5k., Proßnitz 1000 5k., Brür 300 5k., Krakau 680 K.. Holleschau 1028 C Zwittau 328 K., Leipnik 000 K., Djakovar 301.30 K., Sarajevo 311 5k., Slatina 368.93 K., Cerbanitz 36 5k., Stanislau 72 K. Es wird seitens der Leitung der „Allianz" in Verbindung nüt den Hilfskomitees in Deutschland, Frankreich und England dafür Vorsorge getroffen, daß die Unterstützungen durch zuverlässige Organe und auf Grund eingehender Nachforschungen in allen von den Exzessen betroffenen Städten direkt den Hinterbliebenen der Ernwrdeten lind den infolge der Krawalle der Existenz beraubten Juden zugute kommen. Das Bureau der „Israelitischen Allianz" stellt den Herren Rabbinern und Kultusvorstehern oder Vereinsobmännern zum Zwecke der Sammlung Aufrufe, Sammelbogen, Erlagscheine der Postsparkasse bereitwillig zur Verfügung. * Kimdgebrmg der „Poale Zio«" in Wien. Sonntag den 26. d. M. vormittags fand im Saale „zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36, eine von den Wiener „Poale Zion" einberufen» Massenversammlung statt, in der die Kollegen Kaplan und Groß die russischen Judenmafsakers und ihre Folge» besprachen und die Haltung der sogenannten freiheitliche» Elemente Rußlands und des übrige» Europa entschieden verurteilten. Den russischen Gesinnungsgeuossen hingegen wurde für ihre heldenmütige Verteidigung der Dank und die Anerkennung der Versammlung ausgesprochen und ergab «ine bei dieser Gelegenheit veranstaltete Sammlung zur Organisierung der Selbstwehr einen ansehnlichen Betrag. Der Vorsitzende Kollege Freud verlas sodann nachstehende Resolution, die einstimmig angenommen wurde, und schloß unter lebhafter Zustimmung der Versammlung, daß nur durch die Erlangung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina die Judenfrage endgültig gelöst wird. Unter Absingung des „Od lo Owdu" verließ die Versammlung den Saal. Resolution. „Die von den »Poale Zion" am 26. November 1905, im Saale „Zum Goldenen Widder einberufene Massenversammlung gibt ihrer tiefsten Entrüstung Ausdruck über die von der russischen Negierung angestifteten Metzeleien und Schandtaten a« unseren russischen Brüdern und konstatiert die beispiellose Gleichgültigkeit sämtlicher russischen freiheitlichen Parteien den Exzessen gegenüber. Gleichzeitig spricht die Ansammlung der heldenmütigen Verteidigung der jüdischen Selbstwehr ihre vollste Bewunderung aus und fordert die gesamte Judenschaft auf, für die Stärkung des Selbstwehrfonds nach Kräften Sorge zu tragen. Die Versammlung drückt ihre feste Ueberzeugung aus, daß nur di« Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina die Wiederholung derartiger Exzesse endgültig aus der Welt schaffe« wird. Gleich unseren russischen Brüdern, die neben den Bestrebungen zur endgültigen Lösung der Judenfrage für die Erlangung einer nationalen Vertretung in der Gesetzgebung kämpfen, fordern auch wir östsrreichischen Juden angesichts des Kampfes um das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, an dem wir vollen Anteil nehmen, eine unserer Zahl entsprechende nationale Sonder Vertretung im österreichischen Parlamente. Wir protestieren daher entschieden gegen eine Wahlreform, welche die Juden Oesterreichs unter die verschiedenen Nationen aufteilt, wodurch di« Juden allein ihres nationalen SelbstbestimmungSrechtes beraubt und den größten politischen und ökonomischen Gefahren preisgegeben werden. * Protestkundgebung in Prag. Am Sontrtag ben 19. November fand in Prag im Hotel Central eine vom Vereine jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" veranstaltete Protestversannnlung wegen der russischen Judenmassakers statt, an der sich alle Kreise der jüdischen Bevölkerung beteiligten. Das Referat hielt Dr. Gideon Hey mann aus Berlin. Er besprach Ursachen, Verlauf und Folgen der furchtbaren Metzeleien in ruhiger, sachlicher, doch ungemein eindringlicher Weise und machte eben dadurch einen tiefen Eindruck auf seine Zuhörer, daß er iu vornehmer Weise mit dem Prämiiert!. Wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksniederlage Geh H Blitz Wien, XX 2 Dresdnerstrasse 82 Petroleum in Kannen franko Haus nach allen KHHSBSHRW Juden kamen zuerst um 1840 nach Amerika, wuchsen aber an Zahl erst seit 1877, wie ein Aufsatz im Americ. Jewish Aear Book für 1901 ausführt; sie leben meist in New Jork, wo sie ihre eigenen Weinhäuser und Restaurants haben, die die geselligen Mitelpunkte für sie abgeben. Obgleich orthodox, ist doch ihr religiöses Gemeindeleben lvenig entwickelt. Numänische Schauspieler haben seit 1881 das jüdische Theater in New Aork emporbringen geholfen, und auch als Aerzte, Zahnärzte und Rechtsanwälte spielen sie auf der East Side New Uorks eine große Nolle. Die Bedrückung durch die rumänische Negierung seit 1901 führte bekanntlich zu weiterer großer Auswanderung nach den Vereinigten Staaten und zu dem Anruf der Signatarmächte des Berliner Vertrages durch Staatssekretär Hay im August 1902. Eine zuverlässige Statistik der Juden in den Vereinigten Staaten fehlt noch. Noch im Jahre 1826 wurde ihre Zahl nur auf 6000 geschätzt, 1840 in American Almanae ans 15 000, aber schon 1848 auf 60 000. Der erste und bisher einzige Versuch, durch gründliche persönliche Erhebungen Genaueres zu ermitteln, wurde Ende der siebziger Jahre von W .B. Hackenbnrg angestellt, der 230 000 Juden vorfand und etwa 260 000 als ihre wahre Zahl annahm. Gleich darauf, 1882, setzte der Strom der russisch-jüdischen Einwanderung ein, so daß I. Markens in seinem verdienstvollen Buche „The Hebrews in America" 1888 die Zahl dev Inden auf 400 000 berechnete. Im Jahre 1897 nahm Sulzberger schon 940 000 an. Die Judeneinwanderung soll zwischen 1881 und Mitte 1906 946 843 betragen haben, doch wird eine amtliche Statistik darüber erst seit Mitte 1898 geführt. Nach ihr brachte das Jabr 1898/99 37 321, 1899/1900 60 706, 1900/01 68 004, 1901/02 67 661, 1902/03 76 126, 1903/04 106 010, 1904/06 118 419 Juden, also in sieben Jahren 614 146. Oesterreich-llngarn stellte von diesen jährlich 11—12 00, Rumänien im ersten Jahre 1343, dann jährlich 6—7000 (nur 1902/03 8500), Rußland 1898/99 24 000, dann jährlich 37—38 000, 1902/03 aber 47 700, 1903/04 77 600 und 1904/05 zwischen 80—90 000 (genaue Zahl bisher nur für die Einwanderungsstation New Port bekannt: 81 340). Unter Zugrundelegung dieser Zahlen, der früheren Schätzungen und neuerer Erhebungen nimmt das amerikanische Jüdische Jahrbuch für Mitte 1906 1 418 813 Juden in den Vereinigten Staaten an, von denen 760 000 auf Stadt und Staat New Jork konnnen, je 100 000 auf Pennsylvanien und Illinois, 60 000 auf Massachusetts, je 60 000 ans Ohio und Missouri, 20—30 000 absteigend auf Kalifornien, Maryland und Nelv Jersey, Indiana, Minnesota, Louisiana, 5keutucky und Tennessee. Man sieht, der Staat Nelv Ajork, und man kann mit Sicherheit sagen, die Stadt Nelv Bvrk haben mehr Juden als Die gefundene Handschrift. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. (Fortsetzung.) XIII. Als die beiden! den König verlassen hatten, reichte Mufft« dem Leo >die Hand. „Verzeiht mein Gebaren gegen euch," sagte er, „ihr seid ein braver Mann. DaS konnte ich nicht wissen. Seien wir Freunde." „Seid bedankt," sagte Leo, „seien Win Freunde," und er legte seine Hand in die deS anderen. Es war Sitte in Belendscher, daß jedermann, Chazar oder Fremdling, der ein Anliegen an den Chakan hatte, ihn auch sprechen konnte. Und so geschah es, daß am nächsten Morgen nach dem Gebete, als Moses Jbn Muffta und Leo dem Könige mitteilten, daß die Kundschafter bereit seien und daß Leo mitginge, sie zu führen, eine Anzahl Fremdlinge, geführt von einigen Bürgern, im Palast eintrafen und verlangten, vor den König geführt zu werden. Als dieses dem Könige mitgeteilt wurde und er höUe, daß die Fremdlinge aus Byzanz seien, befahl er Leo und Jbn Muffta zu bleiben und ließ die Fremdlinge hereinführen. Es waren jüdische Flüchtlinge, denen es gelungen war zu entfliehen, als man mit den Verhaftungen begann. Sie erzählten Schreckliches von dem Morden, Rauben und Sengen. Ganze Familien ganz Deutschland, besitzt. das ihrer rund 600 000 S. MITTEL BACH Soda^Pastillen. Wien, I, Hoher Markt Nr. 8 Dieaolben u'nd für Personen, _welcho an Magenbesohwerden, Uuliellceiteu, Sodbrennen, Au/stossen etc. leiden, unentbehrlich. Vermüge der Ausstattung in Pastillen-