Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4-6 .Ti'uHr-ftif1? Yolk4>latt während gegenwärtiger Tagung. Tiefe Erregung herrschte im Hause und Zuhörerraume und begleiteten Ausführungen Stvauchers mit großem Beifall. * Trauerversammlung der jtt-.-aka-. Verbindung „Zephiray" in Czernowitz. Irn Zeichen der Trauer für die Opfer der Iudcnexzesse in Rußland veranstaltete die jnd.-akad. Vevbindunig „ZephiraH" in Czernowitz Samstag den 11. d. M. im BauhanÄwerkerfaale eine große Versammlung, die von einer nach tausenden zählenden Menge aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung besucht war, ein Beweis des tiefsten Mitgefühls und Mitleids der hiesigen Iudenschaft mit den unsäglichen Leiden der Glanbensbriider im Zarenreiche. Nach Eröffnung der Versammlung ergriff Dr. Mendel K i n s b r u n n e r das Mort zur Trauerrede und schilderte in wirkungsvoller Weife mit vor innerer Erregung vibrierender Stimme die letzten Greuel in Nutzland. In dem kurzen Rückblick, den er über Judenverfolgungen und die Mit ihnen verbundenen Judenmetzeleien entwirft, zeigt er, -atz die Ge schichte des jüdischen Volkes, die doch mit so viel Blut geschrieben ist, nirgends, nicht einmal in den tiefernsten Zeiten des Mittelalters fo viel Blut- und Schani taten aufzuweisen vermag. Einzig in ihrer Brutalität, sagte Redner, stehen die jetzigen Iudenmassakers in Nutzland da, einzig deshalb, weil in der Zeit des freiheitlichen Aufschwunges eines Volkes eine verschwindende Minorität, wie sie das jüdische Volk in Nutzland bildet, erbarmungslos hingeschlachtet wird, weil sie es ge»vagt hat, ebenfalls den Ruf der Freiheit zu erheben und dies geschieht im zwanzigsten Jahrhundert, im Jahrhundert der Zivilisation, der Kultur und der Humanität. Das gegenwärtige Verhalten der zkvilisierl-en Staaten Europas ist, betont Nedner, um so beschämender, als dieselben ihre völlige Passivität damit begründen, daß die Vorgänge in Rußland interner Natur, daher ihrem Einschreiten dadurch „Schranken" gesetzt find. Wo waren, fragt Nedner, die ^Schranken", als zur Zeit des griechischen Aufstandes zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts mehrere zivilisierte Staaten Europas sich zufammentaten und in energischer Weise ihre Jngerenz zugunsten der Griechen ansübten, warum haben die christlichen Staaten Europas den Mut gehabt, diese Schranken zu durchbrechen, indem sie gewaltige Aktionen zum; Schutze der Christen im Kaukasus unternahmen, j Die grausamen Massakers in Rußland, so schließt; Redner, gerade in dieser Zeit, haben das jüdische . Volk der ganzen Welt belehrt, datz sein Heil weder ' im Kampfe um die Freiheit und Gleichberechtigung, aber auch nicht in der Abwehr liegt, sondern nur in der Gründung eines eigenen Heimes. Großer Beifall folgte diesen so trefflichen Ausführungen, die auf die Malle einen tiefrührenden Eindruck ausübten. Der Redner wurde oft durch Ansbrüche der Emvürnng gegen den Zarismus unterbrochen. Nach Schluß der Versammlung bewegte sich die mebr als tausendköpfige Menschenmenge zum russischen Konsulat, vor dessen Haus sie in demonstrativer Weise rbren Unwillen gegen die russische Negierung kundgab. * Eine Resolution der Leinberger Kultusgemeinde. Lemberg, 10. November. Die Repräsentanz Ler Lemberg-er Israelitischen.- Kultus gemeinde pi-äm'isrt!. Wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. hat in? ihrer heutigen ad hoc einbernfenen Plenarsitzung nachstehende vom Präsidenten dieser! Körperschaft Reichsratsahgeordneten Dr. Emil Byk beantragte Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben: „Die Schreckensnachrichten über Judenniassakers im größten Teile Rußlands, welche den Abscheu und das Entsetzen der ganzen gebildeten Welt Hervorrufen, wecken in den um mittelbaren Nachbarländern und ganz besonders in den weben Schichten, der. jüdischen Bevölkerung dieser Länder weitreichende Teilnahine und hochgradige Erregung. Nicht bloß die Tagesblätter, sonder nnoch mehr die mündlichen und brieflichen Berichte von Angenzeugcn br.ngen Details über die unwürdigen! Greueltaten sowie über die Zahl der Opfer, welche das Blut gerinnen lassen. Wohl organisierte und! bewaffnete Banden von zweifelhaften Existenzen aus der Hefe überfallen, nicht bloß bremdes Hab und Gut, sondern vergießen Menschenblut mit kanibalischer Grausamkeit. Tausende und taufende von Leichen der. Gemordeten werden in den russischen Städten verscharrt. Die g. raubten Waren werden von! den Räubern öffentlich verkauft oder init der Bahn nach entfernten Orten zum Verkaufe versendet. Die Stätten friedlicher Arbeit und schweren Erwerbes liegen in Schutt und Asche. Im Mornente, wo in Petersburgs die Wiedergeburt Rußlands durch Freiheb und Gleichheit verkündet wird, sitzen in den Zentralstellen! neben» den Männern von! moderner Anschauung noch Anhänger der alten Schreckensherrschaft, und die ausführende G'vwalt in den Gouvernements ruht ausschließlich in den Händen derer, in welchen die organisierte Bande der Uebeltäter ihre Beschützer zu sehen gewohnt ist. >' So tritt denn in der Flucht dieser verdamlmenswerten Erscheinungen die erschreckendste und kaum! zu> fassende Erscheinung zutage, daß die Wächter der Gesetze und der öffentlichen Ordnung ihre eigene Pflicht mit Füßen treten! undden Frevlern^ zum Hohn auf jede staatliche und menschliche Organisation, zur Seite stehen oder sie sogar direkt ansisiften. Gegen die schamlosen, plainnäßigen und organisierten Massenverbrechcn'/ in den rusiischen Städten, ben.cni Zehntausende von Juden zum Opfer fallen, muß zunächst die Judenschaft aller Länder selbst Angst- und Protestrufe erheben, den weithallenden Protestruf an das öffentliche Gewissen der ganzen gebildeten Welt, dev! Ruf der Klage an die Kultur und Gesittung des Menschengeschlechtes! Namens der galizischen! Judenschaft erhebt die autonome Vertretung der Lemberger Israelitischen Kultusc Leinde diesen Ruf! Die Missetaten bedeuten Kaiseröl-Fabriksniederlage Ceh H üilitz Sr>ito 3 angesichts ihrer Schwere und ihres Umfanges einen Faustfchlag gegen alle Gemeinwesen und können wohl ebensowenig als innere Angelegenheit des russischen Staates angesehen werden, als die Greueltaten gegen, Christenauf dem Balkan wohl mit Recht als die Sache des ganzen zivilisierten Europa und nicht als innere Angelegenheit des türkischen Staates bezeichnet wurden. Die galizische Judenschaft wendet sich, geleitet von dieser Auffassung und im Hinblicke daraus, daß auch vielfach österreichische Staatsbürger in ihrer körperlichen Integrität und an ihrem Vermögen geschädigt wurden, vertrauensvoll an die k. k. österreichische Regierung und speziell an den Herrn Ministerpräsidenten und den Herrn Statthalter in Galizien mit der dringenden Bitte, im geeigneten Wege Protest zu erheben, Abhilfe zu schassen, und für die Zukunft vorzusorgen." Die betreffende Denkschirift wurde dem Ministerpräsidenten Baron Gautsch! auf telegraphischem Wege übermittelt. Protestkundgebung in Briinn. Die jüid.- akaö. Verbindung ,/Beritas" veranstaltete am 12. d. im städtischen Redoutensaale angesichts der entsetzlichen Judenmasfaöers in Rußland eine jüdische Volksversammlung. Der Saal, der an 1500 Personen faßt, erwies sich als zu klein, um alle Erschienenen auszunehmen. Nachdem der Präses der Verbindung die Versammlung eröffnet und die Erschienenen grüßt hakte, wurde Herr Doktor Schreier zum Vorsitzenden gewählt. Hierauf sprach seitens der Verbindung „Veritas" MC. Otto Ab es es, der in seinen Ausführungen namentlich der heldenhaften jüdischen Jugend gedachte, die im Kampfe gegen den plündernden und mordenden Mob gefallen war. Die Versammlung ehrte das Andenekn dieser jungen Helden durch Erheben von den Sitzen. Als zweiter Redner sprach Herr Dr. Margulies (Teplitz- Schönau), der darauf hinwies, daß wohl momentan als rasche Hilfe eine organisierte Wohltätigkeitsaktion notwendig sei, den Kernpunkt seiner Darstellungen bildete jedoch die Besprechung jener Mittel und Wege, durch welche in Zukunft derartigen Vorgängen der Boden entrissen werden könne. Herr Friedrich L ö w, Präsident des mährisch-schlesischen D.-K. legte der Versammlung eine Resolution vor, bk samt der Zusatzresolution des Dr. Margulies ohne Widerspruch angenommen wurde. Resolution (H. Friedrich Lö>w): „Die am 12. November 1905 im städt. Nedoutensaale tagende Volksversammlung ersucht die löbl. Knltusvertretung mit tunlichster Beschleunigung ein aus allen Parteien und Ständen dev Brsin-- ner Juden schuft zusammengesetztes Komitee zu ernennen, das Sammlungen zur Linderung der durch das Judengemetzel in Rußland entstandeneir Not in allen Kreisen der Bevölkerung vorzunehmen hat. Die hierdurch erzielten Beträge sind der Alliance-Jsraelite oder einer anderen Zentralstelle für den erwähnten Zweck zuzu-führen. Gleichzeitig möge die Brünner Kultusgemeinde alle übrigen Kultusgemeinüen des Landes für ein ähnliches Vorgehen interessieren." Zusatzresolution (Herr Dr. Margulies): „Die Petroleum in Leonen Wien, XX Dresdnerstrasse 82 franko Haus nach allen chm, aber wb erlebten Eigentümliches unterwegs ii'nv wurden! aufgehalten." / „Eigentümliches? Wie das? Begleite mich zum Palast und erzähle." Die Reiter setzten, sich in, Bewegung. „Dann will ich erst Bericht abstatten von dem,' was ich, ausgekundfchaftet habe. Die Nachrichten, sind nicht ganz gute. Wie ich jetzt bestimmt weiß, haben die Wjatischen Gesandte geschickt in die Länder der Poljaren, der Sewerjaren, und der Radimitschen und haben sie ausgefordert zum gemeinsamen Kriege gegen euch, o Herr." „9nfo doch. Die Elenden. Ist das der Dank dafür, daß ich ihnen den Tribut erlassen habe? Doch was hast du, weiter erfahren?" „Es heißt, daß die andern noch zögern, Während die Wja titschen bereit finit) zuim Kriege." „Weißt du das genau?" „Das Landvolk sagt es. Es heißt, der nächste Tribut soll verweigert werden, daß die Ehakuir zu ihrem Vater, ihrem 93'olfe und ihrem Gtauben znrückkehre." Der König fuhr bedächtig, nrit der Haind über seinen' laugen, wallenden Bart. „Hast du die Chakuu schon gesprochen,?" „Nein, o Herr." „Gut. So erwähne nichts zn ihr, bis wir gemeinsam bemtschlagt haben. Erzähle weiter." „Vor zwei Nächten nun, nachdem lvir geforscht hatten, was zn erforschen wir ausgezogen waren und uns' auf dein Rückweg befanden — hörten, wir in 'der Steppe großes Geschrei und- Hilferufe. Wir eilten' hinzu nn;b fanden einen gefesselten Soldaten aus Byzanz. Er war von Kau fl enten überfallen, worden, doch behauptet er, sie seien mir verkleidet gewesen, jedenfalls scheint er ein braver Mann, zn sein, denn sechs fielen' durch sein Schwert, che sie ihn verwunden. und' fesseln konnten'. Die anderen entkamen, als sie uns kommen hörten. Wir setzten den Fremdling auf sein Pferd und nahmen! ihn mit uns. Aber unterwegs üborinannten ihn seine Wunden, so daß wir häufig anhalten mußten. Deshalb erreichten wir erst heute . früh die Stadt." „Was, tat /der Fremdling ini der Steppe. Wohin führte sein Weg?" „Er wollte es nicht sagen." „Wer. ist er?" „Auch das will er nicht sagen. Cr verweigert seinen, Namen zu nennen. Doch bat er, sobald als möglich zu euch gebracht zu werden, o Herr!" „Fürwahr eigentümlich. Wo ist er jetzt?" „Im Palast." „Dann, laß ihn nach dev Mahlzeit zu mir Haupte; angetan mit der purpurnen, über, und über mit Gold gestickten Robe, die ihn bis zu den Füßen einhüllte. Der König war nicht groß, seine Gestalt etwas stark, sein Gesicht aber von einer männlichen Schönheit, wie viellecht kein zweites. Ein, herrlicher, schwarzer, wallender Vollbart fiel auf seine Brust herab. Haupthaar und' Arlg.en waren gleichfalls schwarz. Seine Gesichtszüge zeugten von hoher" Intelligenz und Wohlwollen, sein breiter Unterkiefer aber auch von, Willenskraft. Chakan Butan saß auf seinem Tvone, die goldene Krone — ein einfacher, gezackter goldener Reif, der vom in der Mitte rei ne Nachbildung, des Schildes' David aufwieA-— auf dem Als der Fremdling, geführt von Jbn Muffta in das Zimmcr trat, blieb er einen Moment wie gebannt am Eingang stehen und starrte die schöne, königliche Erscheinung an, denn Männer mit wallenden Bärteir hatte er noch nie gesehen. Tann, aber stürzte er auf den Thron zu und warf sich dem König zu Füßen. „Nicht so, Fremdling, steh' auf," sagte der Chakan. „In meinem Lande beugt man die Knie nur vor Gott." Der Fremdling gehorchte. „Wer bist du und wo koinmlst duher?" Dev Fremdling blickte sich nach seinem Begleiter um, der in der Nähe der Tür stehen geblieben war. Doch, der Chakan winkte ihn zu sich heran. „Dieses ist Moses Jbn Muffta, ein Fürst in meinem Lande. Vor ihm kannst du sprechen. Und wer bist du?" I KRFRS dPAThFKF 5. niTTCLP/lCtl Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 evttkQtttfMittttt. DasBentrebeu, «cUt. u. yut«a Rum *u bskotum.ii, hat in viftlen K>ei»en di* Seln*tera«ug. deaaolb. btrvorg«- rufen. Doch ist b. d. bisrsu atftiir. Essensen erst recht Vorsicht notwend., um eine gute u. rein# Komn cition su erhalten. Diese n ■ 11 »wi 4 n fnsil s ■ wssil inil Plektuesnttiw