Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt Nr. 45 rSeitv 4 Landeskomiteemitglieder ihre Mandate zurückgelegt hatten, wurde der von den Herren G ewitsch und Dr. Zwei g erstattete Kasfcn- resp. Tätigkeitsbericht ohne Debatte durch Absolutonumertetlun'g zur.Kenntnis genommen. Das Referat über das neue Org-anisatiansstatut hielt Dr. Leopold Meise! (Prag). Bei der paragraphenweisen Durchberatung seines Entwurfes wurden folgende 'organisatorischen Grundsätze ausgebaut: Die Zugehörigkeit eines Zionisten zu einem Vereine wird obligatorisch, gemacht und die Durchführung! den D.-K. aufgetragen. Die in Lokalvereinen nicht organisierten Zionisten sind in Sa nunelve reine zusammcnzufassen. So lange in einem Distrikte Sammelvereine nicht existieren, gehören der Landesorganifation, entgegen dem Paragraph 2, wonach nur Mitglieder von Vereinen in der Landesorganisation stehen, auch diejenigen Juden an, welche das Baseler Programm airerkennen und Schekel neblt Verbandsbcitrügen an ihre D.-K. entrichten. Die Landesorganisation gliedert sich in 7 Distriktsverbände. Hchlptaufgaben der D.-K. sind: Leitung und Ueb-erwachung der gesamten Organisation und Agitation im> Distrikt sowie der prinzipiellen Haltung d.r Parteigenossen, der Entwicklung des jüdischen N.-F. im Distrikie; Durchführung der Kongreß-) Zionisten- und Distriktstagsbeschlüsse; Vertreümg der Distriktsorganisation nach außen. Die Einkünfte der D.-K. bestehen aus dem im Distrikte gesammelten Schekel, soweit er nicht an das A.-C. abgefi'chrt werden muß, aus den im Distrikt aufgebrachten! Verbandsbeiträgen und aus sonstigen Einnahmen. Womöglich alljährlich, mindestens aber jedes zweite 'Jcchiv findet der vom L.-K. -einzu-berusende Zionistcntag statt, zu welchem jeder Verein einen Delegierten entsendet. Vereine, die mehr als 60 und weniger als 101 Steuereinheiten! abgeliefert haben, entsenden zwei Delegierte. In den Jahren ohne Zionistentag findet am Sitze des L.-K. eine Landeskonferenz stcstt, deren Kiompetenz der der Zionistentage gleich ist. Diese wählt ein fünf- bis siebengliederiges L.-K. Mit dem Sitz in Wien, zu, dessen Aufgaben lediglich gehören: Beaufsichtigung der D.-K.; Vertretung der Partei nach außen, Ueberwachung der Presse, Einleitung und Ueberwachsung von Aktionen, welcbe allgemeine Fragen und Interessen der öfterrei^'^chen Gesamt) udenhcit betreffen, resp. die Einberufung von Landeskonferenzen ad hoc; Vermittlung des Verkehres zwischen den D.-K. und den Organen des Kongresses; Vorbereitung der Zionistentage; Leitung der Kongrehwahlen. Einzelne Distrikte können zur Wabrung gemeinsamer Angelegeniheiten zu Konferenzen zufammentreten, dürfen jedoch So liebenswürdig war Ludcmyr noch nie feinen Gästen gegenüber gewesen wie am nächsten Tage. Und als am Abend die Losung wieder anfing, meinte er: „Hoffentlich wird's heute — na — angenehmer. " Dann nahm er seinen, Platz im Schaukelstuhle wieder ein, während Joseph anhub: „Es war in der siebenten Morgenstunde. Die männlichen Bewohner der Ehazarenhauptftadt Bdendschev — die wenigen Airdersgläubigen ausgenommen — hatten 'ich zum Morgcngebete verfamtmelt und füllten den Vorhof des Tempels, während der König als Hohepriester das Opferlamm am Altäre darbrachte. Denn als der König mit dom größten Teile seines Volkes sich im Bund Abrahams hatte aufnehmen lassen, da sann er lange darüber nach, wie er dem, einzigen Gotte danken könne für die Erleuchtung. Sein Rat der Weisen schlug ihm vor, eine Nachahmung des Tempels Salomons auszubauen, in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit. Der König aber dachte anders. „.Nicht an mir ist es, ben Tempel wieder aufzubauen in Belendschor. Bin ich ein Nachkomme Salomons oder Davids? Wenn der Messias kommen wird, uns alle zurückzuführen in unseren' rechtmäßigen Besitz, dann soll der unter uns, «der cmtveten wird das Erbe Davids, den Tempel wieder aufba-uen an seinem rechten Orte. Und wenn ich oder einer meiner Nachnichls beschlichen, was den Statuten des Verbandes „Zion" und dem Organisationsstatute widerspricht. In das L.-K. wurden. gewählt: Dr. Isidor S ch a l i t, Dr. Emil K r a s n y. Sign rund E p l e r, Hermann M ü l l e r, Dr. Richard W ä g n e r. Zum, Punkte „Budgetierung" wurde bestimmt, daß die D.-Ki. bis zumnächsten Zionistentage an das L.-K. zur Besten tuug der laufenden Ausgaben der Zentrale fixe Beträge abzuführen haben. In der Angelegenheit des Paragraph 2 des B r e l i tz e r Organisationsstatnics wurde folgende Nesolution einstimmig angenommeir: „Die Verbandskonferenz -erklärt e i n e a k t i v e M i t a r b e i t a n f r e m d nationalen politischen P a r t c i o -v g a n is a t i o n e n a l s u n ve r e i n b a r m i t ,b emZionis mu s nnd erklärt weiters, daß die erfolgte Streichung des Paragraph 2 des B i e l i tz e r Organiisationsstatutes inkeiner Weise den jüdischnationalen Charakter der zionistischen Bewegung, in Oesterreich beeinträchtigen darf." Die sehr sachlich, und ernst geführten Verhandlungen boten! das! erfreuliche Bild zionistischer Einigkeit und Arbeitsfreude. Dir Hoffnung ist berechtigt, daßdie zionistische Organisation in Oesterreich, in, ihrer neuen Ausgestaltung sich kräftig entwickeln wird. Verband der Deutsche« Inden. Unter imposanter Beteiligung von Vertretern von Gemeinden, Verbänden und von Einzelpersonen trat vorige Woche im großen Saale der -Gesellschaft der F-reunöe in Berlin der Verband der -Deutschen Jaden zu feiner ersten Hauptversammlu-ng zusammen. Zu dieser Versamm!- lung hatte sich außer den berufenen Delegierten auch ein zahlreiches Publikum, eing-esanden, so daß der große Saal überfüllt war. Es waren aus 103 deutschen Orten Vertreter erschienen, darunter u. a. 29 aus Bayern, 8 aus Sachsen, 6 aus Württemberg, 12 aus Baden, 8 aus Hessen, 2 aus Oldenburg, 4 aus Anhalt, 4 aus den sächsischen Herzogtümern, 1 ans Elsaß-Lothringen, 1 aus Mecklenburg-Schwerin. fYm Namen des Ausschusses des Verbandes richtete der Vorsitzende desselben, Justi-zrat -Dr. Edmund Lachmann, der stellvertretende -Vorsitzende des Hiesigen Gemeinöevorstandes, herzliche BegriißungNworte an die Erschienenen. Er wies darauf hin, daß der Gedanke, den Verband der Deutschen Juden zwecks Vertretung aller den Juden Deutschlands gemeinsamen Interessen zu begründen, ein recht glücklicher gewesen sei, wünschte der Versammlung einen guten Verlaus und sprachdie Ueüerzeugnng aus, daß die Tagung auch, einen Erfolg haben werde, wenn die Verhandlungen sachlich und z-iekbewußt geführt werden, Alsdann schritt die Versammlung zur Vureanmahl. Es wurden dem Vorsitzenden Justizrat Dr. Lachmann folgcnde'Herren als Beisitzer beigegeben: N-echtsanw. Dr. Blau-Frankfurt a. M>, Stadtrat HoMburgerkommen sollten! dcizu ausersehen sein, dieses Erbe cmzutveten, dann werden, wir Gott danken v-on, ganzem Herzen und aufbanen seinen Tempel in aller Pracht. Aber es schon hier zu tun, wäre Anmaßung und sündhaft." Der weise, Rat sah, daß der König noch Weiser sei wie sie alle, denner fuhr fort: „Wir sind, Gott sei gelobt, in unsevcm eigenen Lande, lind doch wieder nickt. Denn eigentlich gehören wir nach Zion. Da wir aber nach Gottes Ausspruch — adeln sei Name — ans Messias warten müssen, so haben wir uns inzwischen hier unser Reich aegründet, und hier wartenwir. Dieses ist also ein Aufenthalt, eine Station, ebenso wie die Wüste lmseren Vätern -eine Station' gewesen'. Und deshalb werde ich einen Temvel ballen, wie ihn unsere Väter erbaut haben in, «dev Wüste nach Gottes Geboten." Und so geschahes. Mitten in dev Stadt wurden die.Häuser niedera-erissenlind ein großer Fl-eckenfreig-elcgt. Und hier wurde ein Tempel angelegt, genau nach dem Muster, wie ihn« Moses in dev Wüste hat bauen lassen. Nichts fehlte. Der Vorhof war etwa 200 Fuß lang nnd 100 Fuß breit und von einem sieden Fuß hohen Gehege umgeben-. Das Gehege beftanib) aus 60 schweren Damastdecken, die straff, zwischen ebensovielen Pfeilern aus purem Silber ausgespannt waren. Direkt gegenüber dem Eingänge zum Hofe befand sich der Altar, an dem der König täglich ein Lamm und am Karlsruhe, Landgerichtsrat Wollst-cln-Breslau, Kommerzienrat -Galliner-Nürnberg, Professor Dr. -Lassar--Cohn-Ä,öntgsberg und Kirchenrat D-r. Kroner-Stuittgart. Alsdann hielt der Rabbiner Professor Dr. Maybanm die Weiherede: ,Ahr komm-et im Namen des Ewigen. Denn Eure heutige Versammlung ist ein Bekenntnis zum Judentum. Als Juden versammeln wir uns und als solche fordern wir unser Recht und unsere Freiheit. Trotz der Eigenart unserer religiösen Hebung und der Verschiedenheit unserer Weltanschauung, die in unserem Wesen und in unserer Geschichte begründet sind, verlangen wir gleiches Recht und gleiche -Wertschätzung. Denn unsere Reltgion erzieht uns zur Sittlichkeit, znr opsermntigen Hingebung für Kaiser und Vaterland und zur freudigen Mitarbeit an allen .Kulturaufga-ben der Gesanitheit. Und dieses Euer -Bekenntnis widerlegt inwivkfam-ster Weise die falsche Behauptung, daß das Judentum als das sogenannte „Leben llinter dem Gesetz" wie ein schweres Joch vvtr Euch empfunden wird. Nicht das Neligion-sgesetz, dessell Hebung den Frommen mit Freudigkeit erfüllt, drückt auf uns, sondern nur die ungerechte Behandlung, die rvir seinetwegen durch die Unduldsamkeit der hohen StaatsHehörden erfahren, fühlen wir wie ein unerträgliches Joch, gegen das wir mit allen Mitteln des Gesetzes und mit allen Waffen der Humanität und der Wissenschaft ankümpfen wollen. Möchte dieses stolze Bekenntnis zum J«u-dentnm dazu 'beitragen, die falsche Vorstellung z-u beseitigen, als ob der Druck ultd die Zurücksetzung von außen uns in -Uittsercr Treue gegen -die Religion zu erschüttern, unsere Auflösung zu beschleunigen^ und unsere Aufsaugung durch die Majorität des Volkes herbei-zusühren vermöchten. Diese Hoffu-ung unserer .Feinde 'ist bereits durch unsere mehrtausen'djähtrige Geschichte als nichtig erwiesen. Israel wurde schon vom Propheten „ein -ewiges Volk" genannt, weil Israels Bestan-d so ewig ist wie die Aufgabe, bie es z«u lösen hat. Der Abfall einzelner, den -wir z-mar tief beklagen, w-ird reichlich ausgewogen durch die Steigerung der Wärme nn'd Innigkeit in der großen Masse llnserer Glaubensg-emeinschaft, die, wie der heutige Tag wiederum beweist, immer neue Mittel zur inneren Erstarkung -und äußeren Mrvehr atlszufinden «versteht. Möchte aber dieses Bekeuntnis znm Judentum, das die heutige Versammluu-g ablegt, auch dazu beitragen, in «uns den Willen zur -Einheit und Einigkeit zu festigen, daß wir fortan nicht das betonen, was uns trennt, sondern das, -was uns einet: mochte es insbesondere die Ungeduld beseitigen und den wankenden Glauben in uns kräftigen, so daß -wir wieder harren und hoffen lernten!" Im Anschluß an diese feierliche Ansprache, die ihren Eindruck auf die ansehnliche Versammlung Nicht verfehlte, referierte Justiz rat Dr. Eugen >Fuchs-«Berlin in glänzender Nethovkk über die „-Erümicklu-ng und Aufgaben des Verbandes der Deutschen Juden". Man brauche rückschauend nur die j-üdischen «Bestrebungen und Kämpfe der letzten Jahrzehnte sich zu vergegenwärtigen, um dessen inne zu werden, daß das geschaffen werden nttißte, lvas der Verband sein -wolle nn-d nach den Gedanken und Wmlschen seiner -Gründer werden solle. Der Verband der Deutschen Juden sei nicht ein Kind der Laune, nicht ein überfliissiges Produkt einer vielgeschäftigen Vereinsmeierei, die für große Mseren und kleine Freuden Vereine schaffe und durch Satzuikgen und -Sitzungen große und dringende Zeitaufgaben m-eistern zu können glaube, er sei eine geschichtl-iche Notwert-digkeit, notwendig und berufen, eine 'Lücke auszufüll-en, die sich in der Geschichte der der Emanzipation Schabbolh zwei Lämmer opferte, nachdem er vorher das Blut.des Opfers« hrnv-mgesprengt hattie. Dieser Teil des Hofes mit dom hinter bem Altäre stehenden Allerheilicsiten« war durch dnen, Perlenvo'vhan'g, durch den die Betenden die Handlitn'gen ihres KLu-igs und Priefters^ gen-an' verfolgen! konnten«, vom Volke getrennt. Das Allerheiligste war gleichfalls möglichst genau nach' biblischer Vorschrift h-ergestellt und mit einer großen Decke ans Sealfellen bcdeckt. Innen, befand sich ein Altar aus reiu-om Golde, ein, goldener siebena-im>iger Leuchter und die ewige Lampe, gefüllt m«it Olivenöl, di-e dev König täglich selbst versorgte. In einem. Nebenraume, in dem dev Könt-g nur am Jom Kippnr! betete, befandsich eine Kopie dev Bnndeslade. Sie war auch echtem, Schittimholz hevgestollt, das der König mit großen Mühen, und- Gel-d-kosten hatte heransihaffen l-assen. Innen und! außen war sie mit Gold' k'fc legt, während der Deckel aus reinem Golde belsidnd. Die beiden Cherubi«m, die links und redjit& auf dem Deckel der Lade standen', waren in Gestalt von zwd- Engeln, Gesicht zu Gesicht, deren Niesenflügel über ihre Schultern, hinweg biszur Mitte der Lade sich ausbreiteten, wo' die vier Flügelspitzen! sich berührten« und so eine Arche über dev Lade bildeten. In der Lade lag eine Thowrolle. (Fortsetzung folgt.)