Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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JtdiMlM» TelktUfttt Sotto 4 Nr. 45 drohung der Ehre und Sichierheit der ganAen zivilisierten Welt. Ein« verbrecherisches und verurteiltes Regiimp hat, um. das Werk der, triumphierenIdM Rev«olut«ion, zu zerstören! und den Beginn' eines neuen! remlinästiaen Regimes zu kompromittieren, gegen' die ganze jüdische Bevölkerung des südwestlichen Rußland, gegen die vorgeschrittenen Elemente ('Liberale, Demokraten und Sozialisten) mehrerer großer Städte ihre Kosaken und ihre „Schwarzen' Banden" losgelassen, welche durch die lokalen« Autoritäten für diese Aufgabe lange Zeit vorher präpariert worden waren. Tausende von menschlichen, Wesen, sind bereits um gekommen!. Weder- Greise noch Kranke, Weiber, und Kinder' wurden verschont. Millionen! von Menschenleben' sind von den Gewalttaten bedroht, deren wilde Grausamkeit alles üBetfMmt. was die Menschheit seit den am weitesten zurückliegenden Epochen kennt. Me Opfer rufen das Gewissen der zivilisierten Völker an. Ein ganzes Volk ist in Gefahr und erhebt sich gegen euch im einem lauten Rust: Zu Hilfe! Europa hat die Pflicht, seine moralischen und materiellen! Interessen' vervflichten es dazu, mit allen Mitteln seiner Macht zu intervenieren!, um! diese schrecklichen Greuel aufhören %v, machen. Frankreich, das Land der großen Novolution, das 'Land der Erklärung der Menschenrechte, das Land der Freiheit, ist verpflichtet, allen voran diesem! Appell zu entsprechen und den wilden Massakers, wMe die Zivilisation« entehren,, ein Ende bereiten zu helfen«. Frankreich hat nur zui sprechen, es wird Gehör finden." Die Liga, der Menschenrechte im, Vereine mit der Gesellschaft «der Freunde Rußlands' in Frankreich wird itti Paris und in der Provinz Protestmeetings gegen die in Rußland verübten Greuel veranstalten!. Politische Wochenschau. Ucber die vom permanenten Gewerbeausschusse gefaßten Beschlüsse betreffend den Befähigungsnachweis schreibt' .; die. Dornsche. „Volkswirtschg Micha Wochenschrift": Jmi Handelsministerium wird eifrig an> dem! umfänglichen Material gearbeitet, das die unglückseligen. Beschlüsse des permanenten! Gewerbeausschusses über die G«ewerberefovm! geliefert haben«. Kürzlich erst haben darüber. Besprechungen mit den Fachreferenteni der Statthaltereien stattgefunden«. Auch! diese Beratungen bildeten — wie offiziös erklärt wird — ein Glied in der Kette jener sorgfältigen Untersuchungen, die im. Handelsamt imi Sinne der seümrzeitigen Darlegungen des Grasen Auersperg ununterbrochen angestellt werden. Das Handelsamt bezweckt damit, sich möglichst rasch über «die Durchführbarkeit und die praktischen Folgen, 'dev vom! Gewcrdeaiusschuß gefaßten Beschlüsse und gegebenen Anregungen zu unterrichten. Geschieht dies wirklich mit Umsicht und 'Wahrheitsliebe, so« kann dabei gar nichts anderes herauskommen als die Verwerfung des ganzen, vom! Gewerbeanssch'usse gelieferten, für «die wahren Interessen, des Staates« und seiner Bevölkerung gleich schädlichen Machwerkes. Mit dem« Üniversalmittel unserer reaktionären' Gewerberefovmer, mit dem! Befähigungsnachweis, hat sich die kürzlich in Berlin abgehaltene! Gen«emlv«ersammlnng des ZentraLausschusses dev vereinigten JnnLMgsverbände Deutschlands eingehend befaßt. Bekanntlich hatte eine Gruppe von« Handwerkern! gegen, den den! allgemeinenBefähigungDnachweis verwerfenden Beschluß des Klölner Handwerker- und Gewevbetages Protest! erhoben. Die Mittclstandsv«ereinigung hatte eine Urabstimmung b«efr Handwerker verlangt, um die Wünsche des Handwerkers festzuftellen. Dev Zentralansschiuß faßte «aber dazu eine Entschließung, in dev er erklärt, daß unbeschadet der we.'tergehenden Wünsche einzelner Gruppen die Mitglieder verpflichtet sind, auf den Kölner Beschlüssen zu beharren und in den einzelnen Innungen dafür zu wirken. Ob unsere Gewerbetreibenden glauben, daß sie klüger sind als ihre Standesgonosfen in Deutschland? Ueber die Judenfrage in Rumänien schreibt die „Bukarester Morgenpost": „S. M. der König hat die Judenfrage zur Tagesordnung gebracht. Wir haben« drei sehr« bemjevkenswert-e Aeußerungen des Souveräns zu verzeichnen, welche uns gestatten, eine Bestätigung hierfür zu erblicken. Beim! Empfang dwn jüdischein Delegation in Botoschani versprach Sie. Ma^ jestiät, sich «ernstkich mit dev «Frage der israclitichen Gemeinden beschäftigen zu wollen und einige Politiker des^ Landes! mit der Aufgabe zi'. betrauen, eine entsprechende Lösung dieser Frage zugunsten der in Betracht kommenden« Gemeinden zu finden«. Me zweite Aeußemng des Herrschers erfolgte' in Dorohoi, wo auf einen Höchfteigen«en' Wunsch sechs notable Per? önlichkeiten der dortigen Judenschast zum> offiziellen Bankette zugezogen wurden, darunter auch H«err M. Fischer, dev bekannte Gutspächter, der so heftig angegriffen' wurde. Se. Majestät erkundigte sich bei dieser Gelcgsnheti nach den näheren Motiven, die Herrn Fischer dazu veraNlaßten, die österreichische Staatsbürgerschaft nachzusuchen, worauf dev Souverän an «einen Hochwüvdenlräger die Worte richtete: „Warum hat man« diesen! Alten aus unserem Lande ziehen lassen?" Diese Aussprüche sind aus solchem Munde geradezu dokumentarisch und beweisen das hohe Interesse, das Se. Majestät dieser wichtigen- Frage entgegenbringt, so, oft sich nur «eine Gelegenheit dazu bietet. Die Regelung dev jüdischen Gemsindeinteressen verdient gewiß auch in« hohem Grade die Aufmerksamkeit, nuferer Regierun«g. Zumal in «der Moldau, woi die Juden wei«t zahlreicher sind. Schon idle mannigfachen philanthrophischen Institutionen, die dort« von vermögenden« Juden gegründet wurden, um leidende Glaubensgenossen! zu unterstützen, verlangt dringend eine staatliche Organisation. Allenfalls ist es «ein begründeter Anspruch, den so große Gemeinden haben, mindestens alls moralische Person anerkannt zu« sein, um« in, gesetzmäßiger Weise die «empfangenen Schenkum gen zu verwalten und zu vertäten. Berbandskonferenz der österreichische« Zionisten in Wien. Am 1. November fand im Kongreßbuveau die Verbandskonferenz statt, welche laut einem Beschlüsse des Prager Pjartettages das neue Organ isationsstatrüder zionistischen Partei Oesterreichs auf «Grund der prinzipiellen , organisatorischen Parteitagsbeschlüsse bindend festsetzen sollte. Vertreten waren« nebst dem A.-C. und« L.-5k. die Distrikte I n> n e r ö st e rr e i ch, Böhmen, Mähre n-S chlesien und W e st g a l i z i «e n. In einer am Vorabend abgehaltenen Vorkonferenz war bereits das Bureau und «die Tagesordnung bestimmt worden. Me Hauptaufgabe dev Landeskonferenz bestand in der definitiven! Redigierung des neuen Organisationsstatutes, inwelchem die administrative und finanzielle Autonomt'ö «der Distrikte konsequent durchgeführt und -die Kompetenz des Landeskomitees als Oberbchörde der österreichischen! Organisation taxativ umgrenzt ist. Ins Bureau wurden gewählt als Vovsitzender Fritz L ö w (Proßnitz), als Stellvertreter Dr. Wahrhaftig (Krakau), als Schriftführer Dr. Littmann (Wien). Da gewählten Petroleum in Kannen franko Haus nach allen dre auf dem Parteitag in Prag Prämiiert!. Wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksniederlage Ceh H Wien, XX Dresdnsrstrasse 82 nugtuung, zu verschaffen, der merkw'üvdigerweise in Europa imm«er noch alsder Weg gilt, die Ehre wieder herzustellen. Er hatte den Erfolg, daß der Beleidiger ihm volle Genugtuung auf einemanderen Wege leistete, der feinen, Dr. Cohns, durchaus« mloderneni (Anschauungen entsprach. Dieser Judenstolz führte ihn zur Begründung des Vereines zu«r Abwehr des Antisemitismus. In den! weistston Kiveisen aber hat sich Justizrat Heinrich Meyer Cohn einen unvergänglichen Namen« durch seine einzigartige Wohltätigkeit erworben'. Und doch wirkte er im Stillen, so daß selbst die Allernächsten keine Ahnung von der gewaltig großen Armenpflege «hatten!, die er auf sich genommen! hatte. Dvch diente er so manchem! noch mehr mit« seinem klugen', weisen' Rat, als durch reiche Unterstützung. Sein« Glück war, beglücken M können. Wenn er einemjungen! Pa-rre zur Existenz v«orhelien! konnte, dann war er selig. Inihremi Glücke fand er fein eigenes. Wenn' ein Student, der von ihm unterstützt wurde, das Examen bestanden hatte, dann strahlte er, als wäre ihm selber das größte Glück widerfahren. Abhold falscher Wohltätigkeit, bemühte er sich, Existenzen zu! gründen. Er übte Wohltun mit Verstand und lleberlogung. Tausende haben in ihni! ihren- Helfer verloren. Gr, der nie daran dachte, daß ihm irgen«d jemand Dank wissen könnte, war für jede noch so kleine Gefälligkeit so unendlich dankbar. Wenn, ihm aber jemand, dem er vor Jahren Geld geliehen hatte — er verlieh so gern die Geschenke — etwas davon zurückzahlte, so tvar er so hochbeglückt, daß er am «gleichen! Tage mindestens das Doppelte und Dreifache weiterverlieh. Eine zairte Mcksichtnahme auf alle seine Mitmen sch«en zeichnete ihn aus. Er . wollte nienmnd bemühen. Und dies« ebenso wi«e sei'no Abneigung gegen alle Förmlichkeiten haben zusammengewirkt, daß er sich ausgebeten! hat, daß er in aller Stille zur ewigen« Ruhe eingebettet werden möge. Die Armen, die in ihm. ihren Helfer fanden, haben! unendlich! viel verloren. Weit mehr aber seine Familie und wir, die wir das Glück hatten, dom« seltenen! Manne nahestchen, zu dürfen. In« unserem frischen» Schmerze könnte es uns vielleicht bM'mken, daß das Schicksal ungerecht war, uns, gerade diesen Mann so vorzeitig zu entreißen' aus einem Geistes- und Gemütsleben, das« so unendlich «reich war. Aber wir wollen! dankbar anerkennen, daß wir ihn besessen haben. Seine Freunde und alle, d«ie ihn lieb« hatten, fanden so selten. Gelegenheit, dem anspruchslosen Mann« auch! nur «einen Gefallen W erweisen. Jetzt ist er uns so> Plötzlich entrissen wordeni, und wir hofften, daß er noch lange in unferer Mitte weilen würde. Die^ Liebe, die «er sich iiberall erworben, überlebt ihn. Sein Andenken wird nicht aufhören; denn er lebt in unserer Liebe. Das jüdische Volk hat einen' seiner besten und hervorragendsten Söhne verloren«. Aber es ivirdl seiner gedonkei» und die jüdische Geschichte wird« unv«ergänglich den Namen «nennen, dev uns lieb und tränt bleibt: Heinrich Meyer Cohn,. Die gefundene Handschrift. Eme wahre Geschichte von Oskar T. S ch w eriner. (Fortsetzung.) X. Rach-el und dev Patrizer waren längst verfchiwunden. Viele der Juden entkamen, aber die Kinder wurden meistens zutode getrampelt undl auch' viele Erwachsene wurden niedergemetzelt. Und die erste, die fiel, war' Neschufchta. Joseph schwieg. Minute auf Minute verrann, ohne daß jemand ein Wort sprach. Schließlich sagte der Großvater: „Es graut der Morgen. Begeben wir uns zur Ruhe." Schweigend drückte man« sich die Hände. Dann schied man voneinander. „Vater," sagte Maria, „das war ein Kapitel von Juden und Christen. Ich konnte heute Abend den Juden' nicht in die Augm sehen, Vater!" „Offen gestanden, ich auch nicht!" erwid«erte er zögernd. 2. niTTELe/KH Wien, l, Hoher Markt Nr. 8 4 (Pa)aia Sina) im Zentrum der Stadt. + SMMbOnpOimon. Das Bestreben, echt. u. guten Rum zu bekommen, bat in vielen Kreisen die Selh&terzeug. desselb. hervorgerufen. Doch ist b. d. hierzu nötig. Essenzen erst recht Voreicht notwend., um eine gute u. reine Komposition zu erhalten. Diese Ruinkomposition entspr, allen Anforder, nach jed. Richtung bin. Prel« pro Fläschchen, genügend für I Liter guten Rum, 80 h.