Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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i»r. 44 Seite 5 JikM^eh«« Tolksbla-tt vater des Josefstädter Rabbiners Dr. Bauer, mit stimmeinhelligem Beschlüsse zum Rabbiner gewählt. In verschiedenen Predigten und Vor-, trägen, welche Herr Rabb. AbeleS seit dem letzten Peßachfeste in dem genannten Bethause adgehalten, hat sich derselbe nicht uui als gewandter Homiletiker, sondern auch als tüchtiger Kenner des talmudischen und rabbinischen Schrifttums erwiesen, der die Erwartungen und Anforderungen des auf konservativer Grundlage stehenden Fugbach-Bethaus-Vereines sicherlich nicht täuschen wird. Schon während seiner bisherigen Wirksamkeit als Vereinsrabbiner der „Spiegelschul" hat sich Herr Rabbiner Abel es, der ein Schüler der beiden Talmudkoryphäen „Ktab Soser* und Rabbi Mayer Perls und ein Enkel des R. Moses PerlS ist. durch sein bescheidenes konziliante- Wesen zahlreiche Freunde und Gönner zu erwerben gewußt. Die feierliche Amtseinführung der neuen Rabbiners findet Samstag den 11. November bei dem Mussafgottesdienste statt. Verein „Jehndah Halevy", Wien. SöNitag den 5. November 1905 um 7 Uhr abends wird im zionistischen Kongretzbureau, Wien, 9. Bezirk, Lürkcnsi ratze 9, die konstituierende Versammlung des Vereines „Jehndah ^Halevy" mit folgender! Ta g.ö Ordnung statlfinöi'n: 1. Eröffnung den Versammlung und Bericht «des Gründungskomitees; 2. Staiutcnanderuug; 3. eventuelle Anträge; 4. Wahl der Vevoinsfunktionäre. Die vorgemerkton Mitglieder wie auch diejenigen, welche dem Vereine beizutreten beabsichtigen, iverden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Neichsratsavgeordnctcr Dr. Straucher über das neue Sonntagsruhegesetz. In der jüngsten Sitzung des Czernowitzer Gemeinderates wurde auch über die Stellungnah,m'c der Komiinune Zum« n >e u e n S o n n t a g s r u h e g e s e tz beraten. lieber die Frage entwickelte sich emo lebhafte Debatte, in welcher auch das Gemeinderatsuntglied Neichsratsabgeordueter Dr. Straucher das Wort ergriff. In seinen interessanten Ausführungen weist Dr. Straucher zunächst darauf hin, das; es der Ge- M'cindcvertretun g nicht zusteht, Mändenmgen des Gesetzes zu verlangen. Die neuen Sonutagsruhebcstimmungen sind gegen einen großen Teil der Bevölkerung Galiziens und der Bukowina gerichtet. Im Parlamente wurden seinerseits die neuen Bestimmungen. von den' deutschen! Venretern nicht begünstigt. Die Anregung dazli! ging 'nämlich von den, Alldeutschen aus, einer Fraktion, der nichts weniger als Jndenfrenndlichkoit nachgesagt werden kann. Bei den gesetzestreuen Inden — dem Hauptkontingent der Handels- und Gewerbetreibenden in Galizien' und der Bukowina — beginnt Zeichen, damit wir ivissen, ich und dies Weib, daß mein- Fluch erhört ist!." Irene war leichenblaß geworden. „Soldaten'! Soldaten!" rief sie, „reißt dein! Weibe die Zunge aus!" Doch kaum war der Nus verklungen, als sich plötzlich ein! „llkhu! Ukhu!" vernehmen lies; und von jenseits des Zirkus eine riesige Eule dahergeflogen kam. Sie flog direkt ans die Kaiserin' zu und über ihren Kopf hinlveg. „Luft, ich sterbe," hauchte Irene. Tann wurde sie ohnmächtig. „Die Kaiserin stirbt, die Kaiserin stirbt. Die Juden haben sie behext," schrie Stcurakius in deir Zirkushinein. Der Schrei wurde aufgcnonunen. „Die »Kaiserin stirbt. Die Juden haben sie behext. Nieder mit den Juden!" ertönte es von« ciIR'in Seiten. Ein unbeschreiblicher Tumult brach los. Alls den Lärm eiltendie Soldaten, die an den Toren' Wache hielten, indie Arena, lim ni sehen, was 'es gäbe, die Tore hinter sich offen lassend. Indessen hatte das Volk sich in den» Ring gestürzt. „Nieder mit den Inden, nieder put den Juden," schirieil! sie, wie wahnwitzig über die wehrlosen Judenherfallerid. Soldaten, Wächter, Juden, Volk ^— alles ivar jetzt zueinem Knäuel vermischt. Die Arena war viel zu klein für alle die Menschen, und in gleichem Instinkt drängten alle den' Ausgängen zu. (Fortsetzung folgt.) schon Freilag ab ende die Sabbatrnbe rmd dauert bis Samstag spät abends. Nun ist es aber eine Härm, das; minn von- Leuten, die nachweisbar "inen Tag in der Woche ruhen, verlangt, noch an e.ncm zweiten Tage die Arbeit einzusieelln. Dieser Vorgang sticht in direktem Widerspruche mit einem- Artikel des Staatsgrnndgesetzes, der bestinunit, daß kein Mensch dazu verhalten iverden darf, einen seiner Religion fremden Feiertag zu feiern. Ich stehe aus dein Standpunkte, datz jedem Menschen cim Tag Ruhe in der Woche gewährt werden' miltz. Ich verwahre mich nur -dagegen, das; zirka 8—900 000 Inden in der Btlkowina und Galizien zwei .Ruhetage aufgedrnngen werden. Redner verspricht sich entschieden nicht, datz -der Magistrat eine Aenderuug diesbezüglich wird erwirken können. Redner verlangt nur, das; im Berichte darauf hingewiesen wird, datz -es eine Härte für das Gros der Bukowinaer tlnd ga-lizischen Handels- und Gewerbctrei-bcn-den — die Juden — bedeute, wenn ihnen bei nachweisbarer Feier des Sabbats noch die Sonntagsruhe aufgezwungeni wird. (Beifall.) Frankfurt. (V e r e i n zur E r - z i c h u n g jüdischer Waisen in Palästina.) Der Bericht des Vereines zur Erziehung indischer Waisen in Palästina für das Jahr 4904 veröffentlicht die Berichte der einzelnen Direktoren feiner: Anstalten, denen wir folgendes entnähmen: Herr Dr. Grünhut, Direktor des Waisenhauses, schreibt im April 1905: „Im Berichtsjahre hat die Anstalt manche Veränderungen in> ihrer inneren Ausgestalt-unig erfahren. Sie zählt 33 Zöglinge gegen 30 im Vorjahre. Dieser bedauernswerte ' Rückgang, ist durch die nngülAttgen Finanzv erhält nisse der Bere-incs veranlaßt rmd zeigt, wie dringend nötig es ist, datz sich die Zahl unserer Freunde vermehre. Es handelt sich hier nicht uin eine Unterstützung ins Unendliche hinaus. Ten'n nufere Zöglinge, der Mehrzahl nach Handwerker rmd' Kaufleute, iverden mit der Zeit die Stütze ihrer Angehörigen, datz diese nicht auf Chaluka angewiesen seien. .Unser Zögling Josef Prinz und fein vor ihm nach Kairoübersi-odelter Bruder Herniann Prinz ernähren: bereits ihre Mutter samt ihrem. Schwesterchen ohne jede andere Beihilfe. Und dieses Beispiel steht nicht vereinzelt in der Geschichte unseres Waisenhauses da. Gesundheitlich hat das Berichtsjahr leider viel zu wünschen übrig gelassen. Ich kann es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, Herrn Dr. Wallach für die vielen Ratschläge, die er uns in den schweren Zeiten' gegeben, die ärztliche Unterstützung, die er uns zuteil werden, und insbesondere die aufopferungsvolle Behandlung und Pflege, die er unseren Patienten angtzdeihen ließ, iden wärmsten Dank auszusprechen. Bau fremden Besuchern, wie z. B. den Kerren Mar Szabolcsi-Bndapest, Dr. Adler-Älthofen, Professor. Gottheil-New York, Professor Krantz-Bndapest, ist der Anstalt großes Lob gezollt worden. Sie alle stimmten in dem Wunsche überein, -das; es der Anstalt recht bald erinöglicht werde, allen den vielseitigem Anforderungcn gerecht zu iverden, die an sie gestellt iverden." Juden auf der fkandinavischen Halbinsel. Mit. Ausnahme von Spanien und, Portugal hat kein Land Europas eine so geringfügige jüdische Bevölkerung, wie die Länder der skandinavischen Halbinsel, die wieder einmal im Vordergründe politischer Interessen steht. Dänemark zählt bei einer Bevölkerung von über zwei Millionen Einwohnern 3475, Schweden mit über fünf Millioneil Einwohnern 2800 und Norwegen mit 274 Millionen kaum 600 Juden. Im ganzen leben in den genannten drei Ländern nnt eircer Bevölkerung von zirka 10 Millioilen Einwohnern mir 6878 Juden ----- 0.06 Perzent. Es ist dies um so merkwürdiger, als die Juden da seit 4860 die volle Gleichberechtigung genießen und infolgedessen und weil sie ihre natürlichen Gaben und Fähigkeiten ungehindert entfalten können, ziemlich wohlhabelld finb. Der Grund dafür ist in erster Reihe in der Tatsache zu suchen, daß die Judeuemcmzipation in Skandillavieir nur ganz jmlgen Datums ist. So bnrften die Juden bis 1860 in Schweden nur in drei Städten wohnen und selbst da bedurfte die Niederlassung eines Inden jedeSmal der ausdrücklichen Genehmigung des Königs. Im Jahre 1711 wurdeir in Schweden drei Juden verbrannt mrd im Jahre 1779 sind die welligen daselbst wohnenden Juden verhaftet, bestraft und ausgewiesen worden. Die in Skandinavien eingewanderten Juden stammen teils aus Hanrburg mtb Amsterdam, meist aber aus Rußland. Da jedoch die Hamburger und Amsterdamer Juden es nicht nötig haben, nach Skandinavien auszuwandern. den russischeil Juden aber das Land nicht gerade im Wege liegt, so wächst die jüdische Bevölkerung daselbst sehr langsam. Es darf auch llicht vergessen werden^ daß Skalldilravien augenscheinlich trotz seines großen Umfanges und seiner dünn gesäten Bevölkerung doch kaum seine eigenen Einwohner ernähren kann. Dies beweist die Tatsache, daß vom Jahre 1820 bis 1904, also in 84 Jahrell, die skandinavische Halbinsel 1,763.145 Emigranten nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika entsendet hat. Wie überall, so bildet auch in Skandillavien die geringe Zahl der jüdischen Bevölkerung^ ein mächtiges Hindernis für die Fortentwicklung des Judentunis. Die Religiollslosigkeit nimmt überhalld, Mischehen dezimieren die jüdische Bevölkerung und wenn nicht sehr bald eine größere Emigrationswelle von Juden aus den: Osten nach den Säubern der skandinavischen Halbinsel hinüber stattftlldet, so dürfte die Zukunft des Judentums, namentlich in Schweden und Norwegen eine sehr trübe werden. Amsterdam, 18. Oktobrr. (Streik jüdischer Schlächtermeister und Lohnbewegung ihrer Gesellen.)In der vorigen Woche hat sich zu Amsterdam ein eigentümlicher Streik abgespielt. Die zirka 50 jüdischen Schlächtermeister der Stadt hatten nämlich jede Lieferung von Fleisch eingestellt. Der Fleischverkauf hat in zwei von der israelische» Gemeinde verwalteten großen Flerschhallen, wo jeder Meister seinen Laden hat, unter Aufsicht de- Rabbinats zu geschehen. Die Schlächtermeister hatten bisher von jedem Fleischstück, das sie in ihren Lade« brachten, 3-75 Gulden an die Gsmeindekasse $« zahlen. Diese Abgabe wollte nun der Gemeindevorstand auf 4 Gulden erhöhen. Man versucht» eS zuerst mit zwei Meistern. Diese weigerten sich, die höheren Älbgaben zu zahlen und ««rden dann anS der Halle hinausgewiesen. Sie meldeten eS sofort ihrer Organisation und nun traten sämtliche jüdischen Schächtermeister in den Streik. Ihre Gesellen schickten sie zum Streikpostenstrhen. Sie sollten namentlich auspassen, daß kem rituell geschlachtetes Aieh von auswärts eingeführt werde. Unter den jüdischen Schlächtergesellen waren aber einige, die ihrer Organisation nicht angehörten, und mit diesen wollten die organisierten Gesellen nicht zusammen auf Streikposten stehen. Um nun einem Strest.des größ'en Teils ihrer Streikposten vorzubeugen, sahen sich die Meister genötigt, nur organisierten Gesellen dieses Amt zu übertragen. Der Streik der Meister endet» nach wenigen Tagen mit dem Erfolg, daß die Erhöhung der Abgaben vorläufig rückgängig gemacht wurde, über die Angeleoenheit selbst aber mit den Meistern verhandelt werden soll. Die jüdischen Schlächtergesellen haben ihren Meistern bereits im Februar dieses Jahres Forderungen auf eine bessere Regelung ihrer Lohnverhältnisse zugestellt, warteten aber bisher vergeblich auf eine entscheidende Antwort. Jetzt erst, nachdem die Meister selbst mit Erfolg gestreikt haben, gaben sie ihren Gesellen — das Versprechen, daß die Sache in kurzer Zeit zufriedenstellend geregelt werden solle. Die Juden in Spanien. Die Ifedakiion des in Mainz erscheinenden! Blattes -„Israelit" teilt zit dem auch bei uns erschienenen! ' Artikel über die Jüdenfrage in Spanion' von Herrn Siegber't 9tl. Nritzbaum folgendes als Ergänzung mit : Der verstorbene Oberrabbiner von Budapest Dr. Kayserling, der öslers große Studienreisen, nach der iberischen Halbinsel gemacht, hat noch ktirz vor seinem, Tode der Redaktion des „Israelit" initgeteilt, daß verschiedene in Spanien' lebende Maramren t.Nachkonrmen von znm Ckristentnm übergetretenen Inden) die Absicht haben, lvieder zum Jtlderrttnn znrückznkehren, und daß sie von ihm jüdische Gebetbnchor, Gebetriemen! und sonstige Ritualien gesendet haben tvollien, datz er aber aus Gründen, die er nicht näher erörtern könne, dev Bitte diescr Leute nicht willfahrt habe. Zn Beginn der achtziger Jahre ist eine butmmi Garantiert narurechtes feinstes«» ^PflanzenfehJert aus Kokosnüsse^