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Jüdisches Volksblatt · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 Jüdisches YolksbUtt Nr, 44 Anzahl russischer Juden auf die philosemitische Aeußerung der spanischeir Regierung hin nach MaÄrrd auAgcwandert, mn> sich dort nieöenulassen, aber sie wurden so schlecht cmpsiingen, daß sie nach kurzer Zeit das Land wieder verließen. Auch imi Jahre 1868 nach der spanischen Revolution, machte sich eine starke philosemitische Regung in Spanien geltend. Damals richtete der verstorbene Mainzer Rabbiner Dr. Ai. Lehmann ein Schreiben an Den damaligen Leiter der spanischen Politik, Marschall Prim, im bem er ihn um Angabe der grundsätzlichen Stellung der spanischen Regierung in dev Juderrsrage bat. Der hervorragende Staatsmann, den man damals mit Fug und Recht als den getreuen Dolmetsch der spanischen Regierung betrachten konnte, nannte in seinem Antworlschreiben die Frage „eine zu wichtige, ernste, als daß die gegenwärtige Regierung sie allein, entscheiden könne", ohne jedoch für deren Ernst und Wichtigkeit nähere G'ründe anzugeben. Diese lagen jedenfalls in der Furcht der Regierung, sich unpopulär m machen, wenn sie die Juden zulicße. Ferner gab er den Rat, sich direkt an die Cortes zu wenden. Diesbezügliche Petitionen wurden infolge des immerwährenden Regierungswechsles nie richtig beantwortet, wcnn aber, dann meistens bejahend. Moses A. Dropsie. Ueber den am 8. Juli in Philadelphia verstorbenen Moses A. Dropsie, welcher bekanntlich nicht weniger als 260.000 Pfund — 3l(A Millionen Mark zur Errichtung einer Anstalt für das Studium der Bibel und der hebräischen und rabbinischen Literatur hinterlaflen hat, teilt der »Jewish Exponent" nachstehende Daten mit: Mr. MoseS A. Dropsie wurde 1821 in Philadelphia als Sohn armer Eltern geboren. Er arbeitete zunächst in einem Kontor für die Uhrenbranche, um später sich dem Studium der Jurisprudenz zu widmen und Rechtsanwalt zu werden. 1856 trat et an die Spitze der Antisklaverc ibewegung und leitete als Abolitionist de» Wahlkampf der Republikaner in Pennsylvanien. Obgleich so mit politischen Organisationßarbeiten vollauf beschäftigt, nahm er dennoch am geistigen Leben des Judentums.lebhaften Anteil. Er war Vorstandsmitglied fast aller jüdischen Wohltätigkeitsvereine sowie einige Jahre hindurch Vorstand der jüdischen Gemeinde in Philadelphia. Die größte Sympathie brachte er jedoch der hebräischen Literatur entgegen und betätigte sein Interesse, indem er jahrelang Vorsitzender der hebräischen UnterrichtSgesellschaft und hervorragendes Mitglied des Grätz-Kolleges war. Auch als Schriftsteller hat er Nennenswertes geleistet, indem er unter anderen Doktor MackeldeyS Handbuch des römischen Rechtes Übersetzte und »ine Schrift, über die Anklage, Verurteilung und die Auferstehung des Stifters der christlichen Religion verfaßte. Leider verlor 3sir. Dropsie schon im Jahre 1890 gänzlich das Augenlicht und war so genötigt, sich allmählich von der öffentlichen Tätigkeit sowie von der Wirksamkeit als Rechtsanwalt zurückzuziehen. Da er unverheiratet war, so hinterließ er den größten Teil sei«eS Vermögens dem abgenannten Zwecke. In dem betreffenden Abschnitt« seines Testaments heißt eS: Seit langer Heit Wacht sich in heq, Vereinigten Staaten der Mangel einer gründlichen und systematischen. Ausbildung im indischest Gesetz immer, fühlbarer. Da da« 'Stuhmm de» hebräischen und, rqhbinischen Literatur auf den stsiaMtisten Unioarfitäten nach meiner Ansicht yjcht ernstlich gen»» betrieben «erden kann, so bestimme ich. haß eine spezielle Anstalt, fsir den Unterricht der hebräischen yph semitische» Sprachen fqiyie deS rabbinischen Schrifttums begründet wird. Sqljten di^Mjjel es erlauben, so können ist dem Kolleg noch ander» Sprüchen spyrie wiffenschaftliche Disziplinen hetrieven Werden, Dieselbe«, dürfen jedoch in keiner Weise M Hauptzweck her Anstalt, den hebräischen Ustterricht. m. den Hintergrund, stränaen, das Mlleü foU von fünf Direktoren EhAchMs LI »pn ihnen zu ernennendem Lehrern gMifft cherden. Alterst» Direktoren der Anstalt wurden von dem Erblaffer die Herren Richter Meyer Sulzberger, Dr. Aro« Frt'edenwald, Dr. Eyrüs Mg« Si fUqufc V. Hqchtmßura wsmU Spätere Dtpektoren m, mww Mschjm Mmtbens sein. J# M «t des Testatorü <sßch>lE>G.MNOtWWiM d,»Hebräischen bekundet haben. Der Verstorbene sagt endlich in seinem Testament, daß es sein lebhaftester Wunsch ist, das Kolleg möglichst bald zu eröffnen und daß in demselben alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens, der Farbe, der Raffe oder deS Geschlechtes ausgenommen werden mögen. Pfandleichen. Bekanntlich spielt im „Grafen von Charolais" von B e e r - H o f f m a n n der mittelalterliche Gebrauch, Leichen als Pfandobjekt zurückzubehalteu, eine große Rotte. Dies erinnert an einen historischen Vorgang, der sich vor säst 600 Jahren in Deutschland ab'spielte. Im Ja'hre 1286 machte sich eine Bewegung in der Judenschaft Deutschlands bemerkbar. Infolge verschiedener Drangsalierungen, welche die Juden erfahren hatten, plante ein Teil eine Auswanderung nach Palästina; in Italien wollten sich die verschiedenen Trupps treffen und von dort aus die gemeinsame Wanderung antreten. An der Spitze dieser Bewegung stand der Rabbiner von Mainz, Meir ans Rothenburg, eine allgemein anerkannte Autorität, der man den Titel „Grotzrabbincr von Deutschland" beigelegt hatte. Dem Kaiser wer diese Auswanderung, die einen Verlust für seine Kasse bedeutete, natürlich höchst unerwünscht, und so traf es sich für ihn sehr günstig, daß Rabbi Meir in Basel erkannt, ans Veranlassung des Bischofs von Basel von Nileinhard v. Görz gefangen genommen und an Kaiser Rudolf a'usgelisfert wurde. Dieser ließ den Rabbi zuerst im Schlosse Wasserburg, dann in Ensisheim im Elsaß gefangenhalten. Die Haft sollte keine Strafe für den Rabbiner sein, sie war recht mild; der Gefangene dürste Besuche empfangen, Schüler unterrichten, Gutachten erteilen Nfw. Dem Kaiser war es e>ben darum zu tun, die allgemeine Auswanderung dadurch zu verhindern, daß er den angesehenen und allgemein verehrten Rabbiner als Geißel zurückhielt. Die deutschen Inden waren bereit, den Gefangenen für eine hohe Summe auszmlösen, aber Meir lehnte das Anerbieten ab, da er die Machthaber nicht reizen wollte, sich auf so leichte Weise Geldmittel zu schaffen, denn solche Auslösungen konnten viel Geld einbringen. 1203 starb Mjeir, seine Leiche wurde aber nicht aüsgeliesert; die Nachfolger Rudolphs verlangten viel Geld für die Herausgabe, und da die Summe nicht bezahlt wurde, blieben die Gebeine des Rübbi, gleichsam als Pfandleiche, noch 14 Jahre unbeerdigt im Gefängnis liegen. 1307 gelang es einem Juden aus Frankfurt a. M., Sützkind Alexander Wimpfen, die Leiche gegen eine hohe Summe auszulöfen; er ließ den Leichnam dann in Worms begraben. Wimpfen selbst bat sich von der Gemeinde W!orms die Gunst aus, daß man ihm einst ein Grab neben hem des verehrten Lehrers gönnen möge. Auf dem alten jüdischen Friedhöfe in Worms sieht man gleich beim Eingang linker Hand zwei gleichgroße Grabsteine, die das Grab dieser beiden Männer bezeichnen. Einzesevdet. Enthält beste Alpanmilch. [enthältöeste Alpenmilch, altbewährt Jährliche Production 39 Millionenßüchsen <P5gSP====g£*^=====iS^ F. L. Adler & 3ohn Handelsgerichtlich protokollierte Firma WIEN, VIII. Bezirk, Kochgasse 7 Fabrik für Kunst- und Synagogeneinrichtungsgegenstände. Spezialisten für Synagogen-Einrichtungen von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung. Bei auswärtigen Aufträgen wird um schriftliche Bestellung ersucht. Kostenvoranschläge auf Verlangen gratis. Gegründet: I8ea nneRiKrt Abrelee aus Heute Jeden. Samstag. CSI Französische Linie Bcquema, rauche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung samt Wein und Likör. 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Otflfl, Zuschriften unter „TU.ch.tig“ au, die Universität, Alfrsd Kunstedt Billigst^ H»«ugDgUfl1lq lür mm» und Orabmonumsuteji, m ft aufwärts p^oyin^nuttr^ge weyden prots^Qte und «*«kt ^uegeführfc m m m m » .... l^li^efante der . . . . . . gulteu»^e»nO^»dO. .... wmu .... II. b«k^ flotonatarngasss« Nr. 27 ’ .".f'iiio

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