Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 44 (3.11.1905)
- Date
- 1905-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 «Tüdischoe Yolksblatt Seite 3 Bourgeoisie beurteilen, die Peez allein zu kennen scheint. Diese repräsentiert aber nur einen verschiwind'enden Bruchteil des jüdischen Volkes, das durchschnittlich an Wohlhabenheit weit hinter den! Deutschen zurücksteht. Und die reiche Oberschicht ist -größtenteils mit Haut und Haren der Assimilation, d. i. dem Deutschtum! verfallen; wenn nicht die Söhne, so landen die Enkel iin Hafen der allein seligumcheniden Kirche und der allein' soligmachenden deutschen Nation. Wozu also der Läum? Dasselbe gilt von der Tagcspresse, die nach Pelez voin „jüdischen Stamme" beherrscht ist. Vollkommen falsch. Sie dient, soweit nicht die p. t. Geldfäckel in- Betracht kommen, niit eben,soviel Hingebung wie UnterstandniS der deutschen Nation. Die Juden erscheinen nur auf der Bildfläche, wenn sie erschlagen oder geplündert werden. Aber ein dentschchristkiches Hühnerauge ist dieser Tagespresse wichtiger als tausend jüdische Hausierer. Doch das sind schließlich „Gefühlswallungen", um mit Herrn v. Pwz zu sprechen. Aber über einen Prlnkt miisscn wir mit Herrn v. Peez noch, sprechen; denn da kommen unsere GefühlswallunMN in F'-age. Was heißt das: „Hatten wir nicht die Klinke dev Gesetzgebung in der Hand?" „Und tritt hier nicht die gleiche Schwäche zutage, die wir in, der ganzen Politik gezeitigt haben?" Einige kleine A-usnahmsgesetze gegen die Juden gefällig, Herr von Peez? Was soll das denn heißen-? Waren die Deutschen dennnicht seit einem Dezennium genug eifrig in wirtschaftlichen Gesetzen, die den eingestandenen Zweck hatten, die Juden zu schwächen? Und genügt es nicht, Herr von, Peez, daß sich für die berüchtigte Lex Herzog die Mehrheit der deutschen! Abgeordneten erhob? Noch zuviel „Doktrinarismus"? Wir bitten um Antwort. Der verehrte Abgeordnete, dessen Namen wir nicht nannten, möge daraus ersehen,, wie kalt die beiden deutschfreiheitlichen Herren die Judenfrage behandeln. Rein als ein Rechenexempel', sorgfältig werden -die Voru'nb Nachteile gebucht. Von einem schwarz-rot-goldenen Idealismus, der die Juden als Brüder in das Herz schlösse, keine Spur. Undwir sollten immer noch die alten — Schwärmer bleiben?! S. Der Befähigungsnachweis i« Handelsgewerve und die Juden in Galizien. Von Ch. N. Reichenberg. Im permanenten Gewerbea-usfchufse des österreichischen Reichsrates hat sich die Mäjorität für die gesetzliche Einführung des Befähigungsnachweises im Handelsgewerbe ausgesprochen. Dienswg den 24. v. M. hat hier in« Saale des Hotel „Zur Post" eine Bei> sammlung stat-tgcfnnden, welche die „Oesterreichisch'Jsraelitische Union" zum Zweck einer Kundgebung gegen den Beschluß des permanenteUl Gelvcrbcausschusses des Abgro-rdnetenhauscs einberufen, hatte, da vom Befähigungsnachweis angeblich nur die Juden im Reiche präjndiziert tverdauwürden. Nachdem auf dieser Versammlung keine wichtigere Persönliche feit anwesend war, die zürn Gegenstände des B-efä h i gllngsn a chtveifes vomwi rtschaft lichm Standpunkte der Indenin Galizien spr-echen könnte, so gestattete ich mir, das Wort zu dieser Frage zu ergreifen. Von, meinen! Ausführungen in dieser, Beziehung ist aber bloß durchdas „Jüdische Volksblatt" indie Oeffentlichkeit gedrungen (die „Oest. Wochenschr." hat die für Galizien, so wichtige Frage einfach vertuscht), daß ich! der Ansicht bin, daß dergesetzliche Befähigungsnachweis im Ha-irdelsgewevbe ein Vorteil für m-eine Glaubens- und Heimatsgenossen in Galizien wäre. Die Motive, mit! welchen ich diese Ansicht begründete, sind jcdoch unbekannt geblieben-. Es ist mir aber! darum zu tun, in Galizien, selbst eine Diskussion über den Punkt des Befähigungsnachweises' im Handelsgewerbe he rvörzu rufen; daher werde ich mir erlauben, diese Frage' im- Nachstehenden als Grundstoff für diese Diskussionhier in den Spalten des „Jüdischen Volksblatt" eingehend zu besprechen. Vorerst -erdreiste ich mich hiermit, aus das Entschiedenste zu bestreik'n, daß, der gesetzliche Befähigungsnachweis im Handelsgewerbe irgendwie die Interessen des, jüdischen Handelsstandes in Oesterreich nachteilig tangieren könnte; im Gegenteile wäre dieser einigermaßen ein Remodinm ans die so desolaten, wirtschaftlichen Verhältnisse der galizischen Inden. Die Furcht vor dem Befähigungsnachweis im- Handelsgje,werbe wäre aber auch noch ein Arm>uts>- zeug-nis für die österreichischen Juden, welches sie sich gang nutzloser- und überflüssigerweise vor der Welt ausstellen würden. In Niederö-sterveich, in- Oberösterreich, in Böhmen, Mähren, Qesterr.-Schlesien, inder Bukowina wie in den! -größeren, Städten Gä- - liziens sindalle diejenigen umferieir' Glaubens^- geniosfen, welche sich bei' den> Behörden um Gewerbescheine ftir ein Handelsgeschäft bewerben, vollkommen in der! Lage, den, B-efähigungsna-ch!- weis für ein solches 3,1t erbringen. Alle diese haben, bevor sie sich selbständig, machen, lange Jahre hindurck sich als Handelsprakiikanten und bernach als Handlungsgehilfen bei Tag abgerackert unddes Nachts wiederumsich in den Gewerbeschulen gequält. Es wäre daher ein schreiendes und unverzeihliches Unrecht, den Juden in Wcstüsterreich, in der Bukowina Md iu den größeren Städten Galiziens die Fähigkeit zur Erbringung des Befähigungsnachweises absprechen zu woll-cn. Dagegen wären leider sehr wenige unserer Brüder in den k l e i n e n Städten G a l i z i e n s im^- stande, bei ihrer Etablierung den Befähigungsnachweis für das Handelsgewerbe z-u erbringen, und erst die gesetzliche Einführung des Befähigungsnachweises würde sie zwing e n, s i ch für s 0 l che n beizeiten vorzubereite ir. Den unglücklichen, von der zivilisierten Welt ganz abgeschiedenen Juden in, den galizischen Kleinstädten, muß von Westöste-rveich aus Brot durch die Bcfchäffrmg von Arbeit und Erwerb und Lickt durch praktische Staatsgesetze gebracht werden. Hat das Volksschulgesetz -wenig zur Börringe'rung des Analphabetismus in Oesterreich beigetmgm? Hat nicht ein Ukasdes Zaren es herb ei geführt, daß fünf Millionen Juden in Rußland in ihrer streng ausdauernden Frommgläubigkeit, Bigotterie und humanitären Gesinnung doch in Beziehung ihrer Tracht und des ganzen äußeren Auftretens modernisürt wunden? Warum, Gesetze fürchten, die vorteilhaft aus die Massen wirken könnten? Der jüdische Jüngling in den Kleinstädten Galiziens bringt die Zeit bis zu seiner Verheiratung, im. Beth Hamidrasch oder daheim! bei seinen Eltern zu. Nach seiner Verheiratung eröffnet -er mit der Mitgift ohne Wa-renkennt'- nisfe, ohne Uebersicht der Absatzmöglichkeit im Orte, ohne kaufmännische Routine einen Laden irgend einer Branche. Dieses Geschäft bringt ihm nichts, mit solchem untergräbt -er bloßdie Existenz der alten Handelsleute in dem Städtchen. Diesen Zuständen könnte dev.gesetzliche Befähigungsnachweis im Handelsrechte gut steuern. In erster Linie würden die Kleinstädter sich, durch! den Zwang desselben nickt mehr sträuben! können, ihre Söhne zur Ausbildung inein Geschäft zu geben, in zweiter Linie würden solche frische Familienväter, die den Besahigungsna-ckweis nicht erbringen könnten, mit der Mitgift zur Klein- oder Hausindustrie greifen, ein paar Joch Acker kaufen und sich der Landwirtschaft widmen oder mit dev Mitgift die Kostender Auswanderung bestreiten und für sich und! die- Nachkommen Seffew Lebensaussichten wie als Krämer in einer Kleinstadt Galiziens schaffen. Der Handel in den galizischen Kleinstädten wäre nickt einer solch erdrückenden! Konkurrenz unteriworfen, und die Heranwachsenden gingen absolut einer besseren Zukunft entgegen-. Diejenigen Klaufleute, die schon bestehen, könnte deri Be sähigun gsnachweis doch gar nicht - an ihr vorüber, und was er vor sich hinmurinolte, ließ sie aufspringen. Behutsam zupfte sie ihn am Arme. „Sagtet ihr „Rachel Beuoni"?" fragte sie erregt. „Seid ihr's?" fragte -der Fremde. „Nom, meine Herrin." „Ist sie hier?" „In." „Laßt -euch nieder an die Mauer," erwiderte der Mann hurtig und setzte seinen- Gang fort. Und nachdem er noch einige Male auf- und abgegangen, saß er plötzlich neben Nefchuschta. „Wer seid ihr? Antwortet schnell!" „Neschufchta nennt mau mich, und —" „Ah," unterbrach dev Fremde, ein noch junger M-ann. „Ich weiß. Denn ich bin ein Freund Leos." „Ah," rief jetzt auch Neschufchta, „und—?" „Rachel muß gerettet werden. Ich bin verantwortlich, für sie niit meinem Leben." Neschpschtas Augen lerr-chteten. „Gott segne euch," sagte sie, „aber wie?" „Ihr müßt mir helfen. Höret, Leo ist nicht in Byzanz. Er lvriß nichts von Rachels Pefqhr. Aber er hat mir aufgetmgen, sie zu schützen wie meigeir Augapfel. Hört ihr genau W?" „Wester, weiter," Msterte Neschufchta „UM zp euch, zu gelangen,. Mo ich mW Perkl-oidet als Jude und Hape mW lassen gefangennehmen." „Ihr seid kein Judo?" „.Nein, ich gehöre zum Palast." „Ah, und wie wollt ihr wieder hinauskommen?" „Mit euch!" „Und wenn«-" i, „Oder mit euch sterben. Darum bitte ick euch, achtet genau auf das, was ich sage." „Ja, ja, nur weiter." „Wenn wir in deu Zirkus getrieben werden, da,nn bleibt dicht mben mir, ihr imd Rachel. Folgt mir, bl-eib-t mir auf den Fersen. Damit ihr aber für alle Fälle wißt, was zu tun habt, falls wir im Gedränge nicht zusammen bleibenkönnen, sohöret: Der Zi,rkus hat fünf AWgänge. Einer d-ieser Ausgänge ist! bald in der Nähe von der Türe, durch die ihr in den Zirkus treten werdet. Laßt die anderenvorausgehen, kommt zuletzt. Dann blii'bt an dev Türe stehen und drückt euch langsam an der Mauer entlang, nach eurer rechten Hand., Es wird -ottvas sin Zi-rkus passieren, was aller Augen a-blenkenwird von euch, denn es wird große Unruhe entstehen. In denr Molneuie lauft schnell zur ersten Türc zur rechten Hand. Der Soldat dort ist in seinem Herzen ein Bilderstürmer wie ich und Leo. Er ist Leo treu geblieben und weiß Bescheid. Wen ihr angekommen se»id, sagt: „Leo!" und re wird euch durchlassen. Womöglich werde ich euch führen., wenn nicht, so wißt ihr Bescheid?" „Wir wissen unidl möge erich Gott segnen für eure Bravheit und uns beistchen. Doch sagt, was wird aus uns, wenn wir draußen sind?" „Ihr wißt, ich hoffe euch zu führen. Doch w-o nicht, so geht Nach dem. Hause des Theodor Moreas, des Patriziers. Mau wird euch, dort erwarten." „Ah-! Ihr seid des bekannten Moreas — „Sohn, ja. Ihrwißt nun genau Bescheid?" „Ja, doch erlaubt mir noch! -eine Fvagx. Wißt -ihr genau, daß im Ii-rhM etwg^ passieM wird?" „Ja, genau." „Etwas UngewöhulichleA?" „Ja." „Was? — Verzeiht die Frage, aber vielleicht ist's besser) daß ich's weiß." „Wohl kamn. Doch kann's auch nicht schaden, also: Es wird eine Eule dah ins liefen über den Kopf der Kaiserin." „Ah, ah — das Zeichen des Unglückes." „Das untrügliche Zeichen des Unglückes bei diesen — diesen Bildervcrchrern, 'diesen —- diesen abergläubischen Götzendienern-" zischte er. „Eine Eule — am Hellen Tage — über dein Kopfe der Kaiserin. Ah, es ist gut, es ist gilt." Sie nickte lebhaft mit dem Kopfe. Und dann: „Den anderen da, ist denen nicht zu helfen?" Gr. schüttelte verneimn-d das. Haupt. „Wie?" fragte er. „Die Wachen sind alle treu-?" 5M ixTIM Rdf H laakoNpetitUH.v»,s„tr.b«,.«cbt.«Uaa,«»,d.ko». » i III 1 kmimUr n VII tano, bat io vieka Kraja» cüa SalbataiMUf. daaaalb. harvorga« 1 UaLaw KIp Q rufen. Doch iatb. d. hiarsuaOUc. Eaaeoaen „it rächt Taralakt «_.nunBr IWarM Hr. O notwead., uin eine gute u. reiu« Komposition »erhalt». Oiaaa