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Jüdisches Volksblatt · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seit1' 4 Jüdisches Votksblatt. Nr. 41 der Bekanntschaft wurde bald ein Liebesverhältnis. Rieß war nach Czernowitz zum Militär eingerückt. Anfangs September d. I. ooiu Militär heimgekehrt, behob er mit seinem: junge rerr Bruder Gustav eine Erbschaft von je 500 Kronen. Nun entschloß er sich, seine Geliebte Lotti Kl. . . zu heiraten. Ta Riesz ganz gut wußte, daß die Eltern seiner Geliebten ihre Zustimmung zu dieser Ehe nicht, geben würden, faßte er den Plan, das Mädchen zu entführen. Ihn den Verdacht van sich abznlenken, reiste Maximilian Rieß mit seinem Brüder Gustav von Sereth ab, doch am selben Tage noch kehrte Gustav um und besprach mit Lotti Kl. . . den ganzen Fluchtplan. Lotti schien anfangs Angst zu haben vor der Flucht, denn sie bat, ihre Freundin Anna Weber, eine Christin, als Begleiterin mitnehmem zll dürfen. Ihre Bitte wurde ihr gewährt und nachts darauf fuhren beide Mädchen, tief verschleiert, in Begleitrmg des Gustav R i e ß per Wagen bis zur Station R u d a, Ivo sie dann in* 'Den Ezernowih-Lemberger Zug stiegen. In Czernowitz schon verließ die Weber dir Gesellschaft und kehrte nach Sereth zurück, wahrend Gustav Rieß mit der Kl . . . irach Lemberg weitorfuhr, wo Maximilian Rieß, d.'r Geliebte des JndennrädchLNs, bereits ihrer harrte. Als die Ellern des Mädchens den Abgang ihrer Tochter cntd.ckten, wurden sofort die weitestgehenden .Nachforschungen aufgestellt. Polizeiinspektor M i r o n o w i t s ch, der die Untersuchung selbst leitete, hatte bald alle Fäden der Entführungsgeschichte in der Hand, und so gelang es einige Tage später, beide Brüder Rieß in C z e r n o lv i tz auszuforschen. Anfangs leugneten beide jeden Anteil an der Entführung, d.r Reisebegleiter der Lotti, Gustav Rieß, leugnete, die Kl. . . überhaupt zu kennen. Nach sereth überführt, und mit der Weber konfrontiert, gestanden dann beide die ganze Geschichte und gaben schließlich zu, die Lotti Kl. . . i n e i n Le m b ergo r K l oft e r e n t f ü h r t z ri h a b e n. Nun wurde Gustav R i e ß in Begleitung des Detektivs L ö b l nach Lrnrberg eskortiert unb der besonders taktvollen Geschicklichkeit dieses Geheimpolizisten gelairg es denn schließlich auch, die Lotti Kl. . . aus dem Kloster zu befreien und sie zu ihren Eltern zurückzuführen. Wie oben erwähnt, schmachten in demselben Kloster, dessen nähere Bezeichnung leider nicht angegeben ist, n och s e ch s Jude n m ä dch e lt . die ebenfalls sich nach einerbaldigen Befreiung s e h n e n. Wenn sich ihrer niemand annimntt, sind iie leider ihrem Schicksale unrettbar verfallen! Die gefundene Handschrift. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. (Fortsetzung.) V. Die Augen des Byzantiners funkelten. „Und ihr, wer seid ihr?" „Kriegslente des großen Königs Chakan Bulan; des mächtigsten Königs und guten Herrn der Chazaren sind wir, und —" „Ist es wahr?" unterbrach der Byzantiner, indem er wieder den Versuch machte, aufzuspringen. Der Kommandeur trat einen Schritt zurück und griff nach seinem Schwerte. Schon im nächsten Moment aber ließ er die Hand wieder sinken. Doch seine Stimme klang verändert, als er antwortete — jede Spur von Teilnahme ivar daraus entschwunden, während seine Augenbrauen sich in gerader Linie zusammenzogen*. „Ist es euer Dank dafür, daß wir euch das Leben gerettet?" fragte er hart, „dafür zweifelt ihr an meinem Worte? Fürwahr, wäret ihr nicht mein Gast, mein Schwert hätte euch Antwort gegeben." „Wieso euer Gast?" fragte der Byzantiner überrascht. „Bin ich nicht euer Gefangener?" „Vorläufig seit» ihr unser Gast, bis unser König entschieden hat, ob ihr Gefangene seid und Sklave, oder ob ihr Gast sein sollt in urvserem Lande. So will es das jüdische Gesetz Die Einwanderungssrage in Amerika. Man schreibt uns aus New Aork unterm 24. September: Eine Kommission, die „unter der Le.tung des* -Pleäsidenten Roosevelt seit neun Monaten die Einwanderungsfrage studiert hat," will dein Kongresse nach seinen! Znsammentrit im Dezember eine gründliche Umgestaltung der Naiuralisationsgesetze ginpfehlen. Sie hat ermittelt, daß in allen Großstädten ganze Scharen von Ausländern*, besonders Italiener und Griechen, durch Vermittlung gewerbsmäßiger Agenten mi!d gegen Zahlung von zwei bis zehn Dollars zu Bürgern die Vereinigten Staaten gemacht werden, ehe sie die vorgeschriebene Zeit von fünf Jahren tandesanfässig gewesen sind. Daher soll dein Kongresse vorgeschlagen werden, imi Handelsministerium eine Naturalisalionsabteilung einzurickten, die über jeden Eingewanderten Buch führen- und besonders den Zeitpunkt seiner Ankunft in den Vereinigten Staateir verzeichnen soll. Daraufhin sollen alle Gerichtshöfe aufgeforidert werden, diesem Bureau regelmäßig eine Liste der L.ute zuzuschickeu, denen sie das Bürgerrecht verliehen haben. Durch Vergleichung dieser Listen mit den vom Bureau selbst geführten wird sich hemnsstAlen, wer sich durch falsche Angaben sein Bürgerpapier erschlichen hat, und jeder derartige Beirüger soll n-ebsl seinem Zeugen vom Justizministerium strafrechtlich, verfolgt werden, ltm dem Bureau seine Arbeit zu erleichtern, sollen ferner nur die Bundesrmb die höheren Staatsgerichte d e Einbürgerung vornehmen dürfen, was augenscheinlich eine Härte gegen alle Eingewanderten wäre, die ein Bundes- oder höheres Staatsgericht nur schwer erreichen können. Auch muß erst noch bewiesen werden, daß die Bundes rieht er den Politikern, die die Masseneinbürgerrmg b.treiben, weniger gefällig wären als die niedrigen Staatsrichter. Abgesehenvon diese»! Einwande wird auch von regierungsfeindlicher Seite nichts gegen den Vorschlag vorgebracht. Alle Eingewanderten, die auf ehrliche linlDi rech:liehe Weise Bürger der Vereinigten Staaten geworden sind, haben ebenso viel Interesse daran, wie die eingeborenen Amerikaner, daß das Bürgerrecht nicht zu einem Handelsartikel gemacht oder durch Betrug, Fälschung und Meineid erlangt wird. Allerdings würden die bestehenden gesetzlichen Vorschriften vollständig genügen, wenn sie ihrem Geiste und Buchstaben nach gehandhabi würden, aber da sie in sehr vielen Fällen übertreten werden, mag eine Oberaufsicht über die laxen Gerichtshöfe am Platze fein. Es ist sicherlich eine gefährliche Sache, daß vor jeder Wahl Hunderte oder gar tausende von. Bürgervechtskandidatcn diesem oder jenem Richter zugetriebcn und gewissermaßen im Handumdrehen auf augenscheinlich wertlose Zeugnisse hin zu Bürgern der Republik gemacht werden. Solche Leute betrachten die Einbürgerung natürlich nur als eine leere Form, die' erfüllt werden muß, damit man stimmen und eine Anstellung* als Straßenkehrer oder Stadtarbeiter erhalten kann. Von dein alten Gedanken, die Einwanderungimmer noch mehr zu beschränken, kommt man allmählich zurück, da der Einwanderung selbst, . wenn sie „nicht wünschenswert" ist, schwerlich* noch größere Hindernisse bereitet werden können als ihr jetzt schon in bcn Weg gelegt werden. Es geht nicht an, durch Gesetze geradezu anzuordnen, daß alle körperlich tüch-- tiaen und sittlich unbescholt-enen* Angelsachsen, Germanen und Kelten zugelassen, alle „Hmrtrctii und Dagos" oder alle russischen Juden, Armenier, Griechen und Syrier aber abgewiesen* werden sollen*. Auch mit der Bildungsprobe hat es seinen Haken, denn viele der unerwünschtesten Einwanderer können in ihrer Mnttersprache notdürftig lesen und schreiben, wogegen die kräftigsten Arbeiter, deren namentlich die Eisenbahngesellschaften und andere einflußreiche Korporationen nicht enUaten können, härifig „gänzlich rmwissend" sind. Die früher so laute Forderung nach einer Verschärfung der Einwanderungsgesetze ist deshalb so ziemlich verstummt und an seine Stelle isk die Forderung .getreten, daß die Einwanderer gleichmäßiger über das Land verteilt werden sollen. Erledigte Stiftungen dei der Wiener Kultusgemrinde. Ofias H. Schorr-Stiftimg. Von dem Vorstände der israelitischen Kultnsgemeinde in Wien als Kuratorium der obigen Stiftung sind die J*ahr-eserträgnisse im Gesamtbeträge von gegenwärtig zirka K 11200 ft) an Seminaristen, die sich an der Wiener israelit.-thevtog. Lehranstalt z*n Rabbinern ausbitden, in Stipendien per je fl. 300 — K 600, *b) an Seminaristen, die sich art der genannten Lehranstalt zu Lehrern ausbilden, in Stipendien per je sl. 200 — K 400 für das laufende Schuljahr (1005/00) zu verleihen. -Diese Stipendien können nur solche Seminaristen mit Beginn des zweiten Jahrganges ihrer Stndienepvche erhalten, welche guten Fortgang und sittliches Verhalten ans dem ersten Studienjahre urfiutblücO erweisen- Bei Verleihung des Stipendiums gebührt jeucn nach einer galizischen Gemeinde zuständigen Seminaristen der Vorzug, welche sich mittels schriftlicher Erklärung verpflichten, nach Beendigung ihrer Studien in galizischen Gemeinden wirksam zu sein. Die mit Studienzengiussen, der Bestätigung des Rektorates der israelit.-thevlog. Lehranstalt in Wien über das sittliche Verhalten des einschreides Landes, und nun sagt, warum habt ihr gezweifelt an unserem Worte?" „Glaubt mir, es war nicht so gemeint, es war die Ueberraschung," sagte der Byzantiner. „Und warum hat es euch überrascht, daß wir Soldaten sind des Königs der Chazaren?" „Es hat mich so gefreut, daß ich es nicht glauben konnte," erwiderte jener. „Doch sagt, dort, wo ihr mich fandet, lagen da nicht noch mehr?" „Wir sahen mir euch." „Dann, wollt ihr. mir nicht auf meine Füße helfen, ich will doch schauen." Der Kommandeur winkte einige S.stdaten heran, die dem Byzantiner unter die Arme griffen und ihm halfen hinzugelangen an den Ort, an dem* man ihn ^cfuniDiciT hatte. Der Kommandeur war mitgegangen. „Also hier," sagte der Byzantiner, als lnan den Ort des Kampfes erreicht hatte. „Dann geleitet mich ein Stückchen weiter hinunter, hier in der Richtung der rechten Hand. Doch würde ich euch danken, wenn ihr erst wollet holen den Feuertopf." Bald hatte ein Soldat den Feuertopf angebracht. Schon nach wenigen Schritten stieß man auf einen Anblick, gar fürchterlich anzuschauen. Sechs Männer, alle in der Tracht von Byzanz, lagen auf- und übereinander in einem großen Pfuhl von Blut. Neben ihnen standen ihre Pferde lind ihre Schwerter lagen nach allen .Richtungen zerstreut. Zwei waren gebrochen. Ein Pferd, das des Verwundeten, lag da tot, mit einem großer! Speer in dev Flanke. Au der Seite aber standen bepackte Maulesel, wie fahrende Kaufleute sie mit sich führen zum Tragen ihrer Waren. Der Verwundete ließ sich dicht an die Leichen, führen, ließ den Feuertopf. darüber halten und blickte ihnen, ins Gesicht. „Du auch, Genetos?" seufzte er dann leise, „einst warst du mein Freund. Ob du wohl wußtest, wem es galt?" Dann wendet« er sich dem Korm mandeur zu : „Es ist, wie ich erwartet," sagte er, „ich bin überfallen worden, vor! n!eiueu eigenen Landsleuten, aber sie haben vergessen, daß es war Le-, mit wem sie rverden zu kämpfen haben," unterbrach er sich schnell. „Diese hier fielen im Kampfe. Aber ich wäre doch unterlegen, wenn ihr nicht dazugekommen und die anderen vertrieben hättet. Und dafür habt Dank, edler Chazar." Und indem er also sprach, streckte er seine rechte Hand dein Führer der Chazaren entgegen. Dieser aber trat einer! Schritt zurück und errviderte: „Gar spät kommt euer Dank, doch das sei euch verziehen, denn groß ist eure Erregung unb euer Schinerz — und gar groß ist auch eure Tapferkeit und deshalb sei euch verziehen. Aber ich bin ein Chazar, und ein Fürst in meinem Lande und ich reiche nicht dar irreirre Harrd jedem Fremdling, den ich rricht kerrrre. Mein Name ist Moses Ibn Mrrffti urrd ich bin ein Führer in dem Heere unseres großen urrd mächtigen Königs — Gott möge ihn segnen, und ich

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