Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Jüdisches Volksblatt Malaczka.?s» Liclie des »ach NitvlSbllr» bc-rusiucn Rabbiners Dr. Lew in wurde Herr Edinnnö Weih, ei» Lohn des vritzvdvxc'u Rabbiners von Aaram, zum Rabbiner gewählt. Btt dopest. (T v d e s f a 11.) Bvrige Woche starb in Szikszv der iregen seiner großen Gelehrsaurkeit und seiner Frvminiateit nlief) außerhalb der Grenjen des Landes in hohem Ansehen gestandeite Rabbiner Sallt (Lhrenfeld s. A. Ter Verstorbene, ein gebürtiger Freiburger, 'war miitterlicherseits ein Enkel des berühmten „(5hataw Loser". Auch seine Brüder waren und sind Rabbiner. An der Bahre sprachen mehrere Rabbiner Worte inniger Trauer. Ehre seinem Andenken! Prag. (P r ob ep r ed i g t c n.) Infolge der Berufung dcS Herrn Dr. Jul. Fischer zum Rabbiner der israelitischen Kultnsgemeinde in Budapest gelangt der Posten eines Rabbiners und Predigers iin Prager neuen israelitischen Tempel zur Besetzung. Aus diesem Anlasse hat der Vorstand den Beschluß gefaßt, Gast-, bezrv. Prvbepredigten schon während der hohen Feiertage abhalten zu lassen, zu denen die Herren Rabbiner Dr. Funk aus Preßbirrg, Dr. Schwarz aus Eger, Dr. Herzog ans Smichvw mii) Dr. Schornstein ans Leitmeritz eingeladen worden sind. An den Neujabrsfeiertagcn hat Herr Dr. FuNk bereits die Probepredigt gehalten, am Versvhnungsfest wird Herr Dr. Ed. Schwarz, an den beiden ersten Lallbhüttensesttagen Herr Dr. David Herzog und an beiden Tagen des Schlußfestes Herr Dr. Maximilian Schornstein die Probepredigten halten. Prag. Herr Rabbiner Dr. H. Brvdy in Nachod ist als Direktor an die hiesige TallNud- Thora^Schule berufen worden, an welche sich von: Wintersemester ab ein Seminar für Religivnslehrcr anschließen wird. Die Anstalt ist zu der Wahl des jungen Gelehrterr, dessen Name in jüdischen und nichtjüdischen Fachkreisen längst einen vortrefflichen Klang hat, aufrichtig zu beglückwünschen. Zugleich darf es als ein Verdienst um die jüdische Wissenschaft begrüßt werden, daß Herrn Dr. Broöy Gelegenheit geboten wird, in erweitertem WirbnugsEreisc seine hervorragenden GeisteSgaben einzusetzen und sich literarisch zu betätigen. Herr Dr. Brody hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. Er hat bekanntlich vor zwei Jahren auch auf einen der damals zur Besetzung gelangten R a bbinerpo st e n i n W i e n rnitkon-kurriert. Gegen die Cligue aber, die damals die Komödie der Probepredigten aufführen ließ, konnte auch die beste Leistung des gelehrten Rabbiners nicht ausreichen. Prag. (Die Altneu synagoge.) In der technischen Kommission des Stadtrates und vorher schon in der Enquete der Sachverständigen wurde die Frage der Regulierung der Umgebung der Altnensynagoge und des alten jüdischen Rathauses beraten, Auf Grund der Ergebnisse dieser Beratungen würde beschlossen, daß tu der Umgebung dieser Gebäude das bisherige Niveau beibehalten werden soll mit einer gelinden Böschung gegen die Nitlaskirche hin. Für eine entsprechende Restaurierung der Fassaden der angrenzenden Häuser wird gesorgt werden. Leitmeritz. Freitag den 22. September wurde die plötzlich aus dem Leben geschiedene Gattin des 'Gerichtsselretärs Steiner zu Grabe getragen. Die Beteiligung aller Gesellschaftskreise an dem Leichenbegängnisse sprach ein beredtes Zeugnis für die Beliebtheit und das Ansehen, das sowohl die Verblichene als auch ihre Familie überall genossen hatte. Unter den Trauergästen waren zu bemerken: Hofrat Jedlitschka mit den Gerichtsbeamten, Statthaltereirat Dr.Czerny, Obersinauzrat Fischer, Bürgermeister Dr. Funke, sowie viele Professoren, Advokaten und viele andere. Rabbiner Doktor Schornstein widmete der Verblichenen einen zu Herzen gehenden innißcn Nachruf. Dem schwergeprüften Gatten der Verewigten kommen noch fortgesetzt Kuudgebnngelt der aufrichtigsten Teilnahme zu. Temesvar. (T e m p e l w e i h e.) Fm. Nahmen einer großen Feier ist Sonntag die Weihe des neu erbauten israelitischen Tempels in S z e r b - I ti e b e erfolgt. An. dem feierlichen Akte hat ein zahlreiches Publikum teil-, genommen. Unter anderen waren, erschienen : Oberstuhlrichier Emierich Hertelendy, königl. Rat Cmerich Jenovay, Honorar-Oberstuhlrichter Santha, «die Gemeindevorstehung von Szerb- und von Magyar-Jttebe, weites aus Nägybeeskerek Oberrabbiner DivMoriz Klein und seitens der Vorstehung der Kultusgenieinde Isidor Weiß und Dr. Viktor Pollak. Urn 10 Uhr wurde der erste Gottesdienst gehalten, nach welchem die Verlesung der Bauurknnde und die Schlußsteinlegnngi erfolgte. Sodann hielt Oberrabbiner Dr. Moriz Klein eine auf hohem Niveau stehende Rede, worauf der Gesangschor den „Hymnus" sang. Diesem folgte ein Gebet für das Vaterland und den König, sowie die Llbsingung des „Szozat". Mittags hat ein Bankett, abends aber eine Tanzuntexhaltung (?1) stattgefunden. Preßburg. (KultusvorsteHerwah l.) In der aut. orth. isr. Kultusgemeinde Stomfa (Stampfen) war infolge des plötzlichen Hinschetvens des bisherigen Vorstehers Herrn Emanuel Jnsth die Neuuiahl des Kullusvvrstchers nvkweudig geivorden. Gestern faud die Neuwahl statt, ivobei das bisherige Vorstandsmitglied Herr Alexander Tischler zum Knlinsvorsteher gewählt wurde. Swietla a. S. Ter hiesige Sleiumctziueisler Herr Adolf Mahler und seine Gattin Klara widmeten der hiesigen KultuSgemeiube einen kostbaren Schmuck für die Gesetzrvllen, Frau Herminc Müller eine rcichgesticlte Decke. Frankfurt a. M. (I s r a e l i t i s ch e s A ltersheim.) Am Vorabend des israelitische» Ncnjahrsestes rvird das von der Kultusgenreinde seinerzeit erworbene Haus au der Kaulbachstraße Nr. 05 seiner Bestimmung, älteren Damen und Herren sowie Ehepaaren ein behagliches Heim zu schaffen, zugeführt. Die Anstalt ist ins Leben gerufen durch die Initiative deS Neutiers Krouheimer in Melbourne, eines gebürtigen Bayern, sowie von den Relikten der in Paris verstorbenen Freifrau Klara v. Hirsch-Gereut, welche das Grundkapital für diese Wohlfahrlseinrichtnng stifteten. Durch freiwillige Spenden hiesiger und auswärtiger Israeliten ist ein Kapital von nahezu 300 OOO Mark geschaffen worden, dessen Erträgnisse für die Pensionäre voll verwendet werden, so daß diese nur sehr mäßige pekuniäre Leistung trifft. Die Anstalt selbst ist vollständig für diese Zwecke ningebant und mit den nettesten Verbesserungen ans allen Gebieten ansgestattct: im Erdgeschoß finden sich nebst den Wirtschaftsräumen, Auszügen lind Berwaltermohnnng die Empfangs-, Lese- und Rauchzimmer, während im ersten und zweiten Stock die behaglich eingerichteten Zimmer der Pensionäre sich befinden: eine 'hübsche, große Gartenantage mit sauber gehalteueu Wegen steht deu Bewohnern in der milden Jahreszeit zur Verfügung. Ilm das Zustandekommen der schon jetzt vollbesetzten Anstalt, welche unter eigener Stiftungsverwaltung steht und deren Satzungen die behördliche Anerkennung fanden, haben sich außer den genannten Stiftern auch die Herren Hermann und Oskar Tietz (Berlin), Kommerzienrat Berolzheimcr (Nürnberg), ferner die hiesigen Herren Jnstizrat Ofner, Rentiers Landauer, Nnßbanm und Höchstädter sowie viele andere sehr verdient gemacht. Posen. Vorige W oche feierte der Posen er Rabbiner Dr. W. F e i l ch e n s e l ö sein fünfzigjähriges Amtsjubilällm, ans welchem Anlasse der beliebte Seelvsorger, der sich trotz seines hohen Atters noch die Begeisternngsfähigkeit und die Frische des Jünglingsalters bewahrt hat, Gegenstand zahlreicher Ovationen war, an denen sich fast alle Gesellschaftsschichten beteiligt hatten. Hamburg, 25. September. (Eig. Mitt.) Die hiesige portugiesisch-jüdische Gemeinde beging am letzten Donnerstag zugleich mit dem Jubiläum des 50jährigen Bestehens der Synagoge in der Marknsstraße die Jubelfeier ihres mehr denn 250jährigeu Bestehens. Die ältesten Spuren der Anwesenheit portugiesischer Inden in Hamburg reichen in die siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts zurück, doch wurde ihnen weder gestattet, sich zu einer Gemeinde zu verbinden, noch ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Erst im Jahre 1627 wurde ihnen ein eigener Friedhof auf den Kohlhösen überlassen, und i. I. 1652 erfolgte dann die Znsalnmensaffnng der bisherigen drei Vereinigungen zu einer Hauptgemeinde. Die Zentralstelle der letzteren wurde nach dem Altenwall verlegt und erhielt den Namen „Beth-Jsrael", der der Pvrtngiesengemeinde bis heute geblieben ist. Die Hauptsynagvge ans den: Altenwall hieß „Esnoga de Beth Israel" und zum Hauptrabbiner wurde David Cohen gewählt, der in der gelehrten Welt unter dem Namen „Cohen de Lara" als Autorität auf dem Gebiete der rabbinischen Wissenschaften, wie ans dem der altklassischen Philologie bekannt ist. Da die Portugiesen damals die einzige anerkannte jüdische Gemeinde in Hamburg bildeten, blühte letztere rasch auf, bis sie später von der deutsch-israelitischen Gemeinde weit überflügelt wurde. Nachdem die Synagoge am A ltenwall i. I. 1842 dem großen Brande zum Opfer gesattelt war, wurde im September 1655 das heutige Gotteshaus irr der Marknsstraße durch Herrn Oberrabiner Stern eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. . . Aus Anlaß der am Donnerstag abends avgehaltenen Jubelfeier war die mit Teppichell und Kränzen geschmückte Synagoge von einem andächtige» Publikum dicht gefüllt. Die Delltsch-israelitische Gemeilide war durch die Vorsteher vertreten, unö die Gemein deinstitutiollelr hatten Delegierte entsendet. Auch eilte Altzahl Ehrengäste aus den Nachbargelneiudell lvaren alnvesend. Der Festgottesdieilst wurde nach dein Mincha-Gebet mit einer Gedächtllisrede des Kultllsbeamten Herrn Chnlnaeeiro eiltgeleitet, der in ergreifender Weise der Verdiellste der verewigten Vorsteher und Leiter der Gemeillde gedachte. Nach Nezitierung der Psalmen 116, 117 und 118 hielt Herr Oberrabbiner M. Hirsch die Festrede. Anküllpfend an Denteronolltium 32, 7: „Gederlke der Tage der Vorzeit inttö erwäget die Jahre der vergangenen Geschlechter", gab Redner etn getreues Bild der Entwicklllng der Gemeillde, um dann mit der Mahnung all die Jugend zu schließen, den Beispielen der Vorfahren zrr folgen mtö mit Gut und Blut für die Religion einzutretell. Nachdem der Herr Oberrabiner hieraltf vor geöffneter heiliger Lade ein Gebet für öeti Kaiser, den Senat, Behördetr unserer Vaterstadt, ferner für die Vorsteher, Beamten und Mitglieder der Gemeinde gesprochen, beerldete der Vortrag einer Anzahl von Gesängen nach altportugtesischem NituK die eindrucksvolle tzeter. - Erkrankungen durch Fifchgift. Ans Berlin rvird uns berichtet: Unter Vergistnngserschoinnngen sind mehrere Damen des Berliner jüdischen Schweslernheilns ertrankt. Dieje Anstalt ist bestilnint, junge Mädchen als Pflegerinnen für das Kranlenhans der jüdischeil Gemeillde anSznbilden. Am Larnolag, denl erstell Tage des jüdschen Neujahrsfestes, speisten die Zöglinge an geineillsamer Festtafel. Unter andereri Gerichten gab es Karpserr in Gelee, rrach dessen Geliuß acht junge Mädcheil alsbald von heftigem Uruvohlsein befallen wurden. Werili auch bis gestern fünf Pfleglinge sich wieder vollställdig erholt hatten, so liegen drei doch noch krank danieder. Es unterliegt feinem Zweifel, daß die Erkrantllngell durch Fischgisi verrrrsacht sind. Die vom Karpfengericht übrig gebliebenen Reste werden amtlich nntersncht. Graf Piickler verurteilt. Ein Pückler-Prozeß, der bereits mehrfach der Vertagung anheimgefallen war, gelangte am 26. September vor der ersten Strafkammer des Landgerichtes 2 in Berlin unter Vorsitz des Landgerichtsraies Hellivig zur Verhandlung. Wegen Aufreizung zrim Klassenhaß war der Rittergutsbesitzer Graf Pückler zu Klein-Tschirne nngeklagt. Graf Pückler wurde, da er wiederholt ohne jede Entschuldigung nicht erschienen war, von dem uniformierten Gendarmerie- Oberwachtmeister König ausKlun-Tschirne vorgeführt. Der Angeklagte wurde beschuldigt, an« 13. Dezember vorigen Jahres in Bernau verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten öffentlich aufgereizt zu haben. Vor Gericht bestritt Graf Pückler jede Schuld und behauptete, die inkriminierten Stellen seiner Rede nur bildlich' oder in Form eines geistigen Kampfes gemeint zu haben. Staatsanwalt Brüning hielt indessen in der Rede des Angeklagten eine öffentliche Aufreizung zmn Klassenhaß für festgestellt; denn wenn junge Leute vom Lande dazu aufgefordert würden, den Juden alles zu demolieren und ihnen die Fenster einzuwerfen, so könne man unmöglich zu der Auffassung kommen, daß dies bildlich gemeint sei. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen wegen desselben Vergehens beantragte der Staatsanwalt drei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte nach, kurzer Beratung wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung auf 600 Mark Geldstrafe eventuell 60 Tage Gefängnis. Rückwanderung nach Rußland. Die Beilegung des russisch-japanischen Krieges und der wenn auch geringe Freiheitsschimmer, der durch das finstere Rußland allmählich dringt, hat im New Uorker Ghetto eine eigenartige Bewegung hervorgerufen. Eine große Anzahl von Juden beschloß, in „ihre russische Heimat" zurückzukehren. Vorläufig sind es zumeist solche, die die Rückwanderung antreten wollen oder bereits angetreten haben, die erst vor kurzem nach New Jork kamen und daselbst noch nicht festen Boden für eine sichere Existenz gefunden. Die Bewegung erstreckt sich aber c uch auf solche, die in New Jork bereits seit Jahren unter ganz günstigen Bedingungen leben und 'ich zurücksehnen nach der Scholle, von welcher 6e unbarmherzig vertrieben wurden. Berkehrsverbcsserungen in Palästina. Die Hamburg-Amerika-Linie hat in Palästina auf der Route von Jerusalem nach Nazareth und Liberias zwei in besonders schöner Lage befindliche Hotels gegründet und zwei weitere schon vorhandene Hotels vergrößern lassen, damit in .Zukunft die unter den bisherigen Verhältnissen sehr beschwerliche Reise von Jerusalem nach Damaskus (Syrien) modernen Ansprüchen gemäß ausgeführt werden kann. Die Hotels liegen je eine mäßige Tagesreise (zu Wagen oder Pferd) von einander entfernt in .Nabnlus, (Sichem), Dschenin, Nazareth und Liberiasz sie sollen namentlich als Unterkunftsstationen für die Nacht dienen und den Reisenden die Mitnahme von Zeltlagern auf Maultieren ersparen. Da Palästina und Syrien außer der in Bau befindlichen Mekkabahn bis heute nur über drei Eisenbahnlinien in westöstlicher Richtung verfügen, so ist das Vorgehen der deutschen Gesellschaft, die eine gute Landverbindung von Süden nach Norden heöstellt, eine bedeutsame Verkehrsverbessernng. Statistische Betrachtung zu den russische« -Wahlen. Das Wahlrecht der Städter für die Reichsduma beruht auf drei Voraussetzungen: 1. Grundbesitz, 2. Entrichtung dev Gewerbosteuev erster Kategorie oder 3. Leistung der Staatswohnungssteuev von der 10. Kategorie