Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt Nr. 40 die Angst bei der, Nachoder Juden gebt schon so weit, daß sie sich g rr nicht getrauen, in dem eigens für jüdische Naieryaltungen erbauten Saale ihre Vrranstallunaen zu arrangieren, damit — die Fenster ga'H bleiben (!) Sollte der neue zionistische Verein wirklich nicht etwas S>lbstbeir>>lßtsein und bessere Begeisterung bringen? Za wünschen wäre es. Liegt doch Nachod nicht in Sibirien; dort darf man sich Nicht frei bewegen und hier traut man sich wieder nicht, obzwar die Juden hier den Be oeis erhalten, daß man bei Exzessen — wie 1897 — nur aus die c z e ch i > ch gesinnten Juden losgezogen «st Oder wollen sie wieder von dem fri'chgeback nen Bürgermeister, den vor ein ger Zelt in der „Doorarm" von ibm gebrauchten Ausdruck: „Zul neinuze nikdy byti C’'diein" (Der Jude kann niemals Tscheche sein) hören? Möglich, daß es j tzt von seinen Lippen besser klmgt, denn damals war er ja noch kein Bürgermeister. Diese, sowie so manche andere Freude können Sie noch erleben. — Nächstens mehr. Wolf. Vermischte Nachrichten. Bon der JtMcnet Kultnsgeineinde. Der Vorstand der israelitischen Kuttusgemeinde veranstaltet anläßlich des diesjährigen Sukttnfestes einen Gottesdienst im provisorischen Bethause, XIX., Döbling, Hoszeile 20 Am.SÄ'mini-Azereth", Samstag den21 Oktober d. I veranstaltet der Vorstand ver israelitischen Kultusgemeinde Wien anläßlich der Maskir-Andacht im Hotel „Post , l. Bez, Fleischmarkt Nr 16 und im „Nestroyhost, II. Bez, Prateriiraße 34, feierliche Gottesdienste, zu welchen nach Maßgabe des Raumes der Eintritt ohne Karten gestattet ist. Beginn des Gottesdienstes 9,9 Uhr morgens. Wien. (Hoflieferant Hermann Beck.) Am 4. d. M. beging Herr Hermann Beck, der Chef der Firma W-lcielm Beck u. Sohne, k. u. k. Hof- und Kammerlieferanten seinen sechzigsten Geburtstag. Obgleich Herr Beck diese Geburtstagsfeier nur im engen Familienkreise zu begehen gedachte, war er dennoch seitens seines Personals und seiner zahlreichen Freunde Gegenstand herzlicher Ovationen und erhielt eine Unzahl von Glückwünschen. Wir schlitßen uns um jo freudiger und aufrichtiger der stattlichen Schar von Gratulanten mit unseren Glückwünschen an, als wir in Herrn Hermann Beck einen Mann zu schätzen Gelegenheit haben, der im Vereine mit seiner unermüdlichen Gattin auf denk Gebiete jüdischer Wohltätigkeit im achten Bezirke stets in der ersten Reihe zu finden ist und sich um das Aufblühen des Bethausveieines im achten Bezirke sowie um die Errichtung der herrlichen Synagoge daselbst unvergängltche Verdienste erworben hat. Möge ihm noch ein langes ungetrübtes, dem Wohle des Judentums gewidmetes Leben vergönnt sein! Wien. (Todesfall.) Montag den 2. d. M. fand die Beerdigung des Herrn David Kohu, Matrikelamrs-Obkrvffizialderisrael.Kultusgemeinde, statt. Der Verstorbene erfreute sich allseits besonderer Wertschätzung, die auch in der zahlreichen Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke kam. Unter Führung des ersten Srkcetärs Herrn kais. Rates Dr. Lieben waren fast sämtliche Beamten der israel. Kullusgerneinde erschienen. Rabbiner Pr. Bach hielt den Nachruf, in welchem er den besonderen Pflichteifer oes Verstorbenen hervorhob. Kantor Smotritzky exekutierte dis Trauergesänge in erhebender Weise. Großindustrieller Hermann Edler von Kuffner. Der am 2.ds. in Lundenbura zuGrabe getragene Großindustrielle Hermann Edler von Kuffner hat letztwillig vermacht: 10 000 Kronen als Armenstiftung für die Stadtgemeinde Lundenburg, 8000 K. als Spitalstiftung, 4000 K. zur Bekleidung armer Schulender christlicher Konfession, 10 000 K. als Armenstiftung für die JsraelitengemeinÄe, 6000 K. als Kultussiieuerstiftung, 2000- K. zur Bekleidung armer Schulkinder israelitischer Konfession, 20 000 K. als Stiftung für erwerbsunfähig gewordene Arbeiter der Kuffnerschen Luudeuburger Zuckerfabrik und 20 000 K. als Stiftung für erwerbsunfähig gewordene Beamte und Angestellte desselben Unternehmens. Czernowitz. Für das fünfzigjährige Jubiläum aus Anlaß des Bestandes der ismelitijchdeutschen Volksschule in Czernowitz hat das aus ehemaligen Schülern und Schülerinnen dieser Anstalt bestehende Festkomitee in seiner am 28. September l. I. unter dem Vorsitze des In- > spekiors Herrn Dr. Reumann Wciwcr abgehaltenen Sitzung das Propra m m endgültig wie folgt festgesetzt: Die Jubiläumsfeier findet an einem noch näher zu bestimmenden Tage statt und beginnt mit einem Festgoltesdierlst iin israel.tischcn Tempel. Am bestimmten Tone um 9 Uhr vormittags wird für die gegenwärtig diese Anstalt besuchende Schilljrigend eine interne Schulfeier abgehalten werden. Ilm 11 Uhr vormittags findet eine Festversamnrlung der ehemaligen Schüler und Schülerinnen im Sitznngssaale der Israelitischen Kultusgemeinde statt. Bei dieser GUegenheii wird Knltnspräses Dr. Straucher die Begrüßungs¬ und Direktor Dnbcnsky die Festrede halten. Hierauf erfolgt die Enthüllung einer von den ehemaligen Schülern und Schülerinnen' gewidmeten Gedenktafel im Korridor des Anstaltsgebäudes, worauf die Besichtigung des Schulgebäudes sowie der von den dcrmaligen Schülern und Schülerinnen ausgefertigten schriftlichen und sonstigen Arbeiten stattsindA. Am Abende des 17. Oktober wird in Silbers „Hotel Zentral" eine gesellige Zusammenkunft der gewesenen Schüler und Schülerinnen abgehalten werden. Wer arbeitet in Palästina? Zu dieser in unserer vorjüngsten Nummer berührten Frage schreibt mau uns aus Berlin: Wie recht Sic hatten, als Sie darauf hinwiesen, daß alle anderen Nationen und Konfessionen rühriger sind in Palästina, als wir Inden, mag noch durch folgende Daten beleuchtet werden. Vorige Woche fand in Neuwied die große Versammlung der rheinischen Provinzialsynode statt, auf welcher n. a. auch über d ie A r b e i t der d e n t s ch e n P r o t e st a n t e n i n I e r u sale m referiert wurde. Der Generalsuperintendent D. U m b e ck erstattete nämlich einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des JcrnsalemSvereins im heil. Lande. Er unterscheibet diese Arbeit von der der I e r n s a l e m s st i ft n n g und des S y r i s ch e n W a i s e n h a n s e s. Er hat Stationen in Hebron, Bethlehem sGemeinde- und Armenisches Waisenhaus), Bet D s ch a l a. Bet Sah u r, Gemeinden in Jaffa und Haifa und sorgt für arabische Gottesdienste in Jerusalem. Die Mitgliederzahl des Vereines ist unter der kräftigen Leitung des Grasen Zielen-- Schwerin ans 14 700, die Einnahmen sind auf 126 000 Mark gestiegen. Dabei ist die Rheinprovinz nur in geringem Maße beteiligt. Er empfiehlt, die Weihnachtskollekte mit warmer Liebe zu betreiben. Der Kaiser und die jüdischen Schächter Ungarns. Anfangs August fand in Budapest die Generalversammlung des ungarländischen jüdischen Schächter „Agudath Hasowchim" statt, aus welchem Anlasse die Versammelten ein HnldigungStelegramm an den Kaiser sendeten. Der Oberbürgermeister von Budapest verständigte nun, wie uns berichtet wirb, die Vereinsleituug, daß der Kaiser für die Kundgebung seinen Dank ans- 'sprechen lasse. Die Zuschrift lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: „Wohlgeboren Herrn Aron S t e i n b e r g e r, Budapest. Seine kaiserliche und apostolisch königliche Majestät hat geruht, die anläßlich der Generalversammlung zur Gründung eines Pensionsvereines für die Schächter und Kantoren der nngarländischen autonomen orthodoxen israelitischen Gemeinden von den Delegierten derselben zum Innsbruck gebrachte Huldigung mit allerhöchstem Danke zur Kenntnis zu nehmen. Ich habe die Ehre, Sie, geehrter Herr, als den Präsidenten der erwähnten konstituierenden Generalversammlung, hiervon ans Grundlage der Zuschrift Seiner Exzellenz des Herrn Ministers des Innern vom 22. August d. I., Präsidialzahl 6402, zu verständigen. Budapest, 27. August 1005. M a rk n s, Oberbürgermeister. Brandstiftung ans Judenhaß. Wie airs den Tagesblättern bekannt, ist die Schisfswerfte der Jirma L a z a nt s in F i n m c vorige Woche nicdergcbrannt. Nach einigen Tagen meldete sich in Fiume der aus Neusatz gebürtige Privatlehrere Milan Popvvich bei der Polizei, wv er angav, daß er das Feuer gelegt Habe, und zivar „a u s Ha ß gegen di e I n b c n". Die Polizei ließ feinen Geisteszustand prüferi, und der Gerichtshof verfügte die UebersUhruna des Popvvich in die Spitalsabteilnng für Geisteskranke. In diesem Spital versicherte er nur, daß er nicht geisteskrank sei. Er sei in Wien Universitütshörer gewesen und habe an jeder arltiserriMscheu Bewegung der Stnbenten teilgenommen. Bor fünf Jahren war er auch in Bubapest, wo er sich in ein Inden Mädchen verliebte, und da sie seine Liebe nicht erwiderte, ihr einen Drohbrief geschrieben habe, wofür er verhaftet und — in die Irrenanstalt gebracht wurde. Der antisemitische Brandstifter gesteht auch, mehrere Diebstähle verübt zn Haber». Jüdisch-akademische Ferialveebindung „Ga» mala" in Gödirrg, Bei den heurigen Chargenwahlen wurden gewählt: eavck. ins. Siegfried Steinitz, Präses, cuml. in«. L. Brammer, VizepräseS. vst. mscl. Julius Samstag, Schriftführer. Brünn. (Krankenpfleg« - Verein «B i k u r C h o l t m".) Den in ber letzten Generalversammlung ernannten Ehrenmitgliedern Herren Michael Glaser und Adolf S. Kohn, die dem Vorstände des Vereines seit seiner Grün-un-! angchören, rvnrden Sonntag den 24. d. die Ehrendiplvme in künstlerisch ansgestatteten Enveloppen durch den Obmann Herrn Dr. Siegmund Schimmerling überreicht. Der Obmann, der sich mit dem ObmanusteUverlreler Herrn Siegmnnd K. önigsgarten in die Wohnungen der gelianriten Ehrenmitglieder begeben hatte, feierte in einer herzlichen Ansprache die besonderen Verdienste der beiden Funktionäre um das Emporblühe» des Vereines und bat sie, ihre bewährten Kräfte noch fernerhin dem Vereine zur Verfügung zn stellen, was beide Ehrenmitglieder mit dein Ausdruck ihres Dankes für die besondere Anszeichnnng versprachen. Brünn. (L e i ch e n b e g ä n g n i s.) Gestern wutzde unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme ein verdienstvoller Schulmann zn Grabe getragen, dessen langjähriges Wirkerr mi der hiesigen israelitischen Boltsschnle von der ganzen Bewohnerschaft nuferer Stadt als ein segensreiches anerkarlnt rvurbe. Herr Samuel Spitzer, Leiter der israelitischen Volksschule in M.-Ostrau, welcher an derselben durch 32 Jahre tätig war, ist am 22. d. Nt. nach schwerem Leiden in» 61. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zn einer imposanten Tranertnndgebung, welcher Vertreter aller Gesellschaftsklassen in überaus großer Anzahl anwohnten. Den Zug eröffnete die Schuljugend der israelitischen Volksschule und die israelitischen Schüler und Schttlerittnen bes zweiten Bezirkes unter Führung der betreffenden Lehrpersonen. Vor dem Leichenwagen schritten die Herren Rabbiner Dr. Spira, Oberkarrtor Lörvy urrd Kantor Kläger. Diesen vorauf gingen die Herren Kantor Gvldmann und die Chorsänger Meist urrd Goldberger. Hinter den Leidtragenden folgten die Mitglieder der israelitischen Kultnsvorstehnng, mit dem Vorstände Herrn Dr. Hilf an der Spitze, ferner die Herren k. k. Polizeirat Vohnhut, k. k. Bezirkskornmissär Dr. von Gschmaidler und k. k. Polizeikommissür Dr. Kunz, k. k. Steuerinspektor Wirt, Oberingerrienr Berger, Dr. Klein, Dr. Straßmann, die Lehrerschaft von M.-Ostran, die Mitglieder des Vikttr-Ehaulim-Vereiues urrd viele andere Persönlichkeiten. In der Leichenhalle des israelrtifchen Friedhofes hielt Herr Rabbirrer Dr. Spira e-ine tiefergreifende Trauerrede, in der er der vielen Verdienste gedachte, die sich der Verstorbene um die Schule erworben hatte, und sich auch im allgemeinen über den hohen Berns des Lchrerstanöes erging. Herr Oberkantor Löwy besorgte mit den Kantoren und Chorsängern in hervorragender Weise den gesanglichen Teil der Zeremonie. Fiume. (R a b b i n e r i n st a l l a t i o rr.) Aus Fiume wird geschrieben: Am 22. Hs. fand die feierliche Installation des. nengewählten Rabbiners der isr. Kultus gemeinde in Fiume, Dr. Jofeph Frank, statt. Ter nengewählte Rabbiner wurde vorn Rabbiner P. Büchler aus Mor installiert. Die Antrittsrede des Rabbiners Dr. Frank machte tiefen Eindruck. Osijek (Kroatien). Hier wurde Oerr Oberkantor Jakob Schechter, Sohn des Oberkantors Simon Schechter aus C z e r n v w i tz, nach zwe-i mit großem Erfolge abgehaltenen Borträgen zürn Oberkarrtor der hiesigen Knltnsgemeinde gewühlt. Oberkantvr Schechter, der die königl. nng. Lanöesmnstkakadeinie und das Wiener Konservatvrmm besucht hat, besitzt Zsngrrisse der Hervorragendsten Mltsikkapazitäten über seine glänzenden stirnrnlichen und musikalischen Fähigkeiten -und kann sich die Ostjeker Kktltusgemeinde zn dieser Wahl rmr gratulieren. Temesvar. (Solidarität jüdischer K a u f l e n t e.) Einerr rrachahmensmerterr Beweis vor» Solidarität urrd Selbstachtnng haberr die jüdischen Kanflente vvrr Temesvar geliefert. Nachdem ihr Ansuchen, daß der auf die beiden Nosch- Hafchonoh-Tage angefetzterr Markt mit Rücksicht ans die judifchen Feiertage verlegt werde, abschlägig beschieden wurde, entschlossen sie sich, trotzdern die meisten forist am Sabbat rirrd den jüdischen Feiertagen ihre Geschäfte offenzuhalten pflegen, arr diesen Tagerr ihre Geschäfte geschlossen zu halten. Sie haberr dies durch folgerrden geschickt abgefaßtell Aufruf in den Lokalblättern bekanrltgegeben: „Zur Beachtung! Die geferttgten En-grvsulld En-detail-.Kanflente israelitischer Äonfessiorr särntlirher Brarichen am Temesvarer Platze geberr hiermit kurrd, daß sie ihre Geschäfte am M. Septerrrber rmd 1. Oktober l. I. (Markt- Samstag und -Sqnutag), nämlich an den hohen israelitischen Feiertagen, geschlvsserr halterr und erfuchen ihre geehrterr MaMkrmden, ihrerr Bedarf vor oder nach obigen Tagerr gofl. decken zu wollen. Temesvar, derr 23. September 1006." Diese Kundgebung ist von 106 Kanslerrten nnterzeichnet. . . Kvlvmea. Vor eirrigen Tagen fand hier die dritte Gelleralversammlltng des Vereistes „Zeirei Zion" statt. Der» Jahresbericht erstattete der Vizepräsident Jrvarrier. Ans dem Berichte geht hevvor, daß der Verein außer der zivrristischen dlrbeit arrch aNf dem Gebiete der Unterstützung durchzicherrder Ernigrarliell Bedeutendes geleistet hat. Nach Erteillrrrg des Absonltvrinms an den sthetdenderr Ausschuß, rorrbde die Neuwahl vorgenomrüen. Gewählt wurden: Dr. S. Rösenbeck, Prästdent: S. Iw ante r, Vizepräsident; L. Scharf, Kassier,' D. Hoffmann, Sekretär: B. Welitschker, Kontrollor,' M. Dan ger. M. L e «w k o w i t s ch, S. Habe r rrnd L. R o s e nblatt zrr AuAschUb'mitgliederrr ohne Funktion. ZUm Schluffe wubde der Gründer des Vereines, Herr Herrisch, der sich um den Verein groß« Verdienste erworben hat, anläßlich seiner Uebersiedlung nach Starrislan zmn Ghremnttglied« ernannt.