Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdisches Volköbiatt Seile « Nr. 40 lebenden liberalen Politiker Mar- . » -Mmligen^Mckffter dH NwWigeck? am Amegüng der' späMcWi Ge- Mß ln MleWura' uH Aonsiantiübpel eiüe.siäwetk fast' nWörücksichtigtl Dim'n geräöe auf jüdift fjn'Sef'ber Gedanke 'einet AnsWünng ifchöst'Spanien und 'seinen Verbannten lange ^IX,.V.rt TN». «J.tflS,» Trtfif L^Webeü hak. ' An beredten Wösten forderte Nmoo"bie spvtlisch-jüdlsch'r' äka-eMi'fche Iügeird MßIhreüt Programme tten zu blekö'en und rastlos zu kämpfen für die Erhaltung'oer Sptäche und Träüitionen ihrer Väter. Die Worte Pülidvs wären wie eine Botschaft an die Ickdenheit des Orients gerichtet: überall, wohin sie trafen, erweckten sie Begeisterung sowie die Hoffnung auf die Repatriacivn de tos Juiöios Espanoles." Wenn Spanien, durch die Untätigkeit seiner diplomatischen Vertreter hintangehälteN, erst jetzt sich 'äNWickt, für die Äüs'breitung seiner Sprache etwas'zu tun, so findet es zu seinem Schadenden Platz von einem nicht zu verachtenden Gegner geradezu besetzt. Besonders in den Spareien interessierenden Gegenden hat die „Allianee israelite" die'französische Sprache eingefü'hrt, und es ist bekannt, mit welchem Aufwande von Energie und Urpjtalbiese französische Gesellschaft das Werk der Erziehung im Orient weiterfrihrt. In anderer Hinsicht nruß jedoch gerade dieser Wettbewerb die W! 'Negierung, öder fei es eine spanische Ge- , drüsigen, eiüe mit so größere Energie in der Währung her Interessen Spaniens zu entfalten. Einen wesentlichen und positiven Untergrund würben diese Bestrebungen in dein Umstände finden, daß bei einem Entgegenkommen Spaniens gerade die Kreise kommerzielle Beziehungen mit ihm aiif der Balkan-Halbinsel ancn'üpfen würden, in deren Händen der weitaus größte De'il des Handels im Orient liegt. Auch in. Waxokko, wo die spanisch sprechenden Juden ein bööeutendes Element bilden, hat man es verabsäumt, diesen günstigen Umstand für den Ein- Tutz Spaniens anszuniitzen, und man möchte behaupten, daß seine diplomatischen Vertreter, die schon im Orient nicht sahen, in Marokko einfach b'ltnd wären. Hier hat jedenfalls die diplomatische Vertretung Spaniens den größten Fehler gemacht, indem sici die niäroMani'scheü Juden, in ihrer Eigenschaft als Spanier ignorierte, und wieder tpsir es die rührige ,-Alliance israelite", die auch hier ans afrikanischem V0den für Frankreichs Interessen Pionierarbeit verrichtete. Es unterliegt keinem Zweifels daß die Einwanderung von Inden iy Spanien dem Lande von einem nicht zu unterschätzenden Werte wäre, zumal als Ersatz für die alljährliche enorme Auswanderung der Spanier selbst. Ich habe bereits erwähnt, daß ans jüdischer Seite sich ein starker Inidisferentisinns gegenüber der' Annäherung an Spanien fühlbar macht. So traten denn a'nch in dieser Frage itnter den Juden selbst nur vereinzelte Siimüten ans, die auf Erhaltung der spanischen Sprache und einen ideellen arabischen. Der Mangel an alten Inschriften hat nicht viel zu besagen; denn bisher sind mir etiva nenn Zehntel dev Baureste aufgedecki. Hall meint, man könne also noch solche finden. Man darf es vielleicht bezweifeln, aber dieser Mangel wäre weiter nichts als eine Bestäti- S der Aitschauvng, daß die altsemitischen aisatoren damals, als sie nach Südafrika kamen, noch nicht schreiben foimtcu. Wann sie dorthin gc kommen sind, wird sich wohl niemals genau ermitteln lassen; aber es hindert nichts, den' Beginn der Koloinsntion irt das zweite vorchristliche Jahrtausend zu verlegen, also auch die Errichtung dev ältesten Bauwerke. Ihr Charakter verweist ans jene Zeit. Da sich ferner heute kaum noch ernstlich in Mrede stellen läßt, daß Salomo sein Gold aus helli heutigen Rhodesien bezogen, hat, so wären auch „seine" Millen oder vielmehr die der ihm tribu-tpflichtigeili Südarabev von, gleich hohem Alter. H. S. Huntes Feuilleton. Die Kochkiste jüdischen Ursprungs. In Mannheim Mpden "por kurzem eine Kochkisten-Ansstellttng eröffnet. Die hier ausgestellten Objekte werden tu der deutschen Presse lebhaft besprochen. Hierzu wird der „Franks. Ztg." geschrieben: Nun, so neu die Kochiste auch zu sein scheint: sie ist doch schon seit Iährtansenden bekannt. Die Mulchen Philologen können wenigstens mehrere Zitate alts dem ersten Jahrhundert nach Christus dafür bringest. Ist die Kochkiste heutzutage den außer dem Hause beschäftigten Frauen eine Notso war. sie. tsieS stets für den jüdMen um däs äln Freitag aUgekvchte Essen Anschluß au Spatlien drangen. Diese Jntellettuelsett ^cheü'"schM' länget' als' eilt DtzEwur'dkc große Masse'bi:r jüdlMm BeoölkeMüg unS'Wrm reth'argie 'zu reißen. Delln dätz uüter''hrft Hftpa- S' e _ __,_JM)thüUderts vergessen und klagen üur über die' Vetbannnng pon spanischem Boden,'ftrst Wie ttbrr deu Berlüst JernsakeMN. Selbst Ist iHre Geb eie haben sie die Bitte eingeschaltet, öcr'Hetr möäe sie "dereinst ins zweite gelobte Land, Uych Spanien, zurücksülhren, wo die Gebeine ihrer 'Väter ruhen, wo ihre Weisen und Nabbinett sich unvergänglichen Nnhm erworben, und wo die Wiege eines Halovy de Castilla und eines Ma'imoniHeH de Cordova stand. Diese Sehnsucht nach ihrem alten V'ater'lan'de brückt sich auch in ihren Volksliedern aus, in der Erhaltung spanischer Sitten Ilüd Gebräuche, und es ist geradezu bewundernswert, wie sich dort, im Orient, Sprichwörter und Nedewendungen erhalten haben, die man heute auch hier, in Spanien, bürt. Bei all dieser notorischen Anhänglichkeit der spanischen Juden an das' aste Vaterland ist es auffällig, daß sie iticht die geringsten Schritte zu einer Anbahnung von Bezichungen unternahntert, öder gar der Gedanke qn eiüe „Repratiäcion" positive Gestalt' 'hätte an Nehmen köllnen. Ebeüso auffällig ist es, daß die existierertden jüdischen Kolonifatiousge'sell-schasien und bekannte Wohltäter aus diese Seite der Judenfrage nicht aufmerksam geworden sinld. Sicherlich ist hier viel verabsän'mt worden. Ich hatte Gelegenheit, Stimmen hochstehender Persönlichkeiten ans allen Parteien über die spanisch-jüdische Frage zu hören, und habe nirgends auch nur das leiseste Anzeichen von Abneigung gegen die Ausrollung der spanisch-jüdischen Frage gefunden. Der Eifer des Senators Pulido hät anregend gewirkt nüd die öffentliche Meinung Spaniens ist aufmerllsam geworden. Die Königliche Akademie her Sprache hat korrespondierende Mitglieder u'nte.x den hervorragendsten Hispanoiuden des Dt'ieü'ts erttannt. Der Verein der Schriffftetter Spaniens sandte Werke seiner Mitglieder zur Förderung und Ausbreitung der fpaüitchesi Sprache in hie Zentren Her jüdischen BeMkerUng. Me'Haüdetskammern gesaridt, uw die Ackku-Üpslmg vosi- HmiWsherWuütztzn in die Wege zu leiten.' Dte' Hirspasto-Ainerikanische Union hat beWösscn, die Iuhensmg'e in ihr Programm anfztinehmen' nüd an der Lösung derselben miiznarbeiten. Auch mag' hier sticht mterwähUt bleiben ein Schreiben der tu Mmchen lebettdeü spanischelt Insautist Donna'' Paz', Gemahlili des Priitzen FeMnastd v.ou Payern uud Tante des Königs von Spanien.. Die DäW drückt in dem. Briefe ihre Be'srieötguüg über den günstigen Lauf der Dinge in heb "angeregtes 'ihr' sehr shmpathischen spatttsch-jüdischert Fräste aus ustd verspricht, den König von Spanien für die Sache zu gewinnen.' Daük der lJnitiative des Senators Pulido sind hier, in Madrid; bereits die nötigen Schritte geschehest zur Vikdung eines Pröpagäuda- Ko'miteeS, für welches nambaste Politiker' 'aus allen Parteien gewonnen sind. Dieses Komikee wird z,nr Anifgabe haben, neben einer energischen Propaganda in der öffentlichen McinuNä Spaniens die nötiget! Vorarbeiten zu erledigen, uni eine Verbindung zwischen Spanien uüd' den Hispanojndcn des Orients lind Marokkos herzuste'lleu, ferner durch seine Mitglieder, die Senaam Sabbat warm zu halten. Den Römern war diese Eigentümlichkeit der Juden so ausfallend, daß röniische Dichter die Juden als die „Leute mit der Kochkiste" bezeichneten. IUvenal erwähnt in dieser Weise an zwei Stellen die Kochkiste' der Inden, die mit Heu ausgefüllt ist, das die Speisen warm hält (int Talmud kommt sie natürlich auch vor). Der griechisch-lateinische Ausdruck dafür ist Cophinus, das in dem ettglischen Coffin und Coffre und dem deutschen Koffer fortlebt. Diese von Invenal genannten, mit Heu gesülltett Kisten fehltert vor 1800 Jahren ebensowenig in einem jitdischen Haushalt, wie heutzutage ähnliche, da das jüdische Gesetz jede Anwendung des Feuers aut Santstag verbot. In dett Scholien zu dett Ittvettalstellen ist die jiidische Kochkiste „Cophinus et fenlntt" mehrtnals beschrieben: „Kiste und .Heu sitrd destvegen ihr Hansgerät, weil sie gekochtes Fleisch darin ausbetvahrten, um am Sabbat tvarm essett zu könttett." Eine bei Friedländer in seiner großen 'Invettalansgabe zitierte Leidener Handschrist mit unediertetl Scholien zu Jnvettal drückt sich noch deutlicher aus: „Die Inden, die einen Dag vor Sabbat ihre Speisett heiß in die Kochkisten legten und mit Heu umgaben, nachdem die Töpfe vorher mit Titchertl ttttd Serwiettetr tmtwickelt waren, dautit sie äm Samstag warmes Essett hätten." Der Nttterschie'd zwischett der Kochkiste vor fast 2000 Jahren und der modernen Kochkiste ist also nur der, daß letztere angekochte und uicht gargekochte Speisett empfattgen soll. Uobr'igens kamt es schon damals auch jüdische 'Sabbatsveisett gegeben haben, die durch 18- bis 24'stitttdiges Heißbleib'eu ast Vorzüglichkeit ge>tvonnett haben, so daß auch „Cophinus et fettnm" selbsttätig weitergekocht habert mögett. Leider hat Investal sich tticht sagen lassen — trotzdem er sich für die Juden sehr interessierte — was für eilt „gesetztes Essen" sie tn der Kochkiste hatten. Hvraz hätte es aber sicher gewußt': dettn nach der Ansicht eines ünserer bedeutendsten Althtstoriker Mar Horaz der gleichen Abkunft, wie der große deutsche Dichter, der im 16. Jahrhundert die in der jüdischen Kochkiste reif gewordenen Säbbatspeisen besatttst. toren und Deputierte sind, die Mitarbeit her spa- «llcheP Mgiernstg zu veranlassen und besonders die Einst Dung yyn Beträgen m das Budget zur .. .. ir Einberufung .»ispanv-tüdischen Kongresses ttherletten. ' Ruit hat Dt. Pulido int Juni d. I. ein zweites Werk erscheinen lassen unter dem Titel: Espanoles sin pätria y la Näza Sefardi'(Spanier ohne Vaterlatid und die Rasse der Sefardim). In diesem umfangreichen Werke, das ein ungeheures statistisches Material enthält, sucht der' Verfasser seinetü Vaterlattde nun auch den Beweis zu crbrmgen, daß die Aufrollüng dieser Frage berechtigt ist, die Sefardim der Sympathie fhres Ur- Mutterlandes tvüvdig ustd als Staatsbürger brauchbar sind. Was Dr. Pulido da uüchterü und objektiv gesäinmelt hat, sirtd 'Belege, Tarsachett und Zahlen, auf derett Grundlage er seine Arbeit anfbaut stttd sie dadurch zu einem historischett Dokutpettt von hohem Werte tnacht. Das Werk hqt ist 'der gesamten spanischen Presse Anerkettstßng gesunden und dis spanische Regierung, der eS' als Material überwiesen wurde, jüngst veranlaßt, durch den Unterrichts minister ertlären zu lassen, haß sie sich das Programm Dr. Pulidos M eigett mache.' DÄmij ist die spanisch-jüdische Fraäe itt oiü''entscheidendes Stadium getreten. („Franks. Ztg.") Nudlest, anfangs Oktober. Wtz alles, in ÜWrn" gMieht, nicht mit normalem Maßstabe gemessen werden darf, so darf man auch bei Beurteikunq der her Inden nicht nach Haishy^'Logik uyd Vtzrnunst fragen. Der Päröxysmsts, der dqs ganze Land ergriffen, mußte naturgemäß auch die' ^uden, die ja nie Sonderintere^sen ye^rqfsü, ergreifest, heckst Kaltes Plut bewahren, HM kfaren Pepstand behqltiü, gilt heute als Hochverrat an der Nation. " Während aber alle anderen Nationen und Konfesstosten, wenigstens was ihre Führer 'betrifft, in diesem Ltzirrchärr nur gewinnen und nichts verlieren können, setzen die Audeck alles aufs Spiel, wenn sie jetzt nicht auf ihrer Hut sind. Die Koalition kasty sticht ewig h.Mamyten bleiben, sie wird künstlich zusammengehallen Und ihre festeste Stütze liegt nicht in der Stimmung und dem Willen des ungarischen Volkes sondern in der — politchen Unklstgheit ö st e r r ei ch i s ch er s e i t s. Die Fehler, die drüben an den kompetenten Stellen birgangen werden,' find die einzige Werbekraft fü^ die Koalition. Das Volk selbst ist der unffstchtharen Hetze' und ihrer wirtschaftlichen Folgen müde und erwartet mit Sehnsucht das erlösende Wort, das es aus dieser traurigen Situation herausführen soll. Ist abier einmal die Erlösung da — und sie muß kommen — kehren die einzelnen f arteien zu ihren Penaten, zu ihrer eigenen arteipolitik zurück, dann wird sich daalte Schauspiel wiederholen: die Juden werden — hb mit Recht öher Unrecht, bleibe vorläufig dahingestellt — dafür verantwortlich gemacht werden, was einzelne ihrer Führer durch allzüeifriges Hervortreten in der einen oder andern Frage „verbrochen^ haben. Vorläufig machen die ausgesprochen judenfeindlichen Parteien, ruhig im Trüben fischend, ihr politisches und wirtschaftiches Geschäftchen und w^nn Lueger in Wien bester unterrichtet oder ehrlicher wäre, als er es ist, müßte er sich über die jetzigen wirren Zustände in Ungarn freuen, denn Siegerin diesem „Kampfe" wird weder der Chauvinismus noch der Pseudo-Liberalismus, sondern einzig und allein der Antisemitismus bleiben. Die christlichsoziale Partei, die noch bis vor kurzem ganz unbeachtet blieb, hat sich die Erfolge der österreichischen Gesinnungsgenossen zunutze gemacht, ahmt ihr Beispiel nach, indem sie sich die rot-weiß-grünen Hosen anzieht, iim als patentierte Patrioten ungestört ihre Werbearheit zu betreiben. Ihr stärkstes und zugkräftigstes Losungswort ist hier genau so wie drüben in Oesterreich, daß die nationalen Forderungen nur deshalb nicht erreicht werden könnten, weit die jüdische Sozialdemokratie es hindere. Solche Schlagworte sind jetzt populär yd müssen sich für die Juden schon sehr ^ühlar gemacht habe», wenn ein Teil der Juden zu Mitteln der Abwehr — nicht gegen die chrisstichsöziqlßv,' soMrn gegen die Sozialdemokratie — greift, hie nur deshalb nicht erheiternd wirken, weil sie die traurige. Tastuche zutage fördern, daß unsere Juden in Ungarn l