Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2432763-2433077-2433117--3200-2437135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
öl'li *• Jüdische« Volksblatt Nr. 40 VMMZW tz^r WMememde U.nwhcp ner, ctuch sozialpösislscher ßflchmng elnfr^ten wird. ' . ' -. In Krakau ist überhaupt rühriges Leben bemerkbar. Ter Kultusvorstand hat in der jüngsten Sitzung auf Antrag des Kultusrates Tr. F i s ch l e r eine Kommission eingesetzt, dic sich rn.it der Frage der Errich t U n g e > u e s großen j ü b i f ch en G e m e i nd'e h a uf e s beschäftigen soll. Es wird als sicher angenommen, daß der Bau des Gemeindchaüses schön im nächsten Frühjahr in Angriff genommen wird. * Tarnopol, das verschriene Tarnopol, hat eine jüdische Anstält errichtet, wie sie in Oesterreich noch nicht existiert. Vorigen Sonntag wurde üämlich daselbst ein jüdisches Internat für jüdische Mittelschüler eröffnet. Das schmucke Haus Wurde durch den „Verein zur Uüterstützung armer israelitischerSchüler"erbaut und eingerichtet. Den Grundstock hierzu bildete eine Sammlung, welche dieser Verein zu besagtem Zwecke veranstaltete. Es sei hervorgehoben, 'daß die Mion dcs Vereines auch seitens der Stadtgemeinde Unterstützung fand. Das Internat — aus bescheidenen Mitteln hervorgegangen — kann natürlich vorläufig auch in seinen Leistungen nur bescheiden sein. Es besteht aus drei großen Schlafsälen mit zusammen 40 Betten, einem entsprechenden Speisesaal, Badezimmer usw. Die Einrichtung ist durchaus modern und den hygienischen Anforderungen' entsprechend. Die Leitung des jüdischen Internates ist dem jüdischen Gymnasialprofessor Dr. G r o ß übertragen worden. Bedenkt man, daß die Tarnopoler Mittelschulen von mehr als 800 jüdischen Schülern besucht werden, deren großer Teil der ärmeren Klasse angehören, so wird man es begreifen, Wenn der obaenannte Verein besonders an die in allen Richtungen der Welt lebenden „Tarnopoler" sich mit der Bitte 'wendet, das begonnene Werk zur Zuwendung von Unterstützungen zu fördern. Jedenfalls bat Tarnopol, das verschriene Tarnopol, eilt Institut ins Leben gerufen, das schon längst in — Wien bestehen müßte. Recht russische Zustände herrschen in manchen Gegenden Galiziens. So geschah es vor einigen Tagen, an einem Markttag in Gwozdinetz, daß ein Bauer aus einem, benachbarten Dorfe spät abends mit einem jüdischen Schuster Händel anfing, im Verlaufe welcher der Bauerdem Juden init einem mitgebrachten Ziegelsteine den Kopf einschlug und ihm lebensgefährliche Verletzungen beibrachte. Herbeigeeilte Juden brachten den Juden zum Distriktsarzt. Der Arzt war eben im Begriff, in den Zirkus zu gehen und lehnte die Behandlung des Juden „zu so später Nachtstunde" gebiet aber das heutige südliche Rhodesien annimmt. Es folgten die Forschungen! Halls und Neals Ende der neunziger Jahre, aus denen sich zunächst eine ungeahnt große Ausdehnung des südrhodesischen Nuinengebietes ergab; es stellte sich heraus, daß das ganze Hochland zwischen Sambesi und Limpopo mit den Resten von Forts, Tempeln und Turassen, für Getreidebau förmlich übersäet ist. Es wurde aber ferner auch, gewiß, daß diese Ruinen, ein. sehr verschiedenes Alter haben. »Nur die Entstehung von zwei Bauten glaubten Hall und Neal bis uin das Jahr 2000 v. Ehr. zurückdatieren zu können, die jüngsten mochten, nach ihrer Ansicht aus der Zeit des Monomotapareiches stammen, eines Staates der Mafalairganeger, über den. die erwähnten portugiesischen Schriftsteller des 16. nachchristlichen Jahrhunderts berichten. Man fand außerdem einige Goldarbeiten zweifelhaften Alters, aber leine alten Inschriften und keine alten Gräber, bereu Inhalt über die frühesten Kolonisatoren hätte Aufschluß geben können. Die Verwaltung Rhodesiens hat sich dann die weitere Erforschung der Ruinen angelegen sein lassen, vornehmlich die Freilegung von Simbabye, das aus dern foflenaniuen elliptischen Tempel, einer „Akropolis" auf einer nahen Kiopje und einigen minder bemerkenswerten Resten besteht. Hall, mit den Arbeiten beauftragt, hat 1902 bis 1904 Grabungen vorgegoinmenj und ist einem jüngst erschienenen Huche „Hreat Zimbabwe" und in einigen anderen, evgänzenrunhweg gb. Vom Arzte wurde der Jude blutübMMmit" zutst Gerichtsrate gebracht, der öeMWd am cilchertn Tage das übrige zu bexahläßen 'und pist Begleitern des 'Perletzten deü Rät1 gab, im Geiiteindeanst den Bürgermeister zu ersuchen, daß er den, Tlsstriklsarzt hcwe'iholen la sse. Zum Glücke loa reu. im Ge- IlMy'dtä'mt'e Noch rittitzö jüdische Gonninderäte, unter ihnen, guck) Herr Goldfeld anwesend. Letzterer nun sandte einen Boten in bcn ZirkuK, itnt den Acht zu holen, der aber auch der'amtlichen Aufforderung nicht Folge leisten wollte. Nun, mußte man sich cntschließen, den Verletzten, der sich vor Schmerzen ivand, nach K'dlomea zu befördern. Gegeir ben Distriktsarzk wurde die Airzeige bei der Bezirkshauhtmaüüschäft erstattet. Dem Arzt wird nicht viel geschehen, der Jude liegt im Sterben. Es ist doch eiste Wonne, ein vollberechtigter jüdischer Pnrger' des österreichischen, Staates 31t sein und seine Bürgerrechte in Galizien genießen zu u?"cj- Ben-Ami. Djx Judeilfrffge i« Spanien. Von Siegwart Al. Nutzbau m Madrid). Zwar ist es eine ofgentümliche Erscheinung, daß im' „jlüdenreinen" ' Spanien philosemitische StrömünneU ° crsteheü : können, und doch, in den Spalten der Presse schlagen sie an und auch ins Parlament schon flutete eine der Wellen, weitere Kreise nach sich ziehend. Es war zur Zeit der Größen Revolution, als zum ersten Male in Spanien eine BcwcMng erstand zu dem Zwecke, den politischen Irrtum des Jahres 1492 wieder gut zu wachen, und im liberalen Geiste jener Zeit würde der Gedanke wach, sich, nachdem drei Jahrhunderte verflossen waren, der Nachkommen des vertriebenen Volkes wieder anzunehmen und sie als spanische Landeskinder a»zuerkennen. Denn man sah wohl damals schon ein, daß das Edikt der „Neyes catolicvs" ein Verderb für Spanien selbst war. Die Juden waren in gewissem Sinne die Träger des Handels uttd Gewerbes,' auch muß man sich den aller Arbeit abhvlben Hidalgo-Charckkter der damaligen Spanier vergegenwärtigen, «um zu verstehen, welche Bedeutung die Ausweisung des sozusagen einzigen Handel-' und gewerbetreibenden Elementes für das Land hatte. Dieses Geständnis, das Spanien sich selbst machte, zeitigte jehoch keine praktischen Folgen; es wurde stets viel nach guter spanischer Art darüber gesprochen urid dabei blieb es. Auch eiirc glänzende Verteidigungsrede der Juden, die Castelar, der spätere Präsident der spanischen Republik, bei Gelegenheit einer Kritik der Politik des 45. Jahrhunderts hielt, brachte weiter nichts als ihm selbst dieDaukbaAeit der Juden. Als Castelar, Jahre später, Tanger besuchte, wurde er von den marokkanischen Juden begeistert empfangen. Es erstaunte ihn außerordentlich, als er dort ein unverfälschtes reines Spanisch sprechen hörte, und wohl auch in seinem Geiste mag damals schon der Gedanke entstanden sein, der heute wiederum beginut, Wurzel zu fassen und fruchtbringend sich auszubreiteu. Aehrilich wie es Castelar in Marokko erging, berührt es viele spanische Reisende ganz eigenärtig'heimisch, wenn sie den Orient besuchen und dort, wo sie nur fremde Zungen z>tl vernehmen den Veröffentlichungen -darüber berichtet. Mit alten, Inschriften und Gräbern kann er wiederum nicht dienen, aber er hat doch, manche Tatsachen von neuem erhärtet, vor allein die, daß sich unter den etwa 800 bis jetzt bekannten Ruinenstätten Süd-Rhodesiens wenn nicht viele, so doch einige Dutzend von, sehr hohem Alter befinden. Zu diesen gehören die erwähnten beiden Hauptbauwerke von Simbabye selbst, wennschon sie die Spuren jüngerer Ergänzungen tragen. Die übrigen Reste sind jünger, zum Teile nur wenige Jahrhunderte alt und Negerbauten. Es scheint, daß, nnch? dem die altsemitischen Kolonisatoren und- Ausbeuter Rhodesien verlassen haben, der Minenbetrieb durch! fremde Elemente durch viele Jahrhunderte aufgehürt hat und daß er erst von den Arabern der mohammedanischen Zeit und schließlich durch die Makalanga fortgeführt worden ist, unter Benützung und Ausdehnung . der asten Baüreste. Man könnte mm einwenden, hier stehe : Ansicht gegen Ansicht, und es ließe sich nicht beurteilen, ob Mac Iller mit Recht öder Unrecht das, was man bisher für Tatsachen gehalten hat, für Irrtum erklärt. Es fehlt aber doch sticht ap Material, das den antiken sabäi- : schep oder' semitischen Ursprung ' mancher Ruinen sicheffiiellt' und die Vermutung, "alle ohne Ausnahme rührten von den Negern des 16. oder 16. Jahrhunderts her, ausschließt. , Dahin gehört zunächst der allgemeine Ehai rykter der Nmnen Pyn SiryWhe:. den koni- ' scheu, Turm int elliptischen Tewipel sicht man glaubten, plötzlich heimische Laute an ihr Ohr klingen hören, ein sonderbares Spanisch/ast'glte Beiten erinnernd und trotz der starkxy Korvümpjerung der Sprache des Cervantes gleich: oex' MtWwa- Mchö' Jürgolü ObwÄst es wMekannfwdp,'vatz Abkömmlinge' bet einstigen spanischen Juden existierten, hat man sie in jüngster Zeit wiederum aufs neue entdecken wüss.ett, ltnb es wckr vornehmlich DoN Angel Pulidv, Seüätor für die Universität Salümanca, der auf einer Reise nach dem Orient die Entdeckung der „Hlspanojuden" abermals machte. Diese HtspanoAlVen, wll 'wir'sie nennen wollen — sie selbst nennen sich ),SeKrbiln" — sind die Nachkommen der ans Spanien ansaewiesenen Juden, die durch vier Jahrhunderte hindurch ihre Sprache und ihre Traditionen ans altspanischer Zelt bewahrt haben. 'Män schätzt Ihre Zahl auf 600 000 und es gibt Mär StMstfker, welche die Zahl der Hispanofuden — Marokko ein geschlossen — mit einer M illion angebep. lNarh einer späteren Schätzung Dr.' Pülödos'sollön es fast ztrei Millionen ans der ganzen'Erde setn!) Wenn diöse Abkömmlinge ehemaliger fpänischer Untertanen neuerdings ansangen, haß Interesse ihres Alt->Vaterlandes zu erwecken, so jst es besonders das Verdienst Pnliöos, den wir als den intellektuellen Urheber öe'r spanisch-jüdischen Bewegung hinsMen können. ' Der Senator'Pnlido ist ein Mann, der seit langen'Jaürew im öffentlichen Leben Spaniens eine Rhlle spielt.' Als Präsident des gesamten spclttischen SmtitätWesens hat er seinen! Vaterlande grötze' Dienste Mlesstet und als fruchtbarer Schriftsteller piid bekannter Parlamentarier seinem Namen einen guten Mang zu göben gewußt. Ich hatte Gelegenheit, Dr.'Pnlido vor einiget Zeit zu sprechen, nachdem die häufigen Artikel der hiesigen Presse über die spanischen Fillden mich ans diese bedeutsame Frage änfmerksam gemacht hatten. Am 13. November 1906 hatte Senator'Pnlkdö im SWaw an den Minister'der auswärtigen Angelegenheiten solgende Jnterpellatimi gerichtet: „Mas gedenkt der Minister des Auswärsigen zu tun, angesichts der Tatsache, daß 'iw 'Orient mehr als eine halbe Million Nachkommen ehemaliger spanischer Untertanen lwen, 'um"die sich weder die Regierung Spaniens noch feilte Gesandten und Konsuln küinmern, währendie königliche Akademie der spanischen Spräche mit perschränkten Armen znsieht, 'wie die Sprach^, welche dieses Volk durch Jahrhunderte hiirdarch'"'mit Liebe gepflegt hat, irn Begriffe steht, zu verschwinden?" Ter Minister erwiderte, daß er her A'nspage und ihrer Begründung mit größtem Jnteresie gelauscht habe, und er versprach, alles zu kün^was in seinen Kräften stehe, um die spanisch-jüdische Frage anfzurollen. Auch der Gras von Casa- Balencia versprach die tatkrästige Mitwirkung der Akademie der spanischen Sprache: Diese Aßregung Pulidos tut Senat wurde in Spanien selbst' mit Wohlwollen anfgenommen: man begästn' sich älletllbalben mst der spanisch-jiüdischen Frage zu beschäftigen und die solgende Tat Pulidos, die Veröfsentlichttüg seines Buches „Los Isvaelitas Gspanoles" brachte die Augelegeuhell vollends in Fluß. Diesen: Buche sind die nachstehenden Angaben entnommen, dcneN Dr. Pülidö in liebenswürdiger Weise noch mündliche Erlänternngen beifügte. >Es mag nicht allbekannt öder wieder vergessen worden sein, daß bereits im Jahre 1861 eine starke philvsemitische' Aonßerung der spanischen Regierung erfolgte! Ans Anlatz'der JcchenverfolgiUkgeN dcs JahreS 1881 in Rußland eplietz nämlich der verstorbene König Alfons der'Zwölfte auch auf einer in BybloK im alten Phönizien gefnlldenen antiken Medaille, die Ornanientierung der Maliern, auch auf Ballwerkcn Südarabiens. Ferner ein Teil der Funde: ein in Simbabye aus gegrabener Seifensteilizylinder mit Rosetten gleicht einem auf der Stätte des alten, phönizischen Tempcls von Paphos acstlndenen Zylinder; dann erinnerst die zahlreichen Vogrlstgnren ans Seifenstein eure den ostmittelländischen Kulturkreis. Die Makalanga werden, das alles ebcnsolvenig erfuiiden haben wie den Zodiaklls auf einer in, Simbabye. gefundenen Holzschale, oblvohl diese als vielleicht nicht antikes Belveisstück ausscheiden mag. Wenig beweiskräftig mögen alich, die vielen in Symbabye gefundenen Phalli sein, ' weif sie überall das Symbol von Natlirreligionen, sind; ebenso lvird lnan ans die „semitische" Gesichtsbildung der Makalanga nicht viel geben dürfen, weil solche glich sollst üt> der. Welt vorkommt, wo von BlntmischunF mit Semiten nicht die Rede sein kann. Jtn übrigen sei noch davallf verwiesen, daß es gar nichts Merktvürdiges imb Unerhörtes ist, daß Senliten, vielleicht gar Jllden selbst, ist alten, Zeiten hier kolonisiert haben; denn der semitische Kulturkreis geht auch bis Mada-gaskar. Bezieht sich f ac Jver darans, daß Ocherbss«! chülesischen irzellans in den untersten, also ältesten Schichten der von ihur besuchten Ruinenstätten vorkostuneil, so hat sie HallJjn SimbaW' unv anderwärts in den, obersten' Schichten gefunden, jö'Vatz anAm'eWen U die bon'Mäc Jtzer erforschieni Rulmü gehören zu den miitelgWlich-