Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 40 Jüdisches Volksblatt Seite '6 gegen!ben Chauvinismus, Antisemitismus und Klerikalismns der nationaler Gogner, züchtet ihn beim eigenen Volke, donnert gegen die R ea k t i o n un>d ebnet ihr, ganz wie die m a - g y a r i s ch> e Koalition, die Wege. Und diese P! o l i t i k, die zur Verewigung des Chaos in der Monarchie, zum steigernden Nationalitätenkampf und Antisemitismus führt, wollen die herrschenden Kreise des Judentums auch noch weiter mit ihren Stimmen und mit ihrem Geld unterstützen??? Die Förderung der Politik der deutschen Gemeinbürgschaft durch die mährischen Juden (trotzdem diese Gemeinburgschaft heute bereits einen sehr starken a n t i - s e in i t i sch e n Einschlag hat), muß (auch alle mährischen T s ch e ch e n ins antisemitische Lager treiben, umgekehrt wäre wieder die Förderung der tschcchischt-chauvinistischen Bestrebungen! der Herren S t r a n sky und Konsorten nur Wasser auf die Mühle der Hintermänner des ,/Deutschen! Volksblatt", die heute bereits für die Verschärfung des deutsch-tschechischen Konfliktes die I u d e n verantwortlich machen. Diese dürfen ebensowenig als Kanonenfutter für Herrn Lecher, als für Herrn Stransky sich mißbrauchen lassen. Aber immerhin! können wir dem- Mg. Dr. Stransky znstfimmen, ivenn er die derzeitigen Verhältnisse in Oesterreich folgendermaßen charakterisiert: Kein Mensch von uns weiß, wozu wir eigentlich da sind. Wir spielen hier eine ganz lächerliche Komödie und die Negierung spielt diese Komödie mit, sie ist ebenso unbeständig wie wir. Niemand herrscht bei uns, niemand will sich beherrschen! lassen, jeder tut, was er will, vom Amtsdiener bis zum Ministerpräsidenten. Es herrscht v o l l - st ä n d i g e A n a r ch i e und der Ministerpräsident würde uns« einen großen Dienst erweisen, wenn er uns davon! befreie u w ü r d e, daß wir diese Komödie n o ch weiter spielen müsse n. Möge er dieses Haus noch heute auflösen, und er wird eine große politische Tat vollbracht Hab ein Und wie der „Jude" S t r a n s k y, sagt auch der Antisemit Lueger, was wir seit Jahren im „Jüdischen Volksblatt" immer wiederholen: Ich bewundere auch den Ministcrpräsidenten, daß er uv der letzten Sitzung den verfassungsmäßigen Weg mit solcher Entschiedenheit verteidigt hat. Ich frage den Ministerpräsidenten: Befindet er sich überhaupt noch auf verfassungs m äßige mWege? Haben wir die Delegationen? Nein! Bekommen wir sie? Nein! Was wird der Ministerpräsident mu! 1. Jänner ansangen? Er h at kein Geld, und wenn er s i ch e i u> e s auf verfass u n g s m äßige m Wege wmstacsui i.'wmmraanKmwmitui iiwma—a— beschaffen will, i st er geradezu a b g e s ch n i t t e n. Wenn wir ein Ermächtigungsgesetz beschließen, dann begeht nicht nur der Minister, sondern auch wir einen Verfassungsbruch. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist nicht meine Aufgabe, in die Zukunft zu schauen, aber — ich will niemanden! beleidigen — sind Si e h i e r i m st a n d e, ein gerechtes N a t i o n a l i t ä t e n g e s e tz z u s ch a f f e n? N e i n! Weder die T s ch c ch e n n o ch die Deutschen u o ch die S l o v e ne n, n o ch irgend jj c m a n d hier in. diese m H a u s c w ä r e i m st a n d c, e i n ordcntli ch e s N a - t i o n a l i t ä t e niu n d S p r. a ch e n - ge setz zu schaffen. Sind sic imstande, sich e ine a n st ä n d i g e G e - s ch ä f t s o r d n u n g z u m a ch e n? Nein! Glauben Sie wirklich, daß S i c i in st ande s i n d, u nscre m Vaterlande z u helfe n? ,N e i n, S i e f i n d e s nicht! U n d Im» v o n hier gilt, g. i l t au ch v o n» d r ü b e n; a u ch d. r ü b e n i st in i t d e m P a r l a m ent a b s o l u t nichts a nz u fa n ge n. Was wird also in Zukunst geschehen? Der Ministerpräsident muß sich selbst sagen, die Zukunft wird sei n, d a ß d r e H ä u s e r hüben und drüben aufgelöst werden, damit diese beiden Parlamente verschwinden, als ob sie nie auf der Welt gewesen wären. Sie werden ein oktroyiertes Wahlrecht schaffen müssen und mit diesem werden auch alle die Fragen gelöst. Wenn Graf Sternberg von dein Verfassungseid spricht, so will ich ihm folgendes sagen.: Er wird gewiß einmal feierlich angelobt haben, keinen Menschen zu ermorden. Ich glaube, schon in beit Windeln hat er dies getan, denn es ist eine Tauffrage: Du sollst! nicht morden. Wenn Graf Sternberg im Walde von einem. Räuber angefallen wird, wird er ihn gewiß ohne jedwedes Bedenken vom Leben zum, Tode befördern. Und so ist es auch hier. Es muß O e st e r r e i ch v o n d e m unnötigen Gerümpel gereinigt werden, d a m i t wieder freie Lu ft h e r e i n z i e h t und dieses R eich! w i ed e r e ine g l ä n - z e n d e M a ch t w e r d e. Ist das auf Grund des a l l g e m e i n e n, glei ch e n, direkten u n d gehet m e n W a h l r e ch - c s d u r ch g e f ü h r t, dann: wir d u n s e r Vaterland wieder ei n b ü nd nis - fähiges R e i ch sei n. Tann werden wieder d i e N a t i o na l i t ä t e n un d lK! l e i n st a a t e n auf der Balkan- Halbinsel m i t V e r t r au e n a u f Oesterreich, blicken, dann werden wir ein stolzes, kräftiges Zentrum sein. Dann werden wir wieder ein!nächtiges Volk nnd^ ein nnichtiges Reich sein und die alte Position znrückerobern, die wir leider verlieren mußten durch die Unklugheit, Schwäche und Nichtvoraussi.bt der Negierungen, die wir hüben und drüben gehabt haben. Galizischer Brief. Man sollte cs kaum für möglich halten, daß in Ländern, in denen die Juden zufolge ihrer großen Zahl doch leichter in der Lage wären, durch festes» Zusammenhalten den Druck des wirtschaftlichen Boykotts seitens der herrschenden nichtjüdischen Kreise zu mildern, die jüdischen Arbeiter gerade von den jüdischen öffentlichen Anstalten übergangen werden. Solche Fälle kommen jedoch in Lemberg gar häufig vor und es sind nicht gerade die modernen, fortschrittlichen jüdischen Kreise allein, denen dieser Vorwurf gemacht werden kann. Der Tempel und die Klaus in Lemberg werden gegenwärtig einer größeren Reparatur unterzogen. Man, hätte raut erwarten dürfen, daß diese Arbeiten jüdischen Handwerkern übergeben werden, die Herren von der Klaus aber übergingen die jüdischen Arbeiter und ließen sämtliche Tischler- und Schlosserarbeiten christlichen Arbeitern ztlkominelt. Mit Recht fragen die übergangenen jüdischen Handwerker, an wen sie sich eigentlich um Arbeit wenden sollen, wenn sie von ihren eigenen Stammesbrüd.'m boykottiert werden. Wir möchten noch die Frage hinzufngen, wie schlecht muß es noch unseren galizischen Stammesbrüdern ergehen, um zur Vernunft zu gelangen?! * Noch einen wirklichen Fortschritt muß ich Ihnen aus unserem Galizien melden, einen Fortschritt, dessen sich meines Wissens auch fein* anderes jüdisches Gemeinwesen in Oesterreich rühmen kann. Tie K r a k a u er Kultusgemeinde trügt sich mit der Idee herum, für die dortigen Knltnswahlen das allgemeine Wahlrecht' einzuführen. Die Vorarbeiten sind dein „Hamizpah" zufolge schon soweit gediehen, daß die Durchführung dieser Wahlreform schon in allernächster Zeit erfolgen dürste. Hiernach soll jeder Jude, der das vierundzwanzigste Lebensjahr erreicht hat, in Krakau lebt und direkte oder indirekte (und hierin liegt das Wesentliche der Reform) Kultnsstcuern leistet, das.aktive und passive Wahlrecht besitzen. Letzteres natürlich nur innerhalb des Rahmens der Staatsgesetze. Man hat also in Krakau keine Angst, daß durch die Erweiterung des Knltnswahlgesetzes die Würde der Kultnsrepräsentanz leiden könnte. Hingegen ist es sicher, daß das Interesse der breiteren! Schichten der Jndenheit an den Kultusangelegenheiten eine Steigerung erfahren, und die ben nicht auf. Nur seine physischen Kräfte sind durch die Sänge der Zeit gelähmt lvorden, nicht aber auch sein fester, eiserner Wille, nicht aber auch sein Hoffen, Sehnen und Wollen; gegen, dieses erwies sich Asmodai, in welcher Gestalt er auch austrat, als machtlos. Israel l e b t und fühlt seine Schmerzen und Leiden; es fühlt wie Dolchstiche im Herzen die Wirkung der Lügen und Verleumdungen seiner Hasser und »Neider, darum weint es, wie einst sein König Salomo, die bittersten! Tränen über das ihm zuteil gelvordene Schicksal; aber es verzweifelt nicht, läßt den Mut nicht sinken, es läßt sich nicht ans der Reihe der lebenden Naiionen ausstoßen und vom Schauplatze der historischen Weltbühne verdrängen: „Israel kehrt nach Ost den Blick Und seiner Seele Sorgen, Es denkt an sein künftiges Glück Und an der Freiheit Morgen." (Frei aus dom „Hazeman", Jahrg. 1890.) Das Alter der „Goldminen König Salomos". Es ist kürzlich berichtet worden, daß der englische Archäologe N. Mar Jver in Bnlawayo vor der British Association einen Vortrag über die „Goldnnnen 5könig Salomos", d. h. über die Ruinen Süd-Rhodesiens gehalten und Habei erklärt habe, daß keine dieser Rninen über das 16. oder 16. Jahrhundert, nämlich über die Zeit des Negerreiches Vlonoinotapa znrückreiche. Der Gelehrte habe die Ruinen von Jncanga, Kmni „und anderen! Orten" besucht und sei zu seiner Ansicht sowohl durch den Charakter der Banreste als auch durch das Fnndergebnis (inittelalterliche Sachen wie ^iangkiilgporzellan, Fehlen von Inschriften) geführt worden. Diese Ansicht minß Berlvnnderung hervorrnfen, falls sie tatsächlich und in solcher Form ohne Einschräicknng geänßen lvorden ist, und da es sich hier um eines der interessantesten Problelne vorgeschichtlicher Völkerbeziehnngen' handelt, werden einige Bemerkungen darüber nicht überflüssig sein. Die erste Knude von. großartigen Ruinen und Goldininen im Hinterlande der Safolo- Mste hat man van portugiesischen Schriftstellern des 16. Jahrhunderts, die auch schon die Meinmlg äußerten, man habe dort die Stätte des alten Ophir vor sich, von wo Salomo mit Hilfe Hirams Gold, Edelsteine und Tierknriositäten, bezogen hat. Aber diese Klmde verfiel der Vergessenheit und es blieb 1871 demdeutschen Forscher Manch Vorbehalten, die schönsten und stattlichsten der Ruinen, die von Simbabye, von neuem zu entdecken. Seitde:n sind die südafrikanischen Ruinen häufig untersucht, beschrieben innb diskutiert lvorden. Die Frage, auf wen sie znrückznführen seien, welches Volk dort Koloinen gehabt habe, hat man verschieden beantwortet, doch nur bis zll eineln gewissen! Grade verschieden.; denn während einige die Phöllizier und Indem, die Ophirfahrer der Bibel, an der Sofalaküste kolonisierend anftreten ließen, schlossen andere arrf die Sabäer oder andere Südaraber — alle also jedenfalls ans Semiten einer weit zurückliegenden Epoche. Die Rniiwn von Simbabye verraten einen ziemlich hohen Kulturgrad, weshalb zwei ihrer Erforscher, der Engländer Beut und der Deutsche Schlichter, in der kulturellen Einschätzung der Erb an er vielleicht zu lveit gegangen sind. Sie haben, sie als große Astronomen, und Ncathennitiker bezeichnet, was sich in der Orientierung gelvisser Bauwerke, in der Allfstellnng von> Rtonolithen als Gnomone und in den Kegeltürmen zu. erkennen gebe, und Schlichter hat atis allem gar die Schiefe Ekliptik ztrr Zeit der Errichtung von Simbabye, die den Eroberern bekannt gewesen! und von ihnen in der Tempelanlage berücksichtigt worden sei, berechnen zu können geglaubt und daraus lvieder das Errichitingsjahr mit etwa 1100 v. Ehr. konstrtiieren lvollen! Das ist des Guten lvohl zu viel getan. Jedenfalls aber wurden fast allgemein bis vor wenigen, Jahren alle bis dahiit bekannt gelvordenen Banlverke R'hodesiens für sehr alt gehalten und als ihre Errichter ztMteisi die Sabäer bezeichnet. Das lvidersprach aud> kaum der Meinung derer, die dort das Goldland Ophir suchen; denn in der Zeit der biblischen Ophirsahrten Jvar Saba deltt König Salomo llntertan. Selbst die Theorie Keanes passt dazu, der zwar in Ophir muden goldverteilenden Hafen sieht und ihn an, die südarabische Küste verlegt, als gold- ProdnzierendeS, altselnitisehes Kolonisations- S. MITTELBflCH Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 4 (Palais Sina) im Z* nlnu- <W H Ablüh,-Pillen, d. ii Stuhl rejioh.dp*Mi' U*1 idcd (’iflf p wpias vtr/.n<kpriBii Abllilirpilkn ultlekaimt. fiiwRoü«, puth. 8 Schachteln, )Kr«tUII