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Jüdisches Volksblatt · 1905-09-29 · 39 (29.9.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Jüdisches Volksblatt Seite fe Konrad-GMunD, 2 Plätze zu K 8; die Abraham Adolf Kuh-Stiftung, 2 Plätze zu K 20; die Charlotte Rabatz-Widmung, 3 Plätze zusammen L 16; die Heinrich Krall-Widmung für kranke Männer, 12 Plätze zu K 40; die Hermann Kohnberger- Stistung, 3 Plätze zu K 19; die Betti Hor- Ichctzky-Armenwidmuug, 2 Plätze zu K 8.40; die Andreas Fergl-Witweustiftung, 8 Plätze zu L 100; die Heinrich Klinger-Widmung 1908 für Handels- oder Gewerbetreibende, 3 Plätze zu K 200. Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten wird die Satzung um 1 Uhr mittags geschloffen. Gödinger Brief. G ö d i n g, 21. September 1906. Der heutige Tag wird in den Annalen unserer Kultusgemeinde als ein denkwürdiger Festtag zur ewiger: Erinnerung verzeichnet, denn er liefert rms den Beweis, daß wahr das Wort: „Israel ist nicht verwaist". Herr Großindustrieller, Kammerrat und Besitzer des Franz Josefa-Ordens Fritz Redl i ch und seine ihm würdig zur Seite stehende Gemahlin Frau Emmy gdb. v. Taussig spendeten eine reichgeschmückte Thorarolle, wozu die Schwester des Spenders Frau Dr. H el lma n n geb. Redlich eine höchst kostbare Decke mit überaus reicher, orientalischer Stickerei fügte. Die edlen Spender bewiesen durch die Gabe selbst sowie durch die Art, wie sie dieselbe ihrem Zwecke, 'religiösen Sinn zu fördern, zuführten, wahrhaft, hochherzige Opferwilligkeik und Anhänglichkeit an den angestammten Väterglauben. Herr Redlich trug unter hem1 Baldachin, begleitet vom Rabbiner und den> Kantoren!, weißgekleideten Mädchen . und gefolgt von Mitgliedern! des Komitees, jüdischen Hochschülern und Beamten, die neue Thorarölle in den Prächtig geschmückten Tempel. Hier erwartete der Gesamtausschuß mit dem Vorsteher an der Spitze die festlich gekleidete 'Gemeinde,!den FHßug, wobei Nur leider bemerken mußten, wie berechtigt auch hier der Ausspruch des Propheten ist: „Zu eng ist mir der Raum! ..." Nun überreichte Herr Redlich den: Herrn Kultusvorsteher die von ihm gewidmete Thovarolle mit kurzer, aber herzlicher Ansprache in die Obhut der Gemeinde. Herr Dr. Körneu dankte in kurzen, aber herzlichen Worten dem Spender. Unter Leitung des Oberkantors Grünwald wurden Chöre in exakter Weise ausgeführt, worauf Herr Rabbiner Dr. L a z arus in einer nacht Form und Inhalt höchst vollendeten Rede dartat, welche Mission der Jude hat, und daß er durch treue Erfüllung derselben das Fortbestehen des Judentums sichert. Mit einem innigen Gebete schloß der Redner und es war deutlich erkennbar, daß Gesang und Rede die Anwesenden in eine hoch weihevolle Stimmung versetzten. Das Arrangement der erhebenden Feier hatte der älteste Sohn des unvergeßlichen!, in Gott ruhenden früheren Kultusvorstehers Herrn Wilhelm L e ch n e r, Herr Karl Lechner, übernommen, dem die exakte Durchführung des Programmes in erster Linie zu danken ist. Brief aus Serajewo. Tempelweihe in Btfegrad. Aus Visegrad an der Drina schreibt man uns vom 14. ds.: Vorgestiern, am 12. ds., war unser Städtchen! der Schauplatz eines Ereignisses, welches trotz seiner lokalen.Natur eine weit über die engen Grenzen des Weichbildes unseres Ortes hinausragende Bedeutung besitzt. Ätm genannten Tage wurde der von der vereinigten sephardischen u m b öfter r.-u n g. i s r. Kult u s gemeinde mit großen Opfern erbaute schmucke Tempel feierlich eingeweiht. Was dieser Feier ihre Bedeutung gab, ist die erfreuliche Tatsache, daß sich dieselbe unter tätiger Mitwirkung dev gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession vollzog. Den Weiheakt vollzog Herr? Rabbiner Dr. W e s z e l aus Serajewo, welcher in Begleitung des greisen Präsidenten der Serajewoer sephardischen Gemeinde Herrn Salonwn eff. Salon: und einer Deputation derselben Gemeinde am Tage vorher hier eintraf. Ein berittenes Banderium holte. den ehrwürdigen Seelsorger und die.Festgäste ein, die 5 Kilonvcter von der Stadt entfernt, vom Bürgermeister Suljaga Osmanagic nebst einigen Genreinderäten, von der gesamten jüdischen Gemeinde und von: greiser? serbisch-orthodoxe:: Erzpriester Popen Nikolm erwartet und herzlichst begrüßt wurden. .Herr Dr. Weszel fuhr an der Seite des Erzpriesters ein. ' Auf der alten Drinabrücke, dieser den Jahrhunderten trotzenden Schöpf:n:g des berühmten Bosniers Mehmed Pascha Sokölovic, bildete die Schuljugend Spalier und ein Schulmädchen überreichte dein Rabbiner nach , einer schonen Begrüßungsansprache einen Blumenstrauß. Bor dem Hotel Schreiber wurde Dr. Weszel von Herrn Bezirksvorsteher Besarovic in zuvorkommendster Weise begrüßt. Abends fand eine gesellige Zusammenkunft statt. Am nächsten Tage :mr halb 10 Uhr vormittags fand die. feierliche Einweihung des Gotteshauses in Anwesenheit des He rin Bezirksvorstehers Besarovic, des Stationskommandanten Herrn Major Fieszl, des Offizierskorps, der Beamtenschaft, des Herrn Sektionsingenieurs Dcnk, der städtischen Behörden und eines allen Ständen und Konfessionen angehörigen Publikrnns statt. Auch aris Zvornik und Rogatica hatten sich Deputationen eingefunden, ferner war die moslemische und die setbisch-orthodoxe Geistlichkeit erschienen. Vor dem geschlossenen Tempel hielt Herr Dr. Weszel eine Ansprache, in welcher er die Festgäste begrüßte, dein Herr:: Bczirksvorsteher, dem Herrn Stationskommandcmten und den übrigen Vertretern der Behörden für ihr Erscheinen dankte ' und mit einem begeistert akklamierten dreifachen Zivio auf Se. Majestät den Kaiser schloß. Herr Salomon eff. Sälom übernahm aus der Hand des Hern: Bezfrksvvrstchers den Schlüssel zum Gotteshaus und öffnete die Pforte, worauf der feierliche Einzug in der: Tempel erfolgte. Nach festlichem Umzüge zündete Herr Dr. Weszel das „Ewige Licht" an und wurde der erste Gottesdienst! abgeAalten. Hierauf hielt der die Einweihung vollziehende Rabbiner die Festrede aus dem Psalmtexte: „Wenn Gott das Haus nicht erbaut, ist vergebens der Bauleute Mühe". Er ermahnte seine Gläubigen, auszuharren. auf dem Wege der Liebe und Eintracht, stets ihren Pflichten gegen Herrscher, Vaterland und Mitbürger anderer Konfession getreulich eingedenk zu sein, sprach den biblischen Segen über die Anwesenden, über die Landesregierung, die Stadt und die Kultusgemeinde aus und schloß seine Rede, welche geradezu zündend. wirkte und viele z:: Tränen rührte, mit einen: innigen, poetisch dnrchhauchten Gebet für Se. Majestät den, Kaiser und König, den wahren Vater aller i seiner Völker. Damit war die offizielle Feier beendet. An Se. Majestät den Kaiser wurde nach der Feier eine Huldigungsdepesche, t an Se. Exzellenz den Herrn Reichsfinanzminister Baron Bunan, an Se. Exzellenz den Herrn Landeschef Baron Albori und an Herrn Kreisvorsteher Dr. Baron Mollinary wurden Begrüßungsdepeschen gerichtet. Am Nachmittage fand im Hotel Schreiber ein gemeinsames Mahl statt, an welchem alle bei der Einweihung anwesenden Honoratioren teilnahmen. Herr Dr. Weszel toastievte im Verlaufe desselben auf die atUvesenden Vertreter der bürgerlichen und militärischen Behörden, speziell auf Herrn, Bezivksvorsteher Besarovic als Sohn dieses Landes, unter dessen Leitung Bifegrad ein so erhebendes Bild konfessioneller Eintracht und gegenseitiger Liebe biete, worauf der Herr Bezirksvorsteher in bewegten Worten dankte und den eloquenten Seelsorger hochleben ließ, dessen Aufenthalt in Visegrad nicht so bald vergessen sein werde. Während des Mahles traf ein warm gehaltenes Gratulationsschreiben des Herrn Sektionschefs Hörmann an! die Kultusgemeinde ein, das allgemeine Begeisterung erweckte. Aus Rußland. Die r äffischer: Arbeiter und die Judenverfolgungen. Mehrere russische Blätter veröffentlichen nachstehende, aus den Kreisen der russischen Arbeiter stimmende Erklärung: „Einige Männer, in deren Interesse dt liegt, den Verdacht von sich abzulenken, streuen die Nachricht a:is, daß russische Arbeiter an dem am 13. und 14. August d. I. in Kertsch stattgefundenen Ausschreitungen gegen die Juden beteiligt gewesen wären. Demgegenüber erklären wir Arbeiter Rußlands, daß wir mit diesem Gesindel und den „Schwarzen Hundert" auch nicht die geringste Gemeinschaft haben und daß nur diese allein mit Hilfe hervorragender Führe r die Plünderung jüdischen Eigentums in Szene gesetzt, beziehungsweise ausgeführt haben. Die russischen Arbeiter haben keine Ursache, einen Haß gegen' die Juden zn nähren, denn am Tische der Arbeit sitzen wir, im Schweiße unseres Angesichtes unser Leben fristend, gemeinsam mit den jüdischen Arbeitern. Gleich ihnen fühlen auch wir den Druck, gleich ihnen kämpfen wir gegen den Kapitalismus, und so wie sie hegen wir die Hoffnung, daß die großen Ziele, welche sich -bie Arbeiter gesteckt, schließlich doch erreicht Iverden müssen. Wir russischen Arbeiter kennen keinen Zwiespalt aus nationalen Motiven und der Menschenhaß ist uns fremd. Uns alle: Russen, Inden, Polen, Mohammedaner ufw. vereinigt 1 eines : der Arbeitstisch und die hehren Ideale. Wir protestieren daher gegen die niederträchtige Verleumdung, welche die niedrigen Elemente gegen uns ausstreuen, dieselben Elemente, die erst die Pogroms inszenieren und hinterher die Schande für dieses elende Vorgehen den russischen Arbeitern' aufhalsen möchten!" Die jüdischen Kolonisten in Rußland. Im Aufträge des Ministeriums des Innern bereist Herr Kraft die jüdischen Kolonien in -den Gouvernements Cherson und I e k a t erin os l aw, um die' Ursachen zu studieren, welche die jüdischen Kolonisten zu massenhafter Auswanderung aus den Kolonien veranlassen. Aus Ingolec allein sind in diesem Jahre mehr als hundert Familien ausgewandert. Die eigentliche Ursache der Auswanderung dieser jüdischen Bauern liegt in dem Umstande, daß idie seinerzeit angesiedelten jüdischen Familien sich, derart vermehrt haben, daß dev ihnen zur Verfügung gestellte Boden für ihre Erhaltung nicht mehr hinreicht. Die offizielle Darstellung der letzten Kifchenewev Unruhen. Im „V e s s a r a b e tz", dein Blatte K!rnschelvans, wird folgende Kundmachung des Bessaraber Gouverneurs bekanntgegeben: „In der Nacht vom 20. August (et. St.) wurde die Frau Loah Perl m an n in der Nähe ihres Geschäftes verwundet. Leah Perlmann starb auf dem Transporte ins Krankenhaus. Am 21. August wurde in Erfahrung gebracht, daß die revolutionären Verbände, die schon eine Woche früher beschlossen hatten, am 22. August Demonstrationen gegen' die Regierung zu veranstalten, die Absicht hätten, dieses Vorhaben bei dem Leichenbegängnisse der Perlmann auszuführen. Da ich nun auf eine Ansammlung von mehreren Tausenden rechnen mußte, ergriff ich, alle Maßregeln, die zur Aufrechthaltung der Ordnung rtotwendig erscheinen. Als nun um 1 Uhr nachmittags die Leiche dev Perlmann aus dem jüdischen Kdawkenhause geholt wurde, hatte sich daselbst bereits eine mehr als zweitausendköpfige Menge angesammelt, die dann in der Spitalgasse eine rote Fahne entfaltete. Flüche und Schinchfworte gegen die Regierung wurden ausgestoßen, die später, als der Zug bei der Balabanschen Apotheke anlangte, einen bedrohlichen Charakter annahmen. Militär und Ko- Das beste Gefränku.Nahrungsnrvütel für fiebernde Kranke isf Ceres-Apfelsaft der Nähr miliel werke „CER ES "Aussig

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