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Jüdisches Volksblatt · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite b Nr. 38 «Jüdisches Volksblatt Kaiser nicht empfohlen wevden wird. Aus diesem Grunde unterblieb auch die Wahl. Dieses Vorkommnis hat die „Neue Freie «Presse" im „Ekonomist" in Form eines. Gespräches zwischerr einemjüdischen und einem christlichen Financier einer Erörterung unterzogen. Sie ließ da den Christen! dem Juden ungefähr sagen: „Ihr seid selber daran schuld, wenn derartiges in Oesterreich möglich ist, denn ihr nützt euren Einfluß für eure Sache keineswegs aus." Ich wäre neugierig, . ob sich die Häupter der protestantischen Familien, die Arthabers nsw., derartiges bieten ließen! Ich aber rufe unseren Großen mit Mordechai zu: Klommen wird Hilfe und^Rettung für Israel auch von, einer anderen Seite, ihr aber glaubet nicht, daß euer Reichtum euch besonderen Schutz verleihen wird!! Sereth, 17. Sept. 1906. Dr. Kohri. Das Memorandum der amerikanischen Jude« an Witte. Die Vertreter der amerikanischen Juden, die während der Anwesenheit Wittes in Amerika von diesem empfangen wurden, haben den Inhalt ihrer Konferenz mit Witte schriftlich niedergelegt und sie in Form eines Memorandums Witte bei seinem Abschied in^ Portsmouth überreicht. Nun liegt dieses sicherlich wichtige Dokument vor. Es ist in englischer Sprache abgefaßt und lautet in deutscher llebersetzung folgendermaßen: „Sir! Gedenkend der uns gewordenen Ehre, von Ihnen anläßlich Ihres Aufenthaltes in Portsmouth empfangen zu werden, halten wir es für angemessen, einige der wichtigen Feststellungen, welche im Verlauf unserer Besprechungen von unserer Seite gemacht, sowie der wertvollen Ansichten, welche Sie aus demselben Anlasse zum Ausdrucke zu bringen beliebten, zu dem Zweck eines gründlichen Verständnisses der schwebenden, Fragenvor Jhrenr Scheiden aus den Vereinigten Staaten Ihnen schriftlich vorzulegen. Wir sind der Ansicht, daß der Standpunkt der russischen Regierung, die Lage der Juden in Rußland bilde eine rein innere Frage, welche die Regierungen und die Bürger anderer Länder nichts -angingen, nicht länger aufrechterhalten werden könne. Wenn eine Regierung, sei es durch die Anwendung von Ausnahmegesetzen oder durchwandere Maßnahmen, große Massen der Bevölkerung des Landes zwingt, durch Auswanderung in andere Länder ihre Lage zu verbessern, so sicht es den Bürgern derjenigen Länder, in denen solche Flüchtlinge Schutzs vor Verfolgung und Unterdrückung suchen,, zweifellos zu, Kritik „Niemals! Du mußt den kleinen Waisen eine Mutter bleiben! Heute nachts noch bringe ich dich an die Grenze, und kommst! du glücklich in der neuen, Welt an, so, schreibe mir und ich folge dir mit den Kindern. Inzwischen kann ich mein Geschäft ohne Ueberstürzung an den Mann bringen, und der Erlös wird uns ein Fortkommen in Amerika ermöglichen." Fünfundzwanzig Jahre sind nunmehr verflossen, seitdem wir in Amerikaleben. Die zwei kleinen Waisenkinder von damals sind heute Großeltern, von Enkelkindern umgeben. Wir leben glücklich, ohne Not, aber in meinem Herzen will's noch immer nicht ruhig werden. Mir mangelt's weder an Reichtum! noch an den gewöhnlichen Freuden des Lebens. Wenn ich aber daran denke, daß ich! beim Hauptmanu Alexejew in Rußland mein Kind zurückließ, da will mir das Herz stillstchen vor Kummer und Schmerz. Ich kann den Gedanken nicht loswerden, daß ich einen Judenfeind, in die Welt Osetzt habe. Wenn ich von Jstdenverfolguuaen in Rußland höre, wenn ich lese, wie die Äüden in Rußland niedergemchelt worden, da Wern Meine alten Hästdd und meine Füße wollen den Dienst versagen. Da glastve ich ktümch Mit eigens Kmö Aw tte $jf schell- M eS all dkv Mritztz. eiÄ Vöbelhaufens gegen die Judengasse zieM itnd W hörewie er die Mengb allfteizt m£ cmtzeibt: sti Meder. W Kdkn! WM M WA t" ... zu üben an deu Ursachen, die einen solchen Zufluß in ihr Wohnland zur Folge haben, und haben ein Recht, alles anzuwenden, auf daß dir Zustände in der Form und in d e m Maße ,verbessert werden, daß die Ursachen einer forcierten Auswanderung beseitigt werden. Und sie können all dies tun, ohne sich des Vorwurfes schuldig zu machen-, daß sie sich in Angelegenheiten mengten, welche sic nichts angingen. Dies ist nuferes Erachtens die Anschauung des amerikanischen Volkes im allgemeinen. Wir als Juden haben an der Lage der Juden außerdem noch das besondere Interesse, welches Nassen- und Glaubensbande inr allgemeinen und hier inr besonderen wachrufen müssen. Wir glauben daher nichts als unsere Pflicht zu erfüllen, wenn wir alles, was in unserer Macht steht, zur Verbesserung der Lage der Inden in Rußland aufbieten. Wie wir bereits in unserer Unterredung betonten, ist cs unsere imrerste Ueberzengung, daß einzig und ctttdit; die Gewährung der vollen Bürgerrechte für die jüdischen Untertanen des Zaren geeignet ist, die Ursachen so vieler Unruhen im Innern non Rußland und die gegnerische Kritik außerhalb des Reiches aus der Welt zu, schaffen. Sie antworteten uns hieraus, daß der russische Jude im allgemeinen für die Ausübung der vollen Bürgerrechte nicht genügend vorbereitet sei, und daß die- Gefühle des russischen Volkes derartige seien, daß eine Gleichstellung der Juden mit den Russen große innere Unruhenzur Folge haben müßte. Sie sprachendementsprechend die Ansicht aus, daß es jedoch ratsam und auch durchführbar wäre, wenn diese Mißhelligkeiten allmählich und stufenweise beseitigt und auf diese Weise einer höheren, eventuell vollständigenbürgerlichen Gleichstellung der Juden mit den Russen die Wege geebnet würden. Was diesen Einwand betrifft, so müssen wir es wahrheitsgetreu Bekräftigen, daß die Million oder noch mehr russischer Juden, die nach den Vereinigten! Staaten kamen, gute Bürger wurden, trotzdem sie ans der tiefsten Finsternis mit einem Male in das volle Tageslicht politischer und bürgerlicher Freiheiten emportauchten; ebenso daß sie sich auch den Verantwortlichkeiten gewachsen zeigten, welche ihnen als Bürgern dieser großen Republik auferlegt wurden-. Diese Erscheinung wird übrigens durch die neuere Geschichte und auch durch die Erfahrung bestätigt. .Napoleon im Jahre 1808, Deutschland etwas später und England gar zu Crom- Wells Zeiten Habens den unter ihnen Lebenden die vollen Bürgerrechte eingeräumt, ohne daß die betreffenden Staaten dadurch Schaden cr- Und dieser Gedanke läßt mich nicht zur Ruhe kommen, er wich nicht vonmir, seitdem ich mein Kind verließ, und er wird mich ins Grab geleiten . . . Es wird nicht mehr lange dauern .... Jnlius Oppert. 9. Juli 1826 — 20. August 1906. Professor Dr. Ed. Mahler entwirft im „P. L." folgendes Lebensbild des verstorbenen großen Gelehrten: Am 21. August brachte uns b-c:r Draht die betrübende .Nach richt von. dem Hin scheiden- Julius Opperts, des rastlosen und unermüdlichen Forschers, des hervorragenden Orientalisten, des „Groß- und Altmeisters" der Assyriologie. Ein gewaltiger, immer rafTos vorwätsstrebender Geist ist der irdischen Wirkungssphäre entrückt, eine unermüdliche Forschernatur ohnegleichen ist hingegangen in das „Land ohne Heimkehr" eine helleuchtende Fackel ist erloschen und hingebettet worden in das „Haus der Finsternis, den Sitz des Gottes Jrkallas". Nunist auch, Ostport dort-, in „detst Hause, Hessen- Betretet: nicht mehr herctuskomimt, in dem Hause, dffsen Betvetiev dom Lichte öntrüH' ist"; er, dev Ergvünder der babylonische« Religion und Mythologie, Mußte kosten! „die Speise dev Sterblichkeit", und er, der viAfäche. Jitteupret dör »-HMenfahrt der JsMiö", Mks MMdest EMMA M ä-lten litten hätten, trotzdem die Verhältnisse, unter denen die Juden damals lebten, viel ungünstigere waren-, als dies heute in Rußland der Fall ist. Während wir nunauf der einen Seite gerne zugeben, daß in einem Teile des russischen Volkes tatsächlich ein gewisser Grad von Feindseligkeit gegen die Juden besteht, für Eriche allerdings die russische Negierung zum Teile mitverantwortlich ist, so sind wir andrerseits der Ansicht, daß die einmalige völlige Gleichstellung der Judenmit dem übrigen Teile der russischen Bevölkerung keine größere Bewegung Hervorrufen würde als jeder einzelne Schritt, dev ja schließlich zu demselben Ziele führen soll. ' Gerade diese von Ihnen mit so viel Nachdruck vertretene Befürchtung ist ja nur ein Grund mehr, weshalb diese Reform mit einem Male durchgesiihrt werden müßte, anstatt zuzugeben, . daß jedes, neue Stadium in dieser Frage immer neue, peinliche Unrichen Hervorrufe. Die Behauptung, daß in den Reihen derjenigen, die in- Rußland die gouverncmentale Autorität zu untergraben suchen, eine große Anzahl Juden zu finden wären, mag ja der Wahrheit entsprechen. Aber es müßte wahrhaftig eher überraschen, wenn rmter denen, die dri-rch Unterdrückung und erniedrigende Ausnahmsgesetze sich so hart getroffen fühlen-, sich nicht einige fänden, die sich schließlich gegen ihre unbarmherzigen Unterdrücker kehren. Aber es ist sicherlich gewagt, zu behaupten, daß die jüdische Bevölkerung Rußlands als Ganzes die Gesetze mißachtet, und es besteht kaumein Zweifel, daß die Jndeirin Rußland, einmal im- Besitze der Bürgerrechte uni)- aller mit ihnenznsammenhäng-eniden Vorteile, genau so wertvolle Glieder des russischen Reiches wurden, wie es die Juden, aller Staaten geworden, in denen ihnen die Bürgerrechte zngeftanden wurden. Es kann die Tatsache nicht bestritten werden, daß der Jude in Amerika ein treuer Amerikaner, in England ein treuer Bürger Englands nsw. ist. Es dürfte Ihnen ja bekannt sein, daß die Bevölkerung der Vereinigten Staaten mit Aufmerksamkeit -alles verfolgt, was in Rußland vor sich geht. Ihre Sympathien haben sich in der jüngsten Zeit von Rußland abgewendet, weil sie, die Freiheit liebend, sich abaestoßen fühlten von! den Greueltaten in Kischenew und die schrecklichen, Zustände im russischen Reiche sich ihnen erst jetzt in vollein Lichte offen!- barten, trotzdem -diese schonlange bestehen. Der Einfluß der Inden :— und besonders der Polnischen- —_ in den- Vereinigten Staaten ist heute bereits eingewichtiger und ist gerade Babylonier, mußte betreten, '„-den, Ort, da Staub ih-re Nahrung, ihre Speise Kot ist, da Licht sie nicht schauen, in Finsternis wohnen; Geister schwingen dort wie Vögel ihre Schivingen, Tor rmd Pfosten deckt ewiger Staub . . . ." Auch er, -der Genialsten einer, der die Arbeit „Leben" nannte und das Leben liebte, mußte kosteir, wie viel Bitternis in den Worten der Göttiu liegt: „lieber das Leben soll der, Tod triumphleven!" Jnlius Oppert wurde am 9. Juli 1826 kn Hamburg als Kindjüdischer Eltern geboren. Nachdem er anr Johanneum in Hamburg feine erste wissenschaftliche Ausbildung erhalten, ging er (1844) nach Heidelberg, um sich hier für die juridische Laufbahn vorzubereiten. Doch bald entsagte er derselben, sein Drang nach orientalischen- Studien wurde immer mächtiger in ihm. Zunächst ging er nach Bonn, nur hier die Vorträge des -weithin berühmten Sanskritisten Chustian Lassen, dessen vorzüglichster Schüler er auch wurde, hören zu können; dann ging er nach Berlin, woselbst, er (1847) seine, Schrift „Das Lautsystem des Altpersischen" veröffentlichte. Der Fluch seines „Geburtsfehlers", der Mer noch heutzutage die Existenz so manchen begabtest Forschers zu unterwühlen bedroht, Wr mcW tiger als der Segenseines seltnen, stefgeheti? den Wissens. Jir Dentschlland konnte etr als Israelit keine Stelle bekommen, und so mußt? er dem deutschen, Bodenden Rückest,kchvm pH sich ein neues Vaterland suchen) dsts er auch in

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