Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiidi3ch.es Volkäblatt Seite 4> iNr. 37 Anstalt aus. \>m abgelanfenen Lchnljahre haben zrinder >415 Knaben und 244 Mädchen! die Schule frequentiert, im Gegensatz znm Grülldungsjahr, wv 244 Schulkinder 1152 Knaben und 92 Mädchen) an der Schule verblieben. In einer Schlntzüetrachtnna fuhrt Herr DnbenSty berechtigte Klage über die Unzulänglichkeiten des Schulgebäudes, in den, auch die Gcmeindekanzleien und das Matrikcnamt nntergebracht sind. Tiefen Mitzständen könnte nach der Ansicht des Verfassers nur durch den Ban eines e'igen e n Gemeinden n d Nati v n a l h a n s e s abgehvlfen werden. — Das künstlerisch ansgestattctc Werk, das zahlreiche gelungene Porträts «Schulleiter, Lehrkörper, KnltuSrat, .Knltnspräsideut Tr. St r a n ch e r, frühere Kliltnspräsidenteit) enthält, wnrde in der Bnchdrnckerei „Anstria" hergestellt. Pohrlitz «Mähren). Der hier vor einigen Tagen in seinem. 83. Lebensjahre verstorbene Buckchindermeister Jakob Frankel war ein Radetzky-Veteran, denn er hat die Feldzüge in Italien in den Jahren «848 und «849 mitgemacht. Er war Besitzer der päpstlichen und der kaiserlichen Kricgsmedaille und der Jubiläums - Erinnerungsmedaille. Ans Essegg «Ungarn) wird linS geschrieben: Wie wir erfahren, hat der ehemalige Oberkantvr der hiesigen Israelitischen Gemeinde, Herr Friedrach, der kürzlich eine ähnliche Stellung in Bukarest annahm, bei der hiesigen Gemeinde um sein Reengagement augesncht. Mit Rücksicht darauf, dag die Stelle noch unbesetzt ist und Herr Friedrach sich hier allertthalben grotzer Sympathien erfreut, hat die Gemeindevorstehung sich bereit erklärt, Herrn Friedrach unter gewissen Vvraussetznugen zit reengagieren, und so dürste Herr Oberkantor Friedrach schon baldigst wieder nach Eisegg zurückkehren, eine Losung, die allgemeiir befriedigen wird. Orkan l Oesterr.-Schlcsien >. Uiner sehr zahlreicher Beteiligimg fand hier am 10. ds. die Einweihung des israelitischen' . Tempels statt!. (Ausjährlicher Bericht folgt in nächster Annuner.) Berlin. Der Verband der deutschen Inden wird am 30. Oktober 4905 in Berlin seine erste öffentliche Hauptversammlung halten. Die Beteiligung mehrerer 100 Abgesandter ans allen Teilen Deutschlands ist gesichert. Der Verband findet fast ausnahmslos in den Gemeinden und Verbänden lebhaftes Entgegenkommen, so daß zum erstenmal eine Kundgebung sämtlicher deutscher Juden zu erwarten steht. Kassel. «.K u n st g e w e r b l i ch e j ü d i s ch e H a u d a r b e i t e n.) Ans der jetzt hier stattfiudenden Geirerbe-Ausstellnng ist eine sehr schön arrangierte Ausstellung von kunstgewerblichen Handarbeiten «Schnitzereien usio.) von Zöglingen des Israelitischen Waisenhauses zu .Kassel ausgestellt. Man hat hier Gelegenheit, die Geschicklichkeit dieser .Kinder zu bewundern. In dieser Ausstellung fällt besonders ein Schwälmerhans mit Bräutsulh! ans. In der Beschreibung dieses Schwälmerhanses, welche von Kasseler Handwerksbivetrt zuwiderläuft. Was tut dieser kluge> Wöii/ig? Er spricht mit einem Isla nuten, einem Christen, einem Edoiniten und noch mehvoren. Jeder dieser erklärt seine Religion für die einzig richtige, aber - und darin sind sie olle einig — die zweitbeste ist die jüdische. Ein jeder erklärt: Gäbe es nicht ineine Religion, so wäre die jüdische die richtige, denn ans der ist erst die Moral hervorgegangen. Alle anderen Religionen aber sind verwerflich - auch darin sind sich alle einig. Nachdem so die Gelehnten aller Nationen selbst ihm. den richtigen Weg gewiesen, läßt sich Btilan mit dom' großen jüdischen Meister ein. Es folgten die herrlichen Gespräche, des Buches Knsari und . das Land der Ehazaren ist ein jüdisches Königreich." Ein Weilchen hing jeder seinen Gedanken nach. Dann fragte Joseph. „Du sagtest vorhin, wir Jehudim seien zu ehrlich, Großvater?" „Aber siehst dn's denn noch nicht, mein Kiud? Bnlan träumte. Ja, warnm träumte er? Vielleicht war'S ein Engel, der ihm erschien! Ein von Gott gesandter Engel! Religiouien, mächtige Religionen sind schon auf solche Träklme hin gegründet worden, nur hieß es: Gott sagte eiiw Engel erschien. Warum hieß es hier nicht auch so!" Er gestiklllierte heftig, während er sprach : „Warum haben! die jüdischen Gelehrten Ätvlan, dem mächtigsten! daiNaligen Könige, «licht zn verstehen gegeben, daß er eine Missioir Gottes zrr erfüllen - - die Jrrden aris der Knechtschaft zn befreien, habe! Er hätte es getan — es lväre ihnr grlnngen. Was hätten da andere Volker daraus gemacht! Ja, andere! Warnnr haben die Gelehrten ihm nicht von eiuer göttlichen Mission erzählt, anstatt einfach bei dem Traume 31t bleiben?" (Fortsetzung folgt.) meistern heransgegebeu ist, befindet sich ans Seite 25 bei Beschreibung der S'chmälmer Wohnstube auch der Satz: „Auch der nltehrivürdige Brantstnhl von origineller Form und stilvoller Schnitzerei ist in diesem Hause noch nicht von Inden erschachert worden." Ein jüdischer Herr, mit Namen Freundlich, hat gegen diese Unverschämtheit protestiert, und zwar nach dem Rezept, daß ans einen grober« Klotz ein grober Keil gehört. Tararlfhin wurde in der „Beschreibung" das Wlort „Inden" durch „Händler" ersetzt. Das Berliner Autisemitenblatt lamentierte infolgedessen über „Jüdische Herausfordern ng". Straßburg. Am 4. ds. wurde in Straßbtrvg der in der JuliansKaße gelegene Neubau der israelitischen Kunsttmd Gewerbeschule in Gegenwart von. Vertretern des reichsländischen Ministcritlm.s sowie der städtischen Behörden seietlich eingewelht. Der Präsident des israelitischeu Konsistoriums des Iluterelsaß schilderte in einer Ansprache die Entwicklungsgeschichte der 1810 gegründeten, in ihrer Art vorvildlichen Anstalt rmd betonte, in einer Reihe deutscher und frauzöstscher Städte seien nach dem Straßburger. Muster ähnliche Anstalten errichtet worden. Eine ganze Reihe von Gaben rntd Stiftungen seien der Anstalt auch von christlicher Seite zugewendct worden. In der Subskriptionsliste der israelitischen Gewerbeschule befänden sich regelmäßig — ein Zeichen des in Elsaß-Lothringen herrschenden guten Einvernehmens zwischen den verschiedenen Glanbensbekenntnissen die Namen der Straßburger Bischöfe sowie der. Präsidenten öes DirektoriU-ltts der: Kirche Augs bürg 'scher Konfession. Die Anstalt, die gegenwärtig zirka 8(1 Schüler zählt, hat bisher tausend Zöglinge ausgebildet. Der Neubau kostet 190 000 Mark. Hierzu sind 90 000 Mark voll Privaten nnb 8000 Mark vom Statthalter von Elsaß-Lothringen Fürsten Hohenlohe-Lungenburg beigestenert worben. Weitere Anspracherr hielten Unterstaatssekretär von Schrant und Oberrabbiner Dr. Ad. Ury-Stmßburg. Paris. Nach längerem Leiden ist am 20. 0. M. der bekannte Orientalist Julius Oppert, Professor am College de France, Mitglied des Instituts von Frankreich, im Alter von über 80 Jahren gestorben. Oppert rvar am 9. Juli 1825 irr Hamburg geboren, ans israelitischer Familie, studierte in Heidelberg Jurisprudenz nrrd in Bonn und Berlin orientalische.Sprachen. 1847 ging er «rach Paris, erhielt 1848 eine Anstellung als Lehrer des Deutschen am Lyzeum zn Laval und .1850 in gleicher Eigenschaft jtncO Reims. 1851. wurde er mit Fresnel und dem Architekten Thomas zur Erforschung der Rninenhügel nach Mesopotamien geschickt, wo er die Stätte des alten Babylon gründlich durchforschte. Nach seiner Rückkehr (.1854) rvidmetc er sich der Entzifferung nud Erklärung der assyrischen Keilschrift. Seit 1857 war er Professor des Sanskrit an der kaiserlichen Bibliothek zn Paris und wurde 1869 mit dem Lehrfach der Assyriologie am College de France betraut, rvelche Stelle 1874 zur ordentlichen Professur erhoben wurde. 1863 erhielt er den Nationalpreis von 29 000 Francs. Im Jahre 1881 rvnrde er zürn Mitglied der Academie des JnskriptioliS erwählt. Amsterdam. Am 31. August feierte unsere Körrigin ihren 25. Geburtstag. Anläßlich dieser Gelegenheit rvnrden Herr I. Palache, Oberrabbiner der portugiesischen Gcmefnde in Amsterdam, Herr Dr. A. Arnstein, Oberlehrer an der Techrrischen Hochschule in Delft, rrnd der Oberst im Generalstabe, Herr I. I. K. Enthoven zu Rittern von Niederläudischerr Orden eruaunt. New Aork. Hier wurde vor kurzem eine Jüdin, Sophie Mayer geb. Nosenherg, zur AulvaltspraxiS zugelaffeu. Sophie Mayer hatte in Warschau das Gymnasium mit derr höchster! Ehren absolviert. Die Zarin übersandte ihr eine Silbermedaille, was damals grobes Aufsehen machte. Bon der Nnterrichtsbehörde wrrrde sie als Dozentin für Sprachen, bereit sie sieben beherrschte, angestellt. Sie heiratete alsdann eilten Herrn Mayer, ersten Sekretär des österreichischen Konsuls, rvoranf das junge Paar nach den Bereinigten Staaten answanderte. In Eleveland übernahm Mayer eine Stelle als Zeichner in einem Architekteubiuean, entschlost sich aber 1885 znm juristischen Studium und wurde l892 Rechtsanrvalt. Als er zn erblinden drohte, entschloß sich Frau Mayer, selbst Jura zu studieren, denn sie hatte für ihren Mann nud für — sechs Kinder zu sorgen. Im Juni bestand sie glänzend das Staatsexamen nud mm ist sie als Anwalt zngelassen worderr. Der Schub «ach Rumänien. Wie tutr ersah-, reu, sitzt im Frankfurter Klapperfeld-Gefäugnisse wieder eine Anzahl rumänischer Juden, die ans Bingerbrück per Schub nach Rumänien znrückgesaudi werden sollen. Die Leute — mit Frauen und Kindetli, mehr als zwanzig Personen — haben regelrechte Pässe und sind arrch mit Geld genügend versehen, um bis nach Rotterdam zu kommen, von »vo sie Fahrkarten nach Arnerika haben. Diese Fahrkalten haben sie von Verwandten in Arnerika zugeschickt erhalterr. Es ist bezeichnend für daö gegenüber diesen Auswanderern geübte Verfahren, dag sie ruhig die bayrische ltzrenze lwben passieren können und nun von den preußischen Behörden in Birrgeibrück angehalten nrrd wie gewöhnliche Verbrecher per Schub znrückgeschickt werden. Und weshalb? Weil sie, wie es heißt, nicht die vielgenannten 400 Mark Reisegeld besitzen: dazu kommt das. schreckliche Verbrechen, daß sie teilte Fahrkarten' für die in Preußen konzessionierten Schiffahrtslinien des Norddentschen Lloyd und der Harnburg- Amerika-Linie haben! Das rnag „gesetzlich" sein, bleibt aber trotzdem eine völlig ungerechtfertigte Härte und cs wäre zu wünschen, daß die in Betracht kommenden englischen Linien — Anchor, Allarr, Dominion — veranlaßt werden könnten, nicht mehr solche Fahrkarten artszugeben, damit die unglücklichen Leute nicht einer solchen Behandlung änsgesetzt lverden können. Wenn nun aber einmal diese „Gesetzlichkeit" so strenge gehandhabt wird, warnm läßt man die Unglücklichen die Grenze passieren? Was in Bingerbrück geschieht, sollte scholl dort cintreten. Dann würden die Behördell sich selbst manche Arbeit ersparen, den armen Auswanderern aber viel Not und Pein. Diese Rücksendungen per Schub sind übrigens an der Tagesordnung: erst vor kurzem sind wieder zrvanzig Personen abgeschoben worden. Der Brand in Adrianopel. Ueber die Ursachen der furchtbaren Brandkatastrophe, welche Adrianopel, die zweitgrößte Stadt des türkischen Reiches, fast vollkommen einäscherte, ergeht man sich vorläufig in allerhand Vermutungen. Das Feuer brach am Abend des Dhronbcsteigungsfestcs des Sultans, den 1. September, ans, und zwar, wie festgestellt sein soll, im armenischen Stadtviertel. Es griff mit unheimlicher Schnelligkeit um sich und zerstörte iit der ersten Nacht 400 Häuser. Ten ganzen nächsten Tag lvüteke cs werter —> erst arn Morgen des 3. September koullte es znm Stillstand gebracht werden, nachdem 1500 Häuser zerstört und 8000 Menschen, die ihr gairzes Hab und Gut' verloren, obdachlos geworden waren. Aber schon in der Nacht auf den 4. September brach das Feuer mit erneuter Heftigkeit ans und hörte erst zu rasen ans, als abermals gegen 1000 Häuser eingeüschert waren. Die unter der Bevölkerung herrschende Panik spottete jeder Beschreibung. Menschliche Hilfe schien vollständig zu versageu, man mußte das Feuer ungehindert wüten lassen. Der Metropolitenpalast des griechischen Bischofs, der griechische SyllogoS, das bulgarische Gyrnnaiinm, die katholische Kathedrale, fast das ganze a r m e nische und i s r a e l i t i s ch e B i e r t e l sowie sin Teil des bulgarischen und griechischen Viertels gingen in den Flarnmen ans. Die ehemalige Residenz der türkischen Sultane gleicht einem riesigerl Trümmerfeld, ails dein noch henke, sechs Tage nach dem Begirnr des Brandes, starke Ranchsüulen emporsteigell. Jrn ganzerl sind 18 000 Menschen obdachlos. dlbgebrannt silld 3 Moscheen, 6 christliche Kirchen, 12 Synagogen, 1 muselmanische, 5 christliche, 2 israelitische Schulen, 30 große Warenspeicher und 4 Bäder. Der Gesamtschaden wird auf 30 Millionen Mark geschätzt. Griechen und Juden. Die Griechen frage in Rnmänien 'ist jetzt an der Tagesordnung. Das ist für die Antisemiten eine sehr unangenehme Ueberraschllrig. Wohl haben sie irn Grunde als politische Macht längst ansgespielt, aber in latentem Zustande rvirkt der Antisemitismus fort. — nud wohl kaurn ein maßgebender Faktor der Politik bleibt von ihm nnberiihrt. Da karnen die Ereignisse in Mazedonien. ^Es erfolgte die Bildung der Autigriechischeu Liga und das Meeting, in dem gegerr die von Griechen art Kutzowalachen verübten Verbrechen protestiert wurde. Da scheinen denn unseren Politikern die Augen aufgegangen zu sein und sie sehetl mit einem Mal, was sie bisland uichr gesehen haben oder auch nicht sehetl wollten. Sie hatten immer die Judengefahr an die Wand gemalt, hatten gegen diese angebliche Gefahr in jeder Form gekämpft, hatten sich nicht gescheut, den Juden selbst jene Rechte abzusprechen, wie das der Versammlungsfreiheit und der freien Meinuttgsäubernnü, die von der Verfassung jedem Einwohner Rumäniens gewährt werden: sie hatten den Inden nicht nur jedes öffentliche Amt versperrt, sondern auch die freien Berufe und sogar wirtschaftlich ihnen allerlei Hindernisse in den Weg gelegt. Und das Ergebnis? Rach den bescheidensten Schätzniigell haben 60 000 Juden das Land verlassen: lauter kräftige, tüchtige, arbeitsame Leute, die kein anderes Vaterland als Rumänien kannten und zum Teil als Soldaten treu gedient haben, lind die das von ihnen erworbene Gut nie allS dem Lande fortgeschafft hätten. Während diese fehlerhafte ungerechte Politik systematisch betrieben wurde, ließen sich die Griechen hier häuslich nieder: sie ivurden Kanflente, Dorfwirte, Gutspächter. Obgleich verschieden bekanute Autisenriteli in ihren Schriften wiederholt festgestellt haben, daß die Griechen die Bauern aufs schlimmste ansbenten, zogen sie doch daraus keine Keusegnenzen und hetzten gegen die Juden weiter. Die Bevorzuglmg der Griecherr ging so rveit, daß, lvährend Juden von den Kammern stets mit der Forderung der Bürgerrechte znrllckgewiesen ivurden, die Griechen dntzendwease das rnlnäl'ische Bürgerrecht erlangten, ja, bereits in Das beste Getränku.Nahrungsmithel für fiebernde Kranke ist Ceres-Apfelsaft der Nährmittel werke „CERES" A ussig