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Jüdisches Volksblatt · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Seite 4 der ifin erwartenden Pflichten zn widmen. Er verspricht, mit Liebe nnd Gottesfurcht seine Aufgabe zn erfüllen, doch bittet er auch, ihm Bertranen entgegenznbringen, damit ihm die Arbeit, die seiner harrt, erleichtert werde. Er fleht zu Gott, da ft er den Vorstand und die Mitglieder dieser Gemeinde segnen nnd schuhen möge. Tann sprach auch Tr. Händler Tank für die Begrünung nnd den festlichen Empfang, der ihm nnd seinem Kollegen bereitet wurde. Mit Qpserwilligkeit lind Liebe betritt er seine neue Laufbahn nnd anS vollem Herzen schließt er sich dem Gebete seines Kollegen an. Er fleht zn Gott, daß er ihm Kraft gebe, feine Aufgabe voll und ganz zu erfüllen. Damit war der erste Teil der Feier beendet. Vom Tempelvvrsteher geleitet, begaben sich nun die neuen Rabbiner» durch den Tempethvf zum großen Empfangssaal des Tempels, wo Rabbiner Tr. Samuel K o h n die neuen Kollegen erwartete. Beim Betreten der Vorhalle richtete Rabbiner Tr. Samuel Kvhn an die neuen Rabbiner eine ebenso herzliche wie erhebende Begrüßungsansprache. Die überschreiten die Pforten deS Gotteshauses — sagte der eloquente Kanzelredner — um in diesen Gott geweihten Hallen den Namen GotteS zu verkünden. Zn Ihnen erblicken taufende Glaubensgenossen, die den Tempel füllen, ihre Seelenhirten, welche sie den Weg zur Gerechtigkeit und der Menschenliebe leiten sollen. Hier an der Pforte deS Tempels wünsche ich Ihnen alles Gute nnd flehe Gottes Degen auf Die herab, daß er Ihnen Kraft gebe, Ihr schweres Amt zu erfüllen. Die werden dazu beitragen, das; das Wort Gottes auch auf fruchtbaren Boden falle nnd daß die Liebe zu Gott und zn seinen Lehren von den Gläubigen auch gepflegt werde. Gott segne Ihren Eintritt und nun öffne ich die Pforte,' folgen Die mir in die Mitte Ihrer andächtigen Gläubigen. Orgelklang und Chorgesang ertönten nnd Oberkantor Professor Lazarus stimmte den Willkommen-iWie'ihcg'esang an. Unter Vorantritt des Rabbiners Dr. Samuel K o h n schritten die neuen Rabbiner den in allen Räumen gefüllten festlich beleuchteten Tempel entlang zu ihren Plätzen. Nach den einleitenden Freitag-Abendgebeten betrat Tr. Julius Fischer die Kanzel. Er eröffnete seine Antrittspreöigt mit einem Gebet, in dem er dem Allmächtigen für die große Gnade dankt, daß er ihn ans weiter Ferne wieder in sein Vaterland zurückbrachte, um hier in der geliebten Muttersprache zu den Gläubigen sprechen zn können. In pietätvollen Worten gedachte er seiner dahingeschiedenen beiden Amtsvvrgünger. Sodann richtete er e'in'eu Mahnruf an die Väter und Mütter, ihre Kinder im Geiste der Religion zn erziehen, damit sie, getreu den Traditionen ihrer Vorfahren, Gottesfurcht mtö Religiosität pflegen. Zum Schlüsse seiner Predigt, die tiefe Wirkung auf die Andächtigen übte, flehte der Redmein Sohn. Fühle dich nicht unglücklich und liebe deine Marie ruhig weiter. Tn nuinDcift dich," unterbrach er sich selbst, als er merkte, lvie sich Josephs Gesicht in? freudiger Ueberraschung färbte, „daß ich dir diesen. Rat gebe. Aber ich habe dir doch gesagt: Ich will dich glücklich sehen. Lieb sie ruhig weiter unb bleib ein guter Jude derweil. Gottes Macht ist groß. Wer, weiß, lvas noch passieren kann. Ich will zu Gott boten — und will auch lernen, forschen und — lächle nicht," unterbrach er sich wieder. „ich weiß, lvie ihr jungen- Leute über deil Talmud und die jüdische Gelehrsamkeit überhaupt denkt. Aber wem; ihr recht hättet, dann müßten lvir doch sehr dlumn sein. Und sind lvir lvirklich dumm? Ich - gut — ja. Aber sind unsere großen Gelehrten lvirklich dumm gewesen? Wer will das behaupten?" Mit echoben-er Stimme stellte er die Frage, dieweil seine Gestalt sich emporreckte und er sich mit blitzenden Augen umschante, als erwarte er von irgend woher eine Antwort. Dann fuhr er ruhiger fort, langsam, als ob zu sich selbst sprechend: „Liebe sie ruhig lveiter sei glücklich durch die Gegenwart unb denke nicht an die Zukunft. Soll es nicht sein, so lvirst du noch früh gen-lig linglücklich werdeil." Wieder Herrschte lautlose Stille im Bim-mer. Ein jeder saß da mit seinen Gedänken beschäftigt. Der Alte hatte den Kopf in feine Hände gestützt, der Jüngere im Folianten blätternd, ohne den Versuch zu ner GotteS Segen auf öen Vorstand dieser Geineinde, auf Rabbiner D>r. Samuel Kvhn, der sein Meister nnd sein Vorbild war nnd der seit 40 Jahre»! an dieser heiligen Stätte Gottes Wort verkündet, und auf die Mitglieder der Gemeinde herab. Bei den» Salnstag-Gottesdieliste hielt dann der nengewälilte Rabbiner Tr. Simon Händler seine Antrittspredigt. Mit dem Gefühle ber Bangigkeit — so hob er an — aber zugleich mit gehobenen Gefühlen tritt er sein Amt au, denn er kennt die vielfachen Lchivierigkeiten, »velche der Seelenhirt und Lehrer bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu bekämpfen hat. Er ist sich aber auch der Heiligkeit des ihm übertragenen Amtes bewußt und er schöpft Kraft aus dem Leben und Wirken.-der Großen der jüdischen 'Ration. In» »veiteren Verlaufe kam der Kanzelredner auf die Verirrungen der »nodernen Literatur zn sprechen. In früherer Zeit erblickte die Literatur ihren Berns darin, die Leser geistig zn erheben, zn veredeln, ihren Sinn für das Schone nnd Gute zn erwecken. Die heutige Literatur hingegen »virkt zerstörend, verheerend auf die Gernüter »»»»d Geister. Umso nvtrvendiger ist in solcher Zeit der Einfluß des Seelsorgers, der belehrend nnd veredelnd auf seine Gläubigen »virkt, die Treue zu dem angestammten Glauben in ihnen rege erhält. Dieser Aufgabe »vill erleben, in dieser Richtung will er wirken. Tie Predigt »nachte auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Vermischte Nachrichten. Persvnalnachricht. Unser langjähriger verantwortlicher Redakteur Herr Sieg in u n d G r ü n s p a u, de»n seit Gründung unseres Blattes auch deren, technische Herstellung oblag, eröffnet am 15. Oktober t>. I. in Wien eine eigene Buchd rucke rei. JiDem, lvir ihm zu seinem neuen Unternehmen recht viel Glück wünschen, sei er schon heute unseren geehrten Abonnenten und! Lesern! bestens empfohlen. Wien. sT v d e s f a l l.) An» 12. d. starb hier der praktische Arzt, Mitglied des Kultnsvvrstandes der „Eheivra Kadischa" und der Aerztekarnmer, Herr Dr. Isidor -Schnabl, im Alter von 53 Jahren. Der Verstorbene »vnrde bei der jüngsten Knltnswahl in den Vorstand gewählt und erwarb sich während dieser kurzen Zeit durch sein kvnziliantes Wesen die Freundschaft seiner Vorstandskollegen. Er hat sich besoilders als Mitglied der Spitalkonnnission des Kultnsvorstandes ferner und bedenket sein Abgang gerade auf diese»»» Gebiete einen schrvere»» Verlust. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag den 14. d. M. vormittags in Wien unter großer Beteiligung seiner zahlreichen' Freunde statt. Wien. (Todesfall.) Vorige Woche Mittrvvch nachmittags ist hier Fran Julie T h e»»- nr a n n, die Gattin des Senivrchefs der Selchwarenfirma I. T h e»» m a n »i, int 04. Lebensjahr machen, darin zu lesen. Schließlich nuterbrach er die Stille mit der Frage: „Was hast du denn heute so eisrig „gelernt", Großvater?" Des Alten Anger» leuchteten. Je des mal, wenn von Dingen gesprochen wurde, die eine»» Ruhm des Jndewums bebcuteten, ging eine Veränderung mit dem Manne vor: seine Bilge belebten sich in heilige»»», freudigen» Eifer. Er schien sich zu verjüngen, zrr wachsen. So auch jetzt. „Von einem Lichtpunkt in der dunkle» Zeit der jüdischen Verfolgungen, des Golus. Den Sefer Hakusari — das Buch „Knsari" habe ich, einmal wieder durchstudiert. O, lvie ist! das schön! Damals hätte ich lebenmögen!" „Das — Buch — Kusari —?" sagte Joseph nachdenklich. „Ach ja," setzte er fort und seine Büge erhellten sich. „Tvs ist eine herrliche Geschichte." Und das Buch durchblätternd, fragte er: „Jbn^Tibbou?" „.Nein," erwiderte der Alte, „sondern die herrliche Bearbeitung von Jehuda Halelvi durech Jbu-Tibbou. Es ist ein lvundervollcs Werk. Je öfter man's liech, desto mehr fesseln die großartigen- Wahrheiten." Der Alte war schon lvieder Feuer und- Flauruw. „Die Herrliehen Gestalteui — der große, jüdische Meister und der heidnische Chakan, und nachher der große jüdische König von Kusar und der jüdisehe Stamm dev Chazaren! Ja, mein Kind, das muffe» Zeiten gewesen sei»! Damals hätte ich lebe» möge»: da hätte ich dabei seinmögen, wie der jüdische König alle Volke» ringsumher Nr. 37 verschieden. Das Leichenbegängnis fand Freitag den 8. d. vv»n Tranerhanse statt. Tie überaus große Beteiligung an demselben führte den Beweis dafür, rvelcher Achtnrkg nnd Beliebtheit die durch ihren außerordetttlichen Wvhltätigkeitssinl» ansgezeichnete Fran sich Zeit ihres Lebens in allen Kreise»», mit denen sie in Beziehung stand, erfreute. Ehre ihren» Andenken! Mitteilungen des innerösterr. Distrikts- Komitees. Täs innerösterr. Distrikts-Komitee teilt mit, daß auch Heuer an den liechen Feiertagen eilt Gottesdienst in allen Räume»» des Kongretzbureaus 0. Mz., Türkenstraße 0, stattfinden »vird. Die P. T. Gefinunngsgenvssen mit ihren Damen »verden böflichst cinaeladen, die aewünschten Plätze rechtzeitig zn belegen. Nähere Auskunft erteilt Herr Teitelbanm in» Kvngreßbnreau und nimmt Anmeldungen erltgegen. Verein Adaß Iisroel (Schiffsynagogcj Wien, 2. Bez., Große Schiffgasse 8. Ter Unterricht a'n der Pripat-Neligivrisschnle für Knaben und Müdcheu dieses Vereines beginnt Sonntag -den »7. September. Tie Einschreibung findet statt: M!»tt- »vvch den 13. September vvn 0—12 Uhr vormittags, Donnerstag den 14. nnd Freitag -den 15. September von 10 Uhr vormittags bis halb i Uhr nachmittags. — Weiterhin Sonntag vvn 8 bis 12 Uhr vormittags, Mittkovch von 2—0 Uhr nachmittags im Schnllvkale 2. Bez., Negerleg. 2. Oberkantor Bela Gnttmann ist diese Woche vvn seinem Urlaube zurückgekehrt nnd hat seine Funktionen im Levpoldstädter Tempel wieder anfgerlvlttttle'n. Herr Gnttmann »vird demnach heute, Freitag, den Abendgottesdienst im genannten Tempel versehen. ovjährigeö Schnljubilänm. Zur Feier des 50-jährigen Bestandes, der isr.-dentsche»l Volksfchrile in C z e r n o »v i tz hat Direktor Dinbensk» über Beschluß der Gemeinberepräsentanz eine Inbiläumsschrift verfaßt, die der israelitischen Knltusgemelnde, den Schulbehörden nnd denehemaligen Schülern dieser Anstalt gewidmet ist. In fesselnder Weise schildert der Verfasser den Werdegang der Schule, -die von der israelitischen Kultusgemeinde erhalten »vird, vvn der Gründung angefangen bis zum Abschlüsse des Jubeljahres, Demnach »vnrden die ersten Auregungen zur Gründung dieser Allstalt in» Jahre 1843 gegeben, die Eröffnung derselben erfolgte aber erst nach langwierigen Verhandlungen mit der»» Kreisamte am 10. Oktober 1855. Während dieser 50 Jahre haben »licht »veniger als 25 000 jüdische Knaben und Mädchen diese Anstalt besucht und alle haben ihr, der sie die -Grundelemente ihrer Bildung und de»» Grundstein zn ihrer Lebensstellung verdanken, ein »varmes Angedenken beivahrt. Herr Dnbenskt) beschäftigt sich im.»veiteren Laufe seiner Ans-führungen -mit der Entwicklung des Vvlksschulwesens in Oesterreich, namentlich aber in »lttiserem Krvnlailde, unb schildert hierbei die lebhafte Teilnahme der Juden vermöge ihretz Wissensdranges an dem Aufschwünge des Volks7 schulwesens in der Bnkolvil»a. Der Verfasser »vüridigt sodann die Tätigkeit der früheren Leiter dieser Anstalt, vvn denen Oberrabbiner Doktor Lazar Igel von» Jahre 1855—1863, Salon»vn S ch ü tz 1804—1887, H. Baltin c st e r 1888 bis 1897 wirkten. Der gegenwärtig an der -Anstalt in Bertvendung stehende Lehrkörper besteht —. den Leiter der Anstalt mit inbegriffen — ans sieben männlichen und drei »veiblirhen Lehrpersvne»». Die Anstalt selbst besteht ans acht Klassen, vier Knaben- und vier Mlädcheuklassen. Ueberdres üben derzeit ein Lehramtskandidat nnd zwei Lehramtskandidatinlle»» die Prvbepraxis an der unterjochte, wie er czegen die Mohammedaner AU- Felde zog unD ihre Moscheen zerstörte; wie der jüdische K'ampfesgeist, das jüdische Helden? tumi von- Davids Beilen her wieder in Blüte stand." Er brach kurz ab. Dann setzte m wehmütig hinzu: „Und zu denken, daß das knapp 800 Jahre her ist!" „Das- Resultat eines Traum'es" —- bemerkte Joseph nachdenklich. „Wie wan's nimmt," sagte der Alte, „wir Jehndiw sind zu ehrlich." „Wie meinst du das?" fragte Joseph. ,,Nuii-," sagte sein- Großvater, „stelle dir die Sache mal so vor lvie Jehlida- Halevi, und du lvirst bald sehen, lvas ich meine. Er erzählt von. den» großen Volke der Chazaren, das Südmßlanld und so ziemlich das ganze jetzige Ungarn bevölkerte nn-d voneinem sehr weisen, ffittert König, einem Heiden, mit Name» Bnlan, regiert wirrde. Dieser Fürst befolgte gona-U' die Vorschriftenseiner Religion, er brachte die Opfer feinem Gotte, lvie sein G-dbetbuch es ihm vorschrieb. Und dannhatte er einen Traum. Er träumte, daß zlvar seine Gesimnmg, nicht aber fein Tun gottgefällig sei. Und dieser Traum lviederholte sich einige Male und bounnlhigte den König. Gewissenhaft, wie er ist, lvill er sich Alisktärliug verschaffen, lind frägt einen Philosophen, der seine Alisführnngen illi't der philosophischen Lehre von der Nicht erschaffling der Welt, von der Vollendnn-g des Menschen durch feine Denktätig-keit und von dern über alle Einzelheiten erhabenen Gott begründet, lvas aber dem Traume des Känigs

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