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Jüdisches Volksblatt · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · page 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr. Mi lang Dt.iv Nu Der in Der HaitD haue, aber Dach nicht Die Macht hatte, ihren Willen Der gangen Gemeinde fnr Die Daner^antznztvingen. Erst eine lange Herrschaft Der Strengen kannte Das bewirkeir. Diese Herrschaft fiel ihnen zu infolge Der Kämpfe gegen AnUochns^Epiphanes von Syrien (1 (»S u. Eh. ff.), ^a hat Die makkabäische PeiioDe Drirchgeieht, lvas Ezechiel anstrebte. Der Sabbat. Die siebentägige Wache mit enteilt Ruhelag, tü' nns also iveDer ans Babylonien noch aus Allisrael gekoininen. <aie sinD ein Geschenk Des JnDenlnins. Der Esther-Stoff in der germanischen und romanischen Literatur. In einer der letzten Sitzungen der Berliner „Gesellschast für deutsche Literatur" sprach Herr Oberlehrer Dr. Felix Zivsenberg über den „Esther-Stoff in der germanischen und romanischen Literatur". Unter den biblischen Stoffen, die im 16. Jahrhundert dramatisiert wurden, zeigt das Buch Esther eine besondere literarische Langlebigkeit und vielsache dichterische Berwendnng. Woher kommt das'? Durch seine scharfen Gegensätze war der Stoff für ein Drama äußerst wirksam. Tie Erhöhung der 'Niedrigen erscheint zugleich als Lohn des Guten, und der Kall der Großen als Bestrafung des Schlechten. Esther und Waschti, Mordechai und Harnan bilden scharse Kontraste. Dazu locken viele Einzelheiten, z. B. das Unerwartete in der Entwicklung. Auch der Gegensatz zwischen den gottgläubigen Inden und den heidnischen Persern ließ sich verwenden. Tie Schilderung des glänzenden Festes, die Anwendung säst märchenhafter Zahlen erregten die Phantasie: Ahasverus beherrscht 127 Länder, das Gastmahl der Großen dauert 180 Tage: besonders oft wird die Zahl 7 gebraucht. So ist denn der Esther-Stoff unglaublich oft dichterisch bearbeitet worden: schon in einer Bibliographie von James v. Rothschild (Paris 1891) sind 02 Dramen ans germanischen und romanischen Landen aufgezühlt. Tabei fehlt hier u. a. der Hinweis ans Goethes „Jahrmarktsfest zu Plundersmeilern" und Grillparzers „Esther"-Fragment. Ter Vortragende will die zahlreichen Dichtungen nun nach bestimmten Gesichtspunkten ordnen und charakterisieren. Tie Absicht der frühesten Dramendichter war die Verbreitung der Bibelkenntnis. Ter Text der Bibel wurde in Verse gebracht und auf Personen verteilt, die sich den Zuschauern selbst vorstellten: die Technik war also höchst naiv. So in einem Stück von Belten Voitto (1537), auch bei Andreas Pfeilschmidt (1555) und in einem jüdischdeutschen Purimspiel (1697), handschriftlich aufbewahrt in der Leipziger Ttadtbibliothek. In den romanischen Stücken, selbst den frühesten, ist die Technik besser. Erst die Humanisten des 16. Jahrhunderts befolgten strenger die Gesetze des Dramas. Vorbildlich wurde das lateinische Schuldrama des Bayern Thomas Naogeorgus (Kirchmeyer) vom Jahre 1543. Er schuf eine geschlossene Handlung dadurch, daß er den Haman- Stoff allein bearbeitete: Esther ist bei Beginn des Stückes schon Königin: die Vorgeschichte erfährt man durch ein Gespräch Mordechais mit seinem Diener, Aehnlich arbeitete der französische Dichter Pierre Matthieu sein 1585 geschriebcs Stück 1589 in zwei Schauspiele um: „Bashti" und „Aman". Reiche Gelegenheit zur Erfindung neuer Motive bot der Stofs. Davon haben die Dichter, vielfach Gebrauch gemacht. Besonders interessant sind einige Zusätze jüdischer Verfasser. Hierher gehörten ein Epos der Münchener Bibliothek und ein .Krakauer Druck „Megillath Esther" (1589) sowie zwei provenzalische Werke. Sie haben alle eine Reihe von Motiven gemeinsam, die sich im Bibeltext nicht finden, wohl aber in „Midrasch Esther" (übersetzt von Aug. Wünsche, Leipzig, 1881). Diese jüdischen Dichter wollten vor allem die Festesfreude am Purim erhöhen. Auch die christlichen Verfasser bis weit ins 17. Jahrhundert wollten erhaltend wirken: daher fehlt nie die moralische Nutzanwendung. So z. B. bei Hans Sachs. Die meisten Dichter der Neformationszeit begnügen sich nicht mit allgemeitten moralischen Betrachtungen, sondern legen den Personen des Spiels symbolische und allegorische Deutungen unter. So wird das Esther-Buch zum Träger der Dogmen der christlichen Kirche. Dabei ist der Stoff selten katholisch gefaßt worden, sondern meist als Waffe für den Protestantismus gegen die katholische Kirche benützt. Wenn z. B. (1607) Damian Lindtner seine Waschti in ein Kloster schickt, so will er damit den Mönchen einen satirischen Hieb versetzen. Besonders beliebt waren bei allen Verfassern Witze und komische Figuren, die meist gar nicht in der ursprünglichen Erzählung Vorkommen. Im französischen Mysterienspiel des 15. Jahrhunderts spielen seltsamerweise die Henker diese Rolle. In der „Eomoedia: Von der Königin Esther und hvffärtigem Haman", die die englischen Komödianten häufig in Deutschland im 17. Jahrhundert anfführteu, bilden die ergötzlichen Szenen zwischen Hans Knappkttse und seiner Frau eine breite Nebenhandlung. Einige jüdische Purimspiele sind geradezu Parodien des Stoffes. Aber dieselbe Richtung nehmen die Esther-Szenen in Goethes,Ffahrmarktsfest zu Plundersweilern", besonders in der ersten Fassung von 1774. Neue Bedeutung gewann der Stoff als Sprachrohr politischer Fehde. Doch schlügt keines der deutschen Stücke diese Seite an: desto lauter erklingt sie in England und Frankreich. Ein D.uartdrnck von 1561, im Besitze des Herzogs von Devonshire, meint mit Haman offenbar .Kardinal Wvlscy, den stolzen Minister Heinrichs des Achten. In Frankreich war zur Zeit Ludwigs des Dreizehnten der verhaßteste Mann der Marschall ö'Anere, der einstige Stallmeister Eoneini. Der Freude über seine Ermordung (1617) gab eine 1622 erschienene „Tragedie nvuvelle de la perfidie ü'Aman" Ausdruck. Am Ende des Jahrlinnderts galt als „Haman" der Kriegsminister Lvuvvis, als „Esther" Frau von Mainteiwn, als „Waschti" Madame de Mvntespan, und it£ Aufträge der Maintenvn schrieb Jean Racine 1688 seine „Esther", die 1630 im Damenstift von Saint-Eyr anfgeführt wurde. Aber die Anftraggeberin erreichte ihr Ziel, öffentlich zur .Königin erklärt zu werden, nicht. Wie sich der Stoff unter den Händen eines großen modernen Dichters gestalten ivürde, zeigt Grillparzers „Estl)er"-Fragmeut, dessen vollendete Szenen zu den schönsten gehören, was er je geschrieben hat. Seine Quelle war Lope de Begas biblisches Drama „La hernwsa Ester". Aber während der Spanier nur eine anschauliche Dramatisierung seiner Quelle beabsichtigte, hat Grillparzer sein Augenmerk besonders auf die Vertiefung der Eharaktere und die tragische Idee gerichtet. Dadurch überragt sein Fragment alle audereu Bearbeitungen des Stoffs. Indem Esther ihren Glauben verleugnet und durch diese halbe Lüge .Königin geworden ist, legt sie den Keim zu ihrem Verderben, sie verliert ihre Unschuld und verscherzt ihr Glück. Das Stück sollte mit dem Ausblick auf ein qualvolles Leben Esthers schließen. .Keiner von Grillparzers Vorgängern hatte daran gedacht, dieses Motiv der Verheimlichung ihres Namens zum Ausgangspunkt eines tragischen Seelenkampfes zu machen. Eine Konkordanz in manchen Aussprüchen der Propheten Ezechiel und Zephanja. Bei dem vor kurzer Zeit abgehaltenen orientalischen Kongreß in Algier wies Hofrat Prof. D. H. Müller in überraschender Weise nach, tvie Zephattja Kap. 3 (3, 4) und Ezechiel Kap. 22 (26, 27, 28) zusammenhängen — ein Prophet entlehnt die Worteei n es a it d e r e n u n d k o m m e n- > 11 e r t s i e. j An der vollen Richtigkeit der Aussprüche dieses hervorragenden Gelehrten war wohl nicht im mindesten zu zweifeln, da aber diese interessanten Bemerkungen desHosrates Doktor Müller ein Novttin in unserer Literatur bilden, habe ich diese Kapitel nachgesehen und führe die betreffenden Sätze an: Jtt Hesekiel Kap. 28 heißt es: rc. "'nun iov,-i D'jna. „Ihre Priester verachten meine Lehre" rc. re. spö »btö D'nxfD naipa nntp. „Ihre Fürsten sind darinnett wie die reißenden Wölfe, Blut zu vergießen" rc. rc. Lün nnS in*j nwm In Zephanja heißt es int Kap. 3: re. "2->p 'im n’BBtp mn« „Ihre Fürsten sind uttter ihttett brüllende Löwen und ihre Richter Wölfe am Abend" rc. ivvn t£>ip lSSn .Tana nnaa nws onmo nwaj. ".niin „Ihre Propheten sind leichtfertig und Verächter; ihre Priester entweihen das Heiligtum tmd deuten die Gesetze freventlich."' Also die beiden Propheten verfolgen denselben Gedankengang — das mag persönliche Intuition sein — aber beinahe mit denselben Worten, das ist sehr ausfallend und wird sich kaum ähnliches in unseren Schriften finden. Man kann wohl vott keinem Plagiat sprechen — aber untersucht sollte diese Sache von unseren Schriftgelehrten werden. In jedem Falle ist dem Herrn Hosrate Dr. Müller Dank zu sagen, daß er der erste Sprachforscher war, der aus die Konkordanz der Aussprüche der beiden Propheten aufmerksam machte. Der Wahrheit gemäß muß ich jedoch bekennen, daß in der Vulgata itt Ezechiel 22, 27 die Bemerkung vorkommt: Siehe Zephattja 3, 3, Micha 3,' 11. Weiter iväre zu erwägen, daß der Prophet Zephanja oder Sophonias unter Josias, König von Juda, der 641 v. Ehr. zur Regierung kam, schrieb (4 Kön. 22, 1), während der Prophet Ezechiel, der Sohn Buzis, aus dein Geschlechte der Priester, bei der zweitett Einnahme Jerusalems mit dem Könige Jechottias in die babylonische Gefangenschaft abgeführt wurde. Zephattja ist daher der ältere und es müßte der Prophet Hesekiel, wenn er noch leben würde, inquiriert werden, warunt er diese Aussprüche von Zephanja in seine Schriften beinahe wörtlich ausgenommen hat. S. Löwitt, enter. Handelskatnnterrat. Die Ergebnisse -es Dikei-Sabet- Hlreiles. Die Wasser Der panbabylvnisierendcn Hochflut, welche nicht bloß Die Bibel, sondern gleich die ganze Religion Israels als Ableger Babels wegschwemlnen wollten, sind im Abläufen begriffen. Viele hochinteressante nnd hochwichtige Probleme znr richtigen Beurteilung und znm tieferen Verständnis der Literatur des Alten Testaments haben sie ans Land gespült und die alttestamentliche Exegese hat ein vvllgerütteltes Maß von Arbeit zugewiesen erhalten. „Aber weit über das Ziel hinansgeschvssen," sv bemerkt zutreffend die „Germania", „haben jene, welche glaubten, die ganze Offenbarung überhaupt und die gesamte Religion Israels damit vernichten zu können. Nichts weniger als das! Gewiß: wir sehen Israel und Palästina nicht mehr als Insel im Weltmeer an, wohin Der flutende Weltverkehr seine Brandung nicht geworfen hat, Daß vielmehr in einer uns nur Jahrtausende fernliegenden Zeit zwischen Den Euphrat- und Tigrisländern und Den Ländern Des Mittelmeeres ein äußerst reger Verkehr bis nach Cypern hin, ja bis .Kreta und Rhvdns, vielleicht bis znm griechischen Festlande bestanden hat. Wir sehen auch Das Geistesleben Israels in lebhafter Berührung mit Dem Der Völker, mit Denen es im Verlauf seiner Geschichte in -freundlichen Verkehr oder feindlichen Gegensatz tritt. Aber wir sehen auch, daß trotz alledem Die Religion Israels ihre unvergleichliche Höhenlage inne behält und wie manche kühne Hypothese, die noch die Allmacht von gestern gewesen, bereits die Ohnmacht von heute ist. Noch ist keine lange Zeit ins Land gezogen, seitdem man in Der Religion Israels einen Ableger Aegyptens gesehen hat. Der Glaube an einen Gott sollte darnach nur ein Abklatsch des von dem Pharao Amenophis des Vierten um 1450 in Aegypten eingeführten Sonnenkultns gewesen sein. Tie Ausgrabungen in Aegypten haben Dieser Hypothese alle Unterlagen entzogen und so ist man aus Seite derjenigen, welche eine sv tiefgreifende Beeinflussung Israels durch Aegypten annahmen, recht still geworden. Die Ausgrabungen in den Euphrat- und Tigrisländern haben uns recht interessante Parallelen gebracht, aber auch .gezeigt, daß, wenn zwar die Form und das Kleid ähnlich sind, der Inhalt denn doch ein anderer ist. Es läßt sich nichts einwenden gegen die Ausführungen Sellins, des verdienten Erforschers von Taanak-Mcgiddo, der in seiner Schrift „Der Ertrag der Ausgrabungen im Orient für die Erkenntnis der Entwicklung der Religion Israels" (Leipzig 1905) S. 20 sein Urteil dahin znsammensaßt: „So viele Berührungspunkte kultureller nnd religiöser Art auch zwischen Babylon nnd Israel existieren, so dankbar wir sein müssen für die unzähligen Bereicherungen unseres Wissens, die uns die babylonischen Ausgrabungen für die Einzelgebiete des religiösen Lebens in Israel, für seinen Kult, seine Gesetze und Gebete, gebracht haben, so mitffeu wir doch gestehen, daß für Die Erkenntnis der Entstehung und Entwicklung des innersten Wesens der israelitischen Religion nichts, aber auch gar nichts gewonnen ist. Oder ich ivill mich entgegenkommender sv ausdrücken: Tie babylonischen Ausgrabungen haben lins gerade in vollem Umfange bestätigt, daß Israel ein solch spezielles, ihm von Gott gegebenes und von keinem anderen Volke, auch nicht von Babylon herzu leite «des religiöses Besitztum inne hat. Und daß wir nun erst recht erkennen, worin dasselbe besteht, ist vielleicht der allerhöchste Gewinn dieser Ausgrabungen." Das bestätigt sich auch, wenn man die Ausgrabungen auf Cypern, die eS uns ermöglichen, ein annähernd anschauliches Bild von der kenaanitischen Religivu zu gewinnen, in ihren Ergebnissen eben für diese kenaanitische Religio» vergleicht, mit welcher Israel uach seiner Besitzergreifung des Jordanlandes sich anSeinanderznsetzen hatte. Endlich die Ansgrabungen in Palästina selbst im Südwesten des Landes in Teil el-Oasy, dem biblischen Lachis, wo die Trümmer von sieben Städten nbereinandergeschichtet gefunden wurden, in Tell Abu-Chusche, drei Stunden östlich von Jaffa, dann in der Megiddo-Ebene. Auch sie lehren uns die alte kenaanitische Religion kennen, aber ebenso auch den Unterschied der Religion Israels und ihre Erhabenheit über einen mit grausigen Kindervpsern grauenhaft gezeichneten Kultus. Noch harren weite Gebiete und weite Trümmerfelder dre Arbeit des Spatens. Da ist das alte Aramüer- Neich, in dos erst jetzt in Sendschirli der Spaten des Forschers eingedrungenr das Ostjordanland mit den ehemaligen Reichen der Annnoniter, Moabiter und Edomiter: das alte Midianitenreich, in das erst jetzt in Sendschirli der Spaten Phönizien. Werden einmal diese Gebiete in Angriff genommen, sv werden die Funde ohne Ztveifel mit dein neuen Material auch neue Probleme bringen, wie sie die Vorzeit nicht gekannt hat. Braucht aber deshalb der Zusammenhang ntit dieser, näherhin mit der Tradition zerrissen zu werden? Beileibe nicht!"

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