Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite u xHy. ijö jüdischpatnotischc' Psllchi, Die (vcticlfrcn politi- )d>C1 ü jyViiftitli l'i) JClUlili) ,jiiC ti l'ülü'l iHU; ,^ll bringe li, lueil tuir Jubeil fei not' Wiluio haben, die £cffcitüitf)feii zuscheuen, tmd weil mir in> der grohcu OeffenlUchkeit jen-e starke Strömung cntndjiii kamt, die zu einer Organisation der Btlkolvinaer Iudenschast und zu einer gebeil-lieipit Indenpolitik führen kamt. Korrespondenten. Sind wir denn rechtlos?!. . Tiesa berechtigte Frage lvirft das Leim berger „Jüdische Tagblatt" auf, indem es folgende Begebenheit — ein echtes Stück galizifcheit! Nechtsstillebens —- mitteilt: Atlf der Fahrt nach Tobhna fitzt der jüdische Kaufmann! Josria H e s s e t mit seiner Tochter ineinem Eisenbahnwagen dt-irtrr Klasse. Irr ihrer Gesellschaft befand sich auch eine Verwandte -aus Ungarn. Stuf der Station Rym-anow pfropft der Kondukteur das Coupee m it Bauern voll. Kau nt hatten sich die Batiern im Waggon niedergelassen, als sie atich gleich mit den, Juden, Händel begann-en. Tie Juden schrien nach dem .Kondukteur, der jedoch tticht herbeikam. Der Zug setzte sich in Bewegung und die Bauernfielen mm. über Herrn Hessel her, würgten und schlugen ihn-, während ein anderer Teil die zwei Frauen mißhandelte. So> ging dies, bis der Zug in der Station San-ok hielt. Hier stieg ein junger Mann ins Coupee, der, als er die kritische Lage der Juden erkaninte, den vorübergehenden, Kom duktettr aufforderte, Ruhe zu schaffen. Der galizische Schaffner antwortete jedoch lächelnd: „S ch adet n i ch t s, w e n n's e t ir c n I u den weni g e r g i b t!" Nun mtstcmd eilt Ringen zwischenden Juden, dem jungen Mann und d>en Bauern, wobei die Jndeit arge Verletzungen davontrugett!. Das Reisegepäck blieb im Waggon! ztirück . . . So geschehen im Jahre der russischen Konstitution int! heiligen Lande der Schlachta! Jüdische Abiturienten in Böhmen. Mm 28. August: d. I. fand der erste jüdische Abiturientelttag für Böhmen, in Teplitz- Schönau statt. Die Vorutiittagssitzung wurde durch ein treffliches Referat des Herrn Oskar Stein ans Prag begonneit („Ueber die Stelluttg des südischett Hochschülers tutd Aussichten bei der Berufswahl"), an das sich daim eine rege Debatte anschloß. Nach dreieiichalbftündiger Aussprache erklärte der Vorsitzende Herr R e i ch m a n n diese Sitzung für beendet rmd kündigie für Nachiitittag 3 Uhr das ziveite Referat cm. Nun unternahm rnait gemeinsam einen Nundgang durch die Stadt, und unr 1 Uhr begab man sich zum gent-einschaftlichen Mittagessen. Um halb 4 Uhr begann die Nachmittagssitzung mit dem Referate des Herrn Fritz K n ö p f nt a ch e r über „Die Pflichten des südischett- Sitidenten", welches RK'ferat sowohl als auch die sehr lebhafte Debatte selbst für jeden! Ultbeteiligten sehr anregend wirkten. Cs waren bei diesen: ersten jüdischett. Abiiurietttetttag in Böhmen tvirklich gen-ügend verschiedene Ansichten vertreten; es kamen' Sozialisten, Deutsch-liberale und Jndischttatioitale, und jeder suchte seine Ansicht den Andersgesinnten beizubriu'geu. Endlich gelang es ben Jüdischnationalen, die Grüttde, die gegendas jüdisch-nationale Prinzip erhoben wurden, überzeugendzu lviderlegeu. tvorauf datm. e i u - st i m in i g folgende drei Resolutionen auge- 'nommen, lvnrden: „1. Der am 28. Atignjt 1905 in Töplitz- Schönau stattgefnndene Abitnrieittentag für Böhnten hat in seiner Gesamtheit auf Grund der Ausführungen des betreffenden Referentett und auf Grund des Ergebnisses der Debatte beschlossen, der Ueberzeugtm-g Atlsdrnck zu geben, daßder jüdische Student tutt; itti dev Veto ti 11 in g fei n e r j ü d i s ch e tt N 0 - ti 0 nalität eilte würdige Begegttnng der an der deutschen Universität in. Prag bestehenden Zustände erblickt. 2. Die Teilnehmer des ersteit jüdischen: Abituriententages für Böhnten haben ein- .NnU>-eb.?8 _ fiimmin (Kidjlüiion., ötfontlirf) nmiOT'prcdjcn, da» fit’ cs für Die Pflicht dc» jitDt|a)cn «ta- Deinen hatte«, sich an. De,«f-w bu Bessertntg der Lage des jüdischen Volkes zu Die Teilnehmer des ersten jildischeit Abitnrienteniages für Böhnteit! haben emsi'iinmig beschlossett, öffentlich, atlszusprechu -, daß sie es für die Pfitcht deo luvstchen Studenten balten, alle BewegiMgen innerhalb der Stndentenisch-ast, welche der Betätigung „des jüdischen Nationalbewnßtscins femduch sind, u; be'käntPse'U." . s, Unter Absingnng des „HattÜvoh wurde tim halb 7 Uhr die Sitzung geschlossen. Am Abend hatten sich die Teilnehmer des Abitnrienken-tages sowie ein ziemlich statter Besuch besonders der Teplitzer wamimzum Festkomnt-ers eingeftmden, der in. sehr aitgenehiner und heiterer Stimmung verltet. Am nächsten Tage unr 9 Uhr früh versammelten wir uns zueinem gentonstchastitchcn Ansfltige, unt unseren' Gästen, die sogar von Blidweis zun: A.bituriettkentage geloimmn waren, das schölte Erzgebirge.5'l //eigen w'le Skiinnttlitg war trotz des ungünstigen Wetter-, eilte sehr "heitere und der. Tag verging, sehr Damit halte dev erste jüdische Abitnriententag in Böhmen sein Ende ^erretcht. Emes können wir mit Bcruhigimg sagen: jedet^, der. zum Abiturienkentage nach Tcplitz gekontmett ist, kehrt wirklich mit nationalsüdlschem Belvußtsciu nach Hanse zurück. Mögen sich die jüdischen Abitnrienientage in Böhmen noch recht oft lviederholen unr mögen sie weiter gute Erfolge erzrelen^ „Geheime Gesellschaft zur Ermordung reicher Juden der westlichen Hemisphäre". Bekanntlich^ haben bisher noch n-icht ausgesorschte Täter gegen den jüdMeu, NiÄv Rork, Jakob K. Lch r s f, ein ^omben Attentat versucht, das glücklichcrlvetse lnchlnnaen ist. Ebenso mißlang ein gegenden Chef der New Rorker Bant-firnra G n g g e n h e t tu and Sons versuchtes Bontbeltattentat. Wte itns mm aus .Nelv Pork mitgeiettt wtvd, haben dm Nachforschrntgen des Detektivofstzters E a r e h ergeben, daß sowohl 'die obcir ^erch^n zwe Firmelt als auch etn Atttglted der Psandletlp firltta W affe r m a n m B v 0 t h c t y vor Luci Monaten: anonyme D'rohbnese ethtelten, in denen den. Adressaten der ^od altgetundlgt wurde Die Briefe waren tu rohem antstemtttschen Stile gehalten -, di'e Empfältger legtender galtzem Sackte keilte Bedetlinng bm mw wrmchieten die geheimnisvollen Epistel. Fast zur selben Zeit, am 18. Rplil d. o-, echtelt auch der Redakteur des N-ow Zotwr jüdischen Wochenblattes „Ameriran- Hebrdv in,e!, solchen «Uw»» w t « Dem. Polizeikomimilonoie lemeel«..»^. übermittelte'. Heer C o w e ionisierte schm« damals die Ansicht, dns-. Die «chnftzu» '» Dem Scheeil'e« ri».w Rustm. mrnton InfU «irief Der jedt durch Die ertunGntcii. Jtteuteit. veiliiche Weder «MM Mwordm. «t '» eny- Nschj-r Spracheabaefasii und lantei m »eutlchei «mm«. ir»cte" ÄU " llch 'E «sjlf'MÄ „,,b Sic Mi " "ich denken, mi »niee ueemce M-MWMM Üsissss Bvs soll sobald als möglich gezogen werden. Es liegt mh' daran, Sic darauf aufmerksam zn machen, das; Sie schon iit nächster Zeit die Ueberraschnng haben sotten, das; eine Anzahl hervorragender Inden in aeheinmisvvtter Weise derr Tod finden, ebeilso einige Ehristen, die den Juden Hilfe leisten. Die letzteren betrachtenmir als Verräter am Christentum, weshalb sie das gleiche Schicksal verdienen wie die Inden. Ich mache Sie ferner aufmerksam, das; meine Ldnte eifrig daran sind, die Verhältnisse sämtlicher jiidischer Geschästslente zu studieren, und das? bereits A;2 jüdische weschäftslente ans der schivarzen Lifte stehen, anfterdem . mehrere hervorragende Theaterdirektorerr, Preissechter, Polizei ofsiziere n. m. a., lauter Inden, die eines warmert Einpfanges sicher sein können, so bald ich ztt „arbeiten" beginne. Auch Ihre Verhältnisse werden jetzt stlidiert, und ich will hoffen, das; Ihr Name nie ans die. schwarze Lifte geraten ivird, sollte dies dennoch der 'galt sein, so will ich Sie wenigstelts verschvnelt. Ich schreibe Ihnen all dies ans dem birnnde, damit für den Iall, als einige hervorragende Inden verschwilldeil sollten, Sie die Ehre haben sollen, das Rätsel ihres Verschwindens zu lösen. Ihre ergebenen Zalitif Porrwitz, Präsident. Al Nv'sin, Vizepräsident. Lineollk Volin, Vizepräsident. Man ist in Amerika jetzt auf das Ergebnis der weiteren! Recherchjm> naturgeinäß sehr gespannt. Russische Kolonisten in Amerika. Gleich nach den ersten Judenkrawallen in Rußland im Jahre 1881, infolge deren die jüdische Massenemigration nach den Vereinigten Staaten begann, ist der Gedanke entstanden, einen Teil der neuen jüdischen Einwanderer als .Kolonisten anzusiedeln. Die ersten Versuche sind jedoch so gut wie gescheitert und von den damals begründeten Kolonien haben sich nur zwei bis drei zu erhalten vermocht. Der erste Mißerfolg hat die amerikanischen Juden nicht entmutigt und ein auf anderer Grundlage unter Anwendung neuer Methoden unternommener Kolonisationsversuch hat bereits sehr zufriedenstellende Resultate ergeben. Die jüdische Kolonisation in den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird seit 1890 von der „New Aorker Jewish Agricultural" und „Industrial Aid Society" und ihrer Zweigvereine in Philadelphia, Chicago und Boston geleitet. Statt wie bisher völlig mittellose Juden in geschlossenen Kolonien unterzubringen und ihnen alles, aber auch alles von vornherein zu schenken, werden jetzt nur bemittelte Leute, die bereit sind, einen großen Teil der Kosten der Kolonisation selber zu tragen, angesiedelt. Zu diesen: Behufe reisen Agenten der Gesellschaft im Lande umher und halten Umschau nach zur Ansiedlung von Juden geeigneten Ländereien, während tüchtige Fachmänner bereit sind, ansiedlungslustigen Juden mit Rat und Tat beizustehcn. Unter Umständen erhalten die Ansiedler erhebliche Barvorschüsse, unter der Bedingung, Kapital und Zinsen in bestimmten Jahresraten zurückzuzahlen. Das Resultat dieser Aktionen ist, daß säst in allen Teilen der Vereinigten Staaten gegenwärtig jüdische Fartner zu finden sind, die schon jetzt mit ihren: Lose sehr zufrieden sind und deren Lage sich von Jahr zu Jahr günstiger gestaltet. Verhältnismäßig sehr zahlreich sind diese Fartnen in Connecticut, Southern Nelv Hampshire und Massachusetts, lvelche zusammen gegen 600 jüdische .Kolonisten zählen dürften. Wie erfolgreich diese ehemaligen Handwerker und Kleinhändler sich in kurzer Zeit in richtige Ackerbauer zu verwandeln verstehen, beweist ein Bericht der in Boston erscheinenden „Post" über eine von Holliston bis West Medway hinreichende Farmengruppe mit 30 Familien. „Die .Kolonisten sehen alle gesund und munter aus und die Kinder sprechen so gut englisch, daß sie leicht für kleine Uankees gehalten werden könntet:. Der älteste Farmer in der Gruppe, Moses Burack, ein noch sehr rüstiger Siebzigjähriger, hat sich mit eigenen Mitteln und von der Gesellschaft nur mit Rat flaues f e'Getra rfft u!N a hri/ngSrftfffe f: ■ für fiebernde Kranken Ceres-Apfelsaft t derNährmitiel werk$ „C ERES "Aussig