Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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'i 1.0 6 JUdi.sei)cs VoIksblatt Nr.;-l6 unterstützt in jener Gegenv niedergelassen. Freilich hat er schon in seiner früheren russischen Heimat auf dem flachen Lande gelebt und sich teilweise mit der Landwirtschaft beschäftigt. Er treibt mit Erfolg Ackerbau, Vieh- und Vogelzucht und besitzt 12 Kühe, deren Milch er zu guten Preisen verkauft. Lein Lchwiegersohn Jakob Binstock wohnt feit fünf Jahren in der Kolonie und ist so intelligent, daß die Gesellschaft ihn zu ihrem Vertrauensmann gewählt hat. Sein ältester Knabe, ein tapferer dreizehnjähriger Bursche, erklärte auf eine Anfrage, ob er gleichfalls Farmer werden will, stolz: „Nein, ich gehe zur Universität, und wenn ich ausgelernt habe, konnne ich zurück, um meinem Volke zu helfen." Noch länger als Binstock, nämlich schon sechs Jahre, verweilt Pinsky auf seiner Farm. Er und seine Frau hatten es nicht leicht und nicht eininal kam ihnen der Wunsch an, die Farm zu verlassen. Moriz Masur war ein ziemlich lvoblhabender Schneider in Boston, der aus Gesundheitsrücksichten aufs Land zog und daselbst sich sehr glücklich fühlt. Die Metamorphose des Schneiders in einen Bauern war jedoch nicht leicht und konnte nur mit Hilfe der tapferen Frau und fünf erwachsener Kinder int Laufe von drei Jahren vollzogen werden. Erst zog die Frau mit den Kindern auf die Farm, während er in der Stadt blieb und weilerschneiderte. Nach dreijähriger Arbeit war er in der Lage, Nadel und Schere mit Pflugschar und Sense vertauschen zu können. Gegenwärtig besitzt er acht Kühe, zahlreiche Hühner. Jetzt bringt die Farm der Familie im Sommer 50 'und im Winter 30 Dollars monatlich. Endlich ist der Kolonist Herr Bravemann zu erwähnen, der nach siebenjährigem Aufenthalt in der Kolonie so wohlhabend wurde, daß er imstande ist, sich auf den Wunsch seiner Frau eine Stadtwohnung in Holliston zu halten. Die Kolonie besitzt einen Rabbiner und eine eigene Synagoge. Der Berichterstatter der „Post" schließt seinen Artikel mit den Worten: „Alles in allem bringt diese Farmerkolonie in Holliston den Beweis für die Anpassungsfähigkeit der jüdischen Rasse sowie dafür, daß die Juden, welche seit 2000 Jahren keinen Ackerbau mehr treiben konnten, noch von ihren Vorvätern her eine große Sehnsucht nach dem Landleben erhalten haben. Andrerseits wäre es auch bei größter Schmiegsamkeit nicht möglich, Schneider, Schuster und Alteisenhändler in einer knappen Frist von fünf Jahren in tüchtige, amerikanische Farmer umzuwandeln." Vermischte Nachrichten. Gebetstnnden in den Wiener Synagogen. Freitag 8. September abends 6 Uhr 30 Min.. Samstag 0. September abends 7 Uhr 10 Min., vom 10. bis inkl. 14. September abends 6 Uhr 30 Min., Freitag 15. September abends 6 Uhr, Samstag 16. September abends 7 Uhr, vom 17. bis 21. September abends 6 Uhr, Freitag 22. September abends 6 Uhr, Samstag 23. September abends 6 Uhr 50 Min., vom 24. bis inkl. 28. September abends 6 Uhr. Der Gottesdienst an Wochentagen beginnt um halb 7 Uhr früh, an Samstagen um 8 Uhr früh. Jüdischer Schnlverein für den 9. Bezirk lGlasergasse 24). Tie Einschreibungen finden vom 12. September l. I., an Wochentagen von 10—12 Uhr vormittags, von 2—4 Uhr nachmittags, Sonntag von 10—12 Uhr vormittags lDamstag nicht) statt. Tiefer Verein, der während seines vierführigen Bestandes ganz Außerordentliches ans dem Gebiete des Religionsunterrichtes geleistet, bedarf dringend der Unterstützung, um allen an ihn gestellten Ansuchen armer Binder um nnentgeltlichen Ullterricht entsprechen zu können. Beiträge llnd Spenden wollen Herrn kais. Rat M v r i z W a i z n e r, 0. Bez., stolingasse 18, übermittelt werden. „Poale Zion" Wien. Samstag den 0. ds. präzise halb 8 Uhr abends findet im stougreßbllrean o. Bez., Türkenstraße Nr. 0 eine Öffentliche Versammlung statt, in der stvngreß-Telegierter Kaplan-staplansti über Öen 7. Kongreß Bericht erstatten lvird. Tie Gesinnullgsgenossen werden hiermit ersticht, pünktlich lind zahlreich zll erscheinen. Der neue „Union"-ttalender. Ter nette Jahrgang (5000 — i005/ü0) des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" heransgegebellen „.Kalender für Israeliten" ist svebell erschienet!. Auch dieser Jahrgang iveist weselttliche Verbesserungen lllld Ergänzllttgen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die größte Sorgfalt gewidmet und im schematischen Teile waren wir bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, betreffend die österreichisch-nngarisrhell stultusgemeinden, i'hrle Borstehningen, Fnnltivnäre und rituellen Institutionen, zu erreichen. Ebenso ivnrde auch diesmal dem jttdischelt Vereinswesen die grösste Aufmerksamkeit zngewendet. Das Verzeichnis aller in Oesterreich erscheinenden jüdischen Zeitungen ivnrde vervollständigt. Ter literarische Teil bringt eine interesjanke Studie über den Jnsainnienhang der jüdischen MvnatS- »ameri mit religiösen Vorstellungen ans der Feder des ansgezeichneten Talttindkenners Leopold Mandl, ferner eine wannende Erzählnttg ans dem jüdischen Anstvandererelend von Jnlins Uprimnh. Tie handliche Form und die elegarrte Ausstattung des .Kalenders iverden auch diesinal gewiß volle Anerkeilnnug finden. Ter billige Preis l!< 1.00) ermöglicht auch den Minderbemittelten die Anschaffnttg. Leitmerit,. <R a b b i n e r w a h l.) Unser Rabbiner Herr Tr. Schornstein ist dieser Tage nach gehaltener Probepredigt itt .st v p e tili a g e n daselbst einsiilninig zum Rabbiner neben dem bereits in Kopenhagen tätigen Herrn Tvltor 2 e e lv e n st e i n gewählt worden. Tr. S ch o r nst e i n, ein Schwiegersohn des getvefenen Wiener Schnlinhabers Direktor S i in o n ist ans dein B r e s l a n e r Seminar hervorgegangen. Podiebrad. Sonntag deri 10. d. findet in Pvdiebrad eine A g i t a t i v n s v e r s a in m l n n g statt, bei der Herr L. M a r t ns ans stnttenberg über „T i e I n d e n f r a g e" sprechet! ivird. Abends veranstalten die jüdischen Studenten ein Tanzkränzchen. Ein durchgcprügelter Antisemitenhänptling. Atn schönen Strand der Ostsee, im Seebad Ahlbeck, ist dem antisemitischen Reichstagsabgevrdneten Bruhn-Berlin ein böses Mißgeschick widerfahren. Herr Brnhn machte, wie das „Berl. Tagbl." meldet, über die Frau des BadedirektvrS eine unflätige, nicht wiederzngebende Bemerkung. Taranfhin wurde er in vergangener istacht von dem stapellmeister der Ahlbecker sturmnsik im Strand- Hotel öffentlich gevhrfeigt, zur Erde geworfen mrd windcliveich geprügelt. Die Umgangssprache der Inden in Oesterreich wird gemeiniglich als deutsch angenommen. Tos ist falsch. Tie offizielle Statistik, wie sie die letzte Volkszählung lieferte, erbriligt die Tatsache, daß vvri den 1 224 711 in Oesterreich gezählten Inden 622 235, das ist mehr als die Hälfte, polnisch als Umgangssprache angegeben haben: mit deutscher Umgangssprache hatte man 410 210, das ist 34.2 Prozent aller Inden in Oesterreich, gezählt. Interessant ist dabei, das von den Ehristen in Oesterreich lediglich 35.1 Prozent deutsch als ihre Umgangssprache angegeben haben. Man ersieht daraus, daß Ehristen und Inden in bezug auf das Deutschtum einander in Oesterreich die Wage halten. Ganz anders aber sind die Verhältnisse irr der Bukowina geartet. In diesem Lande haben 01 007 Juden und dagegen bloß 67 570 Christen Deutsch als Umgangssprache angegeben. Man ersieht daraus ganz klar und unwiderleglich, bemerkt hierzu die „Buk. Post", wer die Träger des deutschen Elementes in der Bukowina sind, wo 05.5 Prozent aller Inden, hingegen nur 10.6 Prozent aller Ehristen sich der deutschen Umgangssprache bekannt haben. Dahingegen fordern die christlichen Deutschen einen stramm-nationalen Landesschulinspektor und bei ihrem bekannten Gerechtigkeitssinne sollen die Juden leer ausgehen. Beweisen die christlichen Deutschen damit ihre Jndenfreundlichkeit, daß sie die Inden unter eine deutschnationale, d. h. antisemitische Fuchtel bringen wollen? Das mögen die Inden wohl bedenken. Bad Hall. Dienstag den 20. August fand im hiesigen .Kursalon ein von der Badearzteusgattin Frau Mathilde Polkak veranstaltetes Wohltätigkeitskonzert statt, das dank dem trefflichen Arrangement ein zahlreiches, vornehmes Publikum vereinigte und sowohl künstlerisch wie materiell deli lobenswertesten Erfolg zu verzeichnen hatte. Eingeleitet wurde der Abend durch stlaviervorträge des Frl. Frida Czaezkes, welche lebhafte Anerkennung fanden und an die sich Gesangsvortrüge der Altistin Frl. Amalia Tassi reihten. Auch dieser '.Künstlerin wurde lebhaftester Beifall zuteil, der seinen Höhepunkt erreichte, als Herr Oberkantor Don Fuchs ans Wien mit seiner prächtigen Tenvrstimme Opernarien und Lieder zum Vortrag brachte. Erst nach mehreren Beigaben konnte Herr Ton Fuchs das Podium verlassen und ein V'iolinvortrag des Herrn .Konzertmeister Reich bildete die Fortsetzung des Prvgrammes. Hnlnvriskische Vorträge und Couplets, vom Mitgliede des hiesigen stnrtheaters, Herrn Schönthal, vorgetragen, entfesselten wahre Lachstürme und bildeten den Abschluß des genußreichen Abends. Von dein Neinerträgnisse wurde die Hälfte der Skrvfnlvsenkvlvnie des Kaiser 'Franz Josephs-Ferienheims, die andere Hälfte dem Reisesvnds für arme Kurgäste ohne Unterschied der stvnfessivn zngeführt. Beszprem. l.K a n t o r e n iv a h l.) Tie hiesige stnltusgemeinde hat den gewesenen Oedenburger Oberkantvr, einen Verwandteil des Wiener Oberkantvrs Bela G nt t m a n n, Herrn Engen W e i s z, zum Oberkantvr gewählt. Nng.-Ostra. Rationalfondö 203 K\ Tie jüd.- atad. Ferialverbindung „Achirvah" ans Nng.- Hradisch veranstaltete hier ain 20. August ein Gartenfest und Tanzkränzchen, das dank dein frenndlicherl Bemiihen des Damenkvmitees ntid des Distriktskvmiteemitgliedes Gg. Leopold Sonnenfeld einen glänzenden Verlaus nahm. Alle», welche zum Gelingen des Festes beigetragen haben, Förderern nrid Gästen, sei hiermit bestens gedankt. Alsenz. Nationalfvllds 43 IC 20 h. Am 3. d. veraiistaltete die jüd.-akad. Ferialverbindung „Achiivah" ans Ung.-Hradisch in dieser alten Judengemeinde einen AgitativnslvmmerS, der erhebend und begeisternd verlief. Festrede: A. H. Tr. Einil Schmitz. Teudenzrede: eand. Phil. Arthur Freud. Toaste: Rabbinatskandidat Johann Stöhle r und eand. med. Theodor st v h n. Ten Ansführnngen dieser rliedner sowie der Rezitation eand. jnr. Leopold F i s ch k u S und den Mnfikvvrtrügen von Frl. F r a n t l, Frl. st a i s e r und eand. jnr. Weil erflvst reicher Beifall. Für die Anlvesendeil dankte Le. Ehrivürden Tr. Hoff der „Achiivah" für ihr Erscheilien und gab dem Wunsche Ausdruck, der zionistischen Idee »lögen hierdurch viele neue Mitarbeiter erivachsen. Den inoffiziellen Teil »lachte ein Tanzkränzchen, das sehr animiert war und Jnng-Jnda bis in die Mvrgeilstlindeti ans den Beinen hielt. Hervvrzuheben wäre noch, daß nebst den Spitzen der politischen und stnltusgemeinde Vertreter der Verbindungen „Uilitas"-Wien, „Veritas"-Brünn, „Gamala"-Göding, der Obmann des ZivnvereineS „Gaya" und Mitglied des mährisch-schlesischen Tistriktskomitees Gg. L. Sonnenfeld vom Präsidinln begrüßt iverden tonnten. Bon der Ezeruowitzer Universität. 'Nach der statistischen Tabelle der Vvrlesevrdnnng für das Wintersemester l005/ll6 waren an der llniversitüt in Ezernvlvitz im Sommersemester des Studienjahres 1004/05 im ganzen 036 Studierende inskribiert. Hiervon entfielen ans die gr.-vrt. theologische Fakultät 80 ordentliche und ein außerordentlicher Hörer: ans die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät 320 ordentliche, 24 außerordentliche Hörer und eine Hospitantin: auf die philosophische Fakultät 131 ordentliche <darunter 5 Frauen), 53 außerordentliche Hörer (darunter 30 Frauen), 11 Pharmazeuten und 6 Hospitantinuen. 'Nach der Muttersprache waren im ganzen 351 Deutsche, 1 Magna re, 140 Rumänen, 67 Ruthen en, 36 Polen, 2 Tschechen, 8 Serben, 15 Russen, 2 Armenier ,4 Bulgaren und eine Engländerin. 'Nach der Religion ivaren 204 gr.-or., 2 arm.-vr., 88 röm.-kath., 47 gr.-kath., 4 arm.-kath., 26 evangelisch A. st., 1 evangelisch H. st. und 264 mosaisch. Tschirikows „Inden" wurden nunmehr auch ins Kroatische übersetzt und sollen in der kvminenden Theatersaison im A gramer Theater zur Aufführung gelangen. Meilanstall für■,.. Näseln, Fehler in der Aussprache - sowie andere - Sprachu. Stirn m- - - Störungen - - (Eigene Pension für auswärtige Patienten). M.-U.-Dr. Hugo Stern, IX., Garnisongasse 4. i; : flnEPJKfl;l;; Cf>5 Abreise aus Havre Jeden Samstag. |> Französische Linie; i Bequeme, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung |! , | samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen ' i i sämtlicher amerikanischer Bahnlinien zu Original-! 1 |! preisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko < [!| ~ « französische Wien, filf. 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