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Jüdisches Volksblatt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Volksblatt Nr. 34 (-) 1281 wahrscheinlich (71)12871 tt>8l iir.8i.i 2>8 | j 1111 lassen darauf schließen, daß es jedenfalls ein Grabstein gewesen sein dürfte. Was die von nur in bezug auf den Fundort des Steines augekuüpfte „Capistrano- Historie" betrifft, so habe ich diese Vermut u u g bloß auf Grund der hiesigen lokalhistorischen Begebenheiten in den Jahren 1450 bis 1454 ausgesprochen, welche Zeit für die hiesige Judeuschaft eine lange, ununterbrochene Leidensgeschichte war und insbesondere ihren Gipfelpunkt darin erreichte, daß zufolge der Hehpredigten des Frnnziskanerrnönchs Johannes Eapistranus sowohl in Olmütz, Brünn, Breslau .'c. _ viele Glaubensgenossen verbrannt und gefoltert worden sind. Auch der damals auf der Pilten von 1060 bis 1454 bestandene alte jüdische Friedhof wurde gänzlich zerstört. Es ist selbstverständlich. daß diese Historie mit der Auffindung des Steines bloß „mutmaßlicherweise" in Zusammenhang gebracht und nicht als apodiktischer Beweis hingestellt werden kann. Ich finde es daher unerklärlich, daß Herr Dr. Oppenheim sich, veranlaßt^ gesehen hat, dieses von mir erwähnte historische Ereignis zu glossieren. Was schließlich meine hebräische Sprachkenntnisse sowie meine Vortragsweise als 81'j7 betrifft, so gestatte ich mir darauf hinzuweisen, daß mir von seiten der hiesigen löblichen Kultusgemeinde während meiner fünfzehnjährigen tadellosen Amtstätigkeit öfters Beweise der vollsten Anerkennung protokollarisch zum Ausdrucke gebracht worden sind und daß ich daher Ursache habe, die ganz unberechtigten Angriffe des Herrn Einsenders gegen meine Person mit Entschiedenheit zurückzuweisen. Indem ich die Diskussion in dieser Sache meinerseits für beendigt erachte und dem Herrn Einsender als Entgegnung der an mich gerichteten Worte iMischle, Kap. 26 Vers 5) die Worte Hiobs sil8 8* *31?lb nvw bzx ”11 fTTZD zur Erwägung anheimstelle, zeichne ich Hochachtungsvoll als ihr ergebener A. S t ö ß l e r Sekretär und Kantor reinen Glieder der Nasse scheinen sich vereinigt zu haben, ihn 'hervorzubringen, ihn mit allen köstlichen Eigenschaften auszustatten, die die Nation je besessen hat: Kraft und Tiefe, sittliche Größe und Freiheit; kurz, alles und alles, ausgenommen den Humor. In seinem .Kopse sitzen ein paar Augen voll Mildheit und Güte, man möchte sagen Frommheit in einem neuen Sinn, feurig und doch wieder schüchtern, phantasievoll und nach keiner Seite hin borniert, kurz: wundervoll". * * * Der größte Vorzug der Dichtung liegt aber in ihrer ethischen Bedeutung, in ihrer ernsten Philosophie — nein, Nachdenksamkeit, möchte ich lieber sagen. Ich glaube hier ein neues Wart geprägt zu haben, doch ich benötige es. „Philosophie" klingt zu trocken für diesen von lauterer Poesie durchwehten Roman. Aber nachdenksam ist er und schwer und traurig. Schwer und traurig — wie ja die meisten Judenbücher. Doch in diesen Roman, der ja schon in seiner Auffassung, in seiner Gestaltung so viel Ursprünglichkeit aufweist, finden wir in den Judendichtungen so seltenen aufatmenden Ausklang: dumpfe, feuchte, schwere Nebel lagern schwadig auf der Erde... — da zerreißt die Sonne mit sieghaftem Strahl die Dunstgebilde: die reifende, nährende, wärmende, lebenspendende Sonne, die Sonne — die Sonne! — In dem Romane werden die weitverzweigten Beziehungen des Judentums zur Kultur, zum Christentum, zu den Ideen und Ersorder- Der Jahresbericht der „Jewish Kolonisation Association" pro 1904 Von I. Tnrosf-Verlin. (Fortsetzung.) 3. A s i c n. a) Palästina. Das Jahr 1004 war für die landwirtschaftliche Bevölkerung Palästinas überaus ungünstig. Alle Plagen, die einen Landwirt nur treffen können, schienen sich vereinigt zu haben, um die Bauern zu ruinieren. Die Regenmenge war so gering, daß sie stellenweise kaum 60 Prozent der normalen erreichte. Was die Erde noch an Getreide hervorbrachte, wurde von den Natten geplündert, so daß die Araber es für lohnend fanden, die Schlupfwinkel dieser Nager aufznspüren, um die von ihnen angesammelten Getreidevorräte zu rauben. Am schliminsten aber hat die Viehseuche gewütet, welche den Viehstand im ganzen Lande bis zur Vernichtung dezimiert hat. Die Folgen aller dieser Plagen machten sich den jüdischen Kolonisten, die schon im Vorjahre in Galiläa durch die Cholera und in Judäa durch das Sch'mita-Jahr stellenweise schwer beeinträchtigt wurden, sehr fühlbar. Die Getreidefelder brachten in mancher Kolonie kaum das dreifache Korn. Die Mandelbäume gaben die Hälfte des gewöhnlichen Ertrages und selbst der Weinbau brachte trotz inzwischen erfolgter Vermehrung der Weinberge einen Minderertrag von zirka 30 Prozent. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Bedeutung Palästinas als hervorragendes Emigrationsland durch das traurige Ergebnis des Jahres 1004 nicht im mindesten beeinträchtigt wird. Dürre, Natten und Rinderpest sind Schicksalsfügungen, gegen welche die Bauern in einem landwirtschaftlich noch wenig entwickelten Gebiete wie Palästina nichts auszurichten verinögen. Dies können die Bauern von Eutre Rios bezeugen, die bei allem Fleiß und aller Ausdauer noch niemals eine gute Ernte gehabt haben. Es muß im Gegenteil konstatiert werden, daß die jüdischen Kolonisten durch das Zusammenwirken einer Kette von unglücklichen Ereignissen nicht im mindesten entmutigt wurden und daß sie ihrerseits mit ungeschwächter Energie fortfuhren, das Land weiter zu kultitiereu. Die Orangen sind weiter gediehen, die Mandeln, deren Anpflanzung sie sich vor zehn Jahren so heftig widersetzten, gaben derartig günstige Resultate, daß die Einnahmen aus denselben stellenweise die aus den Weinbergen überstiegen. Endlich wurden die Versuche mit Seidenzucht und Tabaksbau mit zum größten Teile günstigen Ergebnissen fortgesetzt. nissen der Gegenwart enthüllt: wie die Juden die Wahrheit und Tiefe und Aufrichtigkeit in der Kunst nehmen und dafür unbewußt den Schein von Wahrheit, den Schein von Tiefe, den Schein von Aufrichtigkeit setzen; wie sie eine neue Art von Sentimentalität bringen, die sich als Naivetät gibt und mit grüblerischer Wehmut nach den Gründen der Dinge schreit. Wie ja alle Religion nur Judentum und wie das moderne dekadente Judentum eigentlich Christentum ist. Wie im Judentmn der Kern jener pseudochristlichen Bewegung liegt, die „unsinnliche Liebe" verkündet; wie im Judentume der Urgrund der tiefen, schweren Traurigkeit, des Weltschmerzes zu suchen ist, der die meisten von uns in seinen Bann Zwingt; wie die Juden den fiebernden Individualismus aufgebracht haben, der uns beherrscht, wie aber doch ihr dumpfes, schweres Stöhnen nach Befreiung nicht mehr dem Jndividmlin, sondern der Menschheit gilt. :Wassermanns Roman ist ein schweres, ein merkwürdiges, ein außerordentliches Buch. Ein außerordentliches Buch eines außerordentlichen Dichters, den ich nächstens noch näher zu beleuchten versuchen werde. Pfl. Huntes Feuilleton. Barnhagen und die Nahe!. Aus den soeben erschienenen ,/Jugenderinnerungen" von Therese Devrient, der Gattin Eduard Devrients Merlag von Karl Krabbe, Erich Gutzmann in Stuttgart) Die Zahl der alten Kolonien hat sich um eine vermindert. Die kleine Kolonie Mischmar Hajarden, welche infolge drückenden Landmangels seit ihrer Gründung noch keine frohe Stunde gehabt hat, hat das schwere Jahr 1004 nicht zu überwinden vermocht. Wenigstens wird in dem vorliegenden Bericht von Mischmar kein Wort erwähnt. Aus anderweitigen Quellen hören wir, daß die Kolonisten sich über ganzPalästina verstreut haben und die Kolonie einstweilen völlig verlassen dasteht. Die landwirtschaftliche Bevölkerung hat sich im Berichtsjahre nicht merklich vermehrt und dürfte zurZeitgegen 6200 Seelen zählen. Davon wohnten 616 in den unabhängigen, gegen 1000 in den von der I. C. A. unterstützten Kolonien und 4700 in den alten Rotschildschen Ansiedlungen. A)c i k w e h Israel. Die von der I. C. A. unterstützte Alliance-Schule Mikweh Israel bei Jaffa zählte im Berichtsjahre 07 Schüler, von denen 20 Söhne jüdischer Kolonisten sind. Davon haben 11 die Schule vorzeitig und 11 nach fünfjährigem Unterricht verlassen. Von letzteren arbeiten 8 auf Sedjera, einer bearbeitet sein Terrain in Palästina, während zwei das Land verlassen haben. 30 neue Schüler wurden im Berichtsjahre ausgenommen, so daß am 1. Jänner 1006 die Schülerzahl auf 106 stieg. Die Ernte war infolge der Dürre sehr schlecht und die geringe Menge hervorgebrachten Getreides wurde überdies von Feldmäusen gefressen. Der Viehstand von Mikweh Israel ist bereits Ende 1003 von der Pest völlig vernichtet worden. 9t i s ch o n l e Z i o n. Die weinbauende Kolonie 9tischon le Zion hat sehr erheblich vom Reaenmangel zu leiden gehabt. Die Weinernte ergab nur 1 077 300 Kilo im Werte von 178 360 Francs. Trotzdem haben sie ihre Rückzahlungen pünktlich geleistet, so daß manche von ihnen von ihrer Gesamtschuldenlast bereits über 3000 Francs getilgt haben. Die zum Zwecke der Düngung zwischen den Sieben gepflanzte Lupine hat mehr geschadet als genützt, indem sie den 9teben das bisher noch vorhandene Naß entzogen hat. Dagegen war die Mandelernte sehr gut und hat einen Nettoertrag von zirka 200 Francs pro Hektar gebracht. 1300 fruchttragende Bäume haben 16 000 Kisten im Werte von 46 000 Francs gebracht. Um sich geegn die Gefahren einer einseitigen Weinwirtschaft noch weiter zu schützen, wurde von den Kolonisten für den Preis von 30 000 Francs das angrenzende Dorf Sarafend erworben, wo sie Getreide zu bauen gedenken. Gleichzeitig wurde von der Gesellschaft das ebenfalls an Rischon grenzende Dorf Bedejen im -Umfange von 646 Hektar angekauft, von denen 220 bereits in diesem Jahre, der Rest sei mitgeteilt, was die Berfass-erin n. a. von ihrem Verkehr im Mendetssohnschen Hanse in Berlin erzählt: „Unter der: Frauen waren es die Hvfrntiu Herz und Nahet v. Barnhagen, die mein ganz besonders Interesse in Anspruch nahmen. Iran Herz war eine imposante Gestalt; ihr edles, regelmässiges Gesicht zeigte ebensoviel Verstand als Hcrzensgnte. Sie beherrschte angeblich sieben Sprachen nnd benützte diese Fähigkeit ans die schönste Weise, indem sie täglich arme Mädchen mit unermüdlichem Eifer unterrichtete. Ich selbst kannte mehrere, 'welche durch sie in den Stand gesetzt waren, sich ihren Unterhalt zu erwerben. An Nahel liebte ich den tiefen, allsdrucksvollen Blick ihrer Augen und den wohltuenden Torr ihrer Stimme. Die Wirtschaft aber, die ihr Marin mit ihr machte, ividerte mich all. Oft luemt wir im grvsien Gartensaale bei Mendelssohns munter plaudernd mit der Arbeit saßen, meldete der Dielier Herrn und Frarl Varnhagen,' dann tat sich die Türe auf und Herr v. Barnhagen trat groß und vornehm herein, die kleine, breite, mühsam gehelkde Frau feierlich am Arm führend. Zwischen den Fingerspitzen trug er zierlich eill bllntgesticktes Kissen. Der Diener nvit zwei anderen lief voraus nlld schob 'einen Lehnstuhl zurecht. Herr v. Barnhagen lief; seine Gattin, die anf dem Wege dahin freundlich grüßte, in den Sessel nieder, nahm dcnl Diener die Kissen ab, schob eines unter die Füße und legte das andere hinter ihren Rücken. Ein liebevoller Blick voll ihr lohnte feine Bemühung. Dann trat der verehrerische Gatte hinter löten Stuhl nnd zog leise ein Taschenbuch hervor, um jede ihrer Reden gleich niederzuschreiben. Als das Gespräch mit anderen ihn einmal von der Stelle fortgelockt hatte und er in ihrer Nähe sprechen und lachen hörte, ftürinte er eiligst herzu mit dem Rufe: „Was hat sie gesagt? — was hat Rahel gesagt?"

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