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Jüdisches Volksblatt · 1905-08-04 · 31 (4.8.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Volksblatt Nr. 31 Universitätsprosessor fühlte sich im Vorjahre verpflichtet, seinen Hörern in der Antritts- Vorlesung Sie bedeutende llcbersüllung in den naUlNvissenschafliichen Köchern überzeugend, weil mit amtlich stalistischen Ziffern nachznlveisen; Die Serie könnte fortgesetzt werben. Ter Tovpeidtvck loirl>gastlichen Notstandes, der Juden überall trifft, tvo fie in* .Mrcii.vfeuer allgemeiner imD spezifisch jüdischer Act geraten bleibt bei der jüdischen Intelligenz nicht aiK\ Tie ungünstigen Verhältnisse, die jene Warnungen Hervorrufen, gelten für ne doppelt und mehrfach, weil die Einflüsse des Antisemitismus hin,zutreten, mag er politische, religiöse, nationale, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder bnreankratische Marke und Motive haben. Tie Zukunft unseres Intelligentproletariats ilt von Testerreichs wirtschaftlichen tind politischen Schicksalen abhängig, isesnndet Testerreich nicht, wüd seine freie wirtschaftliche Entwicklung durch die innerpolitische Misere auch i-n den nächsten Iahten lahmgelegt und znrüekgefchranbt. banir müssen sich auch die Ebaneen der fniDieicnDen jüdisch.ir Jugend verschlimmern. Es würde zu weil führen, nachzmveifen. daß die Steigerung der nationalen LI.stcnschailen mtd Machtgelivte dev jüdischen Intelligent Terrain abgräbt und sie aus dein wirtschaftlichen Wettbewerb zum Teile aUmschalter. Tie politische Geschichte des letzten Jahrzehntes weist die Tatsache fühlbar genug nach. Wir meinen: Tie jüdische Intelligenz wird in Teuer reich einen sehr schweren Stand und verringerte Eristenzmöglichkeit haben und ob sie will obennicht — bei der Berufswahl und Bernfsvorbereitung ihr Augenmerk aufs Ausland richten inliffen. Was sollen die jüdischen! .Knaben also studierend Welchen Beruf sollen sie wählen? Ein Studium, welches später seine Jünger innerhalb der Reichsgrenzen! festhält und dabei auf ein engbegrenztes Wirknngsgebiet verweist, bieret die gevingsten Aussichten. Iw den: freien Be nt sei; herrscht Ueberfüllnng, Uebersättigung mir jüdischen Stelleninhabern und S teilen bewerbcrn vor. sie sind für Inden nur noch ztim geringelt Teile ausnahmssähig. Vor dein Ins-, rmtrtxmr, auf Das firfj; uitferc iüBtfc^cn OAuvn..j nafialabittirienten in Massen stürzen wie hungrige Fische aus den Köder des Anglers., weil die Prüfungsordnung bequem ist nnb semesterlanges Bunuweln ohne Gefahr eines Zeitverlustes gestattet und weil — und das lockt hauptsächlich die Minderbemittelten — die . jungen Juristen Nebenbeschäftigungen nachgehen können, ist unter allen Umständen .zu warnen. Tic kolossale Ueberfültnng« der juristischen Ja kn trat bedeutet für die christlichen, geschweige denn für die jüdischen Juristen die Gefahr einer Krise. Eine Ablenkung auf die Medizin und Technik lvird von selbst ciirtiercn. Ter grundlegende Fehler steckt aber darin, daß überhaupt zti viele jiidische Mittelschüler dein Hochschttlstlldinnr zustreben, statt Fachschulen -. geiverbliche, kommerzielle, industrielle nsiv. zu besuchen, die die Begünstigung des Einjährigfreitvilligenrechte's auch bieten, bingegetl getingere Koiten verursachen tind in früheren Iahten zti selbständiger Steilung führen. Auch fesseln sic ihre Absolventen nicht so sehr an die Scholle. Tie jüdischen- Eltern, die heutzutage ihre minder ins Ungewisse slndieren lassen unD einen akademischen Doktorgrad als crstrebenslverws Lebensziel betrachten, sind schlechte lliechenineister. Das .Kapital, das sie im« Studium ihrer blinder investieren, sei es, daß sie diesen die gesellschaftlichen Vorteile akademischer Bildtlng oder eine feste materielle Basis sichern wollen, sei es, daß sie ans Beqnenckichkeit ans dein langen Wege zur Promotion einer schwieriaen Bcuisswahi anstveichen wollen, mmn-tuu'U sich wenig oder gar nicht. Für die großen materiellen Tpfer und deklassierten Eristenzen ist die nur ideelle Verzinsung einer fiktiven, Gesellschastsposition tingenügender Ersatz. Unser jüdischer BUttelstand will seine Kinder um jeden Preis. studieren lassen. So schasst er einen Proletarierstand von Intelligenzlern. der seine wziale Deklassierung mühselig verdeckt tind dem .stonuevriteninm sein zahlreiches Kontingent stellt. Tie Ueberprodnktion rvirkt auch moralisch aus ihre Tpfer zu.- rück. Wenn nicht bei in Tanfkessel, gehen unter dem eisernen Truck eines verzweifelten Konkurrenzkampfes und einer rückenbeugenden Protektivnsiagd die Früchte nationaljüdischer Erziehungsarbeit verloren. Solche Verhältnisse bningen tinler den Westjnden stakt selbstbeivnßter, opferfreudiger, mutiger Nationaljnden gefügige, ewig kriechende, verkrüppelte Tpportunisten hervor. Es wäre ein unsinniger Streich, wollte in diesem Blatte ein Jüdischnationaler, der Hebung der jüdischen Volkskraft auf allen Gebieten jüdischen Lebens will, für .Herabbrückung des jüdischen Bildungsniveaus plädieren. Tas hieße unserem Volkscharakter schmähliche Fesseln anlegen und Unmögliches ijcuux'u '|rdj orrtnrcOr,' ju iucti es .".iöstlich if-t, um eine zlveckentsprechendere Verteilung ans die Berufe, um Verhinderung einer die Gesamtheit und die betreffenden Emzelinöioidnen schädigenden Berufsgliederung. Was der deutsche Volksrat und der tschechische Nationalrat osten und hinter den Kulissen tim, indem sie teilweise Berufswahl ihrer konuatioualen stndierenden« Jugend dirigieren und regulieren, müßte eine starke jüdischnationale Trgamsation, die einwenig 'Realpolitik treibt, auch inutande und verpflichtet sein. Hätte eine solche Trgam'sation die jüdische Schulmm Berufsstatistik Testerreichs —- die.Kosten sind gering, das Mateiial zum Greifen da- -- angelegt, sie könnte durch Aufklärung in Presse, Versammlungen und Broschüren' viel Gutes wirken. Das lväre eine Ausgabe, einer Bert rau ensmäu Neuorganisation wert, es wäre allerpraktischeste Gegenwartsarbeil. Doch ich vergesse, in - unserem' Lager tobt vorerst der Streit tiins Territorium in nebelgrauer Ferne und die papierenen Experimente mit Trganisationsstatnten müssen Den« parteimäßigenInsianze>1treg passieren . . . Tann« erst an die praktische Arbeite Im Zusammenhänge mit der Lage der jüdischen Intelligenz muß ans ein Ereignis Hingelviesen werden, das in Testerreich, bevorsiehi und nicht ohne nngünstigew Einfluß ans jene bleiben lvird. Es ist die VerstaatiichtmgSaktimi, ivelche Bahnen betrifft, bei denen Juden bisher —- lvenn auch nur ans Grund weitreichender Protektion - in genügender Zahl unter- und weiterkommen. konnten. Tie in Frage kommenden« Bahnlinien betroffen! Gegenden, in denen Juden in größerem Prozentsätze wohnen, die Sudelenländer und- Galizien. Tie Erfahrung bisheriger Verstadtlichungen, wüe in Wien, wo ein judenfeindliches Parteiregime etabliert wurde, oder von Verstaatlichungen, durch weiche jüdischem Einflüsse zugängliche Privat- Unternehmungen unter die Herrschaft bnreankratischer Grundsätze kommeir, lehrt, daß damit auch jene Grundsätze Einzug halten, ivelche in anderen Zweigen, staatlicher oder konunnnaler Verwaltung gehandhabt lverdeii und in .Nichlanstellung jüdischer Petenten oster Präleriernng übernommener jüdischer Beainten sich äußern. Tic BeaiN'tcnslellen bei jeneu Bahnen« worden nach der Verstaatlichung nationale Kampfobjekto und die Besetzung durch Staatsbeamte erfolgen, die direkt oder indirekt bem Einfluß und der Kontrolle politischer und nationaler Parteien unterworfen sind und den Prinzipien eines bnreankratischen Antisemitismus hnld'- geu. Für jüdische Peteniten bedeutet die Verstaatlichmrg solchermaßen einen argen Nachteil. Sowie dieses sozialistische moderne Mittel der Verstaatlichung, so mußte auch eine ihm iv e s e ns f re in d e z ü n f l l e ri s chrca ftioi ui re M a ß reg e l, von 0er viel die?Üeve ist, unsere ivirtschafriichen Interessen stören, der Numerus clausus, für dessen Einführung in der Advokatur Stimmen laut wurden. Tie deutschen Advokaten Böhmens haben sich vom nationale,/ Gesichtspunkt ans gegen den Nmnerus clausus ausgesprochen, Iveil sie mit .Neckst befürchten, daß der deutsche Adpokatenstand in seinen« nationalen und materiellen Interessen gefährdet werden könnte, lvenn seine freie Entfaltung gestört und von der jeweiligen Neglernngsstimmung abhängig gemacht würde. Auch für die jüdischen Jmisten wäre der .Nmnerus clausus mit einer eminenten den, heißblütigen Tacvsta nicht viel, Freilich als der „Sieg bei Saarbrücken" gemeldet nnirde, da fand er einige Worte des Bedauerns für die „besiegten" Tentscheu: „Arme Kätzchen," sagte er und streichelte mir die Wange, „ibr wollt euch mit 'Franzosen messen, mit den besten Soldaten des Weltalls'? Habt ihr denn eilten Begriff, wie der Franzose das Bajonett barldbabt?" Und seinen Regenschirm sällend, den er beim schönsten Wetter berumtrng, stach er vehement ans meinen Unterleib ein, worauf er, als ich mich znrückzvg, gutmütig lächelnd ansrief: „Setzt den Seigling, ivie er flüchtet — so machen sie's alle!" oiariz attders kam er aber nach der Schlacht bei Weiszenbnrg .',n tins, die wir so gern ans seinen Besuch verzichtet tzätten. Mit verschränkten Armen, etwa ivie Aapvlevn bei Waterlvv, stand er vor unseren Pulten, schnaubte durch die Nüstern und begann dann in elegischem Ton: „Ein schwerer Verlust, General Toiuri tot, eine >lanvne vvm I-eind genvmmen und Weitzenbnrg ckrankreich entrissen! Tann blitzsctzm'll sich zu uns wendend, donnerte er: „Hütet ench, ein Wort zll sagen und mich zu reizen!" Wir schwiegen, aber das nützte nichts, wenigstens mir nicht, denn er firtzr drohend ans mich tos und höhnte: „Wenn Sie anch ans stnrcht schweigen und die Lippen znsammenkneifen, im stltneril jltbilicren Sie über Frankreichs Niederlage!" Dlirch den Lärm angetockt, kam 'unser Chef herbei, der mit anerkennenswerter Ungerechtigkeit zu mir sagte: „Ta Sie leinen Frieden halten lötniert und immer mit Herrn Taevsta streiten, so haben Sie von heute an Ihren Platz im Zwischenstock bei der Buchhaltung." Ich erirartete, das; Herr Taeosta sich schuldig bekennen würde, da er aber schivieg, ging auch ich schweigend nach oben. Tort lrar's übrigens gar nicht so übel, wir arbeiteten wenig und sahen meist de»l schönen Ntodistinnen nns gegenüber bei der Arbeit zn oder lasen die französischen Zeitungen, die, sonn so witzig, jetzt allen Witz verloren zu haben schienen." S. Huntes Feuilleton. Ein antisemitisches Dokument. Vor nns lieqt ein „Zirkular" des mährisch-schlesischen Tnndesqnbernimns, das so recht denhistorischen Antisemitismus in Schlesien illustriert. Es lautet: „Von dem k. k. mährisch und schlesischen Kqndesqnbernimn. Der den, Juden, unter Konsiskationsstwse verböte Handel mit Getreid .md nüt Heu, wird mit dem Beisaz erneuert, daß hierunter auch alle Magazins-, Getreidnno Heniiefernngeti, dann Komissions-Einkäufe für andere Parteyen, begriffen seyev. In Folge der, unter dem 23. Dezember 1801 crflossenen höchsten« Entschließung, ist bereits mittelst Zirkular vom 12. Jänner 1802 bekannt gemacht worden; daß den Inden der Hnndel mit allen ivas immer für einen Nomen habenden Getreidgottrmgen, und so anch mit dem Heu unter Konfiskatioirsstrafe verboten sey. Dieses Verbot wird.dermal mit dem Beisaz erneuert, daß darunter auch alle, wie immer geartete Magazins- (tzetreid und Heutiesernngen, baust Einkäufe -in .Komission für andere Pärtheyenb"- grissen sepen, folglich jedes derlei von Inden getaufte Getreid oder Heu, ohne Weiters im Betretungsfalle konfisziert im Falle aber solches bereits abgeführt lväre, der betreffend-' Jude mit dem Erlag des Aequivalents im (selde. bestraft, und dieses, nach Umständen, zum abschreckenden Beispiel für andere erekniivisch eingririeben, werden lvird. Brünn am 22. Iäimer 1808. Prokop Graf von Lastmskv. Eruest Hanibal Freiherr v. Lorella. L. S. Josef Fretzh. von N'olsberg." Ein echtes Dorn-- ment hnmaine! Kliilstilochricht Leo A l t m a n n, der bc kaimte Violinvirtuose, ist nach einer mit großem Erfolge begleiteten amerikanischen Tournee vor einigen Tagen zum- Besuche seiner Eltern in G y n l a f e h e r v a r (Ungarn) angekommen. Altmann, der jetzt sechs Jahre in Amerika weilte, will sieh ständig in. P i i t s b u v g nie derlassen, lvostibsi er zum. Konzertliwister der dortigen« Philharinoiüschen« Gesellschaft und zmn Professor der Mnsikakadeinie gelvahtt lrmrde.

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