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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-21 · 29 (21.6.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
29 (21.6.1905)
Date
1905-06-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Jüdisches Volksblatt Seite t» Wiesen. Er verlieh seinem trauernden Herzen über den Verlust seines Schwagers und FreundeA in wahrhaft ergvAfender Weise den höchsten ÄuSdrmk. Es würde zu weit führen, wollte ich des Redners Zitate aus Talmud und Midrasch Wiedergaben, sie waren alle gut gewählt, dems Charakter und Wirken des Entschlafenen' vom Redner schön angepaßt. B. B. Mischer Acker»«« i« Palästina. Elche vorigen Monats fand unter zahlreicher Beteiligung Berliner und auswärtiger Delegierter die Jahvesversammlunig des „Esra", Vereines zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, statt. Der Vorsitzende Herr M. Dorn eröffnete die Versammlung mst einem warmen Nachruf auf den im Berichtsjahre verstorbenen langjährigen Schriftführer Herrn Willi Bambus, dessen allzu frühes Hinscheiden einen. großem, schier unersetzlichen Verlust für das Judentum im allgemeinen und für den Verein „Esra" im besonderen bedeute. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren des Entschlafenen von ihren Plätzen. Darauf gab der Vorsitzende eine kurzeUebevsicht über die Tätigkeit des Vereines im Jahve 1904, dessen langsames, aber stetiges Wachstum sich darin offenbart, daß er in den Jahren 1884—1891 9077 Mk., 1892—1899 4L 230 Mk., 1900—1904 42 604,96 Mk. für das Kolonisationswerk in Palästina leiftetr und außerdem während dev letzten fünf Jahre noch 21 600 Mark zurücklegen, somit in dem erwähnten Zeiträume zusammen 64 204,96 Mk. stgegen 61 307 Mk. in den efften, 16 Jahvm seines Bestehens) für palästinensische Zwecke verwenden' resp. zur Verfügung stellen' konnte. Für die Kolonie „B''ne Jehuda", deren endgültige Installierung und Vergrößerung der „Esra" im Jahre 1902 begonnen' hat, sind im ganzen 21 075,95 Mk. -ausgegeben worden. Gegenwärtig schweben! Verhandlungen über den Ankauf eines' östlich benackcha-rten 'Terrains, das zur Vergrößemng rgsp. ArroMeimng der Kolonie vertvendet werden soll. Daneben interessiert sich der Verein seit einigen Monaten auch für die Insassen des! dreiviertel Stunden von „Pethach Trkwah" enfferntm, neu beisiedelten Dorfes Johudije, wo! sich mehrere russische Flüchtlinge seßhaft gemacht haben. Aus dem Berichte des Schatzmeisters Herrn. Konsul I. Friedemann war zu ersehen, daß bis zum 27. Juni 1906 an Jahresbeiträgen' und Zinsen 10 640 Mk. eingegangen sind und daß das Veveinsvermögen' 32 600 Mark beträgt. Bei der daraus vorgenommenen Ergänzungswahl zum Zentralkomitee wurden der Schatzmeister und die ausscheidenden Mitglieder, die Herren Dr. D. Caspari, Berthold Israel, Willibald Loewenthal, Dr. Eugen Mittwoch und Prof. Dr. £>. Marburg, sowie die beide:: Revisoren Herr M. Apolaut und F. Philippsborn durch Zuruf 'wiedergewählt. Ein sodanni zur Beratrmg' gestellter Antrag des. Herrn David Kalischer, dß der „Esra" unter gewissen! Bedingungen zwei von seinem seligen Bruder Leo Kalischer erworbene Grundstücke in Bethlehem und Jerusalem, übernehmen möge, wird, da die Inbesitznahme ohne Führung, von Prozessen nicht möglich ist, dem Zentralkomitee zur weiteren Verfolgung überwiesen. Darauf gab der Schriftführer Herr Dr. Moritz Sobemheim, welcher kürzlich in Palästina war und „B'ne Jehuda" und Jchudije besucht hat, einem Bericht über die beiden Kolonien,: „B'ne Jehuda", im Vilajet. Damaskus, Kreis Ku netra, östlich des Tiberias-Sees, in der Nähe von Samra, einer Station der im Varl begriffenen Eisenbahn Haifa-Damaskus belegen, hat überaus fruchtbaren Boden. Ueppige Wiesen, deren Blumen und Kräuter dem Reiter bis an den Gürtel reichen, bekunden, daß auch die Viehzucht in jener Gegend mit großem Erfolge betrieben werden könnte. Leider sind die Kolonisten noch lange nicht in der Läge, diese günstigen Verhältnisse in vollem Maße auszunützen. Zunächst deshalb, weil sie mit den Arabern, welche noch vier Neuntel des 466 Hektar umfassenden Dorfes besitzen, in Dorfgemeinschaft leben, was zur Folge hat, daß die Felder dev Kolonie alle zwei Jahre ihren Besitzer wechseln. Unter solchen Umständen ist an eine Melioration' des Bodens, geschweige denn an Baumpflanzungen nicht zu denken. Die Araber würden, wenn sie durch das Los zu Besitzern dieser Bäume werden, dieselben einfach fällen und als Brennmaterial verkaufen. Vor allem müßten die Inden alleinige Eigentümer ihres Landes werden. Dazu ist erforderlich, daß derselbe unter die einzelnen Besitzer verteilt ' wird, was in der Türkei mit vielen Kosten und großen Schwierigkeiten verknüpft ist, oder aber, daß anderweitig Land angekauft und den Arabern zum Tausche gegen ihren bisherigen Besitz angeboten wird. Der Vertreter der „Esra" in Palästina ist gegenwärtig bemüht, diese letztere Möglichkeit zu verwirklichen. Eine fernere Schwierigkeit bei dev endgültigen Installierung dev 'Kolonie bildete die seit zwei Jahren in jener Gegend herrschende Rinderpest. Von der verheerenden Wirkung dieser Seuche hat sich Redner überzeugt, als wir auf der kurzen Strecke Der'at (Edrei) und „B'ne Jehude" auf 100 Rindsrleichen stießen. Diese Epidemie war der Grund, weshalb die Kolonistien bisher noch nicht mit dem erforderlichen Viehmaterial versehen wurden. Endlich bereiten die 'Besitzverhältnisse der Kolonisten selbst ernste Schwierigkeiten. Von den 18 Familien, welche dein Boden im Jahre 1888 erworben haben, wohnen gegenwärtig neun und ein Schachot in B'ne Jehuda, die anderen zur Zeit noch in Sased. Von diesen letzteren sind aber nur drei Familien, zu landwirtschaftlicher Betätigung geeignet, während die übrigen Miteigentümer der Kolonie durch bare Entschädigung zum Verzicht auf ihre Vesitzrechte bewogen werden müssen. Die Ansiedler von B'ne Jehuda sind fleißige, bescheidene Leute. Als geborene Palästinenser sprechen sie vortrefflich arabisch und stehen mit den nichtjüdischen Nachbarn sowie mit den Behörden auf sehr gutem! Fuße. Ihre große Anspruchslosigkeit wird es wahrscheinlich ermöglichen, mit den vevhältnisnräßig geringen Mitteln eine zirka 456 Hektar umfassende! jüdische Kolonie zu etablieren. Diese Aufgabe hat sich der Verein „Esra" gestM, und wir hoffen zuversichtlich., dätz, es ihm gelingen' wird, dieselbe zu lösen. Das Dorf Jehudi el Jehud, bereits im Jahre 1882 von den ersten Ansiedlern der Kolonie Pethach Tikwah begründet und später wieder verlassen, wurde anfangs 1904 von neun Familien aus Hömel und Umgebung 'wieder neu besiedelt, welche den zirka 13 Hektar umfassenden Boden nebst den darauf befindlichen Häusern und einer sehr wertvollen! Zisterne für den Betrag von 12 000 Francs erworben haben mit der Verpflichtung, die Kaufs:: mme, vom Jahre 1907 beginnend, in zehn! Jahresraten zu bezahlen. Da ein Bodenbesitz von 13 HeÜar zur Ernährung von neun Familien bei weitem nicht ausreicht, arbeiten die fleißigen Ansiedler einstweilen als Taglöhner in Pethach Tikwah und Rischon le- Zion. Wenn! man ihnen' etwas Land hiuzukanst und zu einen: gewissen Vichstande verhilft, so hoffen die Kolonisten durch ihren Verdienst als Taglöhner sowie durch den in den arbeits- , freien! Zeiten betriebenem Gemüsebau und durch ' Milchwirtschaft soviel zu erwerben, daß ( sie ihren Verpflichtungen, gegen die Vorbesitzer leicht Nachkommen können. Zum Schlüsse seines überaus interessanten Berichtes hob Redner den großen Unterschiedzwischen hm Verwaltungsmaximen der Behörden im. Vilajet Jerusalem und jener in Damaskus hervor. Während im letzterenGebiete der jüdischenKolonisation große Schwierigkeiten entgegengesetzt werden, sind die Behörden im Vilajet Jerusalem den Juden viel günstiger gesinnt. Hier könne auch auf die energische Unterstützung der deutschen Konsularbehörden gerechnet und aus diesen: Grund auch von nicht türkischen. Juden Land auf ihren Namen erworben werden-. Hierauf ergriff Herr nr^ofessor Marburg das Wort, um die Gest-btsvunkte darzulegen, welche für den „Esra" seiner Ansicht nach fortan maßgebend sein sollen. In erster Reihe müßte er die Bestrebungen! des non begründeten Vereines „Bezalel", Kleinindustrie in Palästina auszubllden, fördern, denn nur durch die letztere könne der jüdische Kolonist seine zahlreichen Produkte gewinnbringend verwerten und seine Einnahmen wesentlich vergrößern. Sehr wichtig sei auch das jetzt im Entstehen begriffene Landbureau resp. die landwirtschaftliche Versuchsstation. Dieselbe hat die Aufgabe, neue Kulturpflanzen, wie Hanf Erdnuß ufw., einzuführen, sowie die alten 'Kulturen durch sorgfältige Zuchtwahl zu verbessern. Femev werde das Bureau landwirtschaftliche Kurse für die Kolonisten einführen, schädliche Pflanzen und Insekten auszurotten bemrcht sein usw. Endlich stellte Redner die Erwerbung eines zirka 300 Hektar umfassenden, näher zu bezeichnenden Gutes in Galiläa durch den Verein „Esra" in Aussicht, um daselbst eine auf moderner, genossenschaftlicher Grundlage begründete Kolonie zu errichten. Die günstige Entwicklung der älteren jüdischen Kolonien in Palästina ermutige unbedingt zur Gründung neuer landwirtschaftlicher -Zentren. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, für den Verein „Esra". und seine Bestrebungen in FreundeS- und Bekanntenkreisen werbend sich zu bemühen, schloß dev Vorsitzende die Versammlung, deren angeregter Verlauf allseitig befriedigte. Mitteilungen des inner-österreichischen Distriktskomitees. Das innerösterreichische Distriktskomitee veranstaltet am 24. Thamus (27. Juli l. I.) am Grabe des toten Führers -eine religiöse Gedenkfeier unter Teilnahme des Herrn Oberkantors. Schar samt Chor. Die Wiener Gesinnungsgenossen sind freundlichst eingeladen, ihrer Pietät durch recht zahlreiches Erscheinen Ausdruck zu verleihen. Wenn wir auch die Erwartung hegen, daß der Kongreß, der am selben Tage eröffnet wird, das Andenken des unvergeßlichen Führers durch Sicherung des inneren Friedens, durch neuen Treueschwur, beim Werke Herzls ausznharren, geziemend ehren wird, wollen auch wir Zionisten, die wir an jenem Tage in Wien weilen, uns am Grabe zusammenfinden und, des' Führers gedenkend, ihm bis übers Grab treue Gefolgschaft versprechen. Die Gesinnnngsgenossen versammeln sich in der Zeremonienyalle des Döblinger Friedhofes (nahe der Tramwayhaltestelle) um . 8y2 .Uhr früh, Donnerstag den 27. Juli d. I. Mit Zivnsgruß Das innerösterreichische Distriktskomitee. M. Markus, Obmann. Jochanan Thau, Schriftführer. Theologischer Verein Wien. Der theologische Verein der Hörer an der israelitischen theologischen Lehranstalt in Men, 2. Bez., Tempelgasse 3, empfiehlt den P. T. Gemeinden feine Mitglieder als Prediger für die hohen! Feiertage. Warnung. Wie ich erfahre, treibt sich' in der letzten Zeit in Mähren ein Schwindler herum, der sich für einen russischen Deserteur ausgibt und sich mit Vorliebe an Zionisten mit der Bitte um Unterstützung wendet. Es ist ein junger Mensch, nach seinen- Angaben Techniker aus Russisch-Polen, will nach Zürich, wo er einen hochgestellten Förderer haben will. Er pflegt sich auf seine Bekanntschaft mit mir z:: berufen und nennt sich, wenn ich nicht irre, Z a - gorski. Hiermit sei jedermann vor ihm gewarnt. A r t h u r F r e u d, derzeit Ung.- Hradisch. Bielitz. Die zionistischen Abiturienten veranstalteten am 16. ds. im großen Kaisevhoffaal einen Festkommers mit anschließendem Tanzkränzchen. Mähr.-Ostran. Bei der am Freitag den 8. ds. stattgefundenen Delegiertenwahl für den 7. Kongreß wurde mit großer Majorität Herr Dr. Isidor Schallt- Wien zum! Delegierten und kais. Rat Hirsch zum Ersatzmann gewählt. Doch wurde gegen die Wahl seitens der Troppauer Schekelzahlev Protest eingelegt. Protznitz. <F erknlver ein jnd. Hochschule r „G i s k a l a h".) Für das Sonnnersemester 1906/6 wurden gewählt: Cand. med. Platschet, Präses,' Cand. phil. W-alter L ö w, Bizepräses,' Cand. Inr. Bittor Altar, Schriftführer. Das besre Gefrärrk u Nahrungsmittel für fiebernde Kran Ke ist Ceres-Apfelsafr der Nährrn irre!werke , CE RES" Aussig

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