Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-06-21 · 29 (21.6.1905) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
29 (21.6.1905)
Date
1905-06-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433106--3091-2437015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 29 Olmütz. Unter zahlreicher Teilnahme fonfc am 7. ds. nachmittags auf dein Olmützer israelitischen Friedhöfe die Beisetzung des in Frei- Waldau verstorbenen Joachiin Wasservogel, Vater des hiesigen Hofphotographen Herrn Siegmund Wasservogel, statt. Letzterer spendete aus diesem Anlasse je 40 'K. für die chrMichen und jüdischen Ortsarmen. Czernowitz. (S ch u l s e i e r.) Am o. ds. fand in der hiesigen israelitischen deutschen Volksschule ans Anlaß des 800. Todestages des großen jüdischen Bibel- und Talmudkommentators Raschi eine Schulfeier statt, die einen sehr schönen Verlauf nahnl: Oberlehrer Dubensky eröffnete die Feier, worauf der Tempelchor einen Choral intonierte. Die Gedenkrede hielt Lehrer Rauch, der in überaus trefflicher und lehrreicher Weise das Leben lind Wirken Naschis schilderte. Der Feier wohnte außer deni Lehrkörper und den Beamten! der Kültusgemein-de die gesamte Schuljugend der^Amtali bei. Raschi (Verkürzung aus Rabbi Sch'lomo ben Jfak), der populärste unter den Bibel- und Talmudkommentatoren, ist 1040 zu Trohes in der Champagne geboren, besuchte die höheren jüdischen Schulen in. Mainz, und Worms, wo noch heute neben der Synagoge die Raschikapelle mit dem Raschistuhl gezeigt wird, gründete eine Elementarlind nachher'eine Talmudschulc, er übersetzte fast! die ganze Bibel, einen Teil' des Midrasch und verfaßte auch religiöse Lieder. Raickns Bibelkommentare sind unzählige Male gedruckt, die zum Pentateuch auch übersetzt. Er starb 1106. Czernowitz. (F e st k o m m e r s d e r „Z ephirah".) Zu Ehren des hier weilenden Schriftstellers Dcathias Acher veranstaltete die jüdisch-akademische Verbindung „Zephirah" am Samstag im Hotel Bellevue einen Feslkommers, der einen glänzenden und dabei würdigen Verlauf nahm. Der Präses der Verbindung, Cand. phil. Hornstein, eröffnete den Kommers mit einer Begrüßungsrede, in der er die Bedeutung Mathias Achers für die jüdische Bewegung feierte und hcroorhob, daß die Tendenzen dieses bedeutenden Mannest und die Wege, die er gewiesen, stets die „Zephirah" vertreten und eingehalten hat. Nach, Absingung des Bundesliedes der „Zephirah" und „Kadimah" ergreift A. H. Prof. Zappler das Wort zu einem Toast, in dem er unter anderem an den Gast den Appell richtet, etwas mehr in die Öffentlichkeit zu treten. Ganz gerührt dankt Mathias Acher für den herzlichen Empfang und ist freudig überrascht, die wahren Verfechter seiner Ideen gefunden zu haben. „In dieser Erkenntnis," sagt Redner, „kann ich ganz ruhig Heimreisen. Wenn ich auch gar keinen galizischen Ort besuchen« sollte, so bin ich überzeugt, daß in euch, meine lieben Freunde, der Ausgangspunkt einer Welle liegt, die sich von selbst sertpslanzen wird." Redner sucht hierauf die von ihm vertretenen Ideen des Nationalismus zu definieren. Auf den Appell des Prof. Zappler erwidert Mathias Acher, daß er der einen und anderen Forderung stets Folge leisten werde. Nach Absingung einiger Nationallieder toallierlen auch noch Redakteur Löbl Taubes und A. H. Dr. Diamand, womit der offizielle Teil des .Kommerses geschlossen wurde. Sehr amüsant gestaltete sich der inoffizielle Teil, den Mathias Acher leitete und der die Gäste bis ztim Morg eng rauen beisammen hielt. Rabbinerwahl in Budapest. Ter Vorstand der Bndapester israelitischen Kultnsgemeinde hat ii^ seiner jüngsten Plenarsitzung die Herren Dr. Smon H a n 0 l e r, bisherigen- Rabbiner in Lugas, und Tr. Julius F i s ch e r, bisherigen Rabbiner in P r a g, zu Gemeinderabbinern gewählt. »Rach dem. Statut der Budapester Kultusgemeinde muß jedoch diese Stelle durch eilt Plebiszit s ä m t l i ch e r Wahl b er e ch t i g t e r M i t g l i e d e r der G em e i n d e bestätigt werden. Diese Wahl fand denn auch Dienstag den 18. d. M. statt. Die Wahl lvar geheim und geschah nur durch „ja" und „nein". Der Vorschlag des Vorstandes wurde denn auch durch die Gemeindenütglieder bestätigt. Berlin. (Iah r e s b e r i ch t des Ra bb i n e r s e m i n n r s.) Dein Jahresbericht des Rabbinerseininars zu Berlin für 1003/04 gehl eine umfangreiche, wissenschaftliche Arbeit des Dozenteil Dr. I. Wohlgemut, „Beiträge zli einer jüdischen- Homiletik", voran. Der Bericht des Kuratoriunns beginnt nüt einer Schilderung des ireuen Anftaltsgebäudes auf dem Grundstück Artilleriestraße 82. Zu seiner Errichtung wurde ans dem, Fonds des Institutes ein Kapital von 08 000 Mark beigesteuert. Das dem Rabbinerseminar gehörige Haus in der Gipsstraße 12a wurde für den Preis von 196 000 Mark verkauft. Da das Grundstück noch mit 200 000 Mark 31t Buch stand, mußte eine Abschreibung von 6000 Mark vorgenommen werden, durch welche sich die bereits im Vorjahre vorhanden! gewesene Mindereinnahme vergrößerte und die Summe von 8060 Mark erreichte. Der erfreuliche Abschluß lvird durch eine Zuwendung des Herrir Jacques Snatich s. A. in Frankfurt a. M. iin Betrage von 7200 Mark wesentlich verbessert. Wie lvir den Mitteilungen des Rektors Dr. Hoffmann entnehmen/zählte die Anstalt iin verflossenen! Studienjahre 47 Hörer, vondenen 4, und zwar die Herren- M. Auerbach, Dr. Kramer, Dr. Pick und Winter, mit der Ra-bbinats-Antorisation entlassen, wurden. Von ehemaligen Schülern sind die Herren Dr. M. S. Silbcrberg, früher Rabbiner der Adaß-Jsrael-Gemeinde in Königsberg in Preußen, als Rabbiner nach Schrimm, Dr. S. Galliner als Prediger und Religionslehrer nach, Beiuthen O.-S., Israel Nobel als Direktor der jüdischen Elementarschule nach Antwerpen, Dr. Artur Lieberinann, früher Prediger und Neligionsschnl-Tirektor der Ohel-Jizchak-Synagoge in Berlin, als Rabbiner der Adaß-Jsrael-Gemeinde nach Königsberg i. Pr. berufen, Dr. Sallh Taiches zum Minister of the old Hebrew Congregation in Hüll (England), Dr. Abraham Schweizer, bisher Rabbinats-Vikar in Weikersheim (Württemberg) , zum Rabbiner daselbst, Dr. Emil Levh zum Rabbiner des Religionsvereines Westen in Berlin gewählt worden. Einer Anregung des Kurators Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, den Hörern des Rabbinerseminars nach Absolvierung ihrer Examina vor dem Antritt eines Rabbinates Gelegenheit zu geben, sich ein Jahr lang unter Anleitung eines älteren Kollegen in der praktischen Ausübung ihres Berufes auszubilden, folgend, hat Herr Benjamin Hirsch-Halberstadt für einen Kandidaten, der ein solches praktisches Jahr in Halberstadt absolvieren würde, eiir Stipendium von 60 Mark monatlich bewilligt. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 46 078 Mark (davon Legate 7790, Zinsen 9800 Mark, Jahresbeiträge 23 780 Mark usw.), die Ausgaben auf 48 729 86 Mark. Konstantinopel. (Gr 0 ßfeuer im G h et t 0.) Am, 17. v. M. brach gegen 0 Uhr morgens im- Mohalemviertel von Haskäury, dem weltberühmten Konstantinopeler Ghetto, Feuer aus, das bald große Diinensioncn anna'hm. Rasch sprangen die Flammen von Haus zu Haus und arteten, da sämtliche Häuser aus Holz gebaut, die Straßen eng sind, 31t einer furchtbaren Feuersbrunst aus. In weniger als sechs Stunden waren 160 jüdische Häuser iu Schutthaufen verwandelt. Außerdem wurden fünf Läden und die große, 890 Zöglinge enthaltende Mädchenschule der Alliance eingeäschert. Tie Zahl der Obdachlosen lvird auf 2000 geschätzt, von denen nur 160 bis 200 in der vom, Feuer gleichfalls beschädigten Synagoge sowie in einem vom Hofjuwelier Jacques de Leon zur Verfügung gestellten. Gebäude untergebracht werden kannten. Ter Rest der Obdachlosen kampiert auf freiem Felde. Da vor wenigen Wochen- Konstantiiiopel von einem Wirbelsturm heimgesucht worden lvar, welcher 80 Personen getötet und einige 100 verletzt und außerdem 200 Häuser demoliert hat, so haben die iin Freien kampierenden Juden stets Angst vor einem neuen, Cyklon und jede am Horizont auftanchende Wolke ruft unter ihnen eine wahre Panik hervor. Der Sultan lvnrde von der Nachricht über die Katastrophetief erschüttert und befahl, den- Abgebrannten Nahrungsmittel zu verabfolgen. Außerdem ließ er Zelte errichten, in welchen sie einstweilen Obdach finden. Nr. 1109,06 K0n^urs. In der israel. Kultusgemeinde der Landeshauptstadt Czernowitz (Bukowina, Oesterreich) gelangen ab f. JSnner 1906 sämtliche Kantoren-Stellen Im neuen Tempel dieser Kultusgemeinde zur Besetzung und zwar: a) eine Oberkantor-Stelle, b) eine Kantor-Stelle c) zwei Unterkantoren-Stellen und d) eine Chor-Dirigenten-Stelle. Mit den Gehaltsbezügen, die den Gegenstand besonderer Vereinbarungen zwischen den geeigneten Bewerbern und dem Kultusvorstande bilden sollen, sind auch die üblichen Emolumente verbunden. Bisher war für die Stelle ad a) ein Jahresgehalt von 3200 K, ad b) ein solcher von 2400 K und für die Stellen ad c) und d) von je 1400 K festgesetzt, Bewerber um diese Stellen müssen die entsprechenden musikalischen Kenntnisse sowie das erforderliche hebräische Wissen xrnd überdies die Eignung besitzen, einen grösseren Chor auszubilden und zu leiten. Oie Bewerber dürfen keine Kohanem sein. Zur provisorischen, eventuell definitiven Besetzung der obigen Stellen wird hiermit der Konkurs ausgeschrieben. Die Bewerber haben in ihren Kompetenzgesuchen ihre Staatsangehörigkeit, ihr Alter und den Familienstand, ferner die genossene musikalische und wissenschaftliche Ausbildung, die Qualität der Stimme (ob Tenor, Bariton oder Bass), ihre bisherige Verwendung und Wirksamkeit in einer derartigen Stellung, endlich ihre physische und geistige Gesundheit owie ihr moralisches Verhalten mittelst Attesten snachzuweisen. Die bezüglichen Kompetenzgesuche sind beim Vorstande der Unterzeichneten Kultus gemeinde bis spätestens 20. August d. J. zu überreichen. Der Kultusgemeinde-Repräsentanz bleibt es Vorbehalten, die für die bezeichneten Funktionen geeigneten Personen nach eigenem Gutdünken anzustellen oder auch ohne Angabe von Gründen abzuweisen, ebenso nach ihrem Ermessen ihr geeignet erscheinende Bewerber oder auch Andere zur Abhaltung von Probe- und Gast-Vorträgen in ihrem Gemeindetempel einzuladen; Reisespesen werden nur den Akzeptierten vergüte werden. Czernowitz, 7. Juli 1905. Für den israel. Kultusvorstand Der Präses : Dr. STRAUCHER. Strickmaschinen das neueste und Beste der Gegenwart, ohne Konkurrenz liefert die StrickgU| Ufoflnnmann mascbinen-Tabrik Lieferant der k.u.k.KriegSmarine. QMen,VI.,Ittariabilterstrasse«S Telephon Interurbsn 1527.Telephon Interurban 1527 Kartonnagewaren - Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spezialität: Kartons aus Wellpappe für Elektriker, Weinliündier, Glasfabriken u. für Tuben, Kartone m. Blechkanten zum Versand von heiklen und zerbrechlichen Gegenständen, Postrollon zum Versand von Oeldruckbiidern, Kalendorn etc. Apothekerkarto iningon, Lngerkurtons ans Holz für Modewarenhäuser sowie alle in dieses Fach einschlägigen Artikel. Alle bisherigen Erzeugnisse der Tischler an Preis und Schönheit weit übertreffend. Provinzaufträge promptest. estaurant laroline ieidner Wien, L, Seilergassel4—Telephon 1276 Erstklassiges geräumiges Lokal mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den renommiertesten Brauereien, Bouteillenweine, sowie Schankweine in jeder Preislage. Champagner, Liköre etc, — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause angenommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute: Flaschenweine, Bouteillenweine Champagner, Delikatessen Zustellung ins Haus. i ..... Alfred Kunstadt Billigste Bezugsquelle für Grufb* h m und Grabmonumente von 10 fl. aufwärts Provinzaufträge werden prompt und ertakb ausgeführb * * h h h . . . . Lieferant der. . israelitischen Kultusgemeinde . . . WIEN II. Bez., Rotensterngassse fir. 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.