Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-06-21 · 29 (21.6.1905) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
29 (21.6.1905)
Date
1905-06-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433106--3087-2437011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 2 J üdisches Volksblatt Nr. jagenden Jugend in 'verheerender. Weise verfangen, und daß es hoch an der Zeit ist, da radikal einzugreifen, weil tvir sonst Gefahr laufen, aufgerieben zu werden. Wenn, wir uns alle, ohne Unterschied der Parteistellung, nicht rechtzeitig anfraffen, unr diesen mörderischen Volkskrankheit Schranken zu setzen, so werden tvir weder Steuern für die Kultusgemcinde, noch Männer für Zion haben! ... Und da möchten tvir uns denn auch an diejenigen wenden, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, das jüdische Volkstum zu retten und zu erhalten: a n d i e Z i o n i st e n! Sie sind nicht ganz frei vonder Schuld andem Ueberhandnehmen der Taufen in jüngster Zeit. Wir sagen dies ohne Groll und ohne Hintergedanken:! Ter Zionismus ist ansgegangen, die Jugend der Taufe Ztl entreißen und es ift ihm auch gelungen, manche -wertvolle Mvaft den: Judentum zu retten, ihm ist es sicherlich auch zu verdanken, daß im Judentum der gangen Welt das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der nationalen. Einheit erweckt wurde, aber er hat dies durch ein Wort getan, das ihm uixb dem Judentum leicht den Tod bringen kann. Dieses Wert entstammt der Rüstkammer derjenigen, die uns ani meisten geschadet, und es heißt: ,,R e - l i g i o n i st P rivatsach c!" oder zionistisch ausgedrückt: „R e l i g i ö f e 11 e b e rz e u g u n g i st P r i v a t s a ch e!" In Ausführung dieses Losungswortes sind die Mischehen int Lager der Zionisten gang und gäbe, und in Konsequenz dieser Anschauung könnte vom zionistischen Standpunkt ans auch gegen die Taufe, die ja nichts anderes als ein religiöser Akt ist, nichts eingewendetwerden. Wir kennen gute Christen, die als gute Zionisten gefeiert werden! Wir wollen hier nicht fortsetzen, wir stehen vor dem Kongreße! Der Kongreß wird über manche Lebensfrage der Partei zu beschließen haben; wovon hier die Rede ist, ist eine Lebensfrage des I n d e n - t u m s, es lohnt sich, ihr einiges Nachdenken zu widmen. Wir werden nicht aufhören, gegen diese Sumpfkrankheit im Judentum mit allen Mitteln zu kämpfen, so schmerzlich dieser Kampf auch werden sollte, und sollten tvir ins eigene Fleisch schneiden müssen! Austritte aus dem Judentum vom 10. Mai bis 13. Juli 1905. Kolm Olga, Brünn, 2. Bezirk, Kaiser Josefstraß-e Nr. 32. Feldmann Otto, Handelsagent, -Tentsch-Bielan, 18. Bez., Tchnlnasse 05. Dawidels Egon, Student, Bielitz, 5. Bez., Zeinl- Hofergasse 10. Frankl Wilma, Private, M.-Ostran, 9. Bez., Marxergassc 16. Jattvwitz Ernestine, Jngenieursaattin, 5. Bez., Pilaramgasse 9. Jalkvmitz edler Entrüstung dagegen und die süßen antisemitischen Radatihelden bereiteten ihm dafür im Hörsaal eine Katzenmusik. Nothnagel stand ruhig, aber bleich da; rings um ihn tvütelen, schrien und lärmten die teutscken Heldenunter der Führung der bezahlten Beamten des Edlen von Vragassy. Dann erhob sich erst der Sturm im antisemitischen Blätterwalde: der edle Vergani breitete seine Fittiche über die in jeder Beziehung gemischte Gesellschaft, die sich damals um die Flagge der Netttlngsgesellschaft sammelte. Eine erbärmliche Hetze mit allen Waffen der Verleumdung, Angeberei und Niedertracht begann gegen den Gelehrten, den man in Wien unmöglich machen wollte, in diesem Wien-, das er so liebte. Wien hatte es ihm angetan; er sah lange eben miu die heitere Außenseite, aber er mußte selbst mit Schaudern erleben, wie manso leicht von der „Hetz" zu der Hetze ander Donau übergeht. Nothnagel kämpfte, solange er konnte, er kämpfte selbst, als die stweuseiudliche B.. tvegnng überall siegte, als sie sich selbst auf die Kliniken seiner Kollegen breitmachte. Er blieb seiner Ileherzeugting treu bis in den Tod. Nothnagel tvar eilt Schüler des Professor Traube, eines Juden. Vielleicht war dieser UnMmd der Allstoß, daß er gegen, die Vergewaltigung der Juden protestierte.' Sei es wie immer, noch mehr als im Westen genoß er unter den- Hunderttausenden der östlichen- Juden als Arzt ein Ansehen und eine Berühmtheit, wie nicht bald ein zweiter Arzt vor ihm. Von Hermann, Jnacnienr, 5. Bez., Pilyramaasse 9. Tuschenel Aut., Student, 18. Bez., Plan-eransse 15. Nenmalin Sicmr., Monteur, Brünn, 16. Bez., Fröbelyasse 50. Joseph Karl, Prokurist, Berlin, 9. Bez., Kvllergafse 18. .Klauber Laura, Private, Prag, 2. Bez., Nordbahnstrasze 24. Lederer Heinr., Privatier, 1. Bez., Fischerstiege. Weitzmaun Perm. reete Franz Brvdy, 4. Bez., Favvrltmstrafze 99. .Kohir Ignaz, Skvle, 5. Bez., Wehrgasse 91. .Kohner Jda, Wien, 8. Bez., Dchlösselgasse 19. Schindel Emil, techn. Beainter, 2. Bez., Praterstrasje 96. Tilles Olga, Krakau, 9. Be',., Severingasse 9. Gras Ludwig Sam., 9. Bez., Grünetorg. 28. TettmalU) Auua Therese, Stadlau, 20. Bez., Treustraße 0. Tauber Hans, Vvlvutckr, 2. Bez., Prat-erstratze 78. Neuberger Heiuricü, Aushilfsbeamter, 16. Bez., Effingergasse 4. Goldstern Katharina, Private, 18. Bez., Gürtel 120. Singer Johann, techn. Beamter, 4. Bez., Favoriteustraße 46. zitaktauer Emma geb. Kirsch, 2. Bezirk, Levpoldsgasse 51. Papigay Moritz Viktor, 9. Bez., Reuu-weg, Artitteriekaserue. Scherer Schale Mvrdche, Nhrmachergihlfe, Ezernowitz, 9. Bez., Licchtensteinstratze 92. Lury Emauuel, Nachod, 2. Bez., Praterstraße 64. Deutsch Alfred, 2. Bez., Lichten.auergasse 14. Ehrlich Josef, Kaufman», Piernitz, 19. Bez., An Hofstraße 22. Ehrlich Virginia geb. Katz, Inusbruck, 19. Bez., Auhvfstraße 22. Frekete Alfred, Bankbeamter, 9. Vez., Münzgasse 8. Jahoda Karl Ferd., 9. Bez., T'Orfaygasse 11. Marburg Elise, 9. Bez., Pvrzellangasse 59. Klein Hugo, 2. Bez., F-örstergasse 10. Schiller Paul ine, Köuigsteiri, 16. Bez., Leebgasie Nr. 11. Weiß Hermann, Student, 5. Bez., Schöubruunerstraße 98. Brettner Erhardt, 4. Bezirk, Alleegasse 21. Nvsenderg Olga geb. Pick, Budapest, 2. Bez., Schüttelstratze 79. zrardvs Aörieuue, Basa, 1. Bez., Graben 12. Horn Theresia geb. Strisower, ttanfmannsgattin, 1. Bez., Reichsratsstraße 29. Abrahamoviez Elsa, Kurrespoudeutin, 8. Bez., Alserstraße 27. Birnbaum Elkau reete Oskar, Ulig.-Brod, 9. Bez., Hahngasse 26. Hertzka Jos. Moritz, Dr., prakt. Arzt, Krakan, 7. Bezirk, Seidengasse 13. Orilst-ein Dorvth. geb. Tmlban, Veseky, 4. Bez., Kolschitztygasse 5. Varanek Lndwig, Jurist, 9. Bez., Pragerstraße 5. Karpel Oskar, Kommis, 2. Bez., Nembrandtstraße 26. Kronberger Nvsa, Kteiöernciherin, 14. Bez., Arnsteingasse 11. Bvdensteiu Gabriele, Privatlohrerin, Graz. Kelsen Haus, Sind, jur., Prag. Deutsch Julius, Privatbeamter, Lacleubach, 15. Bez., Herktotzgasse 9. Elias Leopold, Tischlerkehrling, 18. Bez., Martinsstratze 99. Sachs Sophie geb. Weiß, Private, 6. Bez., Schmalzhvfgasse 19. Hahn Adolf, Buchhalter, 16. Bez., Thaliastraße 80. Wiener Alfred, Neekowitz, Kallftuanu, 1. Bezirk Gouzagagasfe 15. Wiener Regina geb. -Schlesinger, 1. Bez., Gonzagagasse 15. Spietmanu Viktor, 10. Bez., Reisingergasse 1. Klein Julia, Näherin, 14. Bez., Goldschlagstraste 59. Hnmpoletz Paul, 2. Bez., Leopolds-gasse 16. Feldhaner Barbara geb. Hvlzknecht, 9. Bez-, Kvllvnitschgasse 11. Feldbauer Lndwig, 9. Bez., Kvllvnitschgasse 11. Ester Reiset Achter, geb. Lerner, Wiznitz, 9. Bez., Adamsgasse 22. Koppel Therese, Schneiderin, 15. Bez., Kohleuhvfgasse 7. Schiff Paul, 9. Bez., Liechtensteiustraße 53. Pachner Friedr., Abazzia, 4. Bez., Karolin-eugasse 91. Bocher Heinrich, 4. Bez., Schikanedergasse 1. Silberberg Anna, geb. Machat, Juaim, 1. Bez., Dorotheergasse 12. Baderl Netti, Mähr.-Aussee, 9. Bez., Erdbergstraße 95. Spitz Oskar, Kontorist, 1. Bez., Bäckerstraße 7. Singer Amalla, Schanspielerin, 4. Bez., Favoriteristr. 46. Klebinder Anna, Prag, 9. Bez., Hahngasse 24. Baroniit Margarethe Nadvwitz geb. Leon, 1. Bez., Hotel Bristol. Fürth Emil, Ritter von, Dr., Adweit mW' breit pilgerten die Kttntt'en zu ZNothnaget, die tvohlhabenden in das bekannte Ordinationszimmer in der R'athausstraße, das mit den Bildern seiner Rinder und seiner Fwn geschmückt war, die Armen ans die Klinik im allgemeinen Krankenhanse. Und tvennman diesen bedeutete, daß ans der Klinik der Professor nur in Alisnahinefällen die Kranken, der Anchtilanz tinterstlche, so hörte ich sie oft antworten: „Macht nichts, tvir >vollen ihnsehen!' Gleich als ob sein bloßer Anblick ihre Leiden heilenkönnte. Eine solche Verehrung genoß Nothnagel im Osten, lind noch lange wird man sich in den jüdischen Onartierelii voir Krakau und Lemberg, nicht minder als in Warschau, Minsk tlnd Lodz von -dem großen Arzt in Wien erzähleil, der auch so ein lvarmer Freund der Inden gewesen war. . . Nunhält ihn das große Schlveigen gefangen. Der redegewaltige Mlind ist verstummt und das scharfe, seherische Ange des dentschen Heilkünstlers ist erloschen. Viele werdenihic betrauern, der eine den Arzt, -der andere den Politiker, der dritte ben Forscher, der mit ihm entschwunden' ist; ich aber betrauere vor allein den Heimgalig einer charaktervollen Persönlichkeit, einer Individualität, wie sie heute zil den Seltenheiten gehört, die sich im Kdnipfe mit den Kleinen und mit Kleinlichkeiten verblutete. . . Dr. Sofer. vokat, 1. Bez., Reichsratsstraßc 7. Valmar Eanulla geb. Pollak, 'Neutra, 13. Bez., Linzerstraße 381. Valmai Alf., Beamter, 19. Vez., Linzerstvaße 381. Löwen st ein Herminc, Trebitsch, 16. Bez., Hasilerstratze 94. Fürth Erilesttne geb. Kisch, Prag, 1. Bez., hieichöratsstraße 7. Bvhm Erich, Techn-iker, 8. Bez., Schlösselgasse 28. Koneöny Rosalia, 17. Bez., Rötzcrgasse 106. König Angnste, 19. Bez., Hofzeile 27. Wegellsteill Marie, 16. Bez., Thaliastraße 126. Jakobi Andrens, Jngenicllr, 8. Bez., Lerchenfeldcrstraße 80. Frieöländer Arnold, Privatbeancker, 4. Bez., Wohllevengasse 10. Phu Ella, 4. Bez., Große Nengasse 96. Wcisz Lina, 17. Bez., Leitermayerg. 9. Barorr Arthur, Privatbeamter, 17. Bez., Palffygasse 26. Ikenwann Friedr., St-ndent, 4. Bez., Hechtellgasse 22. Gaffinger Sigmim-d, Beainter, 18. Bez., .Klltschßergasse 40. Wollmann Sigm., Musikdirektor, Linz, 18. Bez., Währingerstraße 96. Sternberg Karl, Dr., k. k. Krailkenanstalt Rirdotf- Stiftung. Bondy Karl, Dr., prakt. Arzt, Prag, 18. Bez., Sterrnvartestratze 49. Ein Interview mit Gorki. Petersburg, 6. Juli. Die „Birschelvija Wjedomosti" haben Gorki von einein rhrev Mitarbeiter über aktuelle -Probleme befragen lassen lind geben in ihrer hetitigen Abendnumni-er den, Jichalt der Unterredtliig mit dem Schriftsteiller wieder. Wir entnehmen derselben die interessanteren Stellen. A'ach der künftigen Volksvertretung gefragt, antivoriete Gorki: „Den Bauern- und Arbeitern die Beteiligung an der erwarteten Volksvertretung zu verweigern oder 311 beschneiden, wäre zum! mindesten! töricht . . . Was kann das für eine Volksvertretung sein, wenn das Volk selbst in ihr die letzte Stelle einnohmcn tvird? Diejelligen begehen einen groben Fehler, die den Bauern vom- Standptmkt eines Landschaftshauptmannes betrachten. Das russische Volk, der russische Bauer und Arbeiter, steht in mehr als einer Hinsicht höher als die, welche eben über sein Schicksal entscheiden. Sein politischer Horizont ist keineswegs ein enger. Vor ein paar Tagen noch waren Bauern und Arbeiter hier bei mir und ihre Gespräche haben mich wiederumdavonüberzeugt, daß sie in Staatsnnd sozialökonomischon Fragen nicht lvenigcr begreifen als ein beliebiger Peterslmrger Beamter. Leute, die die Bauern für unbefähigt halten, sich amöffentlichen! politischen Leben des Landes zu beteiligeu, keimen die Bauern nicht." Auf den Einwand, daß die techiiische Seite der Wahlen in Anbetracht der Ausbildung und mangelnden Vorbereitung in diesen Schichten der Bevölkerung große Schwierig-keiten machen dürfte, erwiderte Gorki: „Im Gegenteile . . . Ich biii fest überzeugt, daß dem rnssi-schen Volke das Wahlprinzip auf historischem Wage zu eigen gelvorden ist. Denken Sie. andie „Welsche" Prof. Th. Mosaryk über Achad-Haam. In Ver letzten iNiunmer der von Pros. Th. Masarpk trefflich redigierten, ausgezeichneteii tschechischen Monatsrevue „9c ns Dob a" schreibt der Prager Gelehrte in einemeingehenden- Essay ilber die religiöse Krise im. Judentum. 9lachdeni! er einleitend bemerkt, daß er sich niemals indie religiösen Dinge des Judentums einmengte noch jetzt eimnengen lvill, denn er habe völlig genug mit der eigeneir religiösen Frage zu schaffen, so müsse er trotzdem, einigen Inden dankbar sein, lvelche seine Ansichten über religiöse Probleme teilen. Wir haben in der letzten 9cummer das Versprechengegeben, eingehend ans die Stellung MasarlM z-u Achad- Haam einzngehen, nnb wollen diesesVersPrechen einlösen. Ntasaryk dankt den Juden, die ihn ans Achad-Haam aufmerksam' gemacht haben als ans einen Schriftsteller und Denker, „von dem sich viel positives Wisstnschöpfen! lässt", und fährt dann fort: „Achad-Haam schreibt hebräisch, und zwar inzahlreichen Schriften und Aufsätzen über alle Probleme des Jndentnms. Er beteiligte sich in hervorragender Weise bei der Gründung des großen hebräischen Verlages und übernahm die Redaktion der großen, jüdischen Enzyklopädie. 9lchad-Haain ist ein modern gebildeter Mensch, der hebräisch über alle möglichen Probleme schreibt, wie sie 9ttetzsche und andere zeitgenössische Denker formnlierien. Daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.