Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt Nr. 28 Ein gvofje* Verdienst an öeu Verfassung dieser Statuten gebührt dein leider allzu früh verstorbenen Herrn Dr. Wilhelm. M ü n z, gewesenen Aiwokaten in Vielitz. Nach diesem Statute obliegt die Besorgung der Angelegenheiten derKnltnsgemeinde einem an* 80 Muerzahlenden Mitgliedern gewählten Arlsschnsse, au* dessen Mitte der Präses, dessen Stellvertreter und 8 ,Multu*mte gelvählt lverden. Tie Wahl de* ersten Ausschusses nach diesem Statut erfolgte am 21. Mai 1895. Abgegeben wurden 224 Stimmen; zum Präses wurde sodann vom gesamten Ausschüsse Herr Adolf Brüll am, 5. Juni 1895 gewählt, welcher dieses Ehrenamt bis zu seinem am 5. März 1898 erfolgten Ableben versah. Der damalige Stellvertreter Herr Salomon P o l l a i wurde nach dem Tode 'des Herrn B r ü l l zum Präsidenten der . Knltnsgemeinde gelvählt und versieht dieses Ehrenamt bis jetzt. Im Jahre 1898 wurde Herr Samuel T ri g e n d h a t zum Präses-Stellvertreter gewählt, welcher dieses Ehrenamt bisher inne hat. Ter gegenwärtige, im Jahre 1904 gewählte Vorstand besteht aus den Kultusräten Tr. Moritz A r o n s o h n, Moritz B r a u n b erg, Abraham G r o ß, Heinrich Heilper n, Ludwig L a n g f e l d e r, Josef P e r l, Tr. Ludwig R e i ch und Tr. Julius Schmetterling. Nebst diesen gehören in den Ausschuß die Herren: Hermann Borge r, Julius Deut s ch, Professor Ed. je e u e rst e i n, Julius Gotdsch m i d t, Leopold Goldstcin, Josef Gro ß, Karl K o r n, Josef K o ch, Hermann K lein, Rudolf K e st e l, Wilhelm L ö w e n b e r g, Jgiratz ,N e u m a n n, Sigmund P o l l a t s ch e k, Theodor Poll a k, Salo Ritter m a n n, Louis S a ch S, Hugo Schüfe r, Oskar 2 ch äf e r, Viktor Schäfer und Tfias S ch m e l z. Der im Jahre 1839 erbaute Tenrpel erwies sich im Laufe der Zeit als zu klein, weil der Stand der Gemeindemitglieder in stetem Zunehmen begriffen war. Abgesehen von der sogenannten polnischen Betstube, welche schon im Jahre 1870 bestand, wurden nachweislich schon vom Jahre 1871 an zu den hohen Feiertagen Bethausfilialen in verschiedenen Sälen und dann im Prüfungssaale der ehemaligen israelitischen Volksschule errichtet. Tie Frage der Erbauung eines neuen Tempels wurde bereits im Jahre 1878 in Erwägung gezogen und sowohl in der gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und des Ausschusses vom 4. März 1879 als auch in einer zu diesem Zweck einberufenen Generalversammlung wurde „die dringende Notwendigkeit der Erbauung eines neuen Tempels anerkannt und der Wunsch ausgesprochen, den Vau desselben ohne Verzug und mit möglichster Vermeidung einer höheren Beladung der Gemeindemitglieder auszuführen". Ta* hierzu gewählte, an* 7 Mitgliedern bestehende Komitee unter Vorsitz de* Tr. Engelsmann hat auch die ihm aufgetragene Aufgabe ehestens gelöst. Auf dem von den Eheleuten Karl Traugott und Charlotte B a t h e l t erkauften Grundstücke an der Pechringstraße wurde nach den Plänen des Architekten Herrn Karl Korn in Vielitz der monumentale Tempelbau durch die Baumeistersfirma Em. N o st in Biala aufgeführt. Tie hierzu erforderlichen Mittel wurden durch Ausgabe von unverzinslichen Partialobligationen pro 25 000 fl., welche im Wege der Zeichnungen und Spenden bei den Geineindemitgliedern gesammelt wurden, durch Verwendung der vorhandenen Gemeindemittel, Ausnahme von Hypothekardarlehen fotvie Verkauf des alten Tempelgebärides beschafft. Nach erlangtem Benützungskonsens und nottvendig gewordenen Grund- und Straßenregulierungenhat am 21. September 1881 die feierliche Einweihung des netten Teuchels stattgefun'den. Das gesamte bewilligte Baukvstenersordernis betrug bis 93 800 fl. Beiträge, Spenden und Sammlungen für die innere Ausschmückung des Tempels und Beschaffung der notwendigen Utensilien, wie nicht minder die zufolge späterer Straßenumlegungen erforderlich gewordene Abgrenzung und Einzäummg. des TempAgrnndes sind von den Gern ei ndemit gliedern und beten Frauen in opferwilliger Weise zugeflossen. Noch vor Erbauung der eigenen israelitischen Volksschule in Vielitz im Jahre 1872 hat unter Aufsicht der Knltnsgemjeinlde eine von ihr gegründete nnb erhaltene israelitische Schule bestanden. Diese Schule hatte jedoch kein festes Heim, war bei Fremden eingemietct, mußte wiederholt ubersiedeln! rmd konnte den Bestimmungen des schon erflossenen Rll'ichS-VolkSschulgesetzeS mrd den hygienischen Anforderungen nicht entsprechen?) Die KUltuSgemein'de war geradezu zu dem. Entschlüsse gedrängt, für ihre Schule eine feste Stätte zu gründen, aus der sie nicht mehr vertrieben werden könnte und die mich den gestellten Anforderungen entsprechen sollte. Im Jahre 1871 wurde von der damaligen Gemeindevertretung der Bali eines eigenen Schulgebäudes beschlossen und sofort in Allgriff genommen. Das hierzll erforderliche Kapital wllvde teil* dlirch Ausgabe von Schulbau-Partialobligationen zu 25 fl., welche 'die Gemeinde- Mitglieder zeichneten resp. spendeten, teils durch Aufnahme ^von Hypothekardarlehen beschafft. Das neue Schulgebäude wurde bereits im September 1872 bezogen und ist dasselbe durch den Baumeister Karl Kunz in Bielitz erbaut. Die als private Volksschule für die jüdischen Kiilder ins Leben gerufene und im Laufe der Zeit in eine fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen ausgestaltete Lehranstalt hat iru Jahre 1877 das Oeffentlichkeitsrecht verliehen erhalten. Jur Jahre 1901 wurde von der Knltnsgemeinde die Auflassung dieser von ihr gegründeten und bisher erhaltenen Volksschule beschlossen, da infolge des neuen schlesischen Landcsschulgesetzes die Erhaltung dieser Schule dem Lande beziv. dev Stadt Bielitz übertragen werden konnte. Deshalb trat an die betreffenden Schulbehörden die Notwendigkeit heran, für die Unterbringung der Schüler oder Schaffung einer erforderlichen Schule und Lehrer Vorsorge zu treffen-. Das Ergebnis der diesbezüglich gepflogenen ausführlichen Verhandlungen ging dahin, daß das im Eigentum der Kultusgemeinde verbliebene Schulgebäude zu allgemeinen Schulzwecken weiterhin gewidmet blieb und daß an Stelle der aufgelassenen israelitischen Schule eine öffentliche Volksschule mit abgesonderten je fünf Klassen für Knaben und für Mädchen unter gemeinschaftlicher Schulleitung errichtet worden ist. Die an der ehemaligen israelitischen Volksschule als Kultnsbeamte angestellt gewesenen Lehrpersonen wurden als Landeslehrer angestellt und sämtliche einschlägigen Rechtsverhältnisse aus den den Lehrern von der KultusgemeiNde zugesichert gewesenen Bezügen und Ansprüchen wurden im einverständlichen Einvernehmen geregelt und gelöst. Der Unterricht in Religion wird fortan an dieser Schule als obligater Lehrgegenstand auf Landesschulkosten, der Unterricht im Hebräischen als nichtobligater Schulgegenstand auf Kosten undunter Aufsicht der Kultusgemeinde erteilt. Anläßlich der Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef des Ersten in Bielitz anr 20. Oktober 1880 wurde dein damaligen Vorstande der Knltnsgemeinde zusammen mit dem Rabbiner Dr. Lesser die ehrende Auszeichnung zuteil, zu einer Vorstellung und Ansprache an Se. Majestät zngelasseir zu werden und ist dieses feierliche Ereignis im Protokotlbuche der Gemeinde in einem besonderen- Gedenkblatte zur bleibenden Erinnerung vermerkt. Tie Kultusgemeinde hat sowohl alle im erhabenen Kaiserhause vorgekomimen-en Festanlässe durch Veranstaltung von Festanidachten im Tempel gefeiert als auch bei Traueranlässen ihren' patriotischen Gesinnungen durch Trauerfeiern oder in sonstig zulässigem Woge verliehen. Aus Anlaß des Regierungsjubilänms Sr. Majestät des Kaisers im Jahre 1898 wurde, nachdemeine Einigung zwischen den schlesischen Gemeinden nicht erzielt werden konnte, eine eigene israelitische Waisenversorgnngsanstalt in Bielitz ins Leben gerufen, welche aus Beiträgen der Gemeinde und der Mitglieder erhalten wird. In bens Chroniken der Gemeinde ist als erster Bielitzcr Rabbiner Dr. Lasar Frankfllrter verzeichnet, Iveleher auch an der israelitischen Schule Unterricht erteilte. Vorher hatte der Teschener Rabbiner die Seelsorgefnnktioneir für Bielitz 'versehen. Nach dem am- 7. Dezember 1873 erfolgten Ablebendes Dr. Frankfurter, welcher der. Gemeinde eilt Legat von 8) Siehe Bericht über die Entstelnurg der israelitischen Volksschule in Bielitz 1897. 300 fl. in Wertpapieren vermachte, wurde infolge ausgeschriebenen Konkurses Herr Dr. Wolf Lesser am 16. Februar 1875 zum Rabbiner dieser Gemeinde gelvählt, welcher diese Seelsorgestelle bis zu seinem am- 11. Februar 1882 erfolgten Ableben versah. Dem! sodann am 31. August 1882 zum Rabbiner gewählten Herrn Dr. Adolf Kurrein wurde am 19. Jänner 1888 die von ihm gewünschte Entlassung bewilligt. Seinam 21. März 1888 zum Rcligionslehrer und nach Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft znm Rabbiner ernannter Nachfolger Herr Dr. Salti Horowitz hat mit Ende des Jahres 1895 eine Berufung als Professor an das jüdische theologische Semiiiar in Breslau erhalten mrd die hiesige Gemeinde verlassen. Zn seinein .Nachfolger lvur.de an: 12. März 1896 der noch setzt die Seelsorgerstelle bekleidende Rabbiner Se. Ehrwürden Dr. Markus Steiner gewählt. Die Kultnsgemeinde hat der religiösen Erziehung und Ausbildung der Schuljugend stets ein besonderes Augenmerk zu-gcwendet. In der Volksschule wurde nebst dem obligaten Unterricht in der jüdischen Religion die hebräische Sprache als gewöhnlicher Unterrichtsgegenstand gelehrt, zu welchem- Unterrichte sämtliche Schüler verpflichtet waren. Die icweiligen Rabbiner oder Lehrer an der israelitischen Volksschule versahen den- Unterricht in Religion an den Mittelschulen und schon tut. Jahre 1880 wurde als eine obligate religiöse Hebung im Sinne der sch nlgesetz liehen- Bestimmungen für Mittelschulen ein Schnlaottesdienst und eine geregelte" Andacht am jedem Samstagnachmittag eingeführt, welche fortdauernd erhalten wird. Protokoll des Deutsch- Israelitischen Gemeindetages. Verhandelt zu Frankfurt a. M. den 12. Juni 1905 im Saale der Frankfurt-Loge, Eschenheüner Landstraße 27. Der Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Herr Professor Dr. Philippson eröffnet um 10 Uhr vormittags die Verhandlungen' des 10. Gemeindetages, indem er ' ohne Widerspruch feststellt, 'daß dieser Gemeindetagsatznngsgemäß einbernfen und zusammengesetzt sei. Er begrüßt sodann die Erschienenen und hebt besonders hervor, daß znm ersten Male seit dem Bestehen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes der Gemeindetag außerhalb Berlins stattfinde. Er schlägt nun vor, den> Vorsitzenden des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. Herrn- Rechtsanwalt Dr. Julius Blau zum ersten Vorsitzenden, den- Delegierten der Berliner Synagogengemeinde Herrn Louis Sachs zum zweiten- Vorsitzenden und Herrn Benjamin Hirsch aus Halberstadt zum dritten Vorsitzenden des Gemeindetages zu wählen. Die Wahl erfolgt unter allgemeinein Beifall durch Zuruf. Die Gelvähltennehmen die Wahl am Herr Rechtsanwalt Dr. Blau, übernimmt den Vorsitz unddankt nanrens der Frankfurter Gemeinde für die Ehre, welcher dieser Gemeinde durch die Wahl von Frankfurt zum) Versammlungsort und seine Wahl zum Vorsitzenden erlviesenworden sei. Er beruft sodann zu Schriftführern 1. Herrn Jllstizrat Dr. Berthold Bacr-Frankfurt a. M., 2. Herrn Rabbiner Dr. Doctor-Brnchsal, 3. Herrn Rabbiner Dr. Armold Lazarlls-Frankfnrt a. M. und verliest eine Slnzahl von Vegrüßnngstel-egramnwn. Herr Direktor Adler heißt die Erschienenen uamens der Frankfurt-Loge in ihren Räumen herzlichst lvillkomnwii- und gedenkt des verewigten Julius Ptotke, lvelcher in seinen: .unvergeßlichen Wirkenstets auf den Zn-sammenhang zwischen den- Bestrebungen des Deutsch-Israelitischen Gemeind-ebllildes mrd denen dev Bnei Briih-Logen! hingelviesen habe. Dev Vovsitzende stellt fest, daß 139 Mandatsinhaber erschienen sind, welche insgesamt 263 Bllndesgemeiirden vertreten. Sodann wird zur Erledigung dev Tagesordmmg geschritten. P u n k t 1. F o r m alten u n d B e. - r i ch t. Der. Bericht des Aüsschusfes, welcher gedrrickt in Nr. 64 der Mitteilungen des Delitsch-Jsraelitischen Gemeindebundes vorliegt, lvird genehnllgt.