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Jüdisches Volksblatt · 1905-07-14 · 28 (14.7.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
28 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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fsr. 23 Jüdisches Volksblatt Seite L» tigen Äinöetftärteit dos Hilfsbereites zu begründen. Die einzige Mädchenschule, die dort exstiiert, nämlich Lie Eoc>line v. Rotschi lösche, reicht bei lveitem nicht aus. Die neue Schule soll im Heckist ins Wellen! gerufen weüden. Eine ganze Reihe weiterer Beträge wurde bewilligt, unter anderem für die Abgebrannten in Haskisny, für ein Ambulatorium in Braila, für Zwecke der Bekämpfung des Mädchenhandels u. a. Einige Anträge mußte leider der Ausschuß ablehnen in Rücksicht darauf, daß die materiellen (SMfte des Hilfsioereincs in den letzten Monaten auf das äußevsttz durch die russischen Glaubensgenossen in Anspruch genommen wurden und gar nicht abzusehen ist, ioic die Verhältnisse in Rußland sich gestalten und meid}? weiteren Mittel sic noch erfordern werden. Der Vorsitzenlve Herr Simon hob noch einmal die dringende Notwendigkeit hervor, die Finanzen des Hilfsvereines zu stärken, und bat die erschienenen Herren, mit der größten Energie für Re weitere Entwicklung und Propagierung des Hilfsvereines tätig zu sein. Vermischte Nachrichten. Wie». Q ii b i f dj c Vereinigun g.l Sa»ristag den 15. ds. findet in Vöslau, Restaurant Schwarz, ein Dtskussionsabei»- statt, mit der Tagesordnung: „Jamgjuden und Jungösierreidi". Beginn 8 Nhr abends. Referent: Dr. Hermann Kadi s ch. Gäste herzlich willkmnmeu. Neuer Freundschastsbuud. Sonntag den 10. Juli d. I. veranstaltet der humanitäre Geseiligkeitsvereiu „Nene r Freundschaftsbund" in Kierling bei KlosierNenbnrg, Restüluanr Schlögl, zugunsten seines ilntersiützungssvnds du Wohltätigkeitsgarlenfest. Abgesehen von den hervorragenden Leistlingen, welche der Verein seinen Gästen zn bieten verspricht, u. a. Variete-, Gesang-, dramatischer! Vorträgen nsw>, verdient diese Veranstaltung auch deshalb die weitgehendste Ultterstützung, weil der obgenannte Verein zu den rührigsten £utmatt irätsvereinou der Brigittenau zählt, der seit seticcm Bestände schon unzählige arme Schulkinder mit Winterkleidern verseh-ev hat nnd auch sonst Humanität in» schönsten Sinne des Wortes Mt. Das Gartenfest, dessen ganzes Arrangement in den bewahrten Händen eines sachkundigen Komitees liegt, beginnt halb 4 Nhr nachmittags. Abfahrt der Wiener Teilnehmer findet präzise 2 Ubr nachmittags Stadtbahnstation Brigitta brücke statt. Karten zn 60 Heller sind zu haben in sämtbchen Kaffeehäusern der Brigittenau. Wien. Am Samstag widmete vor Beginn des Vortrages Herr Lektor M. Friedmann, der, nebenbei errvährit, au diesem Tage ins 75. Lebensjahr trat, dein Hofrat Pros. H. Nothnage l, der, weil er eben ein wahrer und warmer Menschenfreund war, auch als hst'gner der Antisemitcn sich bewährte, einen kurzen Nachruf, den für die Wissenschaft und den Fortschritt der Menschheit allzu früh Dahi»geschiedenen den Za-ddike umoth hoanlonr ztigesellettd, denen nach der toleranten und humanen Auffassung des Talmud die ewige Seligkeit be schieden ist. Sein Andenkeu bleibt als» in der Mitte des Judentums stets ein gesegnetes! Als charakteristisch fiir dieilneigennützigkeit des edlen Verblichenen sei noch die Tatsache erwähnt, daß er vor einigen Jahren zu dem schwerkrauken Rabbiner Kalman Weber in Pistyan telegraphisch berufen wurde urid als et merkte, daß dessen sinanzielle Lage nicht die günstigste, verzichtete er auf jedes Honorar, ja er erkundigte sich noch zweimal nach dessen Befinden mittels Depesche und freute sid) später, bei der Ordination vo>» einem Bekaintten des Rabbiners dessen vollkommene Genesung zu erfahren. nr. Gaya. lSl ab b in e r wa h l.) Rabbiu-er Dr. Julius Readi in Raudnitz wurde zum Rabbiner in Gaya gewählt. Bodenbach, 10. In ui. lWarnung für rumänische und russische Auswanderer!) Auswanderer nach Amerika, die mit holländischen Schissstarten versehen sind, warnen wir, ihre Tour über Leipzig oder Frankfurt zu nehmen, da bei'de Orte für den Durchgang gesperrt sind und nur für Auswanderer mit deutschen Schi'fsskarten passierbar sind. Wem» sie Leipzig oder Frankfurt dennoch berühren, so werden sie rücksichtslos nach Bodenbach rückgestellt, ihre Fahrkarten verfallen und sie salbst sind der Wohltätigkeit, die bei' den uns sehr knapp zur Verfügung sichenden Mitteln nur mäßig sein kam», preisgegeben. Alle jüdischen Blätter werden ersucht, diese Warnung besonders in den polnischen und russischen jüdischen Blättern zu veröffentlichen. Rabbiner M. Freud. Jassy. Unser Rabbiner Dr. Niernirower umrde in Bukarest anläßlich feiner Anwesenheit bei den Beratungen! der Großloge BNei Brith vom Justizminister Alex Badaxeu in Audienz empfangen. Der Rabbiner ersuchte den Justizminister, dem besonderen Judeneid More judatca abzuschaffen, der dem Geiste des Judentums nicht entspricht und eine Schmach für die Kultur des Landes ist. DerMinisier, der den Dr.Ntemirower sehr freundlich empfangen, versprach, diese «Krage zu studieren, eine Kommission zur Prüfmig der Angelegenheit zu ernennen, um alsdann eine Entscheidung zu treffen. Bereinigung „Alter Herren". Zwecks Gründung einer 'Vereinigung „Alter Herren" werden alle ehemaligen Mitglieder der Vereine: „Mattabüa", „Verein jüdischer Hochschüler", „Bar Kochba" in Prag, ersucht, ihre gegenwärtige Adresse dem Unterfertigten mitteilen zu »voller». Im Austrage des Vereines ,Bar Kochba" in Prag Jur. K and. Artur Bergmann, Prag, l. Bezirk, Liliengossc IM). Zagreb. lR a b b i u e r und Pfarre r.) Unter der Aufschrift: „Stirb nidjt, wenn du kerne 4 Gulden hast" bringt die letzte stummer des „Pokret" folgende Notiz: „In einem Orte der Podraima lein Teil Kroatiens) geschah unlängst folgendes: Eines Bauers ,(Viui> starb an Scharlach und es niußte in 24 Stunden begraben werden. Der Bauer ging zum Pfarrer und ersuchte ihn, dem Kinde das letzte Geleite zu geben. Der Pfarrer willigte ein, aber - er forderte sofort auch 4 Gulden. Ter Bauer entschuldigte sich, daß er jetzt das Geld nicht habe, sondern er möge bis zum Herbst warten, dann werde er ilnn ehrlich die „Mühe" entlohnen. Aber all sein Bitten war vergebens. Der Bauer, der einsah, daß der Diener '.Lottes seine christliche Liebe mit Geld messe, ging daraus zum jüdischen Rabbiner, er möge seit! Kind begraben. Tenn es ist ein Gott .— dachte sid) der Bauer. Dieser erklärte, er könne es nicht tun, denn Lies verbiete»! ilnn die Satzungen seiner Religion ttioch mehr aber die Staatsaesrtze. Anm.j. Aber er zeigte sich als besserer Jurist!'! als der katholische Pfarrer. Er n a h m vier Gulden u n d g a b. s i e d e m B a u e r, er möge damit den Segen des Pfarrers bezahlen.. \\nd so geschah das große Wunder: Der Pfarrer nahm jüdisches Geld lund wie hassen es sonst die Klerikalen!! und erst dann beerdigte er das Kind „christliche. Wie »»rau sicht, hätten die Klerikalen vieles zu reinigen, ohne aus ihrem eigenen Stalle hinauszugehen. Der „Pokret" deckte schon manche Unsaubertett auf, die sich die ehrwürdigen Herren, zuschulden kommen ließen, so zuletzt die infame Denunziation, daß bei den» letzten Streik in Osijek Juden den Streik inszenierten m»d daß die jüdischen Unternehmungen deshalb verschont geblieben find, trotzdem weder das eine noch das andere nähr ist. Tod eirres jüdischen Achtundvierzigers. Vorige Wo die starb in Fulda infolge eines Schlaganfallcs der Sensal Michael Epstein im 74. Lebensjahre. Mit ilnn ist der vorletzte hiesige „48er" dahingegangen, der behilflich war, am 1. Juni 1849 eine Anzahl Fuldaer Turner fiir die badisch-pfälzische Armee, die für die Frankfurter Reichsversassung kämpfte, guszurnsteu. Auf zwei Lcncrwag-en fuhren die Frei her rstäurpser ab, erlangten auf dem Wege Zuwachs und kamen 65 Mann stark am 12. Juri in .Hirschborn ar», wo sie sich den Hanauer Turnern unter August Sdmrtner anschlossen und «m 21. Juni den Sturm a»rf Waghänsel mitmachteii. Von Sinsheim aus rlrichteten die Fnldaer Frrischtirlcr, da ihre Sadie verloren war, nach dem Spessart »rnd vor» da nach Hanse. Fiimuzminister Moritz Ellftättcr. Es klingt wie ein Märchen aus alter Zeit, wenir heutzutage voll einem, jüdischen Finanzmimster die Rede ist, von einem, der das Portefeuille der Finanzen, inne hatte, ohne deshalb den Glauben seiner Väter abgeschworen zu haben. Allerdings gab es schon in früheren Jahrhunderten in deutschen Landen, so z. B. in Brandenburg und Württemberg, Jinairzminifter, aber diesen erging es schließlich sehr säslecht. Ter Müazmeistev des brandenburgischen Kurfürsten Joachim der Zweite — im sechzehnten Jahrhundert — Lippold, der sich allezeit des Vcrtrauens seines Herrn in vollstem Ntaße zu erfreuen hatte, wurde unter dessen Nachfolger Johann Georg der absurdesten Verbrechen' angcklagt, auf die Folter gespannt und auf dem Neuen Markt zu Berlin auf einem besonders dazu erbauten Gerüste gerädert und in vier Stücke gehauen. Schlimm ging es auch dem wücktenrbergischen Finanzminister „Jud Süß", alias Joseph Süß-Qppenheim'er in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.^ Auch er lvar ein Günstling seines Souveräns, des Herzogs Karl Alexander von Württemberg, und allezeit ein treuer Diener seines Herrn, aber noch dem Tode seiires fürstlichen' Gönners wilrde auch Süß-Oppenheimer das Opfer der Rad)sackst und der Verfolgung seirvev Feinde. Zum Tode verurteilt, wurde er in seinem. Staatskleide auf einer Kuhhaut zum Richtplatze geschleift und an einem ftinfzig Fuß hohen eisernen Galgen, zu dem er in einM besonderen Käfig hinaufgezogen wurde, gehenkt. Jene barbarischen Zeiten, wo man sich unbequemer und „lästig, gewordener" Finanzminister durch eine summarische Justiz eivtledigte, sind längst vorüber, aber dafür hat es im neunzehnten Jahrhundert in Deutschland keinen Finanzmimster gegeben. Eine Ausnahme von der Regel machte nur dos Großherzogtum Baden. Am U. Juni starb, wie bereits berichtet, zu Karlsruhe der frühere langjährige großhcrzogliche Finanzminister Dr. Moritz Ellstätter, der einzige Minister in Deutschland, der den Staatsschatz verwalten und neue Finanz- und Sleilerfirojekte ausarbeiten durfte, obschon er Jude blieb. Zlveietnhälb Jahrzehnte stand er an der Spitze der badischen Finanzen und er hat dieses Amt zur Zufriedenheit seines Fürsten )vie der Bevölkerung und zum Besten Badens in segensreichster Weise verwaltet. .Nachdem er sich 1893 vom öffentlichen Lebm zurückgezogen, lebte ec in beschaulicher Ruhe in der Hauptstadt des Großherzogtunis, von aller Welt geliebt uird geachtet. Das nachstehende Handschreiben richtete der Großherzog von Baden an EÜstätter anläßlich seines zwanzigjährigen Amtsjubiläums: „Btein lieber Geheimer Rat Ellstätter! Rcit dem heutigen Tage sind zwanzig Jahre verflossen, während welcher Sie als Präsident meines Finanzministeriums den Staatshaushalt des Landes geleitet haben. In dieser langen Zeit und unter oft recht schwierigen Verhältnissen haben Sie das Vertrauen, mit welchem ich Sie auf diese verantwortungs-volle Stelle berufen habe, durch Ihre ebenso geschickte und umsichtige als gewissenhafte und treue Amtssührmtg in vollem Maße gerechtfeckigi und dem Staate durch Die sorgsame Pflege und Ausbildung seines Finanzwesens die ersprießlichsten Dienste geleistet. Der heutige Rückblick auf diese langbewahrte Tätigkeit legt es mir nahe, Ihnen einen neuen Beweis meiner Wertschätzung und Dankbarkeit zuteil werden zu lassen. Ich habe mich deshalb bewogen. gefühlt. Ihnen den Charakter als Finanzminisicr zu verleihen, ^und erteile gleichzeitig dein Staatsministerium den Auftrag, das zur Ausführung dieser Entschließung Erforderliche vorzukehrcn. Karlsruhe, 11. Februar 1888. Ihr wohlgeneigter i gez. Friedrich." i Im Jahre 1803 nahm er, nachdem er ein l Vierteljahrhmidert. an der Spitze der badischen j Finanzverwaltung gestanden, seine Entlassung > unter den ehrenvollsten Kundgebungen seitens! seines Her!rn> und Landes. Moritz Ellstätter I war einer der liebenswürdigsten Menschen.! Jeglickicr Ovation ging er aus dem Wege, das Bewußtsein, seine Pflicht erfüllt zu haben, bot ihm eine höhere Befriedigung als jede Anerkemiung und jedes Lob. So hatte er grundsätzlich alle die von den Herausgebern großer Lerika, Sammelwerke usw., an ihn ergangenen Bitten, ihnen Daten! über sein Leben und Wirken zu liefern, stets höflich, aber entschieden abgelehnt, weil er selbst auch ntir den Schein einer wie imimcr. gearteten Reklame fiir seine Person venu jeden wissen wollte. Gedenktafel-Enthüllung. In Ezilltota tzUn- -arn) »vurde dieser Tage die 31. Jahreslvenide des Bestandes des israelikifHen Tempels gefeiert. Airs diesem Anlasse wurde a>» der Ten»pelmm»er eine Gedenktafel angebracht, die Namen derjenigen neun Männer enthaltend, durch deren Opserwtlligkett der Tempel aufgeführt werden kvimte. Der Enthüllung der Gedmktafel »vvhnte ein großes Publikum ohne Untersdfted der Konfession bei. Die Festrede hielt das Gememdemitglred Silberstein, der die Verdienste der Gründer des Teurpels würdigte. Nach ihm bestieg der vef. Gyninasicrlprofessvr Karl Szolay die Kanzel, um in einer schönen Rede die Notwendigkett des Friedens und die Eintracht der Konfessionen zu betonen. Der Enthüllungsseier folgte ein Bankett. Die Betäubung vor dem Schlachten. Aus Karlsrnlie wird berichtet: Magistrat und Stadtverordnete in Konstanz hatten beschlossen, ttn städtischen Sckilachthose die Betäubung aller Schladsitiere vor der Blutentziehung obligatorisch einzuftihren, d. -. das Schächten unmöglich zu macheu. Mannigfache Anzeichen sprachen dafür, daß andere Städte diesem Vorgehen, zu welchem zweifellos das berühmte Buch des in Konstanz ansäffigen Gewerberates Dr. von Schwartz den Anstoß gegeben hat, sich anzuschlietzen beabsichttgen. Umso dankenswerter ist es deshalb, daß der Oberrat der Israeliten sofort die erforderlichen Schritte unternahm, um diesen Treibereien ein Ende zu machen. Der Erfolg seiner Vorstellungen bei der Regierung war, daß settens des Ministeriums des Innern nicht nur das Verbot in Konstanz ausgehoben, sondern zugleich die LandeskoMmisiäre benachrichtigt wurden, daß „ortspolizelliche Vorschriften, welche bei jeder Schlachtung eine der Blutentziehung vorausgehende Betäubung gebieten, nicht für vollzieh bar zu erklären sind, rnsosern dadurch die religionsgesetzlichen Bestinmmngen des israelitischen Kultus berührt werden".

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