Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t»r. 27 Jüdisches Volksblatt Seite b Energie aufbringen, um derartige Uebelstände, die zu einer Aversion gegen religiöse Akte führen müssen, endlich zu beseitigen. Das Judentum und die Heilighaltung seiner Traditionen dürfen nicht dazu dienen, der Habgier und Profitsucht Vorschub zu leisten, wie es seitens einzelner Funktionäre geschieht, die in ihrer Stellung ein Privileg für allerlei Nebengeschäfte erblicken. Es stimmt keineswegs mit bcm so häufig angewendeten Epitheton „Mustergemeinde", wenn derartige Vorkommnisse möglich sind. Wer jedoch ein Herz für die gemeinnützigen Ziele der eingangs erwähnten Vereine hat, wird den rechten Weg wohl zu finden wissen. —- Ich stelle es Ihrem Ermessen anheim, diesen Mahnruf im allgemeinen öffentlichen Interesse zu publizieren. Hochachtend M. B., l., Wipplingerstraße 6. Wien, im Juli 1905. Marienbader Brief. (Zionistischer Tätigkeitsbericht pro 1904.) Auf eine Anfrage des Budap öfter Zionistenvereines im Mai 1904 hatte sich Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr.- Philipp Goldberger in Marien'bad bereit erklärt, die Leitung der zu veranstaltenden Zionistenabende zu übernehmen und es gelang den vereinten Bemühungen des Komitees (Karl Stand und Frau vom Ostgalizischen Distriktskomitee, Schriftsteller Brainin, Kommunallehrer Julius Gabel aus Budapest und Rudolf Perl aus Prag), die Zionistenabende cinzuführen, welche bei allen Teilnehmern die schönsten. Erinnerungen hinterlassen haben. Dieselben fanden allwöchentlich zweimal, und zwar Montag und Donnerstag, in D. Leitners Restaurant „Zufriedenheit" statt und brachten vielfache Anregung und Abwechslung. Fast alle Fragen der zionistischen Bewegung kanien zur Besprechung und wurden in freier Diskussion behandelt. Die parlamentarische Leitung führte in ebenso energischer als zuvorkommender Weise der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Philipp Goldberger. Da kurz vorher der unvergeßliche Führer aus diesem Leben geschieden war, so wurde natürlicherweise auch die Zukunft vielfach ventiliert, was hier umso eher möglich war, als ja Zionisten aus den verschiedenlstjen Ländern sich zusammenfanden. Organisation, Territorium und Palästina, Kultur- und politischer Zionismus, Propaganda, Nationalbank, Gegenwarts- und Zukunftsprogramlu, alle diese Themen fanden lebhafte Erörterung und trugen zur Klärung, Versöhnung, Ausgleichung der oft ganz entgegengesetzten Standpunkte vielfach bei. Von den Teilnehmern seien genannt : der Vorsitzende Rabbiner Dr. Philipp Goldberger, der die Abende stets mit einer sachgemäßen Ansprache unter lebhafter Zustimmung und dem Beifall der Anwesenden einleitete, der Schriftsteller Brainin, derzeit in Petersburg, der die Versammlungen durch seine Reden in hebräischer Sprache erstellte, Karl Stand und seine gesinnllugsti'lchtige Gattin alis Lemberg, Maiblum- BkeLau, Barbasch-Odessa, der einen interessanten Bericht der Nativnalbankfiliale in Jaffa zur Verlesung brachte, Julius Gabel-Budapest, der sich um. die Veranstaltung selbst verdient machte, Rabbiller Dr. Braude-Stanislau, der insbesondere für den- Käiltlirzionisnms eintrat, Dr. Paul Weisengrün-Wieu, der mit kritischer Schärfe das Gegenwartsprogramm darlegte, Rabbiner Dr. Kaminka, Sekretär der Jsr. Allianz in Wien, Rabbiner Dr. Margul i es-Droho bhcz, Na tha u Sa muely-Lemberg, E l ias s oh ll-Wi l na, Di r. Gab e l-G roßwa rdein, ferner allster vielen Ungenannten Jtzkowitsch- Bakll, Goldberg-Bialystok, Sirkiil-Belsk, Liebermann-K'iew, Perl-Prag, Welsch-Zuckmantel, Dr. Sprecher, Silberbusch-Wien, S. Kohn- Prag, Wiener-Kattowitz, Mimz-M'lrnberg, Tra ll>b-Lodz, Frü ll kel-Kol omea, Llinze r-Lo ndorr, Navicz?Bre2an, WeiirsteimBeßarabieu, Dr. Prenlillger, Arzt iu< Marienbad, Dr. Landau-Wien, Aronsohn-Wilna, Mandel- Wien, Fischer-Prag, Michlstein-Kalisch, LindeilbaumrTrohobycz, S. Fischer, MaiAnm-Patok (Galizien), Rofenblatt, Thtöciner-Lodz, Markowi tsch-Czenstocha u, I ll ll ker-Wa rns da rf, H o rowitz, Belisch-Lodz, Weintranb-Warschall, Urysohn-Wilna, Borüstein-Wiesbadcn, Trcmsky- Lembcrg, Rundbakin-Wien, Kaganoff, Lurjc- Rußland, Fourmann-Paris, Advokat R«vesz- Budapest, Hal'berthal-Wien, Bloch-Berlin, die Frauen unb Fräuleins: Heller Rosa-Wolkowysk, Fanni Zclichowna-Lodz, Jende Silberblatt-Warschau, Helene Traub, Mina Traub- Lodz, Dr. Fried. Byk, Silber, Dr. Rosenmann, Helene Neustem, Dr. Margulies, Rosa Frankl, Josefine Szilendy u. v. a. An einen: der letzten Abende wohnte Dir. Wolffsohn und Gemahlin der Versammlung bei und besprach die finanzielle Frage. Die Absicht, eine große zionistische Propagandiaversammllmg zu veranstalten, rnustte fallen gelassen werden, weil es nicht für gut befunden wurde, in der ersten Zeit nach dem Heimgange Herzls ans dem Kreise der Gesinnungsgenossen herauszutreten. Dagegen wurde am; Vorabende des 9. Ab in der großen Synagoge Hierselbst eine Trauerfeier für den verewigten Führer gehalten, bei welcher der Ortsrabbiner Herr Dr. Philipp Goldberger in einer groß angelegten Trauerrede den vielen hunderten zionistischer und nichtzionistischer Zuhörer die Gestalt und das Werk Herzls uahebrachte und zugleich über Ziel und Zweck der zionistischen Bewegung in geeigneter Weise belehrte. Eine Deputation, die sich aus Gesinnungsgenossen! Rußlands, Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns, Englands und Süd- Afrikas zusammensetztc, sprach dem allseits geschätzten hervorragenden Redner den Dank für die ebenso würdige als erhebende Ehrung des betrauerten Führers sowie für die überzeugende Darlegung der zionistischen Grunidaw schauungen aus. Bei allen Versammlungen wurde des Rationalfonds gedacht und das Ergebnis an das Distriktskomitee in Prag abgesendet. Um die zionistischen Abende auch in diesem Jahre mit Benützung der Erfahrungen des Vorjahres organisieren zu können, werden Gesinnungsgenossen, welche diesen Sommer Marienbad besuchen, hiermit aufgefordert, sich diesbezüglich mit Herrn Rabbiner Dr. Philipp Goldbe.'^^'- in Marienbgd ins Einve''nehmen zu setzen. Schriftliche Anfragen werdengerne beantwortet; die Sprechstunde wird täglich (außer Samstag und Sonntag) von 2—3 im Haufe „Beethoven" gehalten. Vermischte Nachrichten. Betharrsverein „B'rrei Briih". Wie». Auf Einladung des Vorstandes des Vereines „B'nei Brith" hat Herr Kantor Josef Grob als Solist Freitag abends den 30. Juni und Samstag vormittags den 1. Juli l. I. chasonisch-kantorale Gesangsvorträge im Vereinslokale, XX., Traunfelsgasse 7, zum großen Entzücken des sehr zahlreich erschienenen Publikums gehalten. Mit großer Geschicklichkeit brachte er sowohl die altjüdischen wie auch die modernen Weisen zum Vortrage imb gewann mit einem Schlage die' Sympathien aller Anwesenden. Israelitische Kultusgememde Wien. Samstag den 8. Juli a. <\ Predigt beim Morge11gottesdienste im Leopoldstädter Tempel. MuthiaS Achse i« Tzeruvwih. Wir lesen in der „Bukowinnee Post": Ueber Einladung eines aus seinen Verehrern gebildeten Komitees trifft Mathias A ch e r Samstag den 8. Juli aus Wien hier ein und wird hier einen öffentlichen Bortrag halten. Mathias Acher ist wohl einer der feinsten Kenner der jüdischen Kulturfragen und gelten seine Schriften und Aufsätze als in dieser Richtung grundlegend. Er war in der Zeit von 1886- 1896, bis zum Auftreten Herzls, auch der anerkannt» Führer der Zionisten und tat durch seine Zeitschrift ..Selbstemanzipation" sehr viel zur Vertiefung und Ausbreitung des Zionismus. Seine letzten Schriften bienen abtx nur seinem Lieblingskinde, der jüdischen Eigenkultur, so »Die jüdische Moderne", Vorträge über die jüdische Sprache. Aufsätze über die ostjndische Bühne. Äegenioärtig beschäftig sich Mathias Acher einerseits mit der Sammlung des jüdischen Volksliedes, mit Studien über die wirtschaftliche Lage der Ostjnden. Voe wenigen Tagen ist auch in der „Bukowyna" eive Uebersetzung eines seiner Aufsätze erschiene«. Der interessante Gast dürfte wohl einen glänzenden Empfang haben. Der Verein gewesener Cchulkottegen der Budapester israelitischen Landes-Lehrerpräparaudie hat vor einigen Tagen unter lebhafter Teilnahme der Mitglieder und zahlreicher Gäste seine Generalversammlung gehalten. Vor derselben wurden fünfzig jetzt absolvierte Lehrer als Mitglieder des Vereins ausgenommen, an die der Präsident Bsla E s a j & g i eine schwungvvolle Ansprache richtete, worauf Lenkei ein schönes Gelegenheitsgedicht vortrua Der Bericht des Sekretärs Ignaz Rüzsa konstatiert einen erfreulichen Aufschwung des Vereines in moralischer und finanzieller Hinsicht. Der Vorschlag des Vizepräsidenten Simon Kemsny, betreffend die Einrichtung eines Präparandisten- Jnternates wurde mit großer Begeisterung angenommen; das Präsidium wurde ermächtigt, schon für das kommende Schuljahr eine für einige Schüler hinreichende Wohnung zu mieten. Ei» jüdischer Bizebürgermeister i« Krakau. In Krakau wurde der Oberbaurat Sarg zum zweiten Bizebürgermeister der Stadt gewählt. Bekanntlich wurde der unlängst verstorbene Präsident der Krakauer Kultnsgemeinde lange Zeit mit dem Versprechen hingehallen, ihn zmn Bizebürgermeister der Stadt zu wählen. Eine Heimatsrechtsbeschwerde der Gemeinde Wien. Der 'Verwaltungsgerichtshof Hatte kürzlich unter dem -Vorsitze des Senatspräsidenten Haberer zmn erstenmal über die prinzipielle Frage &«! entscheiden, ob eine von der Wiener, israelitischen. Kultnsgemeinde dauernd gewährte Unterstützung als eine Armenversvrgnng aufzufassen ist, die den Unterstützten nach dem Heimatsgesetze von der Erwerbung des Heimatsrechtes ansschließt. Ein Hausierer, der von der Kultnsgemein-de eine dauernde Unterstützung bezieht, hatte um die Ausnahme in den Wiener Heimatsverband angesucht. Die Ausnahme -wurde ihm vom Heimatsrechtsausschuß der Gemeinde Wien verweigert mit der Begründung, daß die Unterstützung, die er von der Kultnsgemeinde beziehe, als eine Armenversvrgnng im Sinne des Heimatsgesetzes anzusehen sei. Die Statthalterei und das Ministerium des Innern entschieden jedoch zugunsten des Ausnahmswerbers, worauf die Gemeinde Wien die Beschwerde an den VerwaltungsgerichtsHof erhob. Der Vertreter des Ministeriums des Innern, Vizesekretär Dr. Weiß v. Schleussenburg, führte ans, daß won einer Armenversorgungim Sinne des Heimatsgesetzes nur dann gesprochen werden tönne, wenn der Anspruch aus die Unterstützung aus dem Titel des Heimatsgesetzes gewährleistet ist, was bei den Unterstützungen der israelitischen Ku-ltnsgemeinde nicht der Fall sei. Der Verwaltttngsgerichtshof wies die Beschwerde der Gemeinde Wien, die sich bei der Verhandlung nicht vertreten ließ, als unbegründet ab. Der Gerichtshof war der Anschaunng, daß die Unterstützungen der israelitischen Kultusgemeinde mangels eines aesetzUchen Anspruches nur als Akte freiwilliger Armenversorgnng anzusehen sind. Ein jüdischer Rektor. Aus Czeruvwitz wird uns geschrieberl: Anr 24. o. M. fand die Wahl des Rektors an der Franz Josefs-Universität für das Studienjahr 1905/0 statt. Da öiestnal keine politischen Unkerströmllttgen vorherrschten, so ging die Wahl glatt vor sich und erschiender Professor an der philosophischerr Fakultät Dr. Siegrnrlnd Herzberg-Fränkel znnr Träger der höchsten akademrscherr Würde gewählt, lieber den neuen Rektor brirrgt Dr.. Rvrst in seiner „Almamater" folgende biographischen Daten: „Herzberg-Frünkel Siegmnng wurde am 7. Mä,^ 18R7 sßvn.sn;>. r<A». v»v+\v iui i \)iuu iiii vti" '-vDICUCi/ OrtH'lt schichte an der Leipziger, Berlirrer und Wiener Uttivevsitüt. An der letztgenannten 'Hochschule erwarb er 1880 das Doktordiplom der philosophischen Fakultät. 1879—81 setzte er feine Studien als Mitglied des Instituts für österreichische Geschichtsforschung fort. Im Juli 1887 habilitierte er sich an der Wiener Universität als Privatdvzent für Geschichte des Mittelalters und historische Hilsswisseuschasten, im Juli 1893 wurde er zum nltßerordentlichen, im November 1895 zum ordentlichen Professor der allgemeinen Geschichte an der' Franz Josefs-Urnversität irr Ezernvnntz ernannt. Er schrieb außer zahlreichen Rezensionen: „Die ältesten Larld- und Gvttesfrieden in Deutschland" (Forschungen zur deutschen Geschichte, 23). „Geschichte der deutschen Reichskanzlei" iMitteilnngen des Jllskituts für österreichische Geschichtsforfchnng, 1. Erg.-Band). „Das älteste Berbrüdermlgsbnch von St. Peter in Salzburg" (Neues Archiv, 12) 1887. „KaiserUrkunden in Abbildungen", Heft 8, 1887. „Die rcekrologischem Quellen der Diözesen Salzburg und Passan" (Neues Archiv, 13) 1888. „Mvnnmenta Gernmniae" Reervlogia, 2, 1890. „Zur erbtöliiglichell Politik der Habsburger" (Mitteilungen des Fnstitnts 12) 1891. Ebners „Klösterliche Gebetsvcrbrüde- ^ziewieki) 1898." Der New Zjvrker Philanthrop Jakob H. Schiff hat der Harvard-tiniversität 200(MMark gestiftet damit fünf Jahre lang jedes Jahr eine Forschnngsexpeditivn nach Palästina ansgeschickt werde. . . .--•r.u-l'-V’ ' V »v.» XlV.l.'V.UIVII, WIV HUI«. rikanische Bürger sind, den Anfettthalt in Rußland gestattet, was zu erreichen einen 25jührigen Karnpf gekostet hat. Diese Nachricht bedarf einer Korrektur. Erstens ist das Paßgesetz überhaupt nocl nicht angenornmen. Zweitens gestattet der Entwnrf allen ansländischen Inden nnbeschränkto Bewegnngssreiheit in Rußland.