Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Jüdisches Volksblatt Seite 3 ßörmri-issät der Dank ausgesprochen. Hervorzu- Heben sink» die Ausführungen des Herrn Taubes, der meint, das Geld des Nationalfonds soll nur seinem eigentlichen Zwecke zugeführt werden, riaMich der Ansammlung eines Nationalvermögens zuni Zwecke des Ankaufes «Palästinas. Er spricht sich dagegen aus, daß der „Welt" für Ausweise und der Kolonialbank für die Verwaltung der Nattonalfondsgelöer irgendeine Gratifikation znkomme. Die meisten der übrigen Redner befassen sich mit Anregungen, die neue Einnahmsquellen für den Nationalfonds bilden sollen. Einige der böhmischen Redner sprechen tschechisch, um zu zeigen, daß in unserer Partei keine der übrigen Sprachen irgendwelche Protektion genießt. Nachdem der Referent im Schlußworte den Delegierten über verschiedene Fragen Auskunft gegeben hatte und im 3!amen des Nationalfondskommissärs, des Herrn Dr. Benedikt, erklärt hatte, daß dieser nicht mehr in der Lage sei, die Agenden des Nationalfonds zu führen, «wurde zur Abstimmung geschritten. Die große Masse der Anträge wurde in drei Gruppen geteilt — 1. Anträge bezüglich des Verwaltungsmodus, 2. bezüglich der Verwaltungskosten, 3. der Einnahmsquellen. Es wurde beschlossen: 1. Der Nationalfondskommissär des L.-K. bildet mit den NativnalfoNdskommissären der österr. D.-Ks. die Kommission für Oesterreich. (Antrag Margulies-Wien.) „Der österreichische Parteitag verpflichtet die Organisationen, Geld für den Nationalfonds nur an die Blätter zu schicken, die von der Exekutive der Parteileitung angegeben sind, nämlich „Welt" und „Wschod". 2. Weder die „Wett" bekommt für ihre Ausweise des «Nationalfonds irgendwelche Gratifikation, noch die Kolonialbank für« die Verwaltung des Nationalfonds. Die Kosten, die der „Welt" und der Kolonialbank erwachsen, sollen von der Partei gedeckt werden. 3. Den Vereinen und ihren Mitgliedern ist Selbstbesteuerung anzuempfchlen. Telegrammblan'kette sollen angefertigt werden. Marken mögen von der Ausgabestelle aus gummiert werden. Den D.-Ks. wird nahegelegt, nicht nur bei freudigen «Anlässen, sondern auch bei Trauerfällen, und zwar auch bei Nichtzionisten, durch Broschüren ans Existenz und Zweck des Nationalfonds aufmerksam zu machen. Die Sammlung für den Nationalfonds soll nicht auf Tellern, sondern in Nationalfvndsbüchsen vorgenommen werden. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete Das Organisationsstatut der zionistischen Partei in Oesterreich. Dieses Thema rief bereits am Tage vor der Konferenz eine leidenschaftliche Diskussion hervor. Diese hatte zur Folge, daß sich eine neue Kommission ans Vertretern der verschiedenen D.-Ks. zusammenfand und ein neues, von dem im „Zion" abgedruckterr wesentlich verändertes Organisationsstatut verfertigte. Die Thesen wurden einzeln beraten und nahm die Debatte über diesen ersten Punkt nicht weniger als acht Stunden in Anspruch. 1. These: Die zionistische Landesorganisation Oesterreichs umfaßt alle in Oesterreich wohnhaften Anden ohne Unterschied des Geschlechtes, die sich mit dem Programme des Zionistenkongresses einverstanden erklären, Schekelzahler sind und einem zionistischen Vereine in Oesterreich angehören. Für diejenigen Zionisten, die einem Lokalvereine nicht angehören, sind im ganzen Distritt oder in einzelnen Teilen umfassende Sammelvereine einzurichten. SämMelvereine unterstehen dem D.-K. Da sich eine sehr große Zahl.von Rednern an det Debatte Mer diese These beteiligt hat und trotz vorgerückter Stunde noch eine ziemliche Reihe vorgemerkt ist, einigen sich die Redner ans Generalredner. K ontraredne r Dr. Kadi sch meint, diese These sei dieselbe wie These 2 des Bietitzer Organisationsstatutes, nur sei der Passus weggelassen: „Der organisierte Zion bst kann nicht zugleich Vereinen angehöre n, die fre mö n ati on al e oder mit d em Zivil i s m u s unvereinbare Tendenzen verfolgen." Dieser Passus müsse mitctnbezvgen werden, sonst tonne der Redner für die 1. These nicht stimmen. Wenn sich die Zionisten Parteien, die mit den Prinzipien des Zionismus unvereinbar sind, anschließen, dann sei der Zionismus gewesen. Dr. Margulies (Tsplitz) als Prvredner ist für Annahme der vorliegenden These, da ins Organisationsstatnt nur Bestimmungen organisatorischen Charatters Hineingehören. Die «Abstimmung dieser Anträge wurde namentlich vorgenommen und waren- 20 Delegierte für Auslassung des Passus (fast alle Delegierten aus Böhmen), 23 für dessen Einbeziehung. 2. These. Sämtliche zionistischen Vereine des Distriktes bilden den «Distrittsverband mit dem Distrittskomite«e als Verbandsansschnß an der «Spitze. Die innere Organisation der Distrikte ist tm Rahmen der im Statute festgesetzten Prinzipien vom Distrittstage zu bestimmen. Die an das «Aktionskomitee nicht abzuführende «Schekelquote sowie die ganze Verbandssteuer seines Distriktes erhält das Distrittskomitee. Doch hat dasselbe die Pflicht, einen vom Zionistentage festzusetzenden Beitrag an das Landeskomitee jährlich zu entrichten. Erst nach Entrichtung dieses Beitrages erhält das Distriktskomitee vom Landeskomitee Schekelblocks. Dr. Kahn spricht sich ganz entschieden gegen die Autonomie der D.-Ks. aus, denn sie bedeute den Ruin des Zionismus. Er beantragt, diese These zurückzuziehen. Dr. Zweig will den Passus gestrichen wissen: ,,Di«e ganze Berbandssteuer seines Distriktes erhält das D.-K." Der Antrag Dr. Kahn und Dr. Zweig wird abgelehnt,^die These wird in ihrem vorliegenden Wortlaute angenommen. Nach Annahme dieser These gibt Dr. Waschitz im Namen des westgalizischen D.-Ks. folgende Erklärung ab: „Wir haben der Fassung der These 2 zugestimmt, weil wir der Ansicht sind, daß es der Bewegung nur nützen kann. Trotz Annahme dieser These betrachten wir das L.-K. nach wie vor als „Zentrale"." Dieser Erklärung schließen sich Dr. Margulies (Wiest) im Namen des österreichischen D.-Ks. und I. Löwy im Namen des böhmischen D.-Ks. an. 3. These. In kongretzlosen Jahren hat ein Zionistentag, in Kongretzjahren spätestens einen Monat vor dem Kongresse, eine Landeskonferenz, und zwar letztere am Sitze des L.-Ks., stattzufinden. An der Landeskonferenz nehmen teil: a) Mit Sitz und Stimme: je 2 Mitglieder des L.-Ks. und der D.-Ks. sowie je 3 von den einzelnen Distrittstagen zu wählende Veirtranensmänner, letztere dürfen nicht Mitglieder des L.-Ks. oder eines D.-Ks. sein. - b) Mit bloß beratender Stimme: sämtliche übrigen Mitglieder des L.-Ks., der D.-Ks. sowie die österreichischen Mitglieder des A.-Ks. Diese These wird in einer, durch Antrag Dr. Zweig veränderten Fassung angenommen, daß nämlich jährlich ein Parteitag stattzufinden hat und daß sämtliche Mitglieder des L.-Ks., der D.-Ks. und die österreichischen Mitglieder des A.-Ks. nicht nur Sitz, sondern auch Stimme haben. 4. These. Der Zionistentag wählt ein« fünfgliedriges L.-K., das sich jederzeit durch Kooptation bis ans «Bollzahl ergänzen kann. Der Sitz des L.-Ks. ist Wien, doch können Mitglieder des L.-Ks. und der D.-Ks. nicht Vorsitzende eines Zionistentages sein, welchem sie Rechenschaftsbericht zu erstatten haben. Das L.-K. kann mit dem D.-K. an seinem Sitze nicht identisch sein. Ausgaben des L.-Ks. sind lediglich : a) Beaufsichtigung der D.-Ks. durch Hinweis aus Kongreß- und Zionistentagsbeschlüsse und durch Absorderung von Rechenschaftsberichten und Ausklärnngsberichten, weiter Fürsorge für Klärung und Vertiefung in die Zionstdee. b) Vertretung der «Partei nach außen: c) Vermittlung des Verkehres zwischen den D.-Ks. und den Organen des Kongresses: d) Zentralisierung der Sammlungen des jüdischen Nationalfonds: e) Vorbereitung des Zionistentages: f) Leitung der Kongreß wählen: g) Ueberwachung und Information der Presse. Ist ein Distrikt ohne D.-K. oder stellt dieses seine Tätigkeit ein, so hat das L.-K. für diesen Distrikt unverzüglich ein provisorisches D.-K. zur Fortführung der Geschäfte und schleunigste Einberufung eines eventuell außerordentlichen Distriktstages einzusetzen. Hauptaufgabe dieses Distrittstages ist die Wahl eines definitiven D.-Ks. D«iesc These wird in ihrem «Wortlaute angenommen. V o l l z u g s b e st i m m u n g e n. A. 1. Die Verwirklichung der These 1 sowie der These 2, Absatz 1 und 2, ist sofort in Angriff zu nehmen. 2. These 2, Absatz 3 und 4, treten mit der Beendigung des diesjährigen Kongresses in Kraft. Die Budgetierung des L.-Ks. und Aufteilung des Budgets auf einzelne Distrikte bleibt der Verbandskonferenz im Oktober oder November d. I. Vorbehalten. Die BNdgetierung geschieht in fixen Beträgen und wird kontingentiert. Die Verrechnung beginnt mit Abschluß des Kongresses. Doch hat im Jahre 1906 jedenfalls ein Zionistentag stattzu finden. 3. These 4, Absatz 1 und 2, tritt sofort in Kraft. Eine fünfgliedrige Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Welleminsky, «Dr. Waschitz, Dr. Margulies (Wien), Färber und Löw haben diesem Zionistentage fünf in Wien domizilierende Gesinnungsgenossen für das Lanöeskomitee vorzuschlagen. 4. These 4, Absatz 3, Satz 1, tritt mit dem nächstjährigen Zionistentage in Kraft. 5. These 4, Absatz 3, «Satz 2, und Absatz 4 und 6 treten sofort in Kra«ft. B. 1. Mit der Ausarbeitung eines detaillierten Organisationsstatutes auf Grundlage der vom 4. österreichischen Zionistentage «beschlossenen Thesen wird eine dreigliedrige Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Waschitz aus Krakau, Dr. Margulies ans Wien, Dr. Krenberger, Dr. Meisel aus Prag, betraut, letzterer hat einen vollständigen Entwurf auszuarbeiten und ihn den beiden anderen Herren behufs Stellungnahme zu demselben bekanntzug«eben. Kleinen Judenkindern klingt es Als ein traurig Wtegenlieöchen, «Eine Melodie des Todes Ist es für die alten Jüdchen. Immer klingt's: Am Volk der Inden Wird gestraft mit tausend Wehen, Was vor neunzehtthundert Jahren Bei Jerusalem geschehen. Und sie stützen ihre Sehnsucht Mir den schönsten Argumenten, Wie sie ans den Schriften Herzls Nicht beredter strömen könnten. Ach, des Zionsliedes Sänger Hat auf «Erden ausgelitten, Doch sein Lied trägt Trost und Hoffnung In die armen Judenhütten. Und ihr Leben ist ein «Sterben In der Angst, der hoffuungsleeren, Daß die Tat von Kischenew Ne«: Untat wird gebären. Während sie noch disputieren, Gründe noch ins Treffen führen, Dringt die Pöbelrotte ein Durch die Fenster und die Düren. Doch man denkt jetzt viel humaner, Als in alten Finstertagen: Nicht verbrannt wird mehr der Jude,. Sondern höchstens totgeschlagen. Lehrer Nachmann hegt und pflegt «In der Se«ele solche Träume, Auch der Uhrenhändler Leiser Und sein Handlnngsdiener Schloime. Und sie mordet, schändet, plündert, Alles ist von «Blut gerötet, Männer toben, Weiber kreischen Und der alte Leiser betet. Ach man sah in jener Zeit, Die vom Schrei des Bluts durchgellt war. Erst beim Licht der Scheiterhaufen, Daß es finster in der Welt war. Dieser alte Uhrenhändler, Dessen Fehler die Geburt ist. Stöhnt, wie eine alte Uhr, Die nicht vollends abgeschnurrt ist. Doch wenn heute tief in Rußland Lodert hell des Hasses Flamme, Spenden gleiche Lichtesfette Kischenewer Telegramme. «Dorten, weit von den Japanern, «Sind die «Russen echte« Helden, Können aus den kleinsten Dörfern Ihre größten Siege melden. Denn sein Sohn, der junge B'oruch, Hält es mit den Sozialisten, Während seine Tochter Lisa Ist verliebt in einen Christen. Darob ist sein Herz zerrissen, Darob flucht und schreit Gewalt er, Kann die Jntzend nicht verstehen, Denn verknöchert ist das Alter. Wie sie dorten Schuld um Schuld Sich ans ihre Seele Inden, Schildert glühend Tschirikoff In dem Wehespiel: „Die Inden". Alle diese Kernsiguren, Sichres Wild für neue Hetzen, An den, eigenen Elenddasein Philosophisch, sich ergötzen. Schildert Last- und Arbeitstiere, Die sich plagen, rackern, schinden, Die von Väterchen verlassen, Büßen für der Väter Sünden. Eifervolle Zionisten Weinen ihre besten« Tränen, Um zu zeigen, wie sie ehrlich Räch J«erüsalein sich sehnen. Nur nach Assimilation« Ruft ein wohlbestallter Chaim, Während Schloime denkt: ,^Jm nächsten Jahre in Iernscholaim!" ein Dritter denk mit Wehmut: du Jtzig« ober Löbel, tm Land und lass' dich redlich Betet leise: Schma Iisroel, Gott der Juden, hör' mein Flehen! Da erschießt «sich seine Tochter, Um der Schändung zu entgehen. Mit der Jüdin stirbt der Christ, Dem sie bräutlich sich verbunden: Seine eignen Glaubensbrttder Schlugen ihm die Todes wunden! «Als das Volk davon gezogen, Kommt die «Polizei verspätet: Ansgestorben ist der Laden, Nur der alte Leiser «betet. Schultet kraß die Ja, sie zeigt mit greller Klarheit, Daß sie grausig echt und wahr ist,. Wenn auch ein Exzeß der Wahrheit. Und der dieses Stück geschrieben Seiner Menschlichkeit zum Ruhme, Ist. ein Christ, der ehrlich diente Einem wahren Christentume. (,Wr. I«. Extrabl.")