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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · page 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 23 Jüdisches Völksblatt Rechenschaftsbericht führt lebhafte Klage über die Lässigkeit der Verbandsvereine. Ein von Dr. Koh n, dein Herallsgeber des „Jüdischen Studenten'" in Berlin, gestelltes Anerbieten, daß sein -Organ als Verbcmdsorgcm anerkannt werbe mvfo für Oesterreich eine Sonderbeilage erscheine, wurde abgelehnt, dagegen laut dem Referate des Herrn Carniol die Förderung von „Unsere Hoffnung" beschlossen!. Dr.-K r e nb e r g e r forderte zur fleißigen Agitation und reger Mitarbeit in der Gesamtorganifation auf. Am Tage vor dem Verbandstage hielt Herr Med. Braun (Prag) einen sehr interessanten Vortrag über „Das Entartnngsprtoblem und die Juden". Am Abend des 1. Juni! fand in den Verbandssälen Königsegggasse ein Kommers statt, dessen Besuch sehr viel zu wünschenübrig ließ. Es sprachen' Dr. S ch n i v e r, Dr. 5t a l) n, Rev. Hechler, Red. U p k i m n y, Ing. Kaplansky usw. Der Verbandstag zeigte die Stagnation in der zionistischen Studentenschaft in geradezu erschreckender Weise. Angesichts solcher Episoden, die unleugbare Symptome für: eine Rückwärtsentwicklung auf der ganzen Linie sind, von einer zionistischen Studenten-„Bewegung" sprechen zu wollen, wäre blutiger Hohn. Man wird endlich ohne Schm und Riicksicht aussprechen mi'lssen, was wirklich ist. Es soll demnächst in diesem Blatte geschehen — gründlich und vorurteilslos. Das Bemänteln und Beschönigen bringt uns keinen Schritt weiter. D i e Taktik des Sichselbstbelügens hat Fiasko erlitten und muß endlich aufhören. Nß. Bericht der Baron Hirsch- Stiftung. Das Kuratorium der „Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulun terrichtls im Königreiche Galizien und' Lodrn merien mit d>em Großhe-vzogturn Km:kau und im Herzogtum: Bukolrina" erstattet nachstehend Bericht über die Tätigkeit dieser Stiftung iw Schuljahre 1903/1904. Dem ersten im Artikel 2 der Statuten bezeichneten Zwecke: den! Kindern israelitischer Eltern im Königreiche Galizien und iin Herzogtum Bukowina den Volksschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften! zu gewähren-, War das Kuratori-mn durch di!e En haltling von Volksschulen und Abendschulen zu eirtsp rechen bestrebt. a) Volksschulen. Im abgelaufeinen Sch«ulia«hre wurden in den 49 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 218 Lehrern in 179 Klassen 8298 Schüler unterrichtet. lieber ibtie Verteilung der wirkenden Lehrkräfte, die Kiesten der einzelnen: Schulen, des Unterrichtes, der Bekleidung und- Beköstigung enthält die am Schlüsse des Berichtes angeführte Tabelle nähere Daten«. Djie Frequenz in den Schuten war größtenteils! sehr gut und die 'erzielten- Resultate vollkonnnen zufriedenstellend. In einzelnen Orten müßtenalllerdings über behördliche Anordnung die Schulm infolge aufgetretener Epidemien und Fenersbriinste kürzere oder län:geve Zeit geschlossen werben. So« war die Schule in Zloezow vom 17. September 1903 bis 27. Dezember 1903, die Schule m Monasterzyska vonr 17. September 1903 bis 18. Oktober 1903 geschlossen und wurden die! Schulen: während' dieser Zeit den Abbrändlern zn Wohnzlvecken provisorisch überlassen. Auch in den Orten Buezacz, Czerneliea und Delatyn, in den-en: Stiftungsschulen unterhalten lverben, ei^lstanden' wählvmd des Schuljahres große Brände, von« dlenm j-edoch die Schulhäuser verschont bliebeir. Dagegen wurde am 20. Juli 1904 das vom Mratorium gemietete Gebäridle in Brzesko eingeäschert, so daß in Ermangelung eines anderem geeigneten Lokales die Schule im Schuljahre 1904/1906 nicht rechtzeitig geöffnet werden konnte. Abgesehen von Vliesen Mörungm lvar dev Schulbesuch schr regelmäßig und die Zahl der Schüler in deir Meisten Orten recht befvledigend, wmn ailch in einzelnen! Gegenden rroch immer zahlreiche Knaben den: Unterrichts fevnblieben. Wie bereits in früheren Berichten wiederholt hervorgehobm würde, war seit der Gri'nrdung dev Schulen unsere Aufunrksamkeit stets darauf gerichtict, daß unsere Schulen nicht bloß Unterrichtsanstalten, sondern gleichzeitig Erziehungsinstitnte sein, müssen. Das Kuratorium hat deshalb gegenüber dien sich immer wücberh ölenden- Wünschen einzelner Faktoren aus Einführung des Halb tags Unterrichtes an der Ablehnung festgehalten, die Lehrer vielmehr angewiesen, außer den gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen in schulfreier Zeit dom Unterricht in- Handfertigkeit (Slöjd), sowie der Pflege der Jugendspiele, den« Turnunterricht und' der Veranstaltung von Ausflügen ihre vollste Aufmerksamkeit zuzMveudm. Im ganzen: erteilteu 9 Lehrer an 8 Schulen in: 16 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit, an dein insgesamt 142 Schüler teilnahmen. Am Turnunterrichte na huren 5360 Kiuaben, an den Jugendspielen 6272, bei Veranstaltung von Ausflügen 5417 .Knaben teil. Die Tätigkeit der Lehrer und ihre Leistungen' wurden sowohl seitens der staatlichen Funktionäre (k. k. Landesschulinspektor, Bezirksschulinspektor, Ortsschulrat), wie seitens der durchdie Stistrmg bestellten Kreisinspektoren überwacht, und lauten die Berichte in überwiegender Mehrzahl außerordmilich günstig. Auch di>e- Zahl -Cfer Schulen, welchen seitens des hohen k. k. Ministeriums für Kriltus und Unterricht das Qeffentlichkeitsrecht verliehen wurde, ist im Berichtsjahre gestiegen, so daß hcrvte nachstehende Schulen mit dem Oeffmtlichkeitsrecht ausgestattet sind : Bohorodczany, B>o>jan-, Boryslaw, Chvzanow, Dombrowa,Delatyir, Gologory,Gwozdziec, Jeziema, Koloinoa, Mielec, Monasterzyska, Obertyn, Ottyma, Rawa ruska, Sadagora, Sassow, Sniatyn, Solotwina, Stanislau, Tornow, Tysinieinca, Zablotow, Zabno, Zborow, Zloezow; 24 Schälen sind höheren und 25 niederen Typus, 31 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung, an l8 Orten: wurden: Schulräurnie gemietet. Ungeachtet der sehr bescheidenen Mittel, über welche das Kuratorium neben ben zrrr Erfüllung vertragsmäßiger Verpflichtungen erforderlichen Beträgen verfügte, ist es gelungen-, im abgol-au-fenen' Jahre in Bursztyn einen zlvar bescheidenen, aber vollkommen entsprechenden Neubau mit dem Gesamtkostennufwande von K. 18 729.04 aufzuführen: ebenso hat das Kuratorium in« Rozwadow um den Betrag von K. 9841.68 für Schulzwecke ein Haus gekauft, das während der Ferien adaptiert und zuBeginn desSchuljahreA 1904/05 zur Verwendung gelangte. Beide Beträge konnten aus 'dm laufenden- Einnahmen gedeckt werden. Höchst erfwulich ist es, daß der Stiftung seitens der Firma Grödel & Schmidt in Skole ein zirka 2000' Quadratlneter großer Bauplatz in Skole behufs Erbauung eines Schrichauses schenkuu-gsw-eise überlassen wurde, lvofür auch an dieser Stelle der herzlichste Dank zum Ausdrucke gebracht wird. Da« übevdii^s« seitens der Spender die hochherzige Zusage gemacht wu-rde, auch« bei Aufführnng ei-u:es Balles die Stiftung tunlichst zu unterstützen, dürfte das Kuratorium Wohl in absehbarer Zeit imjsliciude sein«, ungeachtet der außerordentlich knappen Mittel auch in Skole ein entsprechendes Heim für die Schule zu schaffm. Infolge der regnlativ'mäßigen Gehaltserhöhungen, Qninquennalzu lagen und: Stabilisierungen: stiegen die im Vorjahre für das Konto Volksschrilen gemachten Arislagen,, trotz des Mgangcs inehrcrer Lehrer, die nicht ersetzt wurden, von K. 416 162.36 auf 427 213.22. In dieser Srrmme ist auch ein Betrag von> K. 13 166.22 enthalten, dm das Kri'mtorirlm fi'rr Lehrer, welche eine große Fanrilie zrrerholtm hattm und durch' Krankheit oder Toidesfall in icine Notlage geraten wa:reir, beloilligte. Die Untevstützrlngsgesuche erretchtm speziell im cibgelanfenen Jahre eine sohohe Zahl, weil in den obgena«imteir- -Or'ten infolge der Fmersbrünste, in- Boryslaw infolge der Wohmmgsnot besonders ungünstige Verhältrnsse entstanden, die das Kuraiornurr soweit als möglich berücksichtigte. Archerdem lvrrrdm an Lehrer, welche ihre Kinder außerha-lb ihres Menstovtes zum Zwecke der Studim zu evhalten hatten, arrs dm- Mitteln der Baronin Clara von Hirfch-5kcüser-Jrlbilälmrs-Stiftrmg zm' Untevstützrmig von Knaben unb Mädchen in Oesterreich Stipendien im Betrage von K! 4668 bewilligt. Schließlich wurden im verflossenen Schuljahre an 33 Lehrer Personalzulagen im Gesamtbeträge von 5300 gewährt, so daß zu erwarten ist, daß die Verhältnisse eines größeren Teilesder Lehrerschaft konsolidiert lverdm. Nebm den Auslagen für Volksschulm: im Betra:ge von K. 427 213.22 wurdm für Unterstützung der Kinder durch Verteilung von 11941 neuen Büchern, 82 731 Heften, 41 899 sonstigen Schulrequisitm K. 10 446.30 verausgabt. Aus den Mitteln der Jubtläu-msstiftung gelangten an die unsere Schulm besuchendm Kinder zirka 160 000 Mittagsmahle, 1183 Mäntel, 1316 Paar Stiefel, 2600 Sommlemnzüge und Kappen, 6000 Heinden- und 7690 Sacktücher mit einem 5öo>st>maufwa:nde von 5k. 86 189.67 zur Verteilung-. An Subventionen wu-rdm wie im Vorjahre für die Schulen in Brody und Zablocie im Gesamtbeträge von- K. 10 800.08 bewilligt, b) Abmdkurse. Die Zahl der im -ab-gelaufm'M Schuljahr a-bg«ehalteneu Wendkurse betrug 27, dieselbm wurden von 1386 Schillernbestuht und von 77 Lehrern geleitet. T'ie Kdsten dieses Unterrichtes betrugen K. 6474. In diesen Abendschri-len wurden einerseits Analphabetm, die' das schjulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in dm Do!lksschu>lgegenständen untorwies-m:, andrerseits wurden 5tnalieri, die -vor Erreichung des vollstänidigen Lehrzi-eles die Schule verlassen hattm und bei Handwerkern oder Geschästsleuteu untergebracht warm, weiter unterrichtet. Auch Knaben un-d Männer, die die Kenntnis der Volksschulgegeustände hatten, wurden speziell in Gegenständm unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders dorr Wert «warm, wie z. B. Schlosser, Drechsler. Tischler im Zeichnen, Kommis im Rechnen usw. c) Handwerk. Im Lause des Jahres wurden aus Kosten der Stiftung 330 Lehrlinge freigesprochen, 113 bisher neu aufgmommm, so daß am Ende des Schuljahres 1903/1904im Status der Stiftung 313 Lehrlinge verzeichnet waren. Die Bekleidung der Knaben, welche unsere Mendschulen besuchten-, erfolgte ans den Mitteln der Baronin Klara von Hi'rsch^Ka-is'er-Jl.Ml'äums- Stistung. Für die Bekleidung der übrigen H and Wecks lchrlinge wurde aus «den Mitteln der Baron Hirsch-Stiftung ein Betrag von K. 8136.62 verausgabt. Die Aufteilung der gegenwärtig rmtergebri^chten Lehrlinge in deneinzelnen Orten' und bei ve-rschiedeiun Gelverben ist aus der nachfolgenden Zusalnrin-enstellung ersichtlich. Da durch den: Freispruch eines Teiles der Lehrlinge Widder einige, Wmn auch n-icht bedeutende Drittel für diesm Stiftungszweck vorhaudm sein werden., wird es möglich! sein, auch diesen Zweig der Stistungstätigkeit wieder in einem allerdings bescheidenen Mäße aufzunehrnen. Dank dein außero«rdentlichen Entgegenkommen: des Vorstandes des „Vereines zur Beiförderung der Handwerke unter dm inländischm Jsraeliteir" in Wien sind die Kosten der von dein Ku'mto'rium untergebrachtm ehemaligen Schüler der Baron: HirschkStiftungsschulen wcsmtlich geringer. Auch hat der genannte Verein sowie der „Hilfsverein für die notleideude jüdische Bevölkerung in Galizien" in Wien dein« Küratoriuml m Aussicht gestellt, im selbständigen, von der Stiftung abgesonderten Wirkungskreise rinter gowissm. Beidiin-gungen in beschränkter Anzahl ehemalige Schüler der Baron HirfGSchrllen bei Ha-uidwerkern unterzrlbringen. Desgleichen hat auch: in' diesem Jahre die Gutsverlvaltuna in Slobvdka« lesna Msolventen! dev Volksschule aMenommm-, um sie zu Landwirtm hevanzubildeir. In einzelnen Orten, wo> die Stiftung größere Gärten und Felder besitzt, wrrrdm unsere Schüler von dm Sch'ulleitern in Gartmarbeitm unterwiesen. Archer den Arlsgaben für die auf Kostm der Baron Hirsch-Stifümg untmgebrachtm Lehrlinge wurden an 20 Zöglinge des Brodyer ^'-"'ünhaufes behufs Zuführung zum Handwerk irtrb an 20 Handwerkslchrlingm in der Bukowina Stipeüdren: gewährt.

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