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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. -.2 Jüdisches Volksblatt besondere Maßnahmen als ein Aufstieg zur höheren Schichtung zu erscheinen hätte. Auf die E r h a l l u tt g der Nationalität, Sprache, Tradition und Gebräuche wäre strenge zu sehen. Alls bicfent Grunde wären Ansiedlungen in Ländern ohne einheimische Kulturbeoölkerilng. zum Beispiel in Australien, Afrika, solchen in Argentinien vorzuziehen; ganz besonders aber in Ländern iil der Nachbarschaft Palästinas, so namentlich Zypern, Kleinasien, von wo eine Uebersiedlung nach Palästina oder auch eine Transplalltation von dort unter ortsähnlichen Verhältllissen geschulten Kolonisten, die dainl als Lehrer für Neuankömmlinge dienen könnten, leichter durchführbar wäre. Jubiläum der Zudeneinwanderuug in Amerika. In diesem Jahre sind zweieinhalb Jahrhimderte verflossen!, seit die ersten Juden sich in den Vereinigten Staaten niedergelassen habeil, und die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes rüstet sich zu einer glänzenden Feier dieses Jubiläums, deren Mittelpunkt die Stadt Nein Dort sein wird. Habeil die Inden doch hier die erste Niederlassung besessen, die erste religiöse Gemeinschaft gegründet und die ersten Kämpfe uni bürgrlichc und kommerzielle Freiheit siegreich ausgefochten. Hier ist! ihre Zahl iil einem Maße angewachsen, wie nirgends sonst in der alten oder neuen Welt, denn New Jork beherbergt gegenwärtig inehr Juden, als je auf einem Platze zusammen gewohnt haben. Ihre Zahl beläuft sich auf rund 700 000, während ebensoviel sich auf die übrigen Staaten der Union verteilen. In den letzten 20 Jahren vor 1904 sind in New Uork 694 172 jüdische Einwanderer gelandet, von denen nicht weniger als 604 181 in der Stadt verblieben. Als die ersten 23 Inden 1654 in Neu- Amsterdam! an Land stiegen, mußten ihre Habseligkeitcn 3irr Deckung der Ueberfahrtskosten öffentlich versteigert werden. Juden sind es gewesen, die den Entdecker Amerikas nicht bloß mit astronomischen' Büchern und Instrumenten, sondern auch mit Geldmitteln für seine beiden ersten Reisen versehen haben. Uöberdies haben sechs Jtzden Kolumbus auf seiner ersten Reise begleitet, nämlich Lllis de Torres, Alfonzo de la Calle, Rodrigo und Gabriel Sanchez, Marco, der Schiffschirurg und Bernal, der Schiffsarzt, und Torres soll es gewesen sein, der als erster Europäer den Boden des neu entdecken Landes betreten, wie er auch zuerst den« Gebrauch des Tabaks bei den Indianern keimen gelernt hat. Die ersten 23 jüdischen Ansiedler, die im September 1664 das Land betraten, kamen aus Brasilien, von lvo sie vor den- Verfolgungen der Portugiesen geflüchtet waren, und sie hatten mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, ehe ihnen die Ansiedlung gestattet wurde. Diesen ersten Einwanderern folgten später mehr, doch auch diese lvaren genötigt, sich ihre Rechte zu erkämpfen. Die Holländer verweigerten den Juden das Recht, KlcinhauDial zu treiben und so wendeten' sich, wie der Historiker Max T. .Köhler erzählt, die ersten jüdischen Kaiisleute dem Einfuh Handel zu, den sie in der Follgezeit in einem Umfang an M) gebracht haben, daß sie jetzt fast den gesamten Großhandel in der Hand haben. Ihre Lagerhäuser und Kontore ziehen sich meilenweit am Braodway hin. Neuerdings ist auch eine große Zahl von Detailgeschüfteni im Besitze jüdischer Kaufleute. Die ersten Importeure traten in Handelsbeziehungen mit Westindien und Südamerika, von!oo die meisten von ihnen hergekommen lvaren. In Curacao, Surinain, St. Thomas, Jamaika und Barbados hatten sie verwandte Glaubensgenossen und Bekannte und dorthin' ließen sie die ersten Schisse gehen. Bei einem Juden, dem Polzhändler Hayiuan Levy, hat übrigens John Jakob Astor seine ersten Unterweisungen in der Geschäftspraxis erhalten. Im Jahre 1782 gehörten Juden zu den Gründern der.New Uorker Fondsbörse. Als der Revoluttonskrieg ausbrach, halfen die Juden den Freiheitskämpfern nicht bloß mit Geld, sondern stellten sich selbst in ihre Reihen. Die meisten Juden, die in den verschieden Kriegen des Landes mitgekämpft haben, waren aus Nelv Bork. Diese Stadt scheint eine lvachsende Auziehmiigskmft auf die Juderr aus geübt zu haben. Vor hundert Iah reit blieb von sechs jüdischen Einlvanderern einer in New Aork, 1880 war es schon die Hälfte und heuer sind es fiinf von sechs, die nicht tveiter gehen. Die größte Zahl ist in den letzten 20 Jahren hinzugekominen. Bis 1812 herrschten die spanische»! und portugiesischen Inden vor und am Schlüsse dieser Periode lvaren nicht mehr als 600 vorhanden'. Dann kamen Juden aus England und Deutschland, die letzteren infolge der napoloanifchen und anderen Kriege aus den ' kleinen Städten der Südstaaten. Gegen 1882 überlvogen die deutschen Juden alle anderen' um ein Bedeutendes sowohl an Zahl tvie an Reichtum. Später suchte infolge der Matgesetze in Rußland ein Heer von russischen! Juden in New Uork Zuflucht und jetzt sind sie bei weitem die zahlreichsten. Die New Yorker Juden' sind zu Ansehen gelangt nicht bloß im Handel und anderen Berufsarteu, sondern auch in der Gesellschaft, der Politik, Wissenschaft und Musik. Der erste jüdische Advokat war Sampson Simpson, der 1802 zur Advokatur zugelassen wurde, jetzt aber sind etwa ein Drittel aller Rechtsanwälte Juden. Die italienische Oper wurde durch Lorcnzo da Ponte, einem! jüdischen Professor am Columbia College, in New Uork eingeführt und heute iit Heinrich Conried, ein Jude, Leiter der großen Oper.. Die meisten der New Yorker Theater werden von Juden geleitet und ebenso sind viele Dichter und Komponisten jüdischen Glaubens. Auch in der Staatsverwaltung haben Juden wichtige und einflußreiche Stellungen innegchabt. Auf philanthropischem Gebiet endlich haben die Juden New Dorks nicht bloß ihren' Glaubensgenossen gegenüber stets -eine offene Hand gezeigt und zur Einrichtung von Waisenhäusern, Hospitälern usw. große Summen gespendet. Gemkiudeu. üfmii&tiüilmilitfi!. Israelitische KnltuSgemeinde, Wien. Die Privatisten-Prüsu-ngen aus Israel. Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Bürgerschulen finden für das 2. Semester des Schuljahres 1904/5 nach folgender Einteftnng statt: Für Schüler iSchülerinnen) wohnhaft im 1., 2., 11. und 20. Bezirke 2., 16., 23., 30. Inni von 11 Uhr 15 Min. bis 12 Uhr 15 Min. 1. Bez., Deitenstettengasse 2, 2. Stock (Religivnsschule). Für Schüler (Schülerinnen) wohnhaft im 3. bis inkl. 10. und 19. Bezirke Freitag 16. Juni von 4—6 Uhr, Dienstag 20. Juni von 3 Uhr 15 Min. dis 4 Uhr 15 Min., Freitag 23. Juni von 4—6 Uhr, Dienstag 27. Juni von 3 Uhr 15 Min. bis 4 Uhr 15 Min., Freitag 30. Inni von 4—6 Uhr 1. Bez., Seitenftettengasse Nr. 2, 2. St. (Neligiorisschule). Für Schüler lSchülerinnen) wohnhaft im 12. bis 15. Bezirke Sonntag 18. Juni non 12 bis 1 Uhr, Sonntag 25. Juni von 12 bis 1 Uhr 15. Bez., Tnrnergasse 22 (Gemeindehaus). Für Schüler (Schülerinnen) wohnhaft im 16. und 17. Bezirke Montag 19. Inni, Montag 26. Inni, von halb 1 bis halb 2 Uhr, 16. Bez., Hubergasse 8 (Gemeindehaus). Für Schüler (Schülerinnen) wohnhaft im 18. Bezirke Sonntag 18. Inni von 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 22. Juni von 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 29. Inni von 10 bis 12 Uhr, 18. Bez., Schopenhauerstraste 39 (Gemeindehaus). Die Prüfungstaxe beträgt X 6 und wird iw vorhinein an der Kassa der Kultusgemeiude, 1. Bez., Seitenstettengasse 4 oder bei der entsprechenden AmtSteitung iw 15., 16. oder 18. Bezirk zwischen 9—12 Uhr vormittags entrichtet. Die O.uittuug ist dem Examinator vorznlegen. Der im ersten Semester gelöste 'Erlag s schein über die Prüfuugstaxe gilt auch für das zweite Semester des laufenden Schuljahres. Da nur eine geringe Anzahl von Schülern an einem Prüsnngstermine geprüft werden kann, wird dem P. T. Publikum im eigenen Interesse dringendst empfohlen, die Prüfung in der betreffenden Kanzlei vorher anznmelden. Die Semestralprüsungeu für Schüler an öffentlichen Schulen finden ab 16. Juni statt. Der Vorstand. Einzelverein „Alsergrund" des „Zion". Samstag den 27. Mai fand im Cafe Rahulwf (Banernfeldplalft die .Konstituierung des Eiuzelvereines „Alsergrund" des Verbandes „Zion" statt, bei dein folgender Ansschnst gewählt wurde: Dr. Paul -Weisengrün, Präses; Adv. Dr. Severin Landesberger, 1. Vizepräses; Dr. Hermann Kadisch, 2. VizepräseS; Med. Jehuda Jrrgang, 1. Schriftführer; Jur. Julius Schüller, 3. Schriftführer; Redakteur Jakob Kraus», hebräischer Schriftführer; Signtnnd Singer, 1. Kassier; Adolf Bojko, 2. Kassier. Verein jüdischer Fleischhauer in Wien. Sonntag den 28. v. M. fand in G-ttthö Restauration eine zahlreich besuchte Versammlung des Vereines der jüdischen Fleischhauer in Wien statt, welche zu dem inzwischen sistierten Schacht verbot Steilung nehmen sollte. Der Vorsitzende Herr Siegmund Korn mehl teilte der Versammlung den Sistierungserlab der Statthalterei mft und schloß jede weitere Debatte über diese Frage aus. Die .Herren I. Mayer, Jakob Frankl und Lieb er mann führte« Klage, daß in den letzten Nummern des Genossenschastsorganes „Wiener Fletsch Haue rz e i t u n g" ein anfhetzender Ton gegen die jüdischen Fleischhauer wie auch gegen das Schächten angeschlagen wurde. Der Vorsitzende Herr K 0 r nmehl wies darauf hin, daß ein Schächtverbot in Wien für die christlichen Fleischhaller einen ebenso großen Schaden bedeuten würde, wie für die jüdischen Kollegen. Herr Karl Wolf, Vorstandsmitglied der „Wiener F l c i s ch h a u e rg e n 0 s s e n s ch a f t", welcher der Versammlung beiwohnte, beschwichtigte die Redner, indem er vorschlttg, die Vereinsleitung der jüdischen Fleischhauer möge mit dem Vorstande der Wiener FleischhaNergeuvssenschast in Fühlung treten, damit eine Einigkeit erzielt werde und das Fachblatt die konfessionellen Hetzereien einstellen. Auf Antrag des Herrn Lustig wurde folgender Beschluß einstimmig gefaßt: „Den Vorstand des Vereines der jüdischen Fleischhauer wird bean ft ragt, sich mit dem löbl. Knltusvorstande ins Einvernehmen zu setzen, daß der letztere streng darauf achte, daß die Wiener Koscher- F l e i s ch s e l ch e r das Fleisch von nur geschächteteit Tieren zu ihren Zwecken verwende." Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Der lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen Moria" hat am 7. Mai seine diesjährige Tätigkeit beendet. Den Schlußvortrag Hielt Frl. Thekla Blech über „Maxim Gorki". 'Rednerin besprach vorerst Gorkis reichbewegten Lebenslauf und seine schriftstellerische Entwicklung und ging zu seinen Werken über, die sie in ungemein geistvoller und trefflicher Meise schilderte. Das Publikum dankte, der Nednerin mit stürmischem Beifall. Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender. Am 13. Mai fand im großen Sitzungssaale der Kultusgemeinde die 16. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. An Stelle des erkrankt gewesenen, nunmehr aber in voller Rekonvaleszenz sich befindenden Präsidenten Herrn Baurates Stiaßny führte Herr Hofrat T a u s s i g den Vorsitz. Er begrüßte die erschienenen Mitglieder, den Vertreter des Kultnsvorstandes Herrn Baurat Ritter von Gvldschmidt, ferner die Vertreter hervorragender Wiener Humanitätsvereine, die ihre Delegierten zu dieser Versammlung entsendet hatten: Herrn Ortsschulrat S. Heit, Präsident des Vereins für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten, Frau Geisenhaimer vom Frauenhort, Herrn Oberinspektor Reisen vom Verein zur Förderung der Handwerke unter den Israeliten, Herrn Dr. Straßer vom Verein Fides, Frau Weiß vom Brigitkenaner Wohltätigkeitsverein und Herrn S. Brod vom Verein zur Hebung der Gewerbe. Ter Vorsitzende dankte dem Knltusvorstande für die Ueberlassunq des Sitzungssaales, ferner dem Damenkomitee für die im Berichtsjahre mft so vieler Hingebung, außerordentlichem Fleiß und warmem Interesse ansgeübte Tätigkeit. Schriftführer Dr. Bela T a n s s i g erstattete hierauf den Rechenschaftsbericht. Demselben entnehmen wir, daß, wie bereits im vorjährigen Bericht erwähnt, Herr Rudolf Kohn unserem Verein als stiftendes Mitglied beigetreten ist. Im abgelaufenen Jahre wurden 21 Gesuche um Darlehen im znstimm-enöen Sinne erledigt und insgesamt X 2234,— an Darlehen gegeben. -Eine große Anzahl von Gesuchen mutzte abschlägig beschieden werden, teils, weil dieselben in den Nahmen der Vereinsstatuten nicht paßten, teils, und es muß dies mit tiefem Bedauern hervvrgehoben werden, weil die Mittel des Vereins nicht hinreichend waren. Seit dem 1. Jänner 1995 wurden neuerlich 24 Darlehen bewilligt von zusammen X 2610,—, sv daß seit der Gründung des Vereins bis zum Tage der Generalversammlung insgesamt 629 Darlehen von zusammen X 92 240,— bewilligt wurden. Der Bericht gedentt der Verdienste des Vizepräsidenten Dr. Arthur Kuranda um die rechtssrerindliche Vertretung und des Rechnnngsführers Gustav Frankl um die Kassa Verwaltung. Das Komitee für die Baurat Stiaßny-Stistnttg hat sich konstituiert und Herrn Hofrat Tanssig zu feinem Vorsitzenden gewühlt. Der Rechenschaftsbericht wurde überAntrag der Zensoren, welchen Antrag Herr S. Steiner stellte, zur Kenntnis genommen und dem Vorstände einstimmig das Absolntorinm erteilt. Sohin drückt Herr Banrat von G v l ü s ch m i d t die Sympathien deS Vorstandes für den Verein ans, hebt die hervorragenden Verdienste des bedauerlicherweise abwesenden Beveinspräsidenten Herrn Baurates Stiaßny hervor und bittet den Vorsitzenden, den Gefühlen der Verehrung und der Freude über die Genesung desselben namens der Bersammlnng Ausdruck zu verleihen. Bezüglich der Geschäftstätigkeit bedauert er, daß nicht bedeutend reichere Mittel dem Vereine zur Verfügung stehen, damit derselbe seine ebenso notniendige als erfolgreiche Tätigkeit in größerem Ala st stabe anssühren könne, hoffe auch, daß dies in der Zukunft durch reichere Znwendnngen ermöglicht werde und daß der oerehrliche K'nltnsvorstand die bisher allerdings bescheidene Subvention im erhöhten Mnststabe widmen wird. Ällit einem Dank an die Damen, die ihre Tätigkeit dem Vereine widmen, schloß der Vertreter des Kultnsvorstandes. Die ansscheldenden Funktionäre Herren Banrat von G olös ch m i d t, kais. Rat Mvriz H i r s ch, Emil Horner, Direktor Ignaz Jolles, Dr. Bela T a u s s i g und Hvfrat Sigmund T a u s s i g wurden eittsttmmig wiedergewählt. Die gleiche Stimmeneinhelligkeit herrschte anläßlich der Wiederwahl der Zensoren pro 1906, der Herren Jakob M e n s ch, S. S t e i n e r und Moriz W « i z n e r.

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