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Jüdisches Volksblatt · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr. 20 den stürmisch zu: „Bitte, sich keinen Zwang anzutun, wir verstehen alle Jargon!" * * * In einer jüdischen Versammlung wird soeben darüber beraten, wie die Matratze konstruiert sein solle, damit das Vieh beim Legen vor dein Schächten sich nicht zu sehr weh tue. Plötzlich entsteht im Vorzimmer des Beratungssaales ein Tumult. Man hört Worte rufen: „Sic Unmensch, haben Sie doch Erbarmen!" „Sie sind eilt Ochs! Verstehen Sie denn nicht, ich kann nicht!" Die Versammelten eileit beim Worte „Ochs" ins Vorzimmer, komnteit aber bald enttäuscht zurück: es war kein wirklicher Ochs, sondern nur eilt armer Jude, der kein Nachtlager hatte, und uni Unterstützung bat. * -!- * Der SMroit Wolfber g hat ein christliches Wäscherntädel geheiratet unb läßt seinen Sohn christlich erziehen. In der Religionsstunde ermahitt der Katechet seine Schüler, treu zu unserm lieben Herrn Bürgermeister zu halten, der jetzt wieder einen Sieg über die Juden davongetragen hat, indem er verboten hat, daß die jüdischen Ochsen geschachtet werden, vielmehr anordncte, daß sie nach christlicher Art g e s ch l a g e n werden. Da sängt der kleine Sepp Wolfbcrg zu weinen an. „Warum weinst denn, Sepp?" fragt der Katechet erstaunt. „Weil die Mutter zum Vater alleweil sagt: „Du jüdischer Ochs!" Jetzt wird er g'wiß g'schlagen wer'n!" Protestkundgebungen. Wir protestieren gegen die jähe Unterbrechung der Debatte über das Schächtverbot, weil das für uns die billigste Gelegenheit ist, uns für die Untätigkeit Lorbeern zu holen, indem wir unsere Gemeindemitglieder glauben machen, daß wir etwas anderes getan hätten, als Entrüstungskundgebungen verfassen. Präsidium der Wiener Kultusgemeinde. * * * Wir protestieren gegen den ganzen Schächtrummel, weil wir seit Wochen nichts anderes zu tun haben, als langatmige Berichte und Resolutionen zu schreiben, in denen die großen Heldentaten unseres gebieterischen Präsidenten verherrlicht werden. Die Dummheit wächst uns schon zum Hals heraus. Die Beamten der Wiener Kultusgemeinde. * * * Ich protestiere gegen das Schächtverbot mit aller mir zugebote stehenden Beredsamkeit. Wenn das Schächtverbot wirklich durchgeht und ich dann nicht mehr die Schächter und Fleischhauer schikanieren kann, weiß ich wirklich nicht mehr, wozu ich da bin. Rabbiner Mayersohn. * * * Ich protestiere gegen das Schächtverbot im Namen der ganzen ehrenwerten Zunft der Nitualmordmärchenfabrikanten, denn mit dem Märchen vom Schächtschnitte habe ich die einträglichsten Geschäfte gemacht. Hanns Arnold Schwer. * ' * * Wir protestieren gegen das Wiener Schächtverbot im Namen des freien Rcligionsübungsrechtes. Bei uns zu Lande werden die Juden ebenfalls unterdrückt wie bei Ihnen, Judenexzesse kommen bei uns ebenfalls vor — wenn auch häufiger und in größerem Stil wie bei Ihnen in Galizien oder Böhmen — aber — schlichten können die Juden so viel sie wollen; in ihre Religionsübungen mischen wir uns nicht! Die russische Regierung. , Jj'.' * §- * Wir, die alleinigen Konsumenten des geschachteten Koscherfleisches, protestieren gegen die Art, wie die Schechita im Gemeinderate verteidigt wurde. Wir verfassen keine langen .'Resolutionen, sondern werden alle das Koscherfleisch dort besorgen, wo man nicht auf Ochsen, fonbecn auf den Menschen Rücksicht nimmt, und die Christlichsozialen können sich dann ihre Ochsen ansstopfen lassen. Die orthodoxen Juden Wiens. Jüdische Geschäfte. (Stoßseufzer eines Luftmenschen.) So sehen die jüdischen Parnosser aus! Erst Hab' ich in Galizien ein S ch n a p s g e s ch ä f t, da ist der A n t i a l k o h o l r u m m e l gekonunen und das ganze Dorf hat sich bis auf den Pfarrer, zu einem Abstinenzlerverein konstituiert, dann Hab' ich angefangen mit „Schmierfedern und Mesuses" zu handeln, da ist der Antisemitismus ausgebrochen und die Juden haben sogar d i e Mesuses von ihren Türen entfernt, die sie gehabt haben. Nun Hab' ich mir e Klatsch auf die Stirn gegeben und bin Schochet geworden. Kommt sich da nicht das Schächtverbot.... Jetzt bleibt mir wirklich nichts anderes übrig, als — Rabbiner in Böhmen zu werden! Sinnsprüche großer Männer. Ein wirklich Liberaler Europäer begnügt sich nicht mit seinem Schweinskopf mit Sulz, sondern berücksichtigt auch den Ochsenkops des anderen. Ritter von Goldschmidt Bau-, Kultus- und Gemeinderat. * * * Das wertvollste Tier unter den Menschen ist ein Ochs, der sich rupfen ’ läßt. Dr. Josef Samnel Bloch. Kleine moralische Erzählungen. 1. Lueger und der Schochet. Jsak Ochsenschneider, ein Schochet in der Leopoldstadt, erzählt in seinem Stammbeisl folgende Geschichte: „Wie ich gehört Hab', daß das Schächten verboten werden soll, Hab' ich mir gesagt: „Jsak, jetzt geht's dir an den Hals, jetzt mußt du Mut fassen, vielleicht gelingt es dir, nicht nur dich, sondern das ganze Judentum zu retten. Und ich Hab' Mut gefaßt und bin zu — Lueger gegangen. „Herr Bürgermeister," fang' ich zitternd an zu sagen, „haben Sie Erbarmen mit uns armen Schächtern!. Sie machen! uns brotlos und unglücklich, wenn Sie das Schächten verbieten. Schauen Sie her, ich bin ein Familienvater mit sieben Kindern. In unserer Religion hat nämlich jeder Schächter wenigstens sieben Kinder, was sollen wir mit ihnen ansangen!?" Lueger scheint < durch meine Rede gerührt worden zu sein, denn er stellte an mich die Frage: „Na, wieviel verdienen's denn, Schächter, bei dera G'schicht'?" „Vier- bis fünfhundert Gulden a Jahr durchschnitlich," antwortete ich. „Schau, daß d' raus kommst, Jud!" schreit mich jetzt der Lueger an, „wem: du mit sieben Kindern für vierhundert Gulden a Jahr Schächter bist, bist du an Ochs, aber ka Mensch!" In der nächsten Minute war ich draußen," schloß Jsak der Schächter seine Erzählung. Und in der darauffolgenden Minute flog er auch zum Wirtshaus raus. 2. Die Informationen des Stadtrates Krenn. Eines Tages klopft es an der Türe des Arbeitszimmers des Stadtrates K renn. Er arbeitet an seinem Schächtreferate. Als er des Eintretenden gewahr wird, eilt er ihm freudig entgegen: „Sie sind wohl der Rabbiner, der mich über die Schächtfrage informieren soll?" „Jawohl, Herr Doktor!" „Sie haben, wie man mir sagt, eine dunkle Vergangenheit, disziplinarisch entlassen, wie?" „Ach, eine Kleinigkeit, wegen eines lumpigen Sittlichkeitsverbrechens, war nicht die Rede wert!" „Na, wenn's weiter nichts ist, das kommt auch bei den Theologen der anerkanntesten Religionsfamilien vor. Also Sie behaupten, daß das Schächten keine Religionsvorschrift der Juden ist?" „Natürlich! Als Beweis dafür möge Ihnen die Tatsache dienen, daß ich als Rabbiner auch kein geschachtetes Fleisch gegessen habe!" „Sehr gut! Also Sie können es eventuell auch beeiden, was Sie mir jetzt sagen?" „Bei meiner Ehr', Herr Doktor!" „Bei Ihrer Ehr'? Nicht schlecht! Sie haben doch keine!" „Aber die Ehre, die ich dem Mädchen geraubt habe, habe ich ja — auf dem Gewissen!" „Na, übrigens gleichgültig! Sie sind ein brauchbarer Mensch, die Juden werden sich ärgern, der Biclohlawek und die anderen werden eine Freude haben, und das ist die Hauptsache! Apropos, eh' wir an die Arbeit gehen, noch eins: Sie haben Wohl keine Aussicht, sobald einen Rabbinerposten 311 bekommen? m „Leider nicht! Die Juden haben keine Klöster, in welche sie ihre strafbaren Geistlichen zur Pönitenz einsperren könnten, und so haben sie mich wegen dieser Dummheit und noch anderer Kleinigkeiten auf die Straße gesetzt!" „Na also, werden wir für Sie sorgen! Sie werden in die Redaktion des „Deutschen Volksblatt" eintreten und dort die hebräischen Artikel schreiben; ferner werden Sie sich dem Herrn Hans Arnold Schwer als Eideshelfer, Zeuge und Fachgelehrter zur Verfügung stellen, kurz, es wird für Sie eine Menge zu tun geben. Jetzt gehen wir aber an die Arbeit!" Und sie gingen an die „Arbeit", und bald darauf war das Schächtreferat fertig. 3. Der Ochse und der Hausierer. Ein arincr jüdischer Hausierer fand auf seinem Leidenswege in einem Ochsenstalle Nachtquartier. Der Ochse war überfüttert und der Hausierer ausgehungert. Beide konnten daher nicht einschlafen, und die Unterhaltung begann: „Siehst du, lieber Ochs, du warst glücklich in der Wahl deiner Eltern, indem du kein jüdischer Hausierer geworden bist. Eine ganze Stadt, ein ganzes Reich zerbricht sich den Kopf, wie dein Leben verbessert und dein Tod erleichtert werden tonnte, und dasselbe Reich streitet herum, wie es mir das Leben unmöglich machen soll. Und wer kümmert sich darum, wie und wo ich sterbe ...?" „Laß gehen, armer Jud! Wir Ochsen haben's auch nicht immer so gehabt wie. heute. Früher hat man uns scharenweise zusammengetrieben und unsere Pflicht war nur, recht laut zu blocken. Und wir haben gut geblockt und so lange geblöckt, bis das Blöcken die gewöhnliche Umgangssprache geworden ist. Weißt, Jud', ihr schreibt zu viel, spintisiert zu viel, deshalb kommt ihr zu nichts! Ihr müßt blocken, müßt von den Hörnern, die euch die liberalen Menschen aufgesetzt haben, ausgiebigen Gebrauch machen. Macht's so, wie wir es gemacht haben, dann wird's euch besser gehen." Der arme jüdische Hausierer hat den Ochsen nicht recht verstanden. Er sann über diese weisen Worte so lange nach, bis er einfchlief. Und er wird noch lange schlafen. 4. Ueberzeugt. Ein galizischer Jude geriet mit seinem Gutsherrn in eine erregte Diskussion über das Schächten. Der Schlachzize donnerte: „Ihr Juden seid ein brutales Volk, das Schächten ist die unmenschlichste Tötungsart. Erst das Tier niederwerfen, dann hin- und herschneiden, da dauert's eine Ewigkeit, bis so ein Tier hin wird. Aber bei uns! Einen wuchtigen Schlag auf die Stirn und das Vieh ist schon halbtot und weiß nicht mehr, was mit ihm geschieht." Der Jude will nun seinein Gegner den Beweis erbringeil, daß er im Unrechte sei, zitiert Bibel und Talmud, führt die Ansichten der Gelehrten an usw. Der Pole wird immer erregter und schreit: „Aber, verdanunter Jude, begreifst du denn nicht, der Stirnschlag, das ist das wichtigste, ein Schlag und alles ist aus!" Nun beruft sich der Jude auf seine Religion und das Neichsgrundgesetz. Der Pole verliert nun die Fassung, holt ein Gewehr voll der Wand und kreischt: „Sieh mal her, Kanaille, ich packe dieses Gewehr beinl Lauf und schlage mit aller Kraft mit den: Kolben auf deinen Viechskopf .... So! . . . ." Und nieder saust es mit aller Kraft auf das Haupt des Juden .... Er war jetzt überzeugt. I. Kr. Settage zur nächste« Kummer: „Wissenschaft, Kunst und Literatur"

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