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Jüdisches Volksblatt · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. U> Jüdisches Volksblatt Seite 3 als es sich tun die nationale Politik der ucr(ct)iebencn nationalistischen Parteien der einzelnen Volksstämme handelt. Die Fernhalt u ii q v o n der Nationalitäten- Hetze i st ein Gebot der Notwendigkeit, von der absolut unter gar k c i r: e r: U rn st ä r: d e r: v o n den Juden a b g e rv i ch e n werden darf. In Böhmen intb Mähren niüffcn daher die Inden sich im deutsch-tschechischen Streite, in Galizien in polnisch-ruthenischer: Konflikte, und insbesondere in Ungarn unsere schon mehr als heißblütigen „Glaubensgenossen magyarischer Nationalität" die Neutralität im Kampfe der Magyaren mit den Deutschen, Slawen und Rumänen bewahren. Unter aller: Umständen müssen die Jungjuden es fordern, daß jene, welche sich als Anwälte des jüdischen Volkes aufspielen, alles unterlasse i:, was bei: österreichischen Nationalitätenhader fördern könnte oder es irgend einer Nation in beider: Reichs- Hälften es crrrröglicht, andere Natiorralitäter: zu vergervaltiger: oder zu unterdrücken. Es ist dies eir: Gebot der Selbsterhalturig für die österreichischer: Inder: urrd es nruß daher der e r st e P r o g r a n: rn p u r: k t einer wirklich moderner: jüdischer: Volksbewegung lauter:: Unbedingte n a t i o rr a l e, religiöse u r: d soziale Gleichberechtigungdies-undjenseitsderLeitha. Gerade im Natior:alitäter:staate Oesterreich körnten die verschiedenen Volksstämme, urrd speziell die Juden, vieles erreichen, rvas sie ir: Nationalstaaten rricht erlarrgen können. Aber sie müssen manches tun, was sie bisher urrterlassen urrd ihre S t e l l u r: g z ur N a t i o n a l i t ä t e r: f r a ge sowie zu den einzelnen Parteien vom Grund aus ändern. In Staate,: wie Frankreich, Jtalierr, Rußland oder Preußen-Deutschland, wo der staatliche Begriff mit den: nationalen identisch ist, rvo der Patriotismus mit dem Nationalismus zusammenfällt, ir: solcher: Staatei: hat die stete Faselei vor: »Fremdlinge::", vor: „Eindringlingen" wenigstens einer: S'ch e i n von B'ereclstigUNg (Allerdings nur einen Schein). Dort mag es sogar Vorkommen, daß im arrgeblichen Staatsinteresse, ir: Preußen-Deuschland Polenausweisungen, ir: Rußland die Unterdrückung aller Nichtrussen und aller Nichtorthodoxer: kultiviert wird. Aber Oesterreich, eine Vereinigung von so vielen Natiorren und Kor:fessionerr, kann n i e m a l s als Besitzstand irge,:deiner Nation oder Religio,: aufgefaßt werden. Oesterreich ist eir: Mikrokosmos in: Makrokosmos; seine Staatsidee ist die Synthese zwischen Nation ersten Male," so führt er a:rs, „wird sich jetzt die ganze Geschichte einer der größten nationaler: Kulturstätten vor unseren Augen entrollen. Von den Uranfängen des Königreiches bis zu seinen: Verfall urrd Ende unter dem letzten seiner eingeborenen Herrscher, von den Zeiten Menas, urn 4700 v. Ehr., bis zu Nekt-hor-heb, um 870 v. Ehr. sind nun die Denkmäler und Marksteine einer gewaltigen Entwicklung freigelegt, von denen die Zukunft ihre Geschichte so ablesen wird, wie wir sie der Reihe nach wieder ans Licht gehoben haben. Bis tief in die Gründe der Erde urußte man herabsteigen, un: die ältesten Tempelruinen aufzufinden. Zu Abydos, auf dieser uralt heiligen Stätte, der erster: Hauptstadt Aegyptens, ist ein Tempel auf der: anderen getürmt worden. Auf den Trüinrneru des einen nach wenigen Jahrhunderten zerstörten Baus erhob sich ein anderer, und so liegen in einzelnen Schichter: die Schätze der Jahrtausende aufgehäuft, ir: irruner dunkleren Tiefer: irruner ältere Herrlichkeiten offenbarend." Die frühesten Ternpel bestanden aus Schlammziegeln. Stein erscheint zuerst an den Toren des vierter, TernPels aus der sechster: Dynastie um 8400 v. Ehr. Mauern mit Steinskulpturen finden sich bei der elften Dynastie, und Mauern ganz von Stein treten uns in der zwölfter: Dynastie um 2700 v. Ehr. entgegen, und daun in den späteren Tenrpeln, die geringeres Interesse besitzen, da sie nur bereits bekannte Kulturstadien neu beleuchten. In der mittleren Schicht der zweiten Dynastie (4300 v. Ehr.) wurde eine Stelle freigelegt, die zu und M e r: s ch h e i t. O e st e r r e i ch bilde t eine G er: os s e r: s ch aft uitb eine Heimstätte aller der Völkert r ü m m e r, die heimatlos rv ä r e::, w e r: n O e st e r r e i ch r: i ch t b e st ü n d e. Das ist die weltgeschichtliche Bedeutung des vor: aller: alter: Parteier: Oesterreichs unverstandenen österreichischer: Problems. Ar: der Lösung dieses Problems nürsserr in: Gegensatze zur assimilatorischer: Politik der Vergangenheit die Juden als Volk in: Sirrne des modernen Nationalismus dahin mitrvirken, daß aus dem alter: Oesterreich hadernder Völker (derer: Nationalitätenkämpfe vielfach auf dein Rücken der Juden ausgekämpft werden und immer in der: Antisemitismus münden) eir: neues Oesterreich entstehe, eine Heimstätte gleichberechtigter politisch und wirtschaftlich freier Nationalitätei: Das Festhalten an den: modern en ö sterrei ch isch er: Reichsgedanken, an der nationalen, refigiÖfeu und sozialer: G l e i ch li er e ch t i g u n g aller Staatsbürger, i st das e i r: z i g mögliche P r o g r a rr: rn für die ö st e r r e ich i s ch e n Juden bei den: sich stets steigernder: parlamentarischer: Chaos dies- und jenseits der Leitha. Eine jur:gjüdische Politik in Oesterreich kann (abgesehen vor: dem Streber: nach einer H eimst ät t e) nur eine j u rr g österreichische, s o z i a l ö st e r r e i ch is ch e sein. Die Voraussetzung aber jeder zielbewußten und erfolgverheißender: Politik ist die Regeneration unseres Volkes, die Herbeiführung einer wirklichen, derzeit oft vor: der: Antisemiterr behaupteter:, aber faktisch nicht vorharrdenen Solidarität, eine wahre und echte Volksorganisation. Die großer: Master: aber werden sich keiner Organisatior: anschließen, welche nicht als oberstes Ziel ihre materielle Wohlfahrt im Auge behält. Diese bildet die Voraussetzung einer nationalen Kultur und einer großangelegten nationaler: Arbeit. Wern: aber innerhalb des jüdischen Volkes taufcube, jüdische Proletarier nicht nur k e i n g e n ü g e n d e s Ar d e i ts e i r: ko m m e n besitzen, sonder,: mit dem doppelten F l u ch e als Pro l etarier und Jude belader: arbeitslos sind, wenn ferner der jüdische Mittelstand, der Handwerker und Kaufmann sich ir: einer Lage befindet, die der des jüdischen Proletariers vielfach ähnelt, der jüdische Lehrer ur:d Beamte immer schwerer eine Stellung erlangen kann und selbst im Besitze derselben, wie ein großer Teil der übrigen jüdischen geistiger: Arbeiter, unter dem doppelten Drucke der wirtschaftlichen Not und des antisemitischer: Boykotts einen schweren Kampf ums Dasein führen muß, darm ist es das oberste einer engen Kammer führte, ir: der Hunderte mehr oder weniger stark beschädigter kleiner Gegenstände aufgefunden wurden. Es erweckte den Anschein, als ob in dieses schmutzige Loch alte und mißachtete Gegerrständc hineingeworfen worden seien, die als Produkte der ersten Dynastie in Anspruch genommen werden können. Dort fand Flieders Petrie kostbare Beispiele von glasierten: und Elfenbeinarbeiten, die eine ganz ausgezeichnete, früheste Kunst anzeigen; er beschreibt es, wie er aus Krusten von Schmutz und Staub kostbare Figuren herausschälte. Gestalten von Menschen, Löwen, Bären, ein großer Affe kamen zum Vorschein. „Plötzlich erschien aus dein Durrst von Staub und Trümmern hervorleuchtend eir: prachtvolles Profil und dam: erwachte aus feinem sechstausendjährigen Schlaf eine der herrlichsten Porträtfiguren, die man je geseher: hat. Eine außerordentliche Feinheit in: Ausdrucke verleiht den: Gesicht eine zitternde Lebendigkeit. Ein alter Körrig ist eS, der da vor uns steht; die Krone Ober-Aegyptens ruht auf seinen: Haupte, von seiner schwerer:, reich gestickten Robe umhüllt, noch rüstig, doch schon gebeugt unter der Last der Jahre, in den scharf rnarkierterr Züger: Herrscherwürde und Staatsklugheit, bietet er sich uns dar, völlig lvie er in: Leber: gelveser: sein muß, dieser uralte Herrscher. So ist dieses älteste Königsbildnis der Welt zugleich ein Beweis für die schlichte Naturwahrheit ur:d die scharfe Chara'kterisierungskraft ältester ägyptischer Kunst." Dieselbe feine Beobachtung der Bewegungen bei Menschen und Tieren verraten Gebot einer nroderiren jüdischer: Politik, national-sozial zu sein. Wohl ist es richtig, daß die soziale Not sich nicht auf einer: einzelnen Staat, arrf einzelne Natiorren, Konfessionen oder Klasse,: erstreckt, und es daher die soziale Pflicht den Modernen aller Völker gebietet, in rv ir t s ch a f tl i ch e u Frager: zu kooperieren. Aber es gibt auch eir: spezifisch jüdisches Elend. Dieses zu beseitige:: respektive nach Tunlichkeit zu lirrderr: ist nationale Pflicht der Juden. Wern: schon die Lage des gesamten Proletariats aller Völker infolge niederer Arbeitslöhne urrd häufiger Arbeitslosigkeit eine äußerst traurige ist, die sich im Falle des Alters, der Krankheit und Invalidität noch verschlechtert, so ist speziell die Situation der jüdischer: Proletarier darurr: eine besor:ders beklagenswerte, weil für sie die Arbeitsgelegenheit e i r: e noch g e r i r: g e r e ist und' sie irr: Falle der Erwerbslosigkeit bei der: ungeregelten Zuständigkeitsverhältnissen ur:d bei der kapitalistischen Kultusgemeinder:politik direkt dem Hungertode preisgegeber: sind. Gewiß wäre es Pflicht der Gesellschaft und des Staates, nicht durch Scheir:reforn:er:, sondern durch eure großangelegte Sozialpolitik auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen. Aber das jüdische Proletariat kann n i ch t warten, bis die parlamentarischer: Parteier: Oesterrreichs mit Beiseitelassur:g der nationaler: und Rassenkämpfe an die seit Jahrzerüen versprochener: und noch immer nicht in Angriff genommenen sozialer: Reforrner: herarrtreten. Das jüdische Volk muß zur S e l b st h i l f e greifen, darnit nicht imnrer weitere Volkskreise physisch und geistig degenerieren. Der Arbeitslosigkeit des jüdischer: Proletariats muß nach Tunlichkeit dadurch gesteuert werden, .daß man in allen Orten der österreichischen Monarchie,, wo Jude,: in größerer Anzahl wohr:en, für alle physisch und geistig Arbeiterrder: Stellenvermittlur:gen errichtet. Hand in Hand damit muß eir: Ä r b e i t s l o s e n f o n d s gegründet werden. Selbstverständlich .ist.eine. Branchenorganisation unerläßlich. In Branchen, wo nur ein geringer Prozentsatz von Jude:: enthalten ist, ist es selbstverständlich, daß die jüdischen Proletarier sich der: b e st e h e n d e r: Gewerkschaften anschließen,' jedoch ist es für sie dringend geboten, alle Bestrebungen zu fördern, die auf die politische Neutralisierung der Gewerkschaften gerichtet sind. Dort, wo die jüdischen Proletarier in größerer Anzahl vorharrden sir:d und eigene Gewerkschaften bilden, wird nicht das geringst Hindernis obwalten, daß sie Hand in Hane . ——■—e—b auch die anderen Elfenbeinfigürchen. Auch die Technik steht bereits in der Zeit der ersten Dynastie auf hoher Stufe. Die vieler: Vasen und Schalen, die aus den allerhärtesten Materialien, aus Granit, Syenit, Porphyr, Bergkristall, Obsidian geschnitten sind, zeigen einer: Geschmack und eine Geschicklichkeit in Bearbeitung des Materials, die in den späteren Zeiter: nicht inehr erreicht wurden. Auch die Kunst des Glasierens ist bereits außerordentlich entwickelt. Teile einer kugelförmigen Vase, die in einen: sehr feinen grünen Ton gehalten sind, zeigen derr königlichen Habicht in einer purpurnen eingelegten Glasur; dieses Zeichen bedeutet, daß die Vase den: ältester: Herrscher der ersten Dynastie, den M-na, gehörte. Auch glasierte Ziegel rnit Inschriften, Ornamenten und Zeichnungen sind aufgefunden worder:, ebenso glasierte Figürchen von Männern, Frauen, Kindern. Gefangenen und Dienern, Pavianen, Vögeln und anderer: Tieren. In einer anderen Kärntner wurde auch eine Anzahl heiliger Figuren gefurrden, die wohl eber:falls vor: späterer: Ger:eratior:en dort aufbewahrt worden sein müsse!:, weil ihre Zivilisation sich gegen die Verehrung solcher Götzen bereits sträubte. Auch sie sind uralt, haben eine gewisse Aehnlichkeit :r:it den vor einigen Jahre:: von Flinders Petrie aufgefundenen Figuren von Hierakonopolis, und sind Wohl noch älter als die Negierung des M-rra, führen also schon in das Dunkel Prähistorischer Zeiten hinein. An: Prirnitivsten wirken die Gestalten einiger Papiane, die in ungefüger, doch charakteristischer Weise

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