Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433093--2934-2436845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Jüdisches Volksbiatt Nr. 16 Einladung erhalten habe, jedoch unter Hinweis auf ihre seinerzeitige ablehnende Haltung in dieser Angelegenheit dem verstorbenen Dr. H e r z l gegenüber wahrscheinlich von der Entsendung eines Delegierten zur besagten Konferenz Abstand nehmen werde. Der Bukowinaer Diftriktstag der bekanntlich bei seiner legten Tagung ohne die Tagesordnung erschöpft zu haben auseinanderging, dürfte gleich nach demPeßachfeste fortsetzungsiveise einberufen werden. Bei diesem Anlasse kommen bereits die jüngsten Beschlüsse zur Geltung, wonach der erste Delegierte eines jeden Percines Mitglied des vertrctcuen Vereines sein und in demselben Orte wohne müsse, wo der Verein seinen Sitz bat. In manchen Kreisen herrscht die Befürchtung, daß mit Rücksicht ans den Verlauf des letzten Distriktstages, seine Fortsetzung nicht werde genügeitd beschickt werden. Ties märe um so mehr zu bedauern, als gerade diese Zusammenkunft zum Anlaß genoinmen lrerbcn sollte, daß die Bukowinaer Zionisten sich zu gemeinsamer Arbeit .zusammentun sowohl für die allgemein zionistischen Zwecke als auch zum Zwecke der politischen Schultutg und politischen Förderung ihrer Stammesbrüder. Für beides ist der Boden günstig in der Bukowina, wenn unter ben Führern Eintracht herrscht. Dev Stanrslauer Diftriktstag wird Sonntag den 7. Mai inStanislan abgehalten werden. Arg der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: 1. Begrüßung. Wahl des Präsidiums. 2. Bericht über die Bewegung im Distrikte. Kassabericht. 3. Allgemeine Lage des Zionismus und die . verschiedenen Strömungen in demselben. 4. Wahl des Distriktskomitees. 5. Anträge und Interpellationen. Zu dieser Distriktst'onserenz haben Zutritt: a) je zwei Delegierte eines zum Distrikte gehörenden zionistischen Vereines; d) die Vertrauensmänner; c) die Mitglieder des südgalizischen Distriktskomitees. Die Anmeldung der Delegierten muß bis spätestens 4. Mai erfolgen. Spätere Anmeldungen werden nicht berücksichtigt. Zionistische Vereine welche der Distriktsorganisation beitreten wollen, um an den Beratungen des Distriktstages teilzunehmen, Haber: ihren Beitritt bis spätestens 25. April beim Distriktskomitee anzumelden. Korrespondenten. Der verwichene März gab den Juden in Lemberg Gelegenheit, sich eingehend mit öffentlichen Gemeindeangelegenheiten zu befassen. Die erste und Saunders ist. Schließlich sei noch erwähnt, daß die jüngste Tochter des verstorbenen Geheimen Kommerzienrates Jakob Landau, Fräulein Margarete Landau 1883 mit dem bayrischen Kammerjunker Dr. Heinrich v. Po s ch i n g e r, der seitdem als Bismark-Historiograf sich einen Namen gemacht hat, zum Traualtar schritt. Die Ehe wurde 1900 getrennt. Eine wundervolle Ausstellung seltener Bücher hat, wie aus London berichtet wird, Sir Robert Douglas in der „Kings Library" des Britischen Museums eingerichtet, die soeben für das Publikum geöffnet wird. Bände in Gold, Silber und Elfenbein prangen in den Kästen; einige der ältesten und seltensten Bibelmanuskripte sind ausgestellt. Unter den vielen reich dekorierten Werken ist eine sehr schöne hebräische Bibel von 1483 mit einer Leiste und dem Kommentar am Rande in aufgehöhten Goldbuchstaben. . An Luxusausgaben sind die buddhistischen Bücher bei weitem die schönsten in der Sammlung. Ein Exemplar von Buddhas erster Predigt, das aus Ceylon stammt, ist auf silbernen Palmblättern geschrieben. Dicht daneben findet sich eine heilige buddhistische Schrift, die auf 236 Palmblättern geschrieben ist und eingeschlossen ruht in einer reich geschnitzten Elfenbeinkapsel, auf der heilige Szenen dargestellt sind. Ein auf goldenen Palmblättern geschriebenes Werk aus dem vierten oder fünften Jahrhundert findet sich hier, aus Tibet sind kostbar illuminierte wichtigste Arbeit betraf die Neuwahl von 54 G e m e i u d e r ä t e n. Bon besonderer Wichtigkeit erscheint der Umstand, daß das Magistrats Präsidium nenzuwäblen ist. Die öffentliche Meinung christlicherscits hat diesem nunmehr abtretenden Präsidium so viel Verfängliches nachzusagen, daß sie einen eigenen Terminus teclmicus geprägt „Gospodarska magistraeka“ die städtische Mißwirtschaft, unter weichem man ein ganzes Schuldreg'ster dieser sauberen Gemeindeverwaltung subsumiert. Die Majorität der Gemeinderäte gruppiert sich aber zu einer Cl'gue auf der städtycheu Schießstätte „ Strzelnieu“, ihr gegenüber brfiadct sich jedoch eine ans mehreren Fraktionen bestehende Opposition. Es sei erwähnt, daß die m e i st e u jüdischen Kuttusräte mit d e ni P r ä si deuten H e r r u Dr. E ui i l Byk der S r r; e l n r c a p a r t e i ftrt ihrem Bestand omehören, während jene jüdischen Gemeinderäte, welche dem Kultusrate nicht angehöreu, oppvsinorell gesinnt sind. Bei der ni unserer Gemeinde herrschenden Indolenz, welche teils durch die Schwächung des politischen Vereines „Schomer Israel" künstlich herbergeführl, teile ourch den schlechten Geschäftsgang verursacht wird, tritt ein chaotischer Zustand gerade in jenen wichtigen Momenten ew, in denen das gemeinsame Wohl ans der Tagesordnung ist. Schließlich gibt es eure große Anzahl eingefleischter Pessimisten, welche behaupten, die polnische Wirtschaft bleibt stets Siegerin, ob in der Sparkasse, ob im Gemeinderatc — also schade uni die Muhe. Kein Wunder, wenn die Wahl gut genug war für einzelne Personen, welche in sich den Drang nach einem Gemeriideralstitel verspürten und daß Wablhyänen das Schlachtfeld vor dem Wahllokale behaupteten und Handel mit Stimmzetteln getrieben wurde. Dieses im allgemeinen. Zum besonderen übergehend, läßt sich nicht verschweigen, daß die jüdischen Stimmen in der öffentlichen Wcchlbewegnng eine bedeutende Rolle spielten. Der oppositionelle jüdische Gemeinderak Herr Dr. As chken a f c entwarf und formulierte das Programm der Oppositionellen und organisierte. Diese in allen Stadtteilen mit dem Rufe nach Abschaffung der „Gospodarska", Vereinfachung des Dienstes, „Weise O konomie", „Vermehrung von Schulen" rc. Unter sich bildeten sich andere Parteien, mit dem Programme des Allpolentums. Charakteristisch erscheint das Einschreiten der katholischen n a t r o n a l p o l n i s ch e n Parte i mit einem recht annehmbaren Programme, das auch jüdische achtbare Bürger in ihre W a h l l i st e a u f n i m in t. Von der Asemitenpartei wird auch ihre Konsequenz, keinen I u d e n in ihre Liste aufzunehmen, hervorgehoben. An der Spitze dieser Partei steht der k. k. Professor der Chirurgie Dr. R y d y g i e r. buddhistische Schriften und eine Anzahl berühmter Gebetsräder da. Das älteste Manuskript der Bibel, das aus der Mitte des neuten Jahrhunderts stammt, liegt neben den kostbaren Blättern des verlorenen hebräischen Bliches Ecclesiasticus, die im „Genizah", dem alten Bücherlager der jüdischen Synagoge zu Kairo, gefunden wurden. Hier ist auch das älteste samaritanische Manuskript, eine Liturgie aus dem Jahre 1258, und ein Koran aus dem achten Jahrhundert, der kurz llach dem Tode des Propheten in kufischer Schrift ausgezeichnet worden ist. Armenien hat den frühesten vollständigen Pentateuch zu der Ausstellung beigesteuert, das Manuskript der fünf Bücher Moses, das der Diakon Johann voll Amid im Jahre 464 geschrieben hat. Kinderopfer in Britisch-Ostafrika. Bemerkenswerte Mitteilungen über die Eingeborenenstänlme des Grenzgebietes von Britisch- Ostafrika und enthält ein soeben dem englischen Parlamente vorgelegter Bericht über eine Expedition, die das Grenzland zwischeir Britisch- Ostafrika und Abessinien zum Zweck einer genauen Feststellung der Grenzlinie aufzunehmen uild zu vermesseir hatte. Das Land wird von den Flüssen Ganale und Dana bewässert. Es war ein großes Landgebiet zu erforschen, lind dabei lernte die Expedition die verschiedeiren Stämme imb ihre charakteristischen Eigenschaften genau kennen. Das Gebiet wird von den Borall bevölkert, die vor der abessinischen Invasion südlich bis Wujjera die Noch etwas Neues trat unerwartet in die Erscheinung. Plötzlich traten die größeren K a u f l e u t e zur Gründung eines jüdischkaufmännischen Vereines zusammen und erschienen auch schon mit einem Wahlprogromm in der Oeffentlichkeit mit dem Verlangen eines Vertreters im Gemeindercit. Das ch r i st l i che kaufmännische W a h l k o m i t e e schloß sich ihm an und wurde ein Faktor, mit dem man rechnen muß, unter ihnen die jüdischen Schenker mrd Gastwirte, denen cs nicht gelang ihren Kandidalen dnrchzusetzen. Es sei noch das Verhalten der jüdischen Vorstands- und Kahalpartei erwähnt. Diese bcrief eine geschloffene Wähler Versammlung ein. Die Partei bestimmte wre immer auf Kommando. Auf diese Weise garantierten beide Vertragsleile den alten Sltzmbabern den Brsitz der Mandate. Diese Wahl bat so recht die Zerfahrenheit in unserer großen jüdischen Gemeinde veransct anlicht. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß der hiesige Magistrat vierzig Jahre und darüber judenrein bleibt, daß die Millionen, welche die hiesige jüdische Bürgerschaft au deu Magistrat und an das Land jahraus, jahrein leistet, in die pol nischen Taschen wandern. Indes hereüet sich im Schoße des Vereine „Schomer Israel" eine neue Richtung vor, an deren Durchführung noch gearbeitet wird, um seinerzeit vor die Oeffentlichkeit gebracht zu werden. Die Besetzung des Präsidiums der Handelskammer. welche für den jüdischen Kaufmann nicht gleichgültig fein kann, hat in den letzten Märztage» zufriedenstellende Erledigung gefunden. Nochmals fiel das Präsidium einem jüdischen Kandidaten in der Person des Herrn Samuel Edlen von H o r vw i tz zu. Der nunmehrige Handelskammerpräsident hebt sich von seinem anchjüdischen Vorgänger Piepes Pvratyusk vorteilhaft ab. Es dürste den geehrten Lesern nicht mimteressant sein, einiges über den neuen Handelskammerpräsidenten zu erfahren. Herr v. H v r o w i tz entstammt einer hervorragenden wohlhabenden Talmudgelehrtenfamilie, deren Stammbaum weit ins Mittelalter zurückreicht. Die Bedeutung dieser Leviteufamilie ist damit gekennzeichnet, daß deren männlichen Mitgliedern der Ehrenname „J'sch", „Mann", beigelegt wurde. Der Vater des Präsidenten Rabbi Jeschaja Leb H o r v w i tz, ein kenntnisreicher Talmudist streng konservativer Richtinkg, ließ seinem Sohne Samuel ein gediegenes, jüdisches und weltliches Wissen angedechen, daneben hinterließ er ihm auch ein recht ansehnliches Vermögen. Der Sohn folgte eine zeitlang den Fußtapfen seines Vaters und vertrat gegenüber der Fortschrittspartei die Konservativen, als deren Capo er sich ausgab. Er führte das Eskomptegeschäft seines Vaters fort, das er zu einer bedeutenden Höhe brachte. herrschende Macht waren. „Nach ihrer Körperbeschaffenheit," heißt es in dem Berichte, „sind sie eine schöne Nasse, aber was sie einst an Mut besessen haben mögen, ist gänzlich verschwunden. Sie tragen lange Speere mit Niesenklingen; ein grotesker Anblick in den Händen eines so feigen Volkes. Der Voran schmückt sich mit eitlem Halsband aus kleinen Perlen oder geflochtenen Giraffenschwanzhaaren; dann trägt er zahllose schwere Arinreifen aus Metall und Elfenbein. Diese Armreifen sollen die Anzahl der von ihm erlegten gefährlichen Tiere bedetlteil. Die Voran leben in Polygamie, wenn ihre Mittel es ihnen erlauben. Sie glauben an einen Geist, Wak, der ständig Sühneopfer verlangt. Ihm opfern sie daher ihre Kinder und ihr Vieh. Die Kinderopfer stehen in Verbindung mit der merkwürdigen Stammesinstitution der „Raba". Ein Voran von Stand wird durch seine Heirat ein „Naba"; und dieser muß vier bis acht Jahre nach der Heirat alle Kinder, die ihm in dieser Zeit geboren werden, „fortwerfen", damit Wak versöhnt wird. Nach dieser Zeit erst wird er ein „Gudda" und darf nun feilte Kinder behalten. Statistisches über die LeichenverVrennrmg. Aus Mainz wird uns geschrieben: Im Krematorium zu Mainz wurden im ersten Quartal d. I. 63 Leicherl e i n g c n s ch e r t, gegen 43 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Religion nach waren 34 evangelisch, 14 katholisch, 3 jüdisch rrnd 2 altkathvlisch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.