Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433092--2927-2436837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jüdisches Volksblatt Nr. 15 Mazzos Christenblut gebraucht werde, Glauben schenke! Pfui über diese Verleumdung! Der Rest der Mazzos dürste aber kaum bis zum Passahfeste ballen. Erstens fallen die ausgehungerten Russen über den Vorrat her und zweitens steht eine große Schlacht bevor, und die Juden fürchten, Peßach nicht mehr zu erleben und essen rasch die Mazzos zusammen. Eine Freud' hätte ich, wenn sie sich in ihrer Rechnung täuschten und Peßach ohne Mazzos stehen würden! Ihnen dasselbe wünschend, zeichne ich Ihr Don-Dek. Sinnsprüche großer Männer. Bei mir ist jedermann gleich, ob er Geld hat oder keines, die Hauptsache ist, daß ich eines habe. Dr. Moriz Güdemann. * $ * . . . Und gibst du nicht willig, so schrei ich Gewalt. Dr. Josef Samuel Bloch. * * * Die Herrschsucht eines Menschen steht im umgekehrten Verhältnisse zu seiner Größe. * * * Zeiget mir einen Menschen, der nicht Autokrat sein wollte, wenn er eine Masse fände, die sich von ihm beherrschen ließe. Dr. Alfred Stern. * * * Die schönsten Pläne und der geistreichste Aufbau bringen einem die politischen Gegner nicht näher, denn es finden sich immer Leute, die bessere Pläne entwerfen und dem Baue den Dachstuhl abtragen. , Architekt Oskar Marmore k. Nur nicht öffentlich! Nur nicht öffentlich! (Im Klub der Chillul-Hasemiten in Seitenftetten. Nicht allzugroßer Saal. An den Wanden hängt eine Kollektion Bilder: „Ausgestorbene Judenstämme". Fenster und Türen fest geschlossen, die Fenster außerdem verhängt, nur ein Fenster weist eine kleine Lücke auf, so klein, daß sie kaum bemerkt wird. Im Saal ist's zum Ersticken. Um den langen Tisch sitzt eine Anzahl Chillul-Hasemiten, die immer ängstlich nach Tür und Fenster blicken, ob sie nicht gesehen werden.) Dr. Al. Fregolino, der berühmte Verwandlungskünstler, präsidiert: Ich habe mich schwer entschlossen, Sie wieder einmal zu einer Beratung einzuladen, denn ich habe immer Angst, daß etwas dabei herauskommen könnte. Aber ich habe Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen. Bevor ich dies tue, müssen Sie mir schwören, daß Sie kein Wort über diese Versammlung verlauten lassen, denn sonst ist das Judentum verloren. (Er preßt sich eine Träne aus den: linken Auge. Nach einigem Zögern::) Soll ich mich wirklich trauen, Ihnen diese wichtige Angelegenheit anzuvertrauen? Schwören Sie, daß Sie Diskretion halten werden?! Theodor Ritter von Kursenr eit er: Halt! Ich sehe ein kleines Loch im Fenster, das nicht verhängt ist, und drüben iw anderen Hause ein Stubenmädchen stehen, das uns beobachtet. Ich muß darauf bestehen, daß auch dieses Loch verstopft werde. Dr. Al. F r e g o l i n o: Dieses kleine Fensterloch muß leider unverhängt bleiben. Es bildet einen Punkt des Paktes zwischen mir und dem Kollegen Architekten Oskar Marm o r p l a t t, der sich mit dieser kleinen Oeffnung das Gewissen beruhigen wollte. (Oskar Marmorplatt verbeugt sich zweimal.) Nun möchte ich Sie doch bitten, mich anzuhören; wollen Sie schwören? Alle: Wir schwören! Dr. Al. F r e g o l i n o: Nicht so laut, das Stubenmädel da drüben könnt's wirklich hören! (Im Flüsterton:) Ich bitte, näherzurücken, oder noch besser wäre es, Sie kämen einer nach dem anderen zu mir, und ich flüstere Ihnen die wichtige Mitteilung ins Ohr. (In diesem Augenblick öffnet sich eine Hintertür, die man zu schließen vergaß. Alles springt entsetzt auf.) Alle (auf einmal): Verrat! (In der Tür erscheint eine rotgri'me Masse, an ihr hängt ein kleines Männchen mit einem Kaktusblatt in der Hand. Als die Versammlung die Gestalt erblickt, atmet sie erleichtert auf.) Alle. Ah, das ist ja unser Josef Samuel Edler von Pauschalien, der muß ja Maul halten. Dr. Al. Fregolino (im Flüstertöne). Nun will ich Ihnen endlich die wichtige Mitteilung machen! Wir haben den Abort im Matrikelamte, der in einem geradezu sanitatswidrigen Zustande sich befand, nach mehreren Beratungen im Vertreterkollegium reparieren lassen. Alle. Ah! Dr. A l. F r e g o l i- '' ■ - ich die wichtige Sitzung und bitte Sie nochmals, nichts zu verraten. Oskar Marmorplatt (im Weggehen). Ich hätte nie geglaubt, daß es sich mit den Chillul-Hasemiten so gut arbeiten läßt. (In der nächsten Nummer des „Moniteurs der Chillul-Hasemiten" erscheint darin folgende Notiz: „Der Vorstand hat in treuer Verfolgung seines Reformprogrammes in seiner jüngsten Sitzung sehr wichtige sanitärsoziale Beschlüsse gefaßt.") Schmon-Zes. Gedanken des Rabbi Chajim Anekdotenschatz. Die Deutschfreisinnigen wollen Wien „wieder erobern". Da fällt mir mein Kollege auf der Jeschibah, Harschl T y r n a u, ein. Einmal gingen wir verstohlen ins Theater. Auf dem Heimwege seufzt Freund Harschl so laut, daß ich ihn fragte, was er habe. „Weißt du, Freund, die Primadonna geht mir nicht aus dem Sinn, ich möcht' sie wieder einmal küssen ..." — „Hast du sie denn schon einmal geküßt?" frage ich verwundert. — „Nein," antwortete Harschl mit tieftraurigem Seufzer, „aber gemocht Hab"' ich schon einmal." * * * Die sozialdemokratischen Führer machen ihren Genossen Vorwürfe, weil sie sich in St. Pölten mit den Christlichsozialen alliiert haben, ebenso umgekehrt die Christlichsozialen. Da fällt mir mein gottseliger Schwager Nathan R i e s e l b a ch ein, der eine Frau sein eigen nannte, die wegen ihrer Häßlichkeit zu einer traurigen Berühmtheit gelangte. Eines Tages kam Frau Salt R i e s e lbach von: Korso nach Hause und klagt ihrem Manne, daß sie ein schmucker, junger Offizier bis zur Wohnung verfolgt habe. Nathan wirft verstohlen einen Blick auf seine Frau und ruft: „Sali, Sali, ich glaube, du beklag st dich nicht, sondern du brüstest di ch!" Aus Alt-Neu-Kalau. A. : Weißt du, wie die jüdische Abfallsbewegung genannt wird? B. :??? A.: Los von A w r o m! * * * A.: Wie gefällt dir jetzt die „Welt"? V.: Seit einiger Zeit ist sie unter der K a h n o n e. * * * A. : Bist du fürPalästi n a oder für ein Territorium? B. : Ich bin für Beides. A. : Wie und wieso? B. : Ich bin für ein T e r r i t o r i u m i n P a l ä st i n a und wofür bist du? A. : Ich war bis jetzt für Uganda. B. : Und weshalb nicht mehr? A.: Weil ich gesehen habe, daß die Eingeborenen dem Dr. Wilbuschowitsch nicht einmal ein Nachtasyl gewähren wollten, und ihn so lange verfolgten bis er nach P a - l ä st i n a kam. Man schreibt uns: Auf einer kleinen galizischen Bahnstation gehen zwei Herren auf den: Perron auf und ab und mustern einander mit wütenden Blicken. Endlich entsteht zwischen beiden folgendes immer lauter werdende Gespräch: „Diesmal sind Sie mir entschlüpft!" — „O nein, diesmal habe ich Sie rechtzeitig erwischt!" „Ihr Glück ish daß das Mädchen tot ist." — „Natürlich, sonst hätten Sie es gezwungen ..." In diesem Augenblicke tritt der diensthabende Gendarm, der in den Streitenden eine entzweite Verbrechergcsellschaft witterte und sie nicht aus dem Auge ließ, dazwischen und forderte beide zur Ausweisleistung auf. „Siegfried Fleischer, Sekretär der „Israelitischen Union", stellte sich der eine vor. „Mein Name ist Hans A r n o l d, Reisender in Ritualmordmärchen," sagte der andere. * * * Ein bekannter jüdischer Dichter trifft in einem Kurort einen seiner Bewunderer. „Wie geht es Ihnen?" fragt dieser den gottbegnadeten Musensohn. „Schlecht, mein Lieber, die Welt ist undankbar; sehen Sie, ich bin nicht einmal in der Lage, meine kleine Revue über Wasser zu halten." „Und dennoch würde mancher Millionär mit Ihnen tauschen," beruhigte der Enthusiast. Nach einer Weile begann der Dichter wieder: „Sagen Sie mal, lieber Freund, kennen Sie so einen Millionär .... mit mir läßt sich reden." * * ★ Die Bewohner eines Hotels an der Riviera, zumeist Vudapester Juden, wurden eines Morgens durch eine Sensation überrascht. Die Kurliste wies einen neuen Namen auf: „B. Fürst von K." samt Familie war in demselben Hotel abgestiegen. Die Juden fühlten sich nicht wenig geschmeichelt, telegraphierten die Nachricht an ihre „guten" Freunde und rüsteten sich zum würdigen Empfange des hohen Gastes, falls er zur Table d'hote erscheinen sollte. Als jedoch der Fürst sich einige Tage nicht blicken ließ, wandte sich eines eines Mittags einer der Kurgäste an den Hoteldirektor: „Geht denn Seine Durchlaucht nie aus?" — „O ja," antwortete der Direktor, „er sitzt soeben im Lesezimmer." Von Neugierde getrieben, bat der Kurgast den Direktor, ihm Seine Durchlaucht zu zeigen. Als sie ins Lesezimmer kamen, wies der Direktor auf einen älteren Herrn, es war der frisch geadelte Schnittwarenfabrikant Berthold F ü r st de K i r a l p h e l m e c z. Geizhalslogik. Herr Feiwelberg (zu einen: Schnorrer): Ich gebe nichts, denn ich habe arme Verwandte, die auf mich angewiesen sind. Der Schnorrer: Aber entschuldigen Sie, Herr Feiwelberg, die ganze Welt weiß, daß Sie ihren Verwandten noch keinen Groschen gegeben haben. Herr Feiwelberg: Na also, wie kannst du vor mir verlangen, daß ich dich vor meinen Verwandten bevorzuge?! Druckfehler? In dem Prozesse der Wiener Kultusgemeinde gegen Herrn F. v. M. wegen Verweigerung der Kultussteuerleistung kam ein Ausgleich zustande, indem Herr F. v. M. sich von seiner Zahlungspflicht einfür allemal losgetauft hat . . . Berichtigung. Geehrte Redaktion! Ich ersuche um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist nicht wahr, daß der Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d zum Ehrenmitgliede des „Vereines zum Schutze geistigen Eigentums" gewählt wurde, wahr ist vielmehr, daß der Vorstand dieses Vereines sich mit der Absicht trägt, Herrn Rabbiner Dr. Elieser David durch eine besondere Ehrung auszuzeichnen und zwar mit der Begründung, )aß Herr Dr. David es meisterhaft verstehe, ein geistiges Eigentum so zu gestalten, daß es sogar dem geistigen Kleptomanen nicht einfällt, sich dieses geistige Eigentum anzueignen. Mit Achtung Dr. I. S. B. Richtiger. Kettaar me «üchften Nummer: „Wissenschaft, Kunst und Literatur".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.