Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Jüdisches Volksblatt Seite 5 fette Krippe der Opposition wollten sie sich gewahrt wissen. Daß ich diese Mitteilung der Versammlung machte, hat mir das „Vergnügen" verschafft, von Dr. Diamant im „Jüdischen Volksblatt" in seinem Artikel be—sprachen zu werden. Er mißbraucht hierbei die Unkenntnis der Sachlage seitens der auswärtigen Leser und versucht den Anschein zu erwecken, als ob cs gerade ihm darum zu tun wäre, durch Ausscheidung der „jugendlichen" Elemente einen Wink zur Besserung der desolaten Zustände gegeben zu haben. Als ich aber bei der Durchberatung des Statuts des Distriktskomitees den Antrag stellte, daß zur Distriktsversammlung nur Delegierte entsendet werden, die im Orte des betreffenden Vereines ansässig sind und ein Jahr hindurch dem Verein a n g e h ö r t haben, bekämpfte Dr. Diamant diesen Antrag, der auch nur modifiziert angenommen werden konnte, weil eben die Studentengruppe, die Dr. Diamant kommandierte, so stark vertreten und ein Teil der Delegierten bereits abgereist war. Dr. Diamant vereitelte so die Möglichkeit, daß bei einem Distriktstage das studentische Element weniger vertreten sei und eine Sachlichkeit der Debatten erzielt werden könne. Die im „Jüdischen Volksblatt" erhobenen diesbezüglichen Anwürfe richten sich also gegen Dr. Diamant selbst. Ich habe ferner den Großgrundbesitzer Sigmund W e i ß g l a s bewogen, das Präsidium im Distriktskomitee nicht mehr zu übernehmen. Das bestätige ich. Am Vormittag hatten die Wortführer der „Zephirah" gegen die Leitung des Distriktskomitees die maßlosesten Anwürfe gerichtet, ja sogar sich so weit verstiegen, zu erklären, daß „der Zionismus in: Lande durch das Distriktskomitee d i s k r e d it i c r t wurde"! Am Abend wird derselbe Obmann unter Beifall e inst i m m i g w i e d e r g e w ä h l t. ' Dieselben Herren, die die obigen Anwürfe erhoben hatten, wählten ihn wieder, ja, Herr Dr. Diamant schreibt in seinem Artikel: „Nun war es glücklich gelungen, Herrn Weißglas dazu zu bestimmen, die Obmannschaft beizubehalten —". Am Vormittage zuvor hieß es, deb Zionismus sei" durch ihn diskreditiert worden... Als ich den Vorschlag machte, die jungen Herren, die stets opponieren und demonstrieren — Dr. Diamant und sein Anhang versuchten auch unter Gejohle einen Exodus zu veranstalten, weil der Nadautzer Vertreter sie angeblich beleidigt hatte — statt dessen selbst das Distriktskomitee übernehmen und leiten sollten, wurde Dr. Diamant ganz konfus. Und dies scheint er sich beim Verfertigen seines Artikels geblieben zu sein. Der „Zephiraner" Dr. Diamant schreibt, ich hätte versucht, „das neue Distriktskomitee auf diese Weise 3lt diskreditieren und um d 1 e Autorität zu bringen, daß er (meine Wenigkeit) den Vorschlag machte, der Obmann des A. H. der „Zephirah" möge . Distriktsobmann werden und das ganze übrige Distriktskomitee sich ausschließlich aus „Zephiranern" zllsammensetzen ..." Die „Zephirah" wird sich gewiß dafür schönstens bedanken, den Vorschlag der Wahl ihrer Mitglieder als ein Diskreditieren des Komitees ausgelegt zu finden. Dies getan zu haben, ist unbestrittenes Verdienst des Dr. Diamant, der in so geschickter Weise seiner Verbindung einen Gefallen erweisen wollte. Soll ich mit diesem Herrn noch weiter die Leser belästigen? C z e r n 0 w i tz, 2. April 1906. Salomon Kaßner. II. Verehrliche Redaktion! Herr Dr. Diamant hat in der letzten Nummer des „Jüdischen Volksblatt" in einem die Tatsachen völlig entstellenden Bericht über den Bukowinaer Distriktstag eine Reihe von Anwürfen erhoben und hierbei auch Infektionen gegen die beiden zionistischen Kultusräte gerichtet. Ich bekenne mich als einer dieser zionistischen Kultusräte und ersuche zur Informierung der Leser um Aufnahme folgender Richtigstellung: Es ist unwahr, daß der Erlaß der Landesregierung auf Ausweisung der russischen Emigranten von den zionistischen Kultusräten verteidigt wurde. Die Vertrauensmännerversammlung in der Kultusgemeinde war sich darüber einig, daß entsprechende Schritte zur Behebung der Härte dieses Erlasses unternommen werden müssen. Mit scharfen Protestresolutionen nach dem Geschmacke des noch sehr jugendlichen und stürmischen Herrn Dr. Diamant — der übrigens an der Versammlung in der Kultusgemeinde überhaupt nicht teilnahm — wäre der Sache nicht gedient. Wenn in der Kultusgemeinde darüber gesprochen wurde, daß die einheimische jüdische arme Bevölkerung, die durch den Zuzug rumänischer und russischer Juden arg geschädigt ist, nicht unbeachtet gelassen werden möge und die Hilfsaktion derart erfolgen müsse, daß nicht eine Ueberflutung des hiesigen Arbeitsmarktes eintrete, wo lag hier eine Verteidigung des Erlasses vor? Tatsächlich haben auch die einstimmig in der Versammlung gefaßten Beschlüsse den Erfolg für sich, daß nach Intervention beim Landespräsidenten die Hilfsaktion flott vonstatten geht. Das seit sechs Monaten hier bestehende Hilfskomitee (die akademische Verbindung „Hasmonäa" und Stadtbaumeister Papst) wurde erweitert und Geldsammlungen eingeleitet, 'die der Oberrabbiner Dr. Nosenfeld und Kultusräte übernommen haben und auch durchführen. Alle die Entstellungen des Dr. Diamant aber sind nichts anderes als Pflanzmacherei eines kaum der Studentenzeit entrückten jungen Mannes, der es sich zum Metier gemacht hat, mit halbwüchsigen Jungen in jeder zionistischen Versammlung die Arbeit zu stören und Gezanke hineinzubringen. Ich habe als ehemaliger Obmann des hiesigen Zionvereines es mit Schmerz zusehen müssen, wie dieser Mann jede Tätigkeit lahmlegte, indem er mit seiner Verbindung stets einen Radaustandpunkt einnahm — so auch am Delegiertentage — und hierbei ernsten Männern die Mitarbeit verekelte. Dem „Jüdischen Völksblatt" sind unsere Ortsverhältnisse unbekannt. Es hätte sonst gewiß nicht dem Diamant so bereitwillig für seine Auslassungen Raum gewährt. Wenn ich eine Richtigstellung einsende, geschieht dies bloß für dieauswärtigen Gesinnungsgenossen. An die Redaktion des „Jüd. Volksbl." aber appelliere ich im Interesse des Zionismus und unserer einheimischen Judenschaft, Publikationen des- Dr. Diamant künftighin eine größere Beachtung bei der Korrektur zu schenken, wenn nicht auch den wenigen Nationaljuden hier jede Arbeit verleidet werden Wir haben es hier satt, von Grünschnäbeln, denen jedes Verantwortungsgefühl abgeht, die Jüdischnationalen der Bukowina vertreten zu sehen. Herr Dr. Diamant hetzt seit seiner Hochschulzeit her die Studentenverbindungen gegeneinander, dort , möge er sich weiter betätigen. Ernsten Männern, die für ernste Arbeit da sind, bleibe er vom Leibe. ' S. Wagschal, Kultusrat. t (Wir lassen in unserem Blatte gerne jede Meinung zu Worte kommen, doch sollen persönliche Angriffe stets vermieden werden, insofern sie nicht im Interesse der Allgemeinheit geschehen. Wir hoffen, daß der Czernowitzer Hausstreit der Zionisten mit diesen Erwiderungen erledigt erscheint, Anm. d. Red.) Aus Kroatien. Zagreb-Agram, 27. März. Der Zionismus beginnt bei uns allmählich kräftig Wurzel zu fassen und wenn man jüdischerseits die Bewegung bisher belächelte, nimmt man sie nun bereits ernst —- um sie freilich um so heftiger zu bekämpfen. Als erfreuliches Zeichen für das Erstarken des jüdischen Volksbewußtseins muß die Gründung eines Klubs jüdischer Hochschüler betrachtet werden, der namentlich mit der Gruppe der fortschrittlichen Studenten gute Beziehungen unterhält und dessen Mitglieder bei jeder Gelegenheit in entsprechender Weise den nationalen Kampf der Kroaten nach Maßgabe ihrer bescheidenen Kräfte zu fördern bestrebt sind. Der Klub veranstaltete vor einigen Tagen' eine Purimfeier, die sehr animiert verlief und auch von Kroaten sehr gut besucht war. Es war der Präsident der fortschrittlichen kroatischen Studentenschaft Miskulin als Vertreter seiner Gruppe erschienen und ebenso einer der hervorragendsten kroatischen Schriftsteller, der Romancier Laver Sandor Gjalski, der in einer glänzenden Rede sich auf die Seite der offen ihr Volkstum bekennenden Juden stellte. Man sieht daraus, daß hier in den Kreisen der modernen Intellektuellen den nationaljüdischen Bestrebungen Verständnis entgegengebracht wird. Betonte doch im vorigen Jahre bei einem anläßlich des Zionistenkoiigresses in Osiek stattgefundenen Kommers der Führer der kroatischen Realistenpartei Dr. Ivan Larkoviö, als Kroate müsse er die Bestrebungen der Zionisten auf das innigste begrüßen, denn nur die ebenfalls um ihr Volkstum kämpfenden Juden würden auch den Kampf der Kroaten um ihre nationale Freiheit richtig einzuschätzen wissen. Während so die modernen fortschrittlichen Oppositionellen den Zionisten freundlich gegenüberstehen, tun das Gleiche nicht auch die seit dem Amtsantritt des Banus Grafen Pejacsevich verklerikalisiertenNegierungskreise. Dies fand auch anläßlich der jüngsten Purimfeier Ausdruck. Denn während sonst bei studentischen Veranstaltungen die Universitätsprofessoren nicht zu fehlen pflegen, war dieses Mal kein einziger von den der Regierungspartei angehörenden Herren erschienen. Einer von ihnen erklärte, wie der gewöhnlich gut informierte „Nooi list" berichtet, er habe aus den Statuten entnommen, daß der Klub zionistische Tendenzen verfolge, was die Professoren veranlagte, sich von der Feier zu absentieren. Man glaubt infolge dessen schließen zu dürfen, daß die Regierung die Statuten nicht bestätigen werde. Das wäre ein eklatanter Beweis für die klerikale Unduldsamkeit der Regierung des Grafen Pejacsevich und würde nur zeigen, daß den Juden nicht mit demselben Maße gemessen wird wie den anderen. Die serbischen Studenten haben nämlich bereits seit Jahren einen besonderen serbischen akademischen Klub, was nur in Ordnung ist. Dasselbe Recht müssen aber auch die Juden für sich in Anspruch nehmen dürfen. Freilich ist der Vizebanus, der klügste Kopf bei der Negierung, nicht ein Jude, sondern ein Serbe. Agram, 2. April. Was befürchtet wurde, ist nun erfolgt: Die Statuten des Klubs jüdischer Akademiker wurden von der Regierung nicht genehmigt wegen ihrer nationaljüdischen Tendenz. Der Klub wird nun andere Statuten ausarbeiten. Hoffentlich wird er sich durch die Handlungsweise der reaktionären Regierung nicht einschüchtern lassen. Es kann den Juden auch in Kroatien nicht verwehrt werden, sich national zu organisieren und dies um so weniger, als gerade die kroatischen Zionisten bisher immer bewiesen haben, daß sie trotz Betonung ihres jüdischen Volkstums für die kroatischen Bestrebungen das beste Empftnden hatten und sich stets an die Seite jener stellten, die für die Befreiung des kroatischen Volkes aus politischer und wirtschaftlicher Not kämpften. Bezeichnend aber ist, daß die kroatische Regierung mit ihrer Verfolgung nationaljüdischer Tendenzen offenbar einem von Budapest aus gegebenen Wink folgt, denn auch die ungarische Regierung genehmigt schon seit Jahren zionistische Statuten nicht. Wie mißtrauisch man aber von Budapest aus kommenden „Anregungen" gegenüber in Kroatien sein muß, bedarf keiner besonderen Betonung. Wir sehen denn auch gerade die Juden, die den Einflüssen der Regierungskreise > unterworfen sind, am heftigsten gegen den Zionismus wettern. Wie wenig diese maayaronischen Herrschaften das kroatische Volk kennen, weil sie für Nationalempfinden überhaupt nichts übrig haben, erhellt aus dem Ausrufe, den eine jüdische Regierungssäule ausstieß, als eine Trauerfeier für Herzl veranstaltet wurde: „Um Gottes willen, man wird uns die Häuser anzünden!" --