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Jüdisches Volksblatt · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Volksblatt Nr. 14 „BneiZion" geleistet. Die Arierin Miß Gordou hielt hier eine lange Rede, in welcher sie aus verschiedenen Stellen in Jesaias und anderen biblischen Schriften klipp und klar den „Nachweis erbrachte", daß Uganda uns schon in der Bibel prophezeit erscheint und unfer Weg nach Palästina nur über Uganda, dem modernen „Goschen", führen kann. In derselben Versammlung verurteilteMr. Greende rg die Indiskretion eines Mitgliedes der Ugandaexpedition, das der .Daily Mail" das bekannte Telegramm über die Erfolge der Expedition zukommen ließ. Mr. Green berg erklärte, daß die Mitglieder der Expedition gut honoriert wurden und nicht berechtigt waren, ihre Ansicht über die Ergebnisse der Expedition irgend jemandem zu verraten, bevor sie hiervon ihren Auftraggebern, d. h. dem zionistischen Aktionskomitee, ihr Referat erstattet haben. Das Ugandaprojekt wird, wenn man beit verschiedenen durchsickernden Berichten Glauben schenken darf, als undurchführbar fallen gelassen werden. Die jüngste Nachricht hierüber veröffentlichte vor einigen Tagen der Warschauer „Hazofeh" auf Grund eines Briefes, welchen das Mitglied der Expedition Dr. Wilbuschowitsch an seinen Bruder schrieb. Demnach wäre das am Ufer des Meeres gelegene Landgebiet ein wahres Paradies. Dies wolle aber die englische Regierung den Juden im ch t überlassen. Das eigentliche, ben Juden angebotene Ugandagebiet hingegen sei eher geeignet als Strafkolonie für Verbrecher, als zur Niederlassung von freien Menschen zu dienen. Am Tage sei die Hitze, in der Nacht die Kälte fast unerträglich. Die Expedition wurde von Eingeborenen überfallen und verfolgt. Dr. Wilbuschowitsch floh und irrte auf Abwegen fünf Tage und fünf Nächte ohne Nahrung und entkam nur mit knapper Not dem Tode. Nach fünf Tagen trat er mit den übrigen Mitgliedern der Expedition zusammen. Dr. Wilbuschowitsch liegt jetzt krank in Jaffa (Palästina), während die übrigen Mitglieder nach ihrem Wohnorte zurückkehrten. KorrespondenM. Brunner Brief. Brünn, 2. April. Im Vordergründe der Diskussion steht in jüdischen Kreisen Brünns jetzt der Bau des Tempels. Im Gemeindevorstand wurde nach langem Zögern zu der Frage Stellung genommen. Der Bau des Tempels soll nach dem Projekt des Architekten Fleischer 160 000 Kronen kosten. 300 Männer- und 250 Frauensitze sollen errichtet werden. Leider wurde die Frage nicht eingehend genug studiert und in einer einzigen Sitzung der Bau beschlossen. Die Meinungen über den gefaßten Beschluß sind geteilt und von den Gegnern des Projektes wird betont, daß, wenn jetzt ein so kleiner Tempel gebaut wird, schon nach wenigen Jahren die Frage eines neuen Tempelbaues wieder akut werden wird. Man saßt die Art, wie der Gemeindevorstand die Frage löste, als eine Halbheit auf. Recht interessant gestaltete sich auch die Generalversammlung des mährisch-jüdischen Landesmassafonds. Vierzig Kultusgemeinden waren durch Delegierte vertreten. Die Versammlung wurde im Galopp abgewickelt und der Vorsitzende, Regierungsrat Dr. Spitzer, mahnte nervös, sich zu beeilen. Aus dem Berichte der Versicherung ist zu entnehmen, daß 34 Gemeinden mit 91 Bediensteten derVersicherung beigetreten sind. Die Angestellten des Landesmassafonds wurden definitiv ausgenommen und der Versicherung der anderen Kultusbediensteten eingereiht. Delegierter Pollenz ist für die Reduzierung der Personalunterstützungen von 14 000 aus 10 000 Kronen. Nach längerer Debatte zieht der Antragsteller seinen Antrag zurück. Ein Gesuch des Dr. Jung um Subventionierung des Ung.-Broder Gymnasiums wird gegen den Willen des Kuratoriums abgelehnt. Dr. H a m l i s ch beantragt die Gründung einer Volksvorschußkassc für jüdische Kaufleute und Kleingewerbetreibende. Dieser Antrag wird von sämtlichen Delegierten auf das lebhafteste begrüßt. Der Vorsitzende gibt die Erklärung ab, daß, trotzdem dieser Antrag nicht in den Rahmen der Tagesordnung gehöre, er das Jnslebenrufcn dieser Institution auf das lebhafteste begrüße und dem Unternehmen im Interesse unserer Sache das beste Gelingen wünsche. Delegierter Dr. Hamlisch, unterstützt vom Delegierten Jos. Pollenz, fordert die Mitglieder auf, einer diesbezüglichen Beratung am Nachmittage beizuwohnen. Delegierter Hauser spricht gegen die Bezahlung der Neisespcsen an die Kuratoren. Dieser nAtrag wird abgelehnt. Deleg. Pollenz beantragt, daß, nachdem den Kuratoren Rcisespesen gezahlt werden, man auch ben Revisoren die Reisespesen zu bewilligen habe. (Angenommen.) Bei der vorgenommenen Wahl Gruppe vier ins Kuratorium wurde Herr Kultusvorstand Karl Löw-Prerau einstimmig gewählt. Hierauf schloß der Vorsitzende die Generalversammlung. Ortsgruppe Marrenbad des gattrischen Hilfsvereines. Am 19 März fand in Leitners Haus die ordentliche Generalversammlung der Ortsgruppe Marienbad des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Der Obmann Herr JUDr. Josef Steiner, Advokat Hierselbst, erstattet den Jahresbericht, der einen erfreulichen Ueberblick über die Tätigkeit der Ortsgruppe im abgelaufenen Jahre bot. Im Laufe des Winters fanden zwei Vortragsabende statt. Am 26. November 1904 sprach der Vereinssekretär Herr Dr. Wilhelm L ö w y, Magistratssekretär i. R. aus Wien über „Ziele und Zwecke des galizischen Hilfsvereines", am 5. Jänner >905 Herr Rabbiner Dr. Ziegler aus Karlsbad über „Jüdische Propaganda im griechisch-römischen Reiche". Beide Vorträge waren sehr gut besucht und erfreuten sich lebhaften Beifalls. Die Anzahl der Mitglieder ist auf 77 gestiegen; insbesondere haben mehrere Frauen ihren Beitritt angemeldet. Auch die israelitische Kultusgemeinde Marienbad ist der Ortsgruppe als Mitglied beigetreten. AuS dem Kassaberichte des Kassiers Herrn Siegmund Schneider, Obmann des Handelsgremiums Hierselbst geht hervor, daß in diesem Jahre 225 Krorien an die Zentrale in Wien abgeführt würden unts'däß her derzeitige Kassastand 134 Kronen 22 Heller beträgt. Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Goldberger bringt die Protokolle der letzten Generalversammlung, sowie der stattgefundenen Bereinsabende zur Verlesung Und verweist darauf, daß durch die Diskussion nach dem Vortrags des Herrn Dr. L ö w t), an welcher Herr Dr. Lang und der Schriftführer sich beteiligten, der Antrag der letzten Generalversammlung betreffend dis Heranbildung von Dien st boten durch den galizischen Hilfsverein, gegenstandslos, resp. diesbezüglichen Anfragen beantwortet worden sind. Sämtliche Berichte werden mit Beifall genehmigt; ebenso wird der Rechnungsausweis der Zentrale zur Kenntnis genommen. Zum Delegierten für die Generalversammlung des Hauptvereines in Wien wird der Obmannstellvertreter Herr Emil Baruch Vorsteher der Kultusgemeinde Marienbad vorgeschlagen und gewählt Di» Wahlen in die Ortsprupp« werden auf Vorschlag des Mitgliedes Herrn Adolf Steiner per Acclamation vorgenommen. Dieselben ergaben folgendes Resultat: Obmann: I. U. Dr. Josef Steiner, Advokat. Obmannstellvertreter: Emil Baruch, Hotelbesitzer, Borsteher der Kultusgemeinde. Schriftsühre,: Phil. Dr. Goldberger, Rabbiner. Schriftführerstellvertreter: Heinrich Goldmann, Kaufmann. Kassier: Siegmund Schneider, Kaufmann, Obmann des Handelsgremiums. Kassierstellvertreter: Siegfried F i s ch l, Hausbesitzer Auf Antrag des Vorstandes wird die Anzahl der Beiräte mit Rücksicht auf die gesteigerte Mitaliederzahl um einen männlichen und zwei weibliche Beiräte vermehrt. Zu Beiräten wurden gewählt: 1. für Marienbad: Franz Beck, Kaufmann, Hugo Fleischner, Fleischhauer, Paul Lvwenthal, Weinhändler, Max Stingl, Kaufmann, Frau Jda Beck und Frau Rosa Stingl. L. für KönigSwart: Wilhelm L ö wy, Kaufmann, Vorsteher der Kultus gemeinde Königswart. d. für Durrmaul: Stegmund D okto Kaufmann, Vorsteher der KultuSgemeinde Dürrmau 4. für r e p l: Siegfried B u x b a u m, Kau mann, Vorsteher der KuttuSgemetnde Pauten-Tep a n: Allbert Krauß, Kaufmam Vorsteher der KultuSgemeinde Kuttenplan-Plan. 6. für Dachau r der Vorsteher der Kultui gemeinde. Mit Dankesworten für die Tätigkeit der Vorstandsmitglieder fand die Versammlung, da keine weiteren Anträge Vorlagen, ihren Abschluß, indem der Obmann die Anwesenden zur weiteren regen Mitarbeit für die leidenden Brüder in Galizien etnlud. Dr. PH Goldberger Rabbiner, dzt. Schriftführer. Ans Czernolvitz. I. Mit den wenigen Zeilen meines Referates im „Jüd. Volksbl." vom 24. v. M. über den am 19. v. M. hier stattgefundencn zionistischen Distriktstag glaubte ich den Wert dieser Versammlung, bei der sich in erhöhterem Maße als je zuvor völlige Desorganisation, Jndifferentismus und kindische oppositionelle Geschaftelhuberei breit machten, mehr als genug gewürdigt zu haben. lieber die „formell glänzende Kritik" der „durch ebensoviel Vornehmheit als Scharfsinn" ausgezeichneten Rede des Herrn $., den „bis ins Detail fixierten Feldzugsplan" der Verbindung Y od. Z, über dasBestreben dieserVerbindung, „das Niveau des Delegiertentages möglichst in die Höhe zu schrauben" uftv., darüber glaubte ich um so eher den Mantel der Nächstenliebe breiten zu müssen, als diese Tatsachen nicht wenig dazu beitragen, der Versammlung den Charakter der pueri Puerilia tractantcs aufzudrücken. Nun sah sich Herr Dr. Diamant dies in einem zweiten Berichte in diesem Blatte nachzuholcn veranlaßt, in welchem er nicht nur die Sachlage eigentümlich verschiebt, sondern sich auch überflüssigerweise mit meiner Person beschäftigt. Einheimische werden mir das Mißvergnügen nachempfinden, mit einem der fadesten Versammlungsschwätzer, den die nationale Bewegung hier an die Oberfläche gebracht hat, polemisieren zu müssen. Den „redende n" Diamant sind wir hier gewohnt, nach den ersten Erschütterungen des Zwerchfelles wie ein Naturereignis über uns ergehen zu lassen. Das konfuse Gemisch von Sozialismus und Nationalismus, von Komik und Langeweile wirkt im Vereine mit den krampfhaften rednerischen Turnübungen, zu überwältigend, um eine Antwort möglich zu machen. Man geht darüber zur Tagesordnung. . Den „s chreibende n" Diamant in gleicher Weise.zu behandeln, hindert die Publizität dieses werten Blattes und der Umstand, daß es mit unseren Lokalverhältnissen völlig unbekannten Lesern in die Hände kommt. Für diese Leser einige Zeilen zur Aufklärung : Der zweite Bukowinaer Distriktstag wurde in nächster Linie zur Behebung der Desorganisation einzelner Zionvereine einberufen. Ein solcher Distriktstag hätte deshalb, wenn er nicht seinen Zweck verfehlen sollte, aus den Delegierten der betreffenden Vereine und nicht aus Substituten bestehen sollen. Die „Zephirah" hatte sich aber zehn Mandate gesichert und es ist bezeichnend für die Indolenz der Vereine, daß sie dem Ersuchen gerne nachgaben und Studenten, die vielleicht den Ort des Vereines nur vom Hörensagen kannten, als ihre Delegierten nominierten. Dadurch wurde dem Distriktstage von vornherein der Charakter einer Studentenversammlung aufgedrückt. An der Spitze dieser jungen Herren stand Herr Dr. Diamant. Nun erhebt er den Vorwurf, daß am Distriktstage die „flaumbärtige Jugend allzusehr überwog". Das ist richtig. Nur muß dieser Vorwurf auch an die richtige Adresse geleitet werden. Daß Studentendebatten die Versammlung ausfüllten, ist nach obigem leickst zu schließen. Oppositionsspielerei und rhetorische Uebungen. Als ich dagegen Stellung nahm und mehr Arbeit und weniger Kritik verlangte, war dies gewiß nicht nach dem Geschmack des Dr. Diamant. Ich wies darauf hin, daß dieselben Studenten vor zwei Jahren (Dr. Diamant hatte damals noch nicht dasEpitheton „Doktor") am ersten Distriktstage ebenfalls mit obstruktiven Anträgen, Dauerreden, Zänkereien die Sitzung ausfüllten, daß aber, als eS an die Arbeit ging, als das Distriktskomitee gewählt werden sollte, kein „Zephiraner" ein Mandatannahm. Die

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