Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 14 Vereinsnachrichten. Wien. Einzelverein „Fünfhaus" des „Zion". Mittwoch den 29. März fand in Neumann's Restauration, XV. Schwendergasse 1 eine sehr gut besuchte Versammlung des Einzelvereins „Fünfhaus" des „Zion" statt. Der ziemlich geräumige Saal war voll besetzt und beehrten mehrere Mitglieder des Aktions¬ und Landeskomitees sowie Delegierte verschiedener Studentenverbindungen die Versammlung mit ihrer Gegenwart. Präsidentstellvertreter des Einzelvereines „Fünfhaus" des „Zion", Herr Mohr, eröffnete die Versammlung mit einigen einleitenden Sätzen und sprach den Anwesenden unter anderem auch den Dank für die Patronisierung des am 14. v. M. stattgehabten Festes des Zionistischen Frauen- und ■ Mädchenvereines „Fünfhaus" aus. Nach kurzer Einleitung las sodann Herr Jork-Steiner sein anmutiges „M o i s ch e l e" mit gewohnter Feinheit vor, wofür er ein sehr dankbares Publikum fand. Zu Punkt 2. der Tagesordnung „Dr. Herzls Erbe" referierte Herr Dr. K r e n b e r g e r. Er setzte in trefflichen Worten auseinander, was nun nach dem Tode des großen Führers zu tun sein wird, um das hohe Ziel der Zionisten zu einem gedeihlichen Ende zu führen und plaidierte schließlich für die praktische Betätigung des Zionismus bestehend in der partiellen. Kolonisation in Palästina. Von den nächstfolgenden Rednern stellte sich Herr Dr. Weisengrün rein auf das Gebiet des synthetischen Zionismus und auch Herr Dr. Kahn wollte von einer Kolonisation ohne vorhergegangener Verdriefung einer gewissenen Autonomie durch die Pforte nichts von einer Ansiedlung wissen. Herr Redakteur Deutsch hielt so ziemlich die Mitte zwischen diesen Gegensätzen. Sämtliche Redner ernteten großen Beifall für ihre Ausführungen. Die Versammlung verlief, wie schon Referenten und Redner versprachen, sehr interessant und lehrreich in dem sie zu Tage förderte, daß selbst zwischen den Korrifäen des Zionismus große Meinungsverschiedenheit in bezug auf den künftig einzuschlagenden Weg des Zionismus herrscht und es werden somit alle wirklichen Zionisten mit großer Spannung auf das Ergebnis des nächsten Kongresses warten, dem entschieden größere Bedeutung als allen vorhergegangenen innewohnen wird. Um '/,12 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung. Wien. Chargenwahlen der akademischen Verbindung „Kadimah". Die am 1. d. M. für das Sommersemester 1905 vorgenommenen Chargenwahlen hatten folgendes Ergebnis: jur. Fritz Löhner Präses, teodn. David A m a r Bizepräses, zur. Ludwig Rosenheck Schriftführer. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 9. d. M., wie alljährlich, eine „Rosa Kollmann- Gedächtnisfeier" bei der zwei arme Schulkinder bekleidet werden. Anschließend siudet ein Vortrag des Herrn Nathan Groß statt. Beginn pränse 3'/, Ubr nachmittags im Kongreßsaale IX., Türkenstraße 9. (Gäste herzlich willkommen.) Wien. Kommers der akademischen Verbindung „Kadimah". Der am 23. März zu Ehren ihrer alten Herren veranstaltete Kommers der akademischen Verbindung „Kadimah" nahm einen glänzenden Verlauf. Nach einer Eröffnungsansprache der Präses jur. Fritz Löhner feierte Bb. Franz Oehler in schwungvoller Rede die A. H. A. H. der „Kadimah", als die ersten, bahnbrechenden Träger der zionistischen Idee. Namens der alten Herren erwähnte in warmempfundenen Worten A. H. Dr. Max Bernhardt. Am Schlüße des offiziellen Teiles toastierte Ä. H. Uprimy unter allgemeiner, schallender Heiterkeit auf die anwesenden Damen Im inoffiziellen Teile, der in höchst animierter Weise verlief, führten die jungen Mitglieder der Verbindung zum allgemeinen Gaudium deS Publikums eine komische Oper auf. Reichen Beifall erntete mit seinen Ausführungen Bb. Lichtenstein als Konferenzier. Hierauf wurde bis zum letzten Hahnenschrei getanzt. Dem Kommers, der von über 450 Festgästen besucht war, wohnten nebst den Vertretern sämtlicher Wiener Korporationen, der „Zephirah", „H e b r o n i a" (Czernowitz), unter anderen auch A.-C.-Mitglied Dr. Leopold K a b n, A. H. Matthias A ch e r, E. B. Dr. S ch a l i t, Redakteur Kraus bei. Zahlreiche Telegramme, Begrüßungs- und Entschuldigungsschreiben waren eingelaufen. „Bar Giora" Wien. Die am 28. stattgefunden« Generalversammlung hatte folgende- Ergebnis: Präses oavd. inj?. S. Rintk, Vize-Präses: canrt. jur. F PordeS, I. Schriftführer cand. jur. ®. Fischer, II. Schriftführer «tud. ing. F. Rosenzrveig, Kassierer atud. ehern. E. Kunetz. Erster Wiener jüdische»Turnverein (I., Mölkerbastei 51. Sonntag den 10. April 1905 findet eine Nachmittagsvorstellung im Deutschen Bolkstheater des Theodor Herzlichen Stückes „Unser Kätchen" statt. Beginn '/,3 Uhr. Karten sind zu haben: Im „Literarischen Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen Morias bei der Präsidentin Frl. Berta Herrmann, VIII., Jofefstädterstraße 9, bei den Ausschußmit» gliedern Frl. Pasternak, II.. Schiffamtsgasie 11, Frl. Sternberg, VII., Esterhazygasse 22. Fräulein Horowitz, II, Baleriestraße 2 und Frl. Blech, II., Rembrandtstraße 9. Czernowitz Akademische Verbindung „Hebroyia". Di« Cbargenwahl für da- U. Semester ergab folgende- Resultat; atuä. ahym. Josef Schräger X F x, sind. ing. Bruno Fränkel X X, 8tud. phil. Israel Pilpel XXX. Stockerau. Das Vergnügun gskornitee der hiesigen TempelkommWon veranstaltete am 23. o. im Prachtsaale des Etablissements ,-Dalvender" eine äußerst gelungene Purtmfeter. Er gab ernste und heitere Vorträge, Gesang und Violine. Dann wurde eine Szene aus LeWngs „Nathan der Weise" zur Ausführung gebracht. Den Schliutz der Borträge bildete die Aufführung einer Posier „Frühere Verhältnisse" von Nestroy, woraus dann bis in den Hellen Morgen hinein getanzt tmtrt&c. Das Neinerträgnis -es durchaus animiert verlaufenen Purimabends wurde zum größeren Teile der Tilgung der Tempelschuld gewidmet. 5 Prozent des ReinerträgNisses floffen dem jüdischen Nationalfonds zu. Jüdischnationaler Arbeiterverein Wien (16. Bezirk, Sechshanserstratze 12, Hochparterre). Der vom Vereine am 4. o. M. in Ph. Neumanns SaallElitäten veranstaltete Theaterabend Mijt anschließendem Tanzkränzchen zeigte wieder die Sympathien, der sich der Verein in den westlichen Bezirken erfreut. Der große Saal war bis aus das letzte Plätzchen gefüllt und die Zuhörer spendeten den Vorträgen reichen aber auch verdienten Beifall. Allen jenen, welche nus durch ihre Mitwirkung unterstützt haben, sei herzlichst gödanEt. Akad. Verbindung „Hasmonaea" in Czernowitz. Das Ergebnis der am 12. öS stattgefundcnen Chargenwahl für das 28. (Sommer-) Semester ist folgendes: eand. jur. D. Trichter, Senior; stud. jur. M. Frenkel, Kvnsenior; find. jnr. I. Schifter, Schriftführer. Verein der jüdischen Giiterbeamten in Czernowitz. Am Sonntag den 12. vs. fand im Bäuhandwerkersaa'le die konstituierende Generalversammlung des Vereines statt. Aus der ganzen nördlichen Bukowina waren Güterbeamte erschienen, viele ließen sich durch Vollmacht vertreten, in der Versammlung herrschte eine zuversichtliche und begeisterte Stimmung. In einem einstimmigen, beifällig anfgenommenen Vortrag legte der Referent Dr. Diamant die Ziele und Ausgaben des Vereines dar. Hieraus ergriff Herr Landeskulturinspektor Adämetz das Wort, um einerseits die Organisation der landwirtschaftlichen Beamter: zu begrüßen und dem Verein seine Sympathien nn!d seiner fachlicherMnterstützung zu versichern. Dann erfolgte die Aufnahme neuer Mitglieder, es traten 88 Mitglieder ein. In längerer Debatte wurden Hierauf zahlreiche Anregungen eingehend erörtert und entsprechende Beschlüsse gefaßt. Die Wahlen ergaben: Dr. Max Diamant) Obmann; Elias Semel, Gutsverwalter, Wereczanka, Obmannstellvertreter; Moses Rosenzweig, Gutsvevwalter Zadobrowka, zweiter Obmannstellvertreter. Schließlich sprach die Versammlung über Antrag des Gutsverwalters Rosenzweig der jüdischen Studentenverbindung Zephira den Dank für ihre Organrsationsarbeiten aus. Personalnachrichten. Vom Wiener jüdischen Spitale Zum Sekundararzte an der gynäkologischen Abteilung des Spitales der Knllusgemeinde wird ab 1. April 1905 Dr. Julius Lewith, zum Sekundararzte der israelitischen Versorgungsanstalt ab 1. April 1905 Dr. Erwin Rosenberger ernannt. Györ. (Todesfälle.) In Györ ist am 1. v. M. der dortige Rabbiner Moriz Ehrlich nach kurzem Leiden gestorben. Tags darauf, am 2. April, starb dessen greiser Vater Samuel Ehrlich im Alter von 84 Jahren. Der so schwer heimgesuchten Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Krakau. (Todesfall.) Hier starb vor einigen Tagen im Hohen Alter Herr Jsak Moses Bader. Der Verstorbene gehörte seinerzeit M den Führern der galizischen Haskalah und war auch schriftstellerisch tätig. Seine letzte Arbeit „Ziwja'h", ein Roman, erschien erst vor kurzem in Fortsetzungen im Lemberger „Indischen Tagblatt", dessen Cheftedakteur Herr G. Bader in dem Verstorbenen seinen Vater betrauert. Agram. (Todesfall.) Am 20. v. M. verschied hier Herr Josef H o ch st ä d t e r, Chef der Firma Josef Hochstädter und Söhne im hohen Alter von 92 Jahren. Josef Hochstädter war Gründer und langjähriger Präsident der diesigen autonomen orthodoxen iör. Kultusgemeivde, zuletzt deren Ehrenpräsident und hat sich , um das Gedeihen dieser Gemeinde besondere Verdienste erworben. Das Leichenbegängnis fand am 22. unter überaus großer Beteiligung aller Gesellschaftskreise statt. Prag. (Todesfall.) Am 31. v. M. ist hier der Privatier Herr Emanuel Ascher nach kurzem Leiden im 72. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene, der viele Jahre Vorstandsmitglied der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft war und auch auderen israelitischen humanitären Vereinen als Ausschußmitglied angehörte, erfreute sich ob seiner Charaktereigenschaften ynd seineau-g prägten Wohltätigkeitssinnes wegen allgemeiner Sympathie und Werffchätzung. Er hinterläßt eine gramgebeugte Witwe, fünf Söhne und zwei Töchtex. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 2. d. M, um 3 Uhr nachmittags, vom israelitischen Bavhose aus bei großer Beteiligung nach dem neuen israelitischen Friedhofe in Straschnitz statt. Budapest. (Todesfall.) Am 29. v. M. starb hier der bekannte Gelehrte und pensionierte hauptstädtische Lehre» Chaim Pollak im Alter vyr» 78 Jahren. Der Verstorbene, her sich durch verschiedene, zumeist in hebräischer Sprache avgefaßte wissenschaftliche Arbeiten einen bekannten Namen machte — von ihm stammt auch das erste hebräisch-ungarische Wörterbuch — gehörte zu der alten Garde der. konservativen Lehrer, die neben ihrer Frömmigkeit, ein ausgedehntes hebräisches Wissen besaß en und eine geradezu fanatische Liebe für ihr Volk und ihren Glauben an den Tag legten. Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen langjährigen, treuen Mitarbeiter. Sein Andenken wird uns stets heilig sein. Loudo.n Professor Cesare Lombroso und Dr. Max Nord au wurden in Anerkennung ihrer anthropologischen und soziologischen Forschungen von der Ethnologicul Society zu London zu korrespondierenden Mitglidern ernannt. Nyitra. (Testament Josef Engel s.) Vor kurzen: verstarb hier der Präsident der KNltusgemeinde Joses Engel de Peskodar. Einige Wochen früher ging ihm seine Frau ins Grab voraus. Das nun bekannt gewordene Testament dieses bei Lebzeiten allseits hochgeschätzten. Ehepaares rechtfertigt in vollem Maße die hohe Achtung, welche es stets genoß. Das Gefamivermögen, welches sich auf mchrals eineMillion Kroitett belief, vermachte das kinderlos gebliebene Ehepaar wohltätigen Zwecken. Unter den Legaten befinden sich auch solche für Heiratsausftattuttgen armer Familienmitglieder, denn die Verstorbenen entstammten beide sehr armen Familien. Ebenso wurden die Beamten und Bediensteten des Geschäftshauses Engel, wie auch die von den Verstorbenen bet Lebzeiten ins Leoben gerufenen jüdischen Anstalten usw. reichlich bedacht. Ihr Andenken wird stets gesegnet sein. Ans Ettis Island. Unter den vielen jüdischen Auswanderern, denen im Verlaufe des letzten Monates die Landung in Cllis Island verweigert wurde, sind aus Oesterreich-Ungarn: Samuel W a n ö e r (27 Jahre alt) aus Galizien und Moritz Goldstein (26 Jahre alt), Moritz Sonnens e ld (26 Jahre alt) aus Budapest. Budapest. (Mischehen.) Im Lause der verflossenen Woche sind bei den Buöapester Standesämtern sechs Mischehen zwischen Juden uNd Christen ausgeboten worden. In drei Fällen war die Braut Christin und in drei der Bräutigam Christ. Paris. Im Alter von 85 Jahren ist der frühere Anwalt am Appellgerichte zu Paris, Abraham See, ein Bruder des Generals See, feit 1872 Mitglied des französischen Zentralkonsistortmns, gestorben. Bestätigung des Kanzleipräscs der Orthodoxen. Der ungarische Kultusminister Hai, wie aus Budapest berichtet wird, mittels Reskriptes vom 21. März l. I. Zahl 21 600, die Wahl des Herrn Adolf F r a n k l zum Präses der ungarischen orthodoxen Landeskanzlci genehmigend zur Kenntnis genommen. Prag. In die Landesjudenschafts-Repräsentanz für den Prager Kreis wurde JUDr. Heinrich R o s e n b a u m in Prag gewählt. Zu den bevorstehenden Festtagen empfehlen: J>alästina~Wdne, Originalfüllung der Kommandit - Gesellschaft WIEN, II., GREDLERSTRASSE Nr. 9, Ecke Taborstrasse MB. 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