Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Jüäleohes YdkäHatt Seite 3 Nuthene n, R u m ä it c??, Serben und Kroaten noch mehr als bisher zu vergewaltigen, znentnaticmalisicren und als Heloten des erträumten einheitlichen magpari s ch e n N a t i o?? a l st a a t e s zu behandeln. Die magyarischen Chauvinisten und das ihnen blindlings Heeresfolge leistende as sim i l a t o r i s ch e ungarische Judent u m scheinen aber vollständig zu übersehen, daß auch ihrer Großmannssucht gewisse Grenzen gesteckt sind. Die ungarländischen Nicht magyaren sind keineswegs gesonnen, sich magyarisieren zu lassen, und insbesondere Kroatien fordert heute bereits von Ungarn dasselbe, was die Kossuthisten von Oesterreich begehren, und wird nur erst die geplante Wahlresorm für den ungarischen Reichstag zur Tat, dann wird die It a t i o n a l i t ä t e n f r a g e auch jenseits der Leitha brennend und keine Macht wird verhindern, daß die Budapester „Volksvertretung ihr einseitiges Gepräge verliert. Man lese nur die kroatischen, serbischen, rumänischen Blätter (zum Beispiel „Hr v a t sko Pr a vo“, «Branik*, „Tribuna Popurului“) in ben letzten Tagen, ihre Stellungnahme gegen die magyarischen Sonderbestrebungen, ihre entschiedene Opposition speziell gegen die ungarische Kommandosprache, dann wird man sich darüber klar sein, daß darin wahrlich nicht die Lösung des u n garische n Problems liegt, daß man alle Wünsche der magyarischen Chauvinisten realisiert und die Tatsache ignoriert, daß die in den Ländern der St. Stephanskrone die Mehrheit bildenden N i ch t magyaren bisher nur darum ignoriert werden konnten, weil sie durch das ungerechte Wahlgesetz mundtot gemacht wurden. Nun aber wird durch die magyarischen Trennungsgelüste die ungarische Nationalfrage und speziell das kroatische Problem ein brennendes und die Juden des Donaureiches dürfen unter gar keinen Umständen nach dem Muster der magyarischchauvinistischen Assimilanten den berechtigten Forderungen der ungarischen Nichtmagyaren und Kroatiens nach Autonomie und Gleichberechtigung mit den Magyaren sich entgegenstellen. Solange das Magyarentum um Erhaltung seiner Individualität kämpfte, solange konnten die Juden als unterdrücktes Volk auf ihrer Seite mit ihren Sympathien stehe??, seitdem aber die Politik aller magyarischen Reichstagsparteien auf brutale Vergewaltigung der Nichtmagyaren gerichtet ist, seitdem insbesondere die M agyaren das Haupthindernis der Konsolidierung des Donaureiches geworden, müssen «ir Juden die entschiedensten Gegner der und mit Rahel zu entfliehen. Der hinterlistige Diener will sich aber bei der Königin und bei dem Erzbischof Oczek, der den jungen König noch immer bevormundet, einschmeicheln, u??D er macht der Königin von dem nächtlichen Spaziergange des Königs Mitteilung. Tatsäclil' gelingt es der Königin und dem Erzbischof, den König an seinem Vorhaben zu hindern. Divischs Diener Pruschnik geht tatsächlich zur Rahel, entführt sie auf einem Kahn auf der tobenden Moldau und veranlaßt, daß sie ins Wasser fällt und dort den Tod findet. Divisch war seinem Diener unterdessen nachgeeilt, findet, ihn, wie er mit dem Kahn ans Ufer stößt. Nachdem er den Diener allein aus dem Kahne steigen sieht, hat er scholl eine böse Ahnung, daß Nahet ein Unglück zugestoßen sei. Auf die Frage, wo er sie gelasseu habe, sagt der Diener: „In der Mitte der Moldau als ein treuer Diener meiner Religion." Da stößt ihn? Divisch einen Dolch in den Leib, fällt aber selbst ohnmächtig zu Boden. Der alte Rabbi betet noch immer zu Gott, Rahel möge an der Seite des Königs erscheinen und für ihr Volk bitten. Der .König sollte nämlich den Juden gestatten, nach Palästina anszuwaiideril und der König Wenzel selbst sollte, durch die Liebe der Rahel hingerissen, ihrem Volke das Land erkämpfen nnb einen neuen Tempel aufbauen. So erklärt sich näm lich der Rabbi das geheimnisvolle Buch, in dem er jetzt blätterte. Während sich der alte Rabbi mit Trostlin einer solchen süßen Hofsuung hingeben welch schrecklicher Anblick magyarischen Aspirationen sein. (Die von den magyarischen Ultras ersehnte Person a l u n i ü n wird (wenn sie überhaupt zum Durchbruche gelangt) für alle Fälle nur ein Uebergangsstadinm zur nationale n Autonomie auch in Ungarn bilden. Wenn die deutsche Hegemonie in Westösterreich sich als unhaltbar erwiesen, wenn in Galizien früher oder später die polnischr u t h e n i s ch e G l e i ch b e r e ch t i g u n g an die Stelle der brutalen Herrschaft der polnische?? Schlachta treten wird, so ist (besonders mit Rücksicht auf die Verhältnisse am Balkan) ein selbständiger, von Zisleithanien getrennter die Mehrheit seiner nichtmagyarischer Bewohner vergewaltigender magyarischer Nationalstaat, die Herrschaft der magyarischen Minderheit über die dentsch-slawisch-rumänische Mehrheit für längere Zeit unmöglich. Die magyarisch-chauvinistische Strömung wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso wie die deutsch- und slawischnationale „Bruderbewegung" nur dem Klerikalismus den Weg ebnen. Das Ministerium Johann Z? ch y wird, wenn nicht schon jetzt, so doch früher oder später das judenlib era le Regime ablöfen und so wird auch das assimilatorische Judentum in Ungarn wie im gesandten übrigen Reiche die Früchte jener Politik ernten, die es durch Förderung des Chauvinismus fremd nationaler Cliquen gesäet. Bei den Nichtmagyaren wegen der Förderung der Magyarisierungstendenzen verhaßt, werden die Juden von den Magyaren nur als Bundesgenossen zur Magyarisierung benützt, um später der erwachenden klerikalantisemitischen Strömung geopfert zu werden. Haben wir ja in Zisleithanien es erlebt, daß trotz der U n t e r st ü tz u n g deutschnationaler, allpolnischer und italienischnatwnaler Aspirationen sowohl bei Deutschen w?e bei Polen oder Italienern sich aus dem nationalen Chauvinismus ein mehr oder minder starker Rassen antisemitismus respektive Asemitismus entwickelte, daß aber andrerseits die Tschechen, die Ruthenen, d?e Slowenen in den Juden die Helfershelfer ihrer nationaler Unterdrücker sahen. Auf diesen alten ausgetretenen Bahnen können die jüdischen Modernen nicht weiter wandeln. Getreu ihrem national-autonomistischen Programme, daß jeder Nationalität die Möglichkeit der freien Entfaltung geboten werde, stehen sie daher auch den Bestrebungen den Tschechen, Ruthenen und Slowenen, soweit sie die Wahrung ihres eigenen Volkstums erstreben, sympathisch gegenüber. Allerdings das kann nicht oft genug betont werden, wir fordern die Anerkennung als selbständiges gleichberechtigtes bringt man in das Haus des Trostliu eine Bahre.Trostlin hat sofort seineTochter erkannt, Heißt seine Kleider vom Leibe, rauft sich die Haare und ift der Verzweiflung nahe. Auch der alte Rabbi wird bom Unglück derart hingerissen, daß er sich vergüt, Gott lästert und aus dein heiligen Buche, / in dem er gelesen hatte, die Blätter reißt und mit Füßen tritt. „Wem: noch deine schwache Hand, o Gott, ein wenig Kraft besitzt, wenn'du noch einen Blitz zur Verfügung hast, so räche wenigstens dieses arme Mädchen. Wenn du uns einen Ahasver nicht sandtest — ch sende ihnen (den Feinden) einen Pharao!" ^o sprach der alte Rabbi intö rüttelte Trostliu, der indessen in Ohnmacht gefallen war, auf. Trostlin vernahm noch die letzten Worte und ergänzte sie mit dem Ausi°nfe: „Uni? diesen Pharao ertränke in einem blutigen Meere!" Es vergehen einige Tage. König Wenzel hält Gericht. In ben Gerichtssaal werden die Leichen Rahels und Duschniks getragen. Auf der Anklagebank sitzt der gefesselte Divisch voll Rzirzau. Der Kläger ist der Jllde Trostlm. Der Saal ist von einer Volksmeilge, sowohl mm Juden als auch von Christen, gefüllt. Da beginnt Trostlin seine Anklage: „Hochlvnrdiges königliches Gericht! Bevor ich den oder jenen beschuldige, möge mir auf Grund des aus alten Feiten bestehenden (Gesetzes geantwortet Hierbei!, ob ich als Jude das Recht habe, in Angelegenheit eines tödlichen Verbrechens an das königliehe Gericht zu appellieren und den Verführer und Mörder meiner Tochter anznkla jüdisches Volk im Donaureiche und können nur mit Gruppen kooperieren, die ohne Hintertürchen in nationalkultureller, politischer und sozialer Hinsicht für unsere vollständige Gleichberechtigung eintreten. Unter den Tschechen geschieht es von Seite der realistischen M a s a r y k gruppe, unter den Polen nur von seiten des Abgeordneten Breiter und seiner engeren Freunde, auf deutschem Boden allerdings fittb alle parlamentarischen Parteien entweder Anhänger des Antisemitismus oder der — Assimilati o n. Eine Ausnahme macht nur die erst in Organisation begriffene bodenreformeris ch e freiso zialist isch e Gruppe, deren Organe „Deutsche Volksstimme" (in Berlin) und „Freie Worte" (Falkenau) in der Judenfrage unserem Standpunkte Rechnung tragen. Aus dieser Stellungnahme der verschiedenen Fraktionen zu uns folgt auch unsere Stellung zu ihnen — eine freundschaftliche. Aber nicht nur über unsere Stellung zu den Nationen, sondern auch zum Reiche müssen wir uns klar werden. Sie folgt zun? Teil aus dem früher Gesagte?? von selbst: Alt Österreich ist tot, die Jungjuden müssen Vertreter einer jungösterreichischen Politik sei?? und a?? de?n Aufbau eines soziale?? N e u ö st e r r e i ch Mitarbeiten. H. K. 1 # ' I ' * »w. 5 Politische Wochenschau. Die isolierte Stellung der Polen bei der ADstümmrng über den Antrag Derschatta kann, wen?? Ne einzelnen Faktoren den Moment aars- Minützen verstehen, für die künftige Politck in Ga. ltzien von großer Bedeutung werden. Die Schlachta Hat nur rnsolange Macht Wer die ihr unterwürfigen Nationalitäten, so lange sie einer Unterstützung der Zentrale und anderer Parteien sicher ist. Bleibt sie aber aus die Dauer 'isoliert, so wird auch ihr Hochmut den Ruthenen unb Juden gegenüber brechen müssen, vorausgesetzt, daß diese Minoritätsgrrrppen znsamrNenHalten und gegen die Korrrrptions- und Bergewatti gn n g spotitit ihrer geudeinsawen Gegner auch gemeinsam Mit aller Energie airzUkämpfen verstehe?? werden. * * * Der Kreuzrummel in Budapest 'hat doch auch etwas Gutes gebracht. Me „freiheitlichen" Hörer, die zumeist aus Juden bestehen, sind es nun satt geworden, jeden Augenblick dieselbe Komödie über sich ergehen zn lassen und beschlossen, die Gelegenheit zu einer dauer??den Organisation aller freiheitlich gesinnten St??de??ten zu benütze??. Unter der? Forderurrgen, welche gen." — „Du würdest nicht hier stehen, wenn du nicht das Recht hättest," antwortete der hohe Richter. — „Und was für Strafe ist in den gerechten Büchern bentjenigen bestimmt," fährt Trostlin fort, „der einen? jüdischen Kinde Gewalt antut?" Das verfa?rnnelte christliche Volk war bei diese?? Fragen??ngehalten u??d fing an zu mumm. Aber der König entgegnete, Trostlin solle nur mit der Klage hervortreten, er köuue gewiß sein, daß er nicht ohne Genugtuung den Gerichtssaal verlassen werde. Da beschuldigt Trostlin nicht Divisch von Rzlczan,. der nur ein Werkze??g feines Herrn gewesen sei, sondern — den König selbst. Das Volk ist ganz entrüstet ob der Vermesse??heit Trostlins und stürzt auf ihn los, um ihn zu erschlagen. Der König aber beschwichtigt das wütende Volk und ist schon im Begriffe, seine Schuld einzugesteheu. Da tritt der Erzbischof Oezek von Vlaschim in den Saal und hält den König von seinem Vorhaben ab. „Nicht du," sagt er z?m? König, „bist schuldig, sondern der Kläger Trostlin, der in seine eigene Falle geriet. Und wenn er sich auf Gottes Gericht beruft, dann soll er bei Gott schwören, daß er an den? Tode seiner Tochter gar keine Schuld trägt." Trosttii? lvird es aber schwer ums Herz, er ivill schon die Hand znm Schlv??r erheben, da sinkt er aber, wie vo?i? Blitze betäubt, zn Boden. Man trägt ihn ans de??? Saale als Leiche. Das wäre der Inhalt der Esther von Fritsch.