Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2433077-2433088--2876-2436782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. I einen: IiDcufriedlmse zu fcfiartcn. ,>n einer anderen Einschrift vom 21. Dezember >004 teilte Sie israelitische Zleerdigttngsbri'lderschaft in Prag mit, das; sie einerseits im Falle der Leichenverbrennung sich an; Leichenbegängnisse nicht beteiligen, dei; Leichenwagen nicht beisteller; werde, anderenteils anch die Bestattung einer Urne ans Sem israelitischen Friedhofe nicht zulasse. Bei einem solchen Sachverhalt ist es natürlich, bas;, wenn man beider; Wünschen des Verstorbenen nicht Nachkommen korrnte, jener Wrrnsch erfüllt wurde, an welcherrr rrrehr gelegen war, rrnö es blieb der; Erber; nichts übrig, als jener;; Wunsche -des Verblichene.; nachznlvinmeu, daß er neben seiner Gattin zürn ewiger; Schlafe bestattet wird." Die Inden in Algier. Bor einigen Tags» habe ich, so schreibt ein Korrespondent des „Israelit" ans Paris, Gelegenheit gehabt, mit einem sehr angesehenen Vertreter der Juden von Algier zu sprechen. Dieser Herr kennt sehr gut die Leiden rmd Sorgen unserer in der großen französischen Kolonie lebenden Brüder. In keinem Punkte der französischen Besitzungen haben die Inden ebensoviel ihrer Abstammung wegen zu leiden, als in Algier. Wie ist dieser Umstand ökonomisch und politisch zu erklären? Der Hauptgrund dieser traurigen Erscheinung ist, den Worten dieses, wie gesagt, höchst kompetenten Mannes zufolge, folgender: Das Dekret Cremieux hat de-; Juden von Algier das französische Bürgerrecht verliehen, die Araber jedoch, die sich wohl ganz dem französischer; Rcgim unterworfen haben, die allen anderen gleich alle bürgerlichen Pflichten und Lasten zü tragen haben, sind politisch ganz rechtlos geblieben. Die ausschließlich der; Juden erteilte Gunst wurde von gewissenlosen Demagogen geschickt ausgenuhi, nur die Volksmenge gegen die Juden anszuhetzen. Und wir haben der; schrecklichen Greueltaten beigewohnt, die noch in unser aller Erinnerung ist. Man hat es verstanden, im Araber den Haß zum Juden großzuziehen. Und der Araber haßt den Juden, weil er in ihm den Träger eines ihm selbst verweigerten Vorrechts sieht. „Im Interesse der Gerechtigkeit und auch im Interesse nni-wr Brüder," fügt mein Bekannter hinzu, „als Mensch, als Jude und als Bürger wünsche ich, daß man auch den Arabern das politische Bürgerrecht verleihe. Dicss Reform, die zuerst ein Gebot der Gerechtigkeit ist, würde zu gleicher Zeit die maßlose antisemitische Agitation in Algier in unermeßlicher Weise einschränken, ja sogar vielleicht ganz verschwinden lassen." Man wird nicht leugnen können, daß diese Idee eigenartig und interessant ist. Sie verdient jedenfalls sorgfältig studiert zu werden. Und da daS Ministerium, das die Erbschaft des Herrn CombeS antreten wird, vorzugsweise ein Beruhigungsministerium,;m ministere d’apaisement, sein muß und sein soll, wird es gut tun, diese für den Rasten- und Rcliawnsfricden der großen Kolonie so hochwichtige Frage aus die Tagelerdiumg zu setzen. Pi. Statistisches von der Budapester Universität. Dem soeben erschienenen Jahrbnche der Budavester Universität entnehmen wir folgende Daten: In; Schuljahre 1900—04 waren an der Budapester Universität insgesamt 0386 Hörer inskribiert. Hierinit trat die Bnbapester Universität in die Reihe der bestfreguentierten Hochschulen. Der Religion nach verteilten sich die Hörer wie folgt: Es waren 2771 (40,007 Prozent) Katholiken, 2010 (35,12 Prozent) I n ö e n, 090 (10,50 Prozent) Reformierte, 480 (7,20 Prozent) A. B., 170 (2,67 Prozent) Gr.-Orientalisch, 133 (2,02 Prozent) Gr.- Kathvlisch, 15 (0,23 Prozent) Unitarier. Interessant ist auch die prozentuelle Verteilung der Inden in den einzelnen Fabultttten. 03,25 Prozent der gesamten jüdischen Hörer gehörten der j n r i d i s ch e n Fakultät an: 17,72 Prozent der jüdischen Hörer waren Medizin er, 0,5 Prozent trieben Phil o s o p h i e. Auch das Verhältnis der Juden zu den anderen .Konfessionen in den einzelne;; Fakultäten ist lehrreich. Von den Juristen waren 41,73 Prozent röm.-kath., 00,52 Prozent I n d e n: von den Ni e d i z i;; e r n 51,90 Prozent röm.-kath., 24,08 Prozent Inden: von den Höre r n d e r P h i l v s v p y i e 49,57 Prozent röm.-kath. 26,50 Prozent I>;iden: Pharma z ent e n: 47,50 Prozent röm.-kath., 00 Prozent Inden. Die Inden stellen also das ziveitgrößte Kontingent der Budapester Hochschule;' bei. Siimigogernveihe hi Mos kn n. Bor 15 Jahren wurde sie erbaut. Die Moskauer Juden brachten 300.000 Nubel auf, um daS Gotteshaus würdig zu gestalten. Der Magistrat der Stadt Moskau erteilte die Baubewillignug und als der Bau herrlich fertig dastaud, kau; das Machtwort des damaligen GeiwralgouverueurS der Stadt, das die Eröffnung und Beuühuug der Synagoge dei; Juden untersagte. Der Generalgonveriwnr der Stadt Moskau war Großfürst S e r g t it S. Fnnfzehu Jahre hindurch bettelten die Jude;; dein; Großfürsten uub au den Stufen des ZarentroueS vergebens, in den; neuen Bethause Jüdisches Volksblatt den GolllKdi-nst mr; ich len zu dü;fen. ttlun ist S e r g i n S nicht n;ehr — Gcneralgonverneur von Aioslan und ein Bittgesuch an beit Zaren hat genügt, die Pforten des Synagogendomes beit Inden zu öffnen. Vorige Woehe wurde die Synagoge von Moskau eröffnet. Der erste Gottesdienst war ein T r a n e r g o t t e s d i e n st für den „verstorbenen" Generalgonverneur, Großfürsten Sergius. Die Freude unter den Juden Moskaus darüber, daß sie nunmehr ihr Gotteshaus benützen dürfen, ist nnbefchreiblieh. Jüdisches Mirsemn. Daselbst ist ein großes Oelgemätde des MalerS L. K r e st i n „M o r g e n gebet" ausgestellt. Dieses Bild ist ein Geschenk des.Begründers der „Wiener Sonn- und MoutagszeiKuigJHerruMexander Scharf, welches er aus Anlaß seines 70. Geburtstages den; Museum gewidrnet hat. Der freie Eintritt zu den Sammluugen, II., P r a t e r st r a ß e 23, findet stets SainStag von 11—1 Uhr mittags und 3—6 Uhr nachmittags statt. Geschäftsverbindung eines Kultnsrates mit seiner Knltnsgemeinde. Unsere Wiener Leser brauchen nicht zu erschrecken, es handelt sich nicht um einer; Wiener Knltusrat. Der Fall ereignete sich in Czernowitz. Be; der am 18. Wpt:;f 1904 erfolgten Kultuswah! in Czernowitz wurde auch der dortige Badehausbesitzer Adolf Wallstein mit 60 von 96 abgegebenen Stimmen zum Kultusrate gewählt. Die Wahl wurde jedoch von der Wahlkommission sofort annulliert, und zwar auf Grund des §13 des Statutes, welcher bestin; mc: „B e r l u st des Mandates hat auch eiuzntreten, wenn ein Mitglied des Kultusratcs in direkte oder indirekte Geschäftsverbindung mit der K u l t u s g e n; e i n d e tritt." Der Badehausbefitzer Wallstein steht jedoch durch das M i kw a h b a d mit der Kultnsgemeinde in einem Bertragsverhältuis und demzufolge wurde seine Wahl in den Knltusrat als ungültig erklärt. Ein Rekurs Wallsteins an den Magistrat wurde zurückgewiesen, ebenso erging es Wallstein bei der Landesregierung als dritter Instanz. Nun wendete sich Wallsteim an den Vertu a ltu n g s g e r i ch t s h o f und auch dieser bestätigte die Entscheidung der Wahlkommission. Pflege altjttdischer Musik. Wie man aus New York meldet, hat sich dort eine Gesellschaft zum Studium altjüdrscher Melodien gebildet, deren Zweck es ist, nicht nur die alten jüdischen Melodien wieder anfleben zu lassen, sondern sie auch unter den Inden zu verbreiten versuchen will. Die Gesellschaft hält jede Woche eine Znsammeilknust ab, die jeder Jude besuchen kam; und in denen nicht nur theoretische Vorträge, sondern auch die Melodien den Sanglustigen cingeüdt werden. Gegenwärtig beschäftigt man sich mit der Einübung der alten Sedermelodien. Wie groß das Streben nach nationaler jüdischer Kultur der amerikanischen Inden ist, beweist der massenhafte Besuch dieser Veranstaltungen. Wie wäre es, wem; mm; anch hier den gleichen Versuch machte? Es werden sich gewiß auch in dem wegen seiner Mnstkliebe b-kanuteu Wien genug Interessenten finden, um eine Sache zu fördern, die für unsere nationale Kultur sehr bedeutsam werden kam;. Katholisch-theologische Preisfrage mit jüdischem Thema. Für die neue Preisbewerbung wurde den Studierenden der katholisch-theologischen Fakultät an der BreSlaner Universität folgende Ausgabe gestellt: „Das Messiasbild der nachbiblischen jüdischen Literatur soll dargestetlt uub sein Zusammenhang mit den kanonischen Büchern SeS Alten Testaments nntersucht werden." Nabbinerjttbilänm. Der auch als Schriftsteller auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaften bekannte Oberrabbiner von Ragy-Beeskerek in Ungarn, Dr. Moriz Klein, feiert im Monate Mai d. I. das Inbilänu; seiner vierzigjährigen Rabbiiierschast und seiner fünfnNdzwanzigjährigen Tätigkeit als Rabbiner in Nagy-Beeskerek. Die Gemeinde deS Jubilars trifft zur Feier des J-ubilänmS außerordentliche Vorbereitungen. Girre »esre jüdische Koi^rrre in Brasilien Vor kurzem wurde in Pinhast Staat Rio Grande do Sul, Brasilien, eine neue jüdische Kolonie gegründet, der inan de;; Namen Phitippsou Eolony gab. Bisher wurden in der neuen Niederlassung 37 Fanülien, insgesamt 207 Personen, angesiedelt, die aus Rußland nach Hamburg kamen und von hier nach dem Hafen von Rio Grande befördert wurden. Sie trafen bereits altes zu ihrer Aufnahine vorbereitet, als sie in der Kolonie eintrafen. Die Kolonie hat eine sehr pittoreske Lag'', ist gut bewässert, reich bewaldet und hat viel jungfräulichen Ackerboden. Tie für die Kolonisten erbauten Hänschen schließen sich an den Wald und an den Strom an. Da die Kolonie hoch gelegen ist, haben die Ansiedler ein vorzügliches, nicht zu heißes Klima. Die Kolonisten sind dem; auch mit ihrer neuen Heimat sehr zufrieden; bevor sie mit der selbständigen Bewirtschaftung beginnen,werden sie noch von eingeborenen Farmern gründlich unterwiesen werden. ES wird nichts uuverfncht bleiben, um dieser Ansiedlung zum Erfolge zu verhelfen. Die Kttltrrsfteuer in Berlin. In der an; 20. Februar abgehaltcnen Repräsentantenversanunlung der Berliner jüdischen Genwinde gelangte eine VorlageznrBeratung, betreffend die Befreiung derGemeindemitglwdcr miteinem Jahreseinkonnnen von 900 Mark und darnntcr von der Beitragspflicht. Nach § 59 des revidierten Statutes der jüdischen Gemeinde sind diejenigen Mitglieder, deren Einkvnnnen 1200 Mark jährlich oder weniger beträgt, der Beitragspflicht enthoben. Diese Fassung der statutarischen Bestimmung läßt nach Ansicht des Gemeindevorstandes den Schluß zu, daß die Gemeinde verpflichtet ist, selbst solche Personei;, die mangels jeglichen Einkommens oder zufolge eines Einkommens unter 900 Mark von der staatlichen Einkonnnensteuer befreit sind, mit dem Mindestbeiträge von 6 Mark jährlich zu den Gemeindebeiträge;; heranzuziehen. Da ein solches Verfahren jedoch, abgesehen von seiner 11;;- dnrchführbarkeit, der Billigkeit widersprechen wurde, ferner anch durch den Umstand, daß die Einziehungsküsten wahrscheinlich die Einnahmen übersteigen würden, mit finanziellen Nachteilen für die Genwinde verbunden wäre, so hält es der Gemeindevorstand für geboten, von den Bestimmungen (Z 74), welche das Einkomnwnsteuergesetz vom 24. Juni 1901 für diesen Fall vorsieht, Gebrauch zu machen und beantragt, für die laufende Etatsperiode Gemeindemitglieder mit einem Jahreseinkommen von 900 Mark und darunter von der Beitragspflicht zu entbinden, ausgenommen in denjenigen Fällen, in denen solche Mitglieder freiwillig den Beitrag zahlen. Der Antrag wurde, da er nicht genügend vorbereitet vors Plenum kan;, nach längerer Debatte dem vorbereitenden Ausschüsse behufs norreren Studiums zurückgestellt. Von der Lemverger Toynbeehalle. Eine sehr löbliche und nachahmenswerte Einführung der Lcnnberger Toynbeehnlle besteht darin, daß sie außer den üblichen täglichen Vorträgen alljährlich eine populärwissenschaftliche Broschüre zur Belehrung des Volkes herausgibt. In diesem Jahre gab der Verein eine im Jargon geschriebene Broschüre des Dr. Fels über „Die Schwindsucht" heraus, welche gratis verteilt;vird. Die leicht faßlich gehaltene Schrift macht den Leser nüt dei; Gefahren dieser verheerenden Krankheit bekannt und gibt Präventivmittel an, durch welche man sie fernhalten kann. Erwähnt sei noch, daß dieser;nustergültige Verein an, jeden; Sonntag und jüdischen Feiertag eine Kinderunterhaltnng veranstaltet, an tvelcher 60 arnie jüdische Schulkinder bei Tee nebst Brötchen singend und spielend sich vergnügen. Wie man Inden assentiert Alan schreibt uns aus L e n; b e r g: In T a r n obrzeg ließ die Polizei vor einigen Tagen die Juden folgendermaßen auffordern, sich zur Assentierung zu stellen: „Allen Inden wird bekanntgegeben, daß, wer nicht pünktlich bei der Assentierung erscheinst entweder 1000 Gulden Strafe zahlen innß oder ein Jahr lang in; Gefängnis faulen wird." Konwntar überflüssig! Jüdische Hrrrenhanömitglieder. Das ungarische Amtsblatt veröffentlichte vorige Woche die Namensliste jener Magnateuhausmitglieder, die „im Magnatenhanse des 1905—1910er Reichstages die Mitgliedschaftsberechtigung besitzen". Die Juden sind als Konfession im Maguatenhaus» nicht vertreten, doch befinden sich unter der Magnaten fünf, die den; Judentum angehören. Es sind dies : Sigmund B r o d i), Franz Chorin, Alexander Hatvany- Deutsch, Sigmund Kornfeld und Karl S ch w a b. Kein Religionsunterricht für konfessionslose Schüler. Die böhmische Statthalterei hat entschieden, daß ein Kind, das