Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 eine Manifestation der „Achtung der Ueberzengung Andersderkcuder" sehen können. Kann die Negierung der Rechte einer Nation, die wie die jüdische den Deutschen in ihrem Kulturkämpfe manchen hervorrag» ndcn Kämpen beistellte, kann die hinterhältige Bekämpfung unserer nationalen Bestrebungen unter der Schutzmarke des „Kampfes gegen konfessionelle Sondertendenzen", kann dies der Ausdruck deutscher Gristesfreiheit sein? Wir geben den deutschen Studenten nur das eine zu bedenken. Eisenach ist für den Protestantismus historischer Boden. Die Reformation aber war ein Befreiungs- Werk der Geister sowohl, als Streben nach Erweckung des nationalen Bewußtseins. Und auf diesem für völkisches Werden geschichtlichem Boden wollen die deutschen Studenten den Kampf der Juden um ihr nationales Sein zertreten? Ans der Misti scheu KkivegilW. Wie bereits gemeldet, findet am 19. d. M. in Czeruowitz der Brrkowinaer Distriftstag statt. Die Beratungen beginnen um 9 Uhr vormittags, da der Rathaussaal bloß bis 2 Uhr nachmittags zur Verfügung steht. Der Eintritt in den Saal ist nur Delegierten der Vereine, beziehungsweise Gästen, die Eintrittskarten vorweisen, gestattet. An den Debatten dürfen nur Delegierte sich beteiligen. Nachstehend die Tagesordnung: 1. Begrüßung durch den Obmann des D.-K.; 2. Rechenschaftsbericht des D.-K. (durch den Obmann Siegmund Weißglaß); 3. Kassabericht (durch den Kassier des D.-K. Hermann Gottesmann); 4. Organisation, Agitation und Parteipresse (Referent : Redakteur L. Taubes); 5, Statut des D.-K. (Ref.: ein Mitglied des D.-K.); 6. Die jüdische Frauenorganisation (Ref.: Birnbaum); 7. Die jüdische Arbeiterorganisation „PoaleZion" (Ref.: S t e i n m e tz); 8. Neuwahl des D.-K.; 9. Eventualia. Die Ugandakommission ist, wie man aus London meldet, mit ihren Studien bereits zu Ende und hat am 13. d. M. bereits Momb a s s a verlosten und sich auf einem Lloyddampfer nach Triest eingeschifft. Es verlautet, die Kommission habe sich von der gesunden Lage des Landes überzeugt, obgleich sie bezüglich der Aussichten der landwirtschaftlichen Niederlassungen keine großen Hoffnungen hegt. Der Wanandi- Stamm griff die Nachhut der Karawanne an, wurde aber zurückgetrieben. — Diese vom Reuterbureau stammende Meldung wurde hier vom k. k. Korrespondenz-Bureau ausgegeben. Es ist nun recht bezeichnend, daß alle Wiener Blätter diese Meldung veröffentlichten, mit Ausnahme des „Deutschen Bolksblattes" und der „Neuen Freien Presse". Man sieht, daß die Herren aus der Fichtegaffe den jüdischen Lebensfragen gegenüber die gleiche Haltung einnehmen, wie das „Deutsche Bolksblatt". mattet zu den „Hotels" dieser Wüste, strohgedeckte Chaluppen, so bekamen wir zur Stärkung und Labung den Nektar und die Ambrosia dieser Stätten, Schafkäse und ordinären Schnaps. Des nachts kounten wir uns behaglich strecken auf dem aus altem Stroh aufgeschütteten Streu, deren Insasse«, die kleinen Lebewesen, sich durch Bisse rächten, daß wir in ihren Bereich eingedrungen. Drei Tage und zwei Nächte hatte diese herrliche Fahrt gedauert, belebt durch die geistreichen Gespräche der beiden anmutigen Gefährtinnen, als wir in dunkler Nacht uns dem Ziele der Reise näherten, wie Moses mit den Kindern Israels dem gelobten Lande nach vierzigjähriger Wüstenwanderüng. Es war Mitternacht, schwarze dicke Finsternis umgab uns. Nach der unerträglichen Hitze des Tages sogen wir erquickt die kühle Nachtluft ein, nicht ein Lüftchen regte sich, kein Laut war zu vernehmen. ' Nur «och ein Bergesabhantz trennte uns von der' unter uns liegenden Stadt. Wir sahen die wandelnden Lichter und wie einen weißen Silberstreifen den Donaustrom uns entgegenglänzen. Hier war endlich eine Augenweide für mich und für meinen romantischen Sinn. Die Pferde, welche die Nähe des Stalles ahnten, verpaßen ihren bisherige» Schritt, wurden vom Geiste der Schnelligkeit erfaßt und rannten in vollem Galopp die Höhe hinab. Da plötzlich sahen wir aus dem Dickicht zwei Gestalten auftauchen. Durch die Dunkelheit und von der Furcht vergrößert, schienen es Riesen zu sein und sie warfen sich dem Wagen entgegen Jüdisches Volksblatt Einer Meldung des „Jewisli Exponent“ zufolge wurde der Vorstand der orientalischen Abteilung an der Columbia-Universiiüt Professor Richard I. H. Gottheit vom Khedive Abbas Pascha in Audienz empfangen. In der Konferenz wurden die Bemühungen der Zionisten, den Juden in Palästina eine Heimat zu schaffen, besprochen. lieber das Ergebnis der Konferenz ist nur so viel bekannt, daß der Khedeve für die Ausführungen des Professors Gottbeil großes Interesse an den Tag legte. Professor Gottheil kehrt im Oktober nacb Amerika zurück, nachdem er den Sommer in einer jüdischer Kolonie in Palästina verbracht haben wird. Wahrscheinlich dürfte es sich ibm bei seiner Konferenz hauptsächlich um das El Arisch-Projekt gehandelt haben, das heißt um die Besiedlung des an Palästina stoßenden, die Sinaihalbinsel einschließenden Gebietes. Bor etwa vierzehn Togen fand in New York ein zionistisches Massenmeeting statt, das von dem dortigen Vereine „Kadimah" veranstaltet worden tvar. Der erste Sprecher, der Präsident der zionistischen Föderativen in Amerika, Dr. Harry Friedenwald, wandte sich nach Darlegung der Ziele des Zionismus dem O stafrika-Projekte zu und betonte, daß er, ohne Rücksicht darauf, wie das Gutachten der Ugandakommission ausfallen werde, von seiner Gegnerschaft gegenüber dem Ostasrika-Projekte nicht abgehen wolle. Korrespondenzen. Bon der Wiener Kultnsgemeinde. (Ans -er Plenarsitzung -es Kultnsvorstan-es vom 12. März 1905 unter -em Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vorm.) Einlauf: Ein Dankschreiben des Rabbiners S. Fürst für das ihm anläßlich des Hinscheidens seiner Gattin ausgesprochene Beileid des Kultusvorstandes. Ein Dankschreiben zahlreicher Gemckndemitglieder für die Veranstaltung von Vorträgen aus jüdischer Geschichte wird zur Kenntnis genommen und gleichzeitig beschlossen, den Herren, welche in dieser Saison in uneigennütziger Weise Vorträge gehalten haben, den Dank des Kultusvorstandes auszusprechen. Vorgelefeu wird der Erlaß des Ministeriums des Innern vom 31. Jänner 1905, mit welchem die Beschwerde des Kultusvorstandes über die nur für christliche Bewerber erfolgte Ausschreibung einer Verwalterstelle der Landesanstalt in Bad Hall (Ober-Oesterreich) wegen Inkompetenz dieses Ministeriums rückgemittelt wird. und riefen mit donnernder Stimme: „Halt!" ergriffen die Zügel der Pferde und brachten sie zum stehen. Wo nehme ich Worte her, wo den Griffel, um den Schrecken, die gräßliche Angst zu beschreiben, die sich der Gesellschaft bemächtigte. Es. war augenscheinlich, daß mir von Wegelagern attackiert wurden und alle die Bilder und Gestalten der Räuberromantik standen verkörpert vor uns. Vater, Mutter und die beiden Schwestern, die Phantasie noch erhitzt von den erzählten Geschichten. warfen sich allesamt aus den Wagen. Der Alte stöhnte, die Mutter schrie fortwährend: „Schma Jisroel!" und sagte die Widde vor. Die Schwestern aber sanken zu den Füßen der Räuber, umklammerten deren Knie. Wie geistesabwesend rief die ältere: „O, herrlicher Abelleno, du großer Bandit, schone unser Leben, wir liefern dir alles aus was wir besitzen!" „O, großmütiger Pcjuberhauptmann aus den Abruzzen", flötete die jüngere, „Ich gebe mich dir ganz zu eigen, nur nimm nicht mein junges Blut". Ich jedoch, dem schon die Ahnung irgend eines natürlichen Zusammenhanges aufdämmerte, stand gelassen bei Seite, denn der Anblick der Männer, die uns überfallen, schien nicht die von Räubern zu fein. Inmitten dieses Jammergeheuls ertönte auf einmal die Stimme, des einen der vermeintlichen Banditen: „Aber um Gotteswillen, Vater, Mutter, Schwestern, beruhigt euch doch, ich bin es ja, euer Jakob, und der da mein Freund u»d Begleiter. Wir haben euch beim Stadttor erwartet, um bei Ankunft euch sogleich ins Quartier zu bringen. Da es aber zu lange dauerte, sind wir Sei 1. * 5 Zum Vertreter der israelitischen Religtonsgeseüschaft im n.-ö. Landesschulrate wird für die Funktionsperiode vom 1. Juli 1905 bis 30. Juni 1911 der bisherige Vertreter Vizepräsident Dr. Gustav Kvhn einhellig vorgeschlagen. Zum Mitgliede des Bethausvorstandes für den 18. Bezirk wird auf Grund des Vorschlages von Vertraueuslnännern Herr Edmund Kohn ernannt. Als Mitglied des Kuratoriums der M. L. Biedermanttschen Waise nstiftung wird Professor Hofrat Dr. Josef Freiherr Schey von Koromla berufen. Dein jüdischen Privatgymnasium in Ung.- Vrod wird für das Schuljahr 1904/05 eine Subvention von K 500,— bewilligt. Zum Primarärzte der israelitischen Versorgnngsanstalt wird Dr. Moriz Jnfeld ernannt. Der Präsident bringt zur Kenntnis, daß in Angelegenheit des Stadtratsbeschlusses vom 22. Februar 1905, wonach in den Wiener Schlachthäusern das Schächten, beziehungsweise die Schlachtung ohne vorherige Betäubung ausnahmslos verboten werden soll, die notwendig scheinenden Schritte unternommen wurden. — Der Präsident weist insbesondere darauf hin, daß die Frage des Schächtverbotes bereits wiederholt die höchftenJnftanzen beschäftigt habe, und bringt den Erlaß des Ministeriums des Innern in Erinnerung, mit welchem eröffnet wurde, daß die im Jahre 1888 über die bei den Israeliten übliche Methode des Schächtens der Schlachttiere durchgeführten Erhebungen zn dem Ergebnisse geführt hatten, daß wenn alle Bestimmungen des Rituals erfüllt .weiden, in der Methode des Schlichtens eine tierquälerische Handlung nicht gefunden werden kann, daher auch für das Ministerium des Innern emeVeranlaffung nicht vorliegt, um gegen dieselbe ernzufchreiten, ebenso die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, daß die Nichtgestattung des Schlichtens mit der den anerkannten Religionsgenossenschaften staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Glaubensfreiheit und Religionsübung (Art.. 14 und 16 des Staatsgrundgesetzes vonr 21. Dezember 1867 R.-G.-Bl. Nr. 142) und ebenso mit der Bestimmung des 8 26 des Gesetzes vom 21. Mürz 1890, R.-G.-Bl. Nr. 67, über die äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschast, wonach die freie Betätigung der religiösen Ueberzengung, insbesondere, auch in ritueller Beziehung, nicht behindert werden darf, im Widerspruche stehen würde. Es dürfe wohl der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß. der nunmehr von neuem beabsichtigte Eingriff gleich früheren derartigen Versuchen erfolglos bleiben werde. Die diesjährigen Erträgnisse der Dr. Adolf Sacksfchen Herzkrankenstrstung im Gesamtbeträgevon X 8316,— werden konform den Anträgen des eine große Strecke entgegengegangen. Wir, sahennun, daß der Wagen den steilen Abhang jäh hinabrollte, befürchteten einen Absturz und haben ihn' kräftig aufgehalien." Wie von einer Feder emporgeschnellt. waren sie alle auf die Füße gesprungen und in den Armen liegen sich beide und weinen vor Schmerzen und Freude. Die Todesangst löste sich in Freudentränen auf und unter Umarmungen, Küssen. Fragen und Antworten, ging es wohlgemut hinab zur alten Krönungsftadt Preßburg. Dort trennte ich mich von meinen Leidensgefährten und wurde von dem Gastfreuude an dem mich mein Vater empfohlen, herzlich und wohlwollend ausgenommen. Doch brauchte cs einige Zeit, bevor ich mich von den ausgestaudenen Vergnügungen dieser bezaubernden Fahrt ei holen konnte. Nach dieser Schilderung einer Reise in vergangener Zeit, möge die jetzige Generation zu schätzen wissen, die Schnelligkeit und Behaglichkeit von heutzutage, wie man die Räume durchfliegt bis zum Nordcap oder Südafrika nach Osten bis China, Japan und Indien, nach Westen bis Amerika. Und ihr jungen Leute von heute, freut euch, daß ihr Enkel seid und genießen könnt die Früchte die der menschliche Forlchungsgeist gezeitigt hat. Huntes Feuilleton. jüdischer Witz und Humor", so lautete das Thema eines Vortrages, den Herr Dr. Med. M o s e s - B e r l t u im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt. 'Redner wies zu-