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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr. >>' bruch, durch die zahlreichen Eheste mmugeit imd -schetduugen bärge ton und auch tut Osten spielt der „Get" eilte große Rolle, seit der Mann nach Amerika voratiswan-dern und sein Weib — für wie lange vielleicht! — zu rück lassen muß. Und dort im Ostien schreitet mit der Not ottä) die Schande der weiblichen Jugend durch die Gassen. Allerorten aber beklagt ntan die Schmälerung der elterlichen Autorität. Wer wollte diese tran.rigen Bilder noch fortspinnen? Gewiß ist die Bedrängnis der jüdischen Familie bloß ein Teil der allgemeinen Golusnot ititb wird erst mit dieser schwinden. Dennoch rnüssen lvir Zionisten auch hier retten, was noch zu retten ist, indem lvir jene liebet direkt bekämpfen und planmäßig Familieustitn, und Falnilienüberliefer'.lng pflogen miO beleben. Die Familie soll überall wieder der Mittelpunkt in: Le beit des Juden lverden. Es darf nicht nt o h r als ein liebergangsstadium seilt, lvenn wir Zionisten die altnationalen Feste wie Ehanuka, Purim und Peßach öffentlich in unseren Vereilteu feiern. Diese Feste müsfeit sich das Haus lviedereroberil; so werden sie es beleben und verklären und ihm. helfen, daß cs auch an Werkeltagen den Lockungen des Draußen ein stärkeres Gegengewicht biete. Und mögen mich die Binder dein Elternhause noch so ferne lveilelt, dorthin als nach einem Heiligturn trerdcn sie dann stets ihre Sehnsucht kehren und mit fcin'enr Inhalt ihre und ihrer Nachfahren Seelen erfüllen. Die Kunde von unseren Voreltern tvird heute in der Judenfamilie nicht entsprechend gepflegt. Es fehlt einfach das Verständnis für diese erzieherische Pflicht. So ist tmd bleibt der aufwachsenden- Generation oft schon ein Rätsel, was ihre Erzeuger vor 40, 50 Jahren, gedacht und getrieben. Und doch, welche Fülle völkischer Erkenntnis müßte eine lebendige Familienchronik yuf die sinnenden Nochfahren ausschütteni! Ter JuDenknabe aus wahlbegütertem Hause in Kroatien z. B., wie sollte er nicht warmen Herzens den russischi-jüdischen Etnigranten zugetan sein, wenn ihirt belvnßt wird, daß sein eigener Urahn, dessen Bild dort drüben von der Wand herabschaut, bettelarm vor den Verfolgungen jenes Landes geflüchtet ist; lvie sollte der Knabe nicht vor den Anfechtungen eines sinnlosen Chauvinismus gefeit sein, wenn er weiß, daß jener Urahn lloch russischer Untertan, daß Großvater ungarischer und erst Vater kroatischer Staatsbürger gewordenist und wenn ihn so die Ahnung beschleicht, daß das Judenschicksal vielleicht ihn selbst wieder in ein anderes Land des Golus verschlagen! wird? Die Väter dürfen sich die Mühe nicht verdrießen lassen, zn ihren Kindern zu sprechen. Die Kunde von Mizraim, deren Lehre schon die Hagadla gebietet, genügt noch nicht; auch die unmittelbare Vorzeit nmß ihrer selbst willen, und als Bindeglied zum Verständnis jener alten Schriften gelehrt lverden. Und wie dankbar lvird unsere Jugend solcher Lehre lauschen, wie lvird es die Autorität der Eltern stärken-, wenn erst die Kinder erfahren, durch welche Fährlichkeiten das jüdische Hauswesen, welches sie selbst birgt, gesteuert werden mußte. Und bei der m ü n blichen Ueborliefernng soll man es nicht betvenden lassen. In jeder Familie wohl findet sich ein: Beflissener, der imstande ist, die F a m i l i -e it ch r o n i k, soweit er sie bei Eltern, Großeltern und ihren noch lebendenj Zeit- und Jugendgenofsen erfragen, ans Briefen, OUubinschriften uiitib Matriken ergänzen kann, in aller Schlichtheit aufzu'zeichüen!. Jedeni Familiengliede sei in der Chronik seiit Platz gewährt, auf dein die wichtigsten biographifchelt Taten, seine außerordentlichen Lobensschicksate, seine hervorstechenden Eharaktereigenschaften, etlvaige Witzworte ttnd Anekdoten! a-nfbelvahrt lvurden,. Photographien, alte Briefe und Aufzeichnungen, in einem korrespondierenden ^Archive geordnet, Würden sich trefflich in den Rahmen fügen. Nur den Anfang geinacht iniit diesen Chroniken,! Die Nachfahren Werder« gewiß ihr Bestes daransetzen, sie durch die Schilderung ihrer eigenen Geschicke auszubauen. So lvird das (Geschlecht mit Geschlecht verknüpfende Band auch dein blödesten! Auge sichtbar lverden, so lvird der späte Enkel sich augespomt fühlen, es den Vorfahren an guten Werken gleichzutlm, I ja sie darin zuübevtreffen suchen. Und lvie erziehet! sch, lvie veredelnd goraiclezu die bloße Arbeit an einer solchen, Chronik lvirkt. Mir selbst lvies diese Arbeit, als ich im Irrgarten fremden Volkstums enttäuscht und verbittert zusamntenbrechen 'lvollte, die trauten Wege in die Heimat, zlsin Jndentuni zurück. Die Briten sin«) eilt sturm-erprobtes, wackeres Volk. Nlin denn, keiir zweites, lvelches die Jnstitlrtion der Familienchronik so sorgsam pflogt! Tiefe Chroniken wärm zugleich ein wertvolles Material für den jüdischen Geschichtsforscher uni) -schreiber der Zukunft. N'och einer Einrichtnug lvill ich das Wort redeir, eine Einrichtung, die den Juden minder fremd ist, die F a in i l i e it st i f t it n g. In ihr ist den.Nachfahren eilt Kapital dauernd bestintmt und sichcrgestellt. Mag diese «Stiftung vorerst auch ltoch so bescheiden sein, kein Familiengertofse, deincs lvohl ergeht und Fam i lien silt.lt zu ei geil ist, wird sie zu bedenken und atiszubaueit säumen. Sinkt dann der Stern jener Familie, dann! lverdett in den Zinsen ihrer Stistmtg die Ahnen den Ekellt noch Alibi lfe kommen! ttnd mit der Dankbarkeit das Gefühl inniger Zusammengehörigkeit lvecken und wachrufen. — Diese Stiftung lvird in nationaler Hinsicht doppelt sege-rWeich lviirkcit, wenn sie zugleich H e i r a t s st i f t u n g ist, also die Bildung itener jüdischer Hauswesen fördert un>d zugleich aus deren Bedingungen Einfluß nimmt, inföiem z. B. jede Mischehe verpönt, ein vernünftiges Alter der Ehelente verlangt oder überhaupt den als richtig feststehenden Anforderungen der Volkswiritschaft und Hygiene Rcchliung getragen lvird. Solche Stiftungen können aber auch, zumal bei irohl haben deren Familien, reiit ideellen, Zwecken dienen. Sohabe ich! einmal von einem Farmer Smith aus dm Neuengla.nidstaa.teit gelesen, der eine Stiftung gefetzt hat, aus dereir Zinsen von Zeit zu Zeit auf seinem Landgut -ein Familienfest all seiner Nachkommen gefeiert lverden sollte. Und das letzte Fest hat über 6000 solcher Smith ans allen Teilen Nordamerikas herbergeruf-en. Wie eng mußten diese Festgäste sich nicht bloß mit ihrem Urahn, sondern auch mit den Geschicken seines und ihres Vaterlandes verknüpft fühlen! Zweifelsohne waren sie wärmere Amerikaner als der Durchschnitt ihrer Mitbürger. Derartige regelmäßige Z u s a m m e nkünft e, lvann! -auch in kleinerem. Maß stabe, sollten auch bei uns Juden festgesetzt ttnd eingehalten werden., zumal wir so unstet, sind! Ist z. B. Großvaters Todestag und Grabstätt kein würdiger Treffpunkt für pietätvolle Enkel? Wenn dann, Zion auf-ersteht und lvir mit einem vertieften Familiensinn, mit einer fernsichtigeit Ueberlieferungeu nach Alkn-euland walleit, werdenwahrlich auch ihm diese Vorzüge ztt-ln Segoit gereichen. D i e t r e u e n G a t t e n, d i e g e h o r s a nt e n S ohne u n d -e h r f ü r ch t e n d e n Enkel w e r - d e n z u g l -e i ch d i id g l ü h e n d st c n P a - t r i o t e n sei n. Dr. E. M. Zweig. Uereinsnachrichten. Jsr. Bethansiverein „Beth Hatfilah" im 9. Bezirk in Wien. (G e b e t st u n id e n.) 9. Vez., Grüne Torgasse 13 (Müllnevgasse 21), Freitag den in. Btcirz, aHends tt Uhr, Samstag den 11. März, ntorgens 8 Uhr, Mlncha nüd MittelWltlgvttesdienst 3 Uhr. Exhorte Herr Prv.feNvr Dr. Polla'k. Vorstand der Israelitischen KuttuSgelnei'nde Wen. '(K o n f i r m a, n d e u- - U n t e r r i ch t. ) Der Vorstand! bringt zur Kenlntms, daß der alljährlich in den Gemeindetempeln statt findenden Konfirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmandentlnterricht vora-nsgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte «sieht solchen Mädchen frei, welche das 14. Lebensjahr bereits erreickK haben oder dasselbe bis S-eptember 1906 -erreichen. Die P. T. Eltern, eibleu Vormünder werden« derw gemäß eingeladen, ihre Töchter, bezw. Mündel zu veranlassen, sich bei ihrem, betreffenden Nellgionslchrer wegen Teilnahnte am Konfirlnandemmterrichte zu nielden. Mädchen, die keinenöffentlichen Unterricht genießen und über Wunsch der Ettern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, sind im Sekretariat der Israelitischen Killtusgemeinde bis spätestens 20. ds. anzutnelden. Chewra Kadischa Wien. Die Gedächtnisfeier für die i'M verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischa findet Montag den 13. ds. um halb 7 Uhr abends im Leopoldstädter Dempel, 2. B-cz., Tempelgasse, statt. ^ese- und Nedehaüe jüdischer Hochschüler in Wien. Am 4. Mürz fand die 22. ordentliche Plettarvevsamurlnllg unter dem Vorsitze des Obmannes ean'd. »,ed. H. Schlesinger statt. Vor der Berichtersl-attung hielt der Vorsitzende eiuen tiofempfun'öenelt Nachruf i&eu int Lause des Semesters uerstvrbeuen Förderern: Hofrat R. v. Bortenau, kais. Rat Heinrich K'ling-er unid Redakteur Zllexan- -der Schars. Das Plenunr ehrte das Alildeiüen dieser Mämter durch Erhebett vou den Sitzen. Nach dem Necheltschastsberichte wurde zur Wahl des neuen Ausschusses geschritten, welche ^folgendes Erge«bnis hatte: Präses: meö. H. Schlesinger, 1. Vizepräses: phil. A. Kürti, 2. Vs-zeprüses: Phil. E. Kle'iiumann, 1. Schriftführer: jur. S. Schleuderer, 2. Schristsührer: jur. A. Brichta, 1. kassier: jiur. M. Salzberg, 2. Kassier: med. H. Beim. ZeitungSoerweser: phil. I. Sllberschlag, Hausverweser: mad. A. Wolsöhaut, Biblivthelar: techrt. A. Lampe'l. Wien. Am Sonntag abends fand bei zahlreicher Vetelligung von Mitgliedern und Güsten die Eimveihnug des neuen Bethanses des Vereines „Liilviath Chen" in -der Stefaniestraße statt. Nach dent Mincha-'Gobete trug Oberkantor Seifert aus Baden Psalm 30 in höchst gelungener Komposition mit seinem Chore vor. Darauf begrüßte Obmann Leopold Gold die Erschienenen, besonideren Dank dem BiizepräsHdenlen David Kollib für seine eifrigert Bemühungen um die gute Sache attssprech-en'd. Vorstandsmitglied Herr L ö b l dankte dem Bethausvvrstanöe für die gewährte Su«b-vetltiott und appellierte an die Opferwilligkeit der GlaUbensgertossen zum Zwecke -der Krankenunterstützung, als Pfeiler des Judentums die Gemiluth-Cheßed harstellcud. Rabbiner Meyersohn hielt -die 'Festrede, die Be-deutung des Bethauses als Einigungsputttt betonend nnd den Friedert zwischen den Parteien eiüdringlichst .^mpfchleud. Mit Absingung der Volkshymne und Nezstativn eines Psalutes schloß «die erhebende 'Feier. Jüdische Toynbeehalle. Vortragsordumtg: Sonntag, 12. März. Professor D. W. Jerusalem: Der Ursprung der Sprache. Montag, 13. März. Tr. I. Samuely: 'Das Telephon. Dienstag, 14. März. M. Berkowicz: Die rreuhe«brätsche Literatur. 2. M'rttreoch, 15. März. Diskussion. Donnerstag, 16. Mürz. Dr. S. W e rn e r: dlus jüdischer Geischichte. 2. -Freitag, 17. März. BtbeleMäruug. Samstag, 18. März. Kortzeri. Akademie nnd Kränzchen. Diese vom zioniskifchenj Mädchen- und- Frauenverem in FünfhatiS> zu, -cimem wtchti'gm Zwecke vemnsta'ktote Untern'chMtmg, welche am' 14. Mä'vz irr dm Vebüaüdssälelt, 6. Bez., KönigKeWgasse 10 staiifiitdei, verspricht sch!r schön, zu webdert. Das Programm, von dem bewährten Meister Direktor Theo-dor P l o w i t zufammengestellt, bri nigt -den B efu'chern viel Vergnügen und Kunstgenuß. Die Nachfrage nach Karten fft! sehr rege. Die noch vo-vhandcn,en sind zu Haben: KoNgreßbuve'au, 9. Boz. Türken stmße 9, Kaffee Mariahilf, 6. Bez. Mariahilferstraße 89a, Kaffee Westeud, 7. Bez. Mariahilferstraße 128 und Kaiffoe Schlwcnderhof, 14. Bez,. Marrcihtlfevstraße 189. Wohltätigkeits-Matinee. Sonntag nachmittags saud im Raimuudtlheater z-ltguustcu des Vereines zur Ausspeisung armer jüdiischer Schulkinder der Ve'zir'ke 12 bis 15 eine Wohl tätig,k-eiis- Matinee statt, welche einen gläuzeuiden Verlauf nahm. Gegeben rvuvde Anzengrubers Ba'uernkomödte „Der G'w-issonswurm". Ein elegantes PUblikulit sülli-e das .Hans bis zmn letzten Plätzchen ut!«d zollte den Mitw-irkeUden, besonders Frau Hansi Niese, Herrn Th aller llud Herrn Ktrschuer vollen und verdienten Beifall. Das Verdieltst Her Veranstaltung gebührt -der rühöigen Präsi- «öentirt Frau Regine Laüdeis, welche durch ihre aufvpserilde Tätigkeit dem so überaus sogeUbrin» genden Verein ein hübsches Sümmchen zttgeführt hüben bürste. Wien. (I ü d i s ch - a'k a d e m i s ch e V e rb i n du ug „I v rt a".) Die am 4. März für das Sdmmerse>lnester vorgettommenen Chargeniwahlell hatten folg-eüdes Ergebnis: Jllg. Fedor Gotdschneüder, Präses: Phil. Walter Löiv, Vtzepräises: Jrrr. Albert Schönhof, Schriftführer. Wien. (D e r' „V e r e i n j ü d i s ch e r j ug endlich er Arbeiter") veranstaliet Sonntag den 12. d. M. einen Vereinsabend im KvngreWnroan, 0. Bez., Türkenstraße v, bei welchem Agronom S. Abrüham iiber „Die Erzichnng unserer JügeUd" sprechen lvird. Beginll V.4 Uhr. Gäste wiMoiNtnen. Wien. (Verein „Hebräische Sprachschule lSephath Ebers".) Die Statuten des Vereines ,/Hebräische Sprachschule" haben von seiten der k. k. StatthMerei bereits die GenelMignng erhalten. Die Geferttgtell beehren sich hierdurch namens deö oorbereiteUdell Komitees alle Freniche der hebräischen Sprache ltnd ihrer Meratum-zu der Mittwoch bcu 15. d. M., abeltdS halb 8 Uhr, im Kvngreßbllreau, 0. Bez., T«livkenstraße 9, staltsindenden konstituierenden Versammlung ergebenst eln-znladen. Für das vorbereiteUde

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