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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Jüdisches Volksblatt Seite 5 turlicherweise auch unter den Juden. Redner kennt die aufrichtigen Gesinnungen der Serben -den Juden gegenüber und ist darum überzeugt, daß die Schreiberei einiger Blatter nicht den Anschauungen des serbischen Volkes entspreche. Es sprachen hierauf noch die Herren D. T a j t a c a n o v i c, der namentlich die Haltung des Blattes „Oposicija" verurteilte, worauf der Serbe B a j k o v i c, ein pensionierter Lehrer, das Wort ergriff. Der Redner übermittelt der jüdischen Versammlung den Ausdruck feiner Sympathien -und sagt, trtctn fände die .Halmwucherer zahlreicher unter den Serben als unter den Juden. Nachdem! noch Adovkat Benko Davitschko bittet, gegen, die als Halmwuchever stigmatisierten Israel Russe und Jsak Eschkmasi erst dann eine Erklärung abzugeben, bis ein gerichtliches Urteil gegen sie erflossen ist, wird unter stürmischein Beifalle der anwesenden Juden und Serben eine von Dr. Alkalay vorgeschlagene Resolution! angenommen, die sieb gegen Iden Halmwucher wendet und gegen die Angriffe eines Teiles der Belgrader Presse protestiert. Diesem Bersannnlungsberichte sei noch hinzuaefügt, daß die antijüdische Kampagne von der sensationslüsternen! „Opisicija" geführt wurde, deren Redakteur V e l i e k o v i c vor einiger Zeit nach Semlin flüchtete, indem er an gab, mm trachte nach seinem Leben. Es stellte sich aber heraus, daß diese „Flucht" von ihm mir inszeniert wurde, um für sein Blatt Reklame zu machen. Der gleichen Absicht entsprang fein Verslich, den Äntisemitismus hier einznbürgern. Er scheiterte aber an der politischen Reife der Serben, die schon lange gewöhnt sind, uns Juden als Nation zu betrachten und unsere nationalen Empfindungen zu respektieren. Die jüdische Versamnllung hat denn auch auf die Belgrader Gesellschaft einen sehr guten. Eindruck gemacht, well sie' zeigte, daß wir Juden mannhaft Angriffen auf unser Volkstum entgegenzutveteir Nüssen. ml. Katholische Mönche als Streikbrecher. Amsterdam, 26. Februar. Bor kurzer Zeit fand bekanntlich hier ein Streik der Arbeiter der Diamantschleifereien statt, die zum großen Teil ans den Kreisen jüdischer Proletarier ihre Arbeitskräfte nehmen. Während fast alle Schleifereien infolge des Streiks gezwungen waren, die Arbeit einznstellen, gelang es der jüdischen Finna Sack allein, Streikbrecher zu finden und die Arbeit aufrecht zu erhalten. Diese Erscheinung erregte Verwunderung, twm ging der Sache nach und entdeckte, daß die Firma Sack die Forderungen ihrer jiidischen Arbeiter damit beantwortete, daß sie M ö n ch e a n s katholischen Klö steru a ls Streikbrecher in Arbeit nahm. Das Experiment sollte der Firma, die mit so unlauteren Mitteln ihre Jntereffeu rvahrnahm, iibie Früchte tragen. Denn die katholischen. Mönche, die sich von freut jüdischett Fabrikantell als Streikbrecher gegen seine eigenen Stcnntnesgenvssen verwerifr-en ließen, taten dies nur — nm in d ie G eh eimnisfe fr er Diam a nt s ch l ei fe re r ein z u fr r i lt g e it. Als sie genug gelernt hatten, errichteten sie vor der Nase des Herrn Sack eine eigene Diant a n t s ch leisere i. Herr Sack hat also in seiner Verblendung und in seiner engherzigen Prvfitwnt iticht mtv freu jüdischen Proletariern, sondern vielmehr noch sich selbst geschadet. Da aber der, der den Schaden hat, auch fiir freu Spott nicht zu sorgen braucht, reißt man in ganz Holland über diesen Vorfall Witze. Ich teile Ihnen diesen tragikomifcherl Fall mit, um zu zeigen, fraß uns Nationaljuden nichts ferner ließen darf, als der Schutz jüdischer Kapitalisten, worut ihre Han-lnufieu so sind, daß sie vom jüdischen Standpunkt sowohl als vom allgemein menschlichen gegeißelt zu werden verdienen. Mail darf es nicht als die Aufgabe der jüdischen Presse bet rächte lt, derartige Dinge zu vertuschen, mn so tveniger,als ivirwtssen, daß gerade unter frerr jüdischen Proletarierlt das Nativnalbeivntztsein stark genug ist, llm die Wahr^- Veit zu ertrageil, fraß leider auch bei lllls Jnfreu itl manchell Fältelt das Klasseltiuteresse liber fräs Nativnalempfinfren siegt. Aber ebell dllrch die Verösfentlichlllig derartiger Fälle erreichen wir, daß mall zll begreifen begilint, wie die natiomrljüfrische und zionistische Bewegung nicht allein! eine politische Aktion sein darf, sondern auch ein Prozeß der nationalen Verinnerlichung sein mutz,' ein Prozeß, fressen vielleicht wichtigster Teil der Kampf gegen die k o m m e r-- z tolle Weltanschauung ist, die sich namentlich irr den Kreisen der wohlhabenden Inden breit macht, damit eine der hauptsächlichsten Triebfedern der Assimilation wird nnd so die Ideale unserer Bewegung gefährdet. Schon weil wir die Gefährlichkeit dieser kommerziellen Weltanschauung fiir unsere Bewegung erkennen, müssen wir mit allen Mitteln einen wahrhaft kulturellen Nationalismus unterstützen, denn dieser allein ist imstande, den die Welt nur vom Standpunkte des Profites betrachtenden Elementen eine andere, bessere Weltanschauung zu gelben. Ein nationalen Idealen zugänglicher Fabrikant wird trotz aller kapitalistischen Interessen nicht im^- staNde sein, jüdischen Arbeitern katholische Mönche als Streikbrecher gegen ü be r z u st e l l e n. So erweist sich die Veröffentlichung dieses Galles gerade für ein dem jüdischen Volke gewidmetes Blatt als Pflicht. , O. Brief ans Rußland. Jüdische und polnische Unternehmer.— Tod eines j üd i s ch en Z ens ors. — G erichtsaffären. — Eine Dankesadresse an den Homeler Gerichtspräsidenten. W a r s ch a u, Ende Februar. Anläßlich der Arbeiterunruhen in Polen traten bekanntlich in W a r s ch a u auch die Buchdruckereiarbeiter in den Ausstand, was zur Folge hatte, daß fast alle Zeitungen ihr Erscheinen einstellen mußten. Diese Gelegenheit benützte der wegen seiner antisemitischen Tendenzen sattsam bekannte „Kurjer Warscharvsky", um den Juden einsam Zeuge gu flicken. Das genannte Blatt wendet sich nämlich gegen die beiden hier erscheinenden jüdischen Blätter „Hazofe" und „Hazesira" und sagt, es sei doch mehr als merkwürdig, daß, während die polnischen Blätter gelegentlich der Arbeiterunruhen ihr Erscheinen einstellten, die beiden jüdischen Blätter wie in normalen Zeiten erschienen. Die Tendenz dieser Darstellung ist ungemein durchsichtig und man ntuß sich nur wundern, daß die in Antisemitismus doch recht erfahrenen polnischen Journalisten ihre Sache nicht mit mehr Geschick ausführten. Wie hinterlistig dieser Angriff des polnischen Blattes ist, erhellt aus einer kurzen Aufklärung, die „Der Frajnd" in dieser Sache gibt. Das jüdische Blatt fügt der Erzählung des polnischer Blattes nämlich nur die eine Tatsache hirrzu, daß die polnischen Buchdrucker erst rrach vielem Blutvergießen sich dazu verstanderr, auf die Forderungen der Arbeiter einzngehen, die Herausgeber der beiden jüdischen Blätter aber die gerechtigten Forderungen sofort erfüllten rrnd es nicht auf einen Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeiter ankommen ließen.— Daß der „Kurjer Warschavski" diesen Umstand seinen Lesern verschweigt, ist aber anr Ende nicht unbegreiflich. Einer ans Odessa eingetroffenen Nachricht zufolge ist dort der jüdische Zensor und Pädagog L. I. K l a tsch k o gestorben. Der Verstorbene hat sich namentlich auf dein Gebiete der Erziehung der jüdischen Jugend große Verdienste erworben. Er verfaßte eine große Anzahl pädagogischer Werke, die in hervorragendem Maße die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Kreise auf ihn lenkten und seinem Ncunen auch außerhalb Rußlands guten Klang verschafften. Die rneisten der von ihm verfaßteil Werke sind auch jetzt nocEi für die in russischen Unterrichtsanstalten zur Anweildliilg kommenden Gesichtspunkte maßgebend. 'Sein Vorgänger im Amte des Zensors warWarschavski, der ebenfalls eülen bedeutenden Ruf in der pädagogischen Welt genoß. Bekanntlich hat der Staatsallwalt im Prozeß wegen der Kischenewer Judenabschlachtungeil gegen deil Freispruch der drei Ailgeklagten Peter Kasarin,Jvan Piroschko und Stephan Fogsch Einspruch erhoben. Die Gerichtsbehörden habeil diesem Einspruch stattgegeben, das Urteil vom 22. September v. I. aufgehoben und eine neue Verhandlung anberaumt. Bemerkt zu werden verdierlt, daß auch mit der Führung dieses ileuerlichen Prozesses der Gerichtshof von Odessa betraut wurde, nur hat man für das Richterkollegium andere Richter bestellt. — Aus Kiew wird gemeldet: Die Voruntersuchung im Prozesse, der wegen der im vorigen Sommer in S m j e l a, GoirvernementKiew, stattgefundenen Exzesse gegen die Juden eiilgeleitet wurde, ist nun bereits beendet. Die Hauptverhandlung wird infolgedeffeil bereits im Laufe des Moilates März in T s ch e r k a s s i stattfinden. Ueber den wahrscheinlicheil Verlauf des Prozesses ist man in jüdischeil Kreiseil sehr beunruhigt, da deir Vorsitz derselbe Kotlj arewski führen wird, der bereits als Präsident des Homeler Prozesses eine traurige Berühmtheit erlangte. Angeklagt sind nicht welliger als 120 Personen, unter denen sich keül einziger Jude besindet. Weiln man die Geireigtheit der russischen Behörden kennt, selbst Judeil, die tu berechtigter Notwehr Angriffe von sich abweisen, unter Anklage zrt stellen, danll wird mall auch begreifeil, wie die Exzedenteil iil letzter Linie etwa durch ein aufreizendes Verhalten der Judeil zu ihren Verruchtheiten provoziert wlirden. Der Prozeß dürfte voraussichtlich zweiWochen dauern. Die Allklageschrift wurde vom Gerichtshöfe bereits genehmigt. Die blutigen Ereignisse iil Rußland haben in Europa begreiflicheriveise ein lautes Echo gefunden. In der auswärtigell Presse begegnete man bei dieser Gelegenheit recht kuriosen Urteilen über die liberalen Gesinnmlgen der russischen „Gesellschaft" und selbst in jüdischen Blättern kllüpfte man an die Verfassungsbewegung kühne Hoffnullgen, als ob nur die Koilstitutioil eingeführt werden müßte, um aus Rußland für Ulis Juden eül Paradies zu machen. Daß aber nicht allein der Absolutismus unsere Seihen verursacht, sondern gerade in den Kreiseil der russischen Intelligenz ein schier urlbesiegbarer Judenhaß deil Gruildtoil der Stimmung bildet, bezeugt eine Dankesadreffe, die von der Homeler guten Gesellschaft an den Vorsitzenden ül denl vor kurzem beelldeten Prozesse ivegen der Exzesse gegen die Juden für seine „echt russische Amtsführurlg" gesendet wurde. Die Adresse lautet: „Die Homeler Gesellschaft hat den über drei Moilate gewährt habenden Prozeß, der eine große politische wld gesellschaftliche Bedeutung in sich trug, mit Spanillmg verfolgt und muß Jhllell, Herr Präsident, die Gefühle aufrichtiger Dankbarkeit für Ihre bewundernswerte Ullparteilichkeit zuill Ausdrucke brnlgen. Sie spricht offen aus ihre Gefühle höchster Achtllng unb Bewunderung für die unermüdliche Trecre, mit der Sie Ihre Pflichteil erfüllt haben. Sollten die Feillde der Wahrheit falsche Gerüchte über Sie cursstreuell. so si.ld wir die Zeugetl für Ihre Gerechtigkeit und unverdrossene Ärbeitsfreudigkeit." Die Adresse trug 30 Unterschriften. Bereiusnachrichte«. Oeffentliche Versammlung. Donnerstag fren 9. Mürz 1905 findet in Herlingers SaMokalitäten 2. Davorstratze 36 eilte Voliöversnunnlung mit -er Ta'gesovdlMll'g: „D ie n eu e G e w erberefvrm nnfr -ie In-en" statt. Referent Herr Dr. Karl L i f e z i s. EilBerulfer Hermann Plaschke s. Wien. (Z i o n i st i s ch e r M n d ch o nu n -d F r a u c n v e r e i n F ü n f h a u s.) Dicnötag dm Ick. März 1906, abends halb 9 Uhr, finbet in den VerbandSsälen 6. Vez., Kölligsegiggasse 10 (Ecke K'aserilengasse), eure Akadenlie und Tanzkränzchen statt. Die artistische Leitung liegt! in Händen des Herrn Direktor Theodor Ploivitz. Ferner hüben ihre Mitlvirknng zngesagt: Frl. Selma Liebermaml (heitere Gesangsvortrnge); Frl. Marianne Rnb vom k. k. Hofburgtheater; Herr Heiilrich Pekel (Tenor); Herr Berthold Silbiger (Vtolinvirtuose); Herr Gustav Berger (Orig.- Typeuhuuwriist) u. a. Wiener Elite-Kapelle E. Salnet. Soireetoilette. Kartell im Vorverkauf K 2.—, Faiuilieukarteil für vier Personen K 6.—.

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