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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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isr. 8 Jüdisches Volksblatfc äiiito ü in dem verflossenen Jahre 792,04 M., die Ausgaben 730,10 M. betragen haben. Der Bericht des Schatzmeisters des Kuratoriums, Herrn Benno Braun, wies Allsgaben int Betrage vor: 3239,30 M. aus. Ans Antrag, des Mitgliedes der Revisionskommission, Herrn Richard Cassel, welcher die Bücher und die Kasse des Verbandes revidiert und in Ordnung befunden hatte, wurde für die Finanzgebarung Decharge erteilt. In der Diskussion ergriff zunächst Rechtsanwalt Dr. Horwitz das Wort, indem er die Frage ventilierte, ob das gesamte von dem Bureau für Statistik aufgebrachte Material zur Veröffentlichung bestimmt sei oder ob gewisse Teile desselben im Archiv zu verbleiben hätten. Dr. Kaftan vertrat die Allsicht, daß die gefummelten Angaben mit möglichster Vollständigkeit Publiziert werden sollen. Nach längerer Erörterung dieser Frage, an der sich, auch Justizrat Dr. Eugen Fuchs beteiligte, neigte sich die Versammlung der Ansicht Dr. Kaftans zu. San.-Rat Dr. Marchki regte hierauf die beifällig ausgenommene Idee an, daß das Bureau für Statistik über die Lage der in verschiedenen Berufen arbeitenden, zu selbständigem wirtschaftlichen Leben gezwungenen jüdischen Fraueil eine Untersuchung anstelle. Die Diskussion über diesen. Vorschlag ergab, daß er nur dann durchführbar wäre, wenn dem Bureau ein. spezieller Fonds für diesen Zweck überwiesen werden würde. Im weiteren Verlaufe wandte sich die Diskussion der im Referat von Dr. Cohen berührten Frage der Unerläßlichkett der Statistik für die Arbeiten der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen zu. Die Versammlung votierte in dieser Hinsicht nachstehende Resolutionen: 1. In Erwägung, daß die jüdischen Wohlfahrtsaktionen nur auf Grund genauer statistischer Angaben in wirklich gedeihlicher Weise geführt werden können, weriden die jüdischen Organisationen ein geladen, ihr Augenmerk mehr als bisher statistischen Arbeiten zuzulvenden und insbesondere die Auswanderungs- und Kolonisationsakttou tlMlichst auf statistischer Grundlage zu betreiben. 2. Die jüdischen Organisationen werden, eingeladen, behufs. Herstellung der unerläßlichen statistischen Basis für ihre Wirksamkeit das Bureau für Statistik der Juden mit Fonds von zweckentsprechender Höhe auszustatten. Dem neueil Vorstande wurde die Direktive erteilt, die Verwirklichung dieser Resolutionen auf geeignetem Wege anzustreben. Alis den Wahlen., welche auf Antrag voll Dr. Hirsch Hildesheimer durch Zuruf erfolgten, gingell! die meisten Mitglieder des vorjährigen Vorstandes hervor: als Vorsitzender Dr. Alfred Nossig, als Beisitzer Dr. Martin Buber, Berthold Feiwel, Ing. Stefan Perez, Davis Trietsch, Dr. Theodor Zlocisti. An Stelle des auf eigenen Wunsch ausscheidenden Ing. S. Eliasberg wurde Herr Benno Braun gewählt. In die Revisionskommission wählte man Richard Cassel und Ing. S. Eliasberg. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen schloß die Versammlung, welche den Beweis erbracht hatte, daß das Verständnis und das Interesse für die Statistik der Juden im Wachsen begriffen seien. Jüdische Toynbeehatte. Vortragsovduuüg: Sonntag, 26. Februar. Professor Dr. Adolf Weiß: Die alexandrinischen Inden und die Gegenwart. Montag, 27. Februar. Med.-Dr. I, Lederer: Erkältung und Abhärtung. Dienstag, 28. Februar. Jur. Simonowiez: Moralphilosophische Fragen. Mittwoch, 1. März. Diskllsstvn. Donnerstag, 2. März. Dr. Siegmnnd Werner: 860 Jahre Don Quijote. Freitag, 8. März. Bibelerklärung. Samstag, 4. März. Konzert. Sonntag, 6. März. Professor Dr. W. Jerusalem: Der Ursprung der Sprache. Israelitische Kultnsgemeinde Wien. In der am 10. Februar 1005 unter dem Vorsitze des Präsidentell Dr. Alfred Ster » stattgeliabten Plenarsitzung des KnlknSvvrstaiideö ivnvde llach eingehender Debatte die Anstellung eitler Oberin für die Siechenabteilung der israelitischeil Bersvrgttngsallstalt beschlossen. — Bei diesem Anlasse kam auch die seit mehreren Jahren geplante Errichtung eitler S ch ll l e f ü r jüdts ch e P f l egerin neu zur Sprache, worüber sich eine längere Debatte entwickelte. All derselben beteiligterl sich die Herren Dr. R a p p a p o r t, Salo C o h n, v. Go lösch midt, Prof. Dr. Ehrmann, Stiaßny, Auspitz, Ka u ders, Dr. Steiner, Dr. Stein un>d Dr. Schnabl. Ueber Antrag des Vorstehers M a r m o r e k wird das Vertreterkollegium ersucht, in einer der nächsten Plenarsitzungen über öcit Stand der Angelegenheit Bericht zu erstatten, eventuell Anträge zu stellen. Jll derselben Sitzung wurde eine Ergänzung des Statutes des Spitals und der Versorgungsallstalt dahingehend beschlossen, daß im Falle einer später bekannt werdenden Zahlungsfähigkeit von in diesen Anstalten unentgeltlich verpflegtcit Personen der Kultusgemeinde das Recht znsteht, von denselben oder ans deren Nachlosse oder auf irgend eine andere Weise den Ersatz der Verpflegskosten zu beanspruchen. Das Ansuchen des Bethausvereines „Emunas Awes" um Beitragsleisttrng zur Bestellung eines Dajan wird abgelehnt: desgleichen das Ansuchen des Bethausvereines „Adas Jeschnrun" um Subvention. Nach Erledigung von Stiftungsallgelegenheiten und Personalien wird die Sitzung geschlossen. Erklärung! Aus Grund der bei der jüngsten „außerordentlichen Generalversammlung" des M. u. F. V. „Biknr Chansim", von welcher mir seitens der Vereinsleitung keine Mitteilung wurde, vorgenommenen Namenstanfe, sehe ich llrich veranlaßt, hiermit meinen Austritt aus diesern Vereine anzuzetgen. Ich kann einer Institution nicht weiter cmgehören, welche ich seinerzeit, im Vereine mit Gesinnungsgenossen, in rein nationalem Sinne schuf ilnd welche heute das jüdische Banner verleugnet, das allein uns Mut und Liebe zu unermüdlichem Schaffen gab. Gisela Kohn. Jsr. Tempel- und Schülverein, Wien, 6. Bezirk, Stnmpergasse 42. Die Generalversammlung des Jsr. Tempel- und Schnlvereines, Wien, 6. Bezirk, StuMpergasse 42, hat unter Vorsitz des Herrn Moritz Felsenburg am 29. Jänner d. I. stattgefllnden. Der als Vertreter der löblichen Kultusgemeiüde delegierte Herr Dr. Alfred Berger hat sein Fernbleiben wegeNUNmohlseins entschuldigt. Der als Vertreter der Bezirkskomwission für die Bezirke Mariahilf unld Neubau erschienene Herr Josef Sonnenschein wurde vom Vorsltzerrden begrüßt und der Versammlung vorgestellt. Vor Uebergang zur Tagesordnung hielt der Vorsitzende der dahingeschiedenen Frau Regina Fleischer, gewesene Gattin des Kuttusvorstehers und k. k. Baurates Max Fleischer, einen tiefempfundenen Nachruf, welcher von den Anwesenden stehend angehört wurde. Die Generalversammlung beschloß, Herrn Fleischer das Beileid namens des Vereines zum Ausdrucke zu bringen. Im Laufe der sehr anregenden Debatte anläßlich der Erledigung der Tagesordnung hat Herr Joses Sonnenschein einige Male das Wort ergriffen, Hierbei sein lebhaftes Interesse für die Entwicklung unserer Talmud Thora-Schule bekuUdet und derlieh der Versicherung Ausdruck, daß er maßgebenden Ortes sein diesbezügliches Referat erstatten wird. Es ist nicht zu zweifeln, daß Herr Sonnenschein, der auch unser Vereinsmitglied ist, unser erhabenes Ziel, besonders, nachdem wir jetzt auch eine Talmud Thora-Schule für Mädchen gründen wollen, mit jener Wärme vertreten wird, die er bei jeder Gelegenheit für unseren Verein empfindet. Bei der vorgenommenen Ergänznngswahl wurden Herr Leop. Fürst, Herr Heinrich Münzer, Herr Em. M. Weiß wioder- und Herr Sann Braun neugewühlt. Die konstituierende Sitzung des Vorstandes hat am 15. d. stattgefunden und wurde Herr Moritz Feksenbnrg als Präsident, Herr Leop. Fürst als Vizepräsident, Herr Heinrich Zvllschan als Schriftführer, Herr Ern. M. Weiß als Kassier wiederurrd Herr Sam. Braun als Kontrollor nengowählt. Wien. (Zionistischer M ädche rru n d Fra u c m v e r e t u F ü n f y a u s.) Dienstag den 14. März 1903, abends halb 9 Uhr, findet m den Verbandssälen 0. Bez., Königs egg gasse 10 (Ecke Kasernengasse), eine Akademie und Tanzkränzchen statt. Die^ artistische Leitung liegt irr Händen des Herrn Direktor Theodor Plowitz. Ferner haben ihre Mitwirkung zugesagt: Frl. Selma Liebermann (heitere Gesanßsvovträge); Frl. Marianne Rub vom. k. k. Hofburgtheater; Herr Heinrich Pekel (Tenor); Herr Berthold Silbiger (Violinvirtuose); Herr Gustav Berger (Orig.- Typenhu-morist) it, a. Wiener Elite-Kapelle E. Samet. Soireetoilette. Karten! im Vorverkauf K. 2.—, Familienkarton für vier Personen K. 6.—. Einzelverein „Fünfhans" des „Zion" in Wien. Samstag den 25. ds., um 8 Uhr abends, findet in PH. Neumanns Lokalitäten Wien, 14. Bezirk, Schwenbergasse 1, eine Versammlung des Einzelvereines „FnNshnns" des „Zion" statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Rezitation jüdischer Dichtungen (Herr S. Strauß). 2. Ostafrika (Uganda) und Palästina. Diskussion, eingeleitet voll Herrn S. Rllbinstettt. Im Interesse der zionistischen Sache ist zahlreicher Bestich der Bersalnlnlllllg erwünscht. Wien. (B o r trag a n s jüdische r G es ch i ch t e.) Donnerstag den 2. März a. e>, präzise halb 8 Uhr aberids, sitidet im Festsaale des Ingen ienrurrd Architekteuvereines, 1. Bez., Escheubachgasse 0, eilt Bortrag des Herrn Dr. Max Grumvakd statt. Thettia: Aus dein ittueieu Leben der Juden in Deutschland und Oesterreich. (Borsührung votr Lichtbildern.) Eintritt frei ohne Karten. KrankennntersttttznngSverein „Menschenliebe". Die vor einiger Zett abgehattene Generalversammlung dieses so segensreich wirkenden hnmanitärett Bereiltes war wieder ein Beweis für dte großen Sympathien, deren sich dieser Verein in Wien und hauptsächlich unter den Juden des 0. Bezirkes erfreut. Die bei dieser Generalversammlung vorgenommene Siaintettänderung bezweckte abermals mehrere im Jttteresse des Veretries sowohl als der Mttglieder gelegene Bestimmungen. Es wurde in der groß angelegten und äußerst anregendell Diskussion über die aus der Tagesordnung stehenden Punkte wiederholt Hervorgehoben, daß das rasche und stete Atksblühen des Vereines hauptsächlich der Umsicht und Opferwilligkeit der Vereinsleitung zu danken sei. Diese Auffassung machte sich auch bei der Wahl der Funktionäre geltend, ittöeut sämtliche ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt wurden. Der Vereinsvorstanid hat sich nun in seiner jüngsten Ausschutzsitzung folgendermaßen konstituiert: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Julius Steinschneider, Präses^ Jul. L. Löffler, Präses-Stellvertreter, Joses Back, erster SchriftfüHrer, P. Papernik, zwetter Schriftführer, Adolf Bock, Kassier, Sal. Saxl, Kasiier-Stellvertreter,' Kontrollore H. Tausz, L. Kobak, S. Steiner. Beiräte: Max Belak, Redakteur Jacques Burger, Ignaz Deutsch, Bert. Eisler, Em. Goldscheider, Redakteur Jakob Krausz. Revisoren: Ignaz Fried, und H. Gerstner. Als Veretnsarzt fungiert seit Begründung des Vereines Herr Dr. Emanuel Deutsch, 9. Bezirk, Porzellangasse 54. Herrn Dr. Deutsch, der sich unter den Vereinswitgliedern besonderer Beliebtheit erfreut, wurde in der Generalversammlung protokollarisch der Dank ausgesprochen. Wir empfehlen diesen in wahrhaft jttdisch-hnmanttärem Sinne wirkenden Verein der Unterstützung unserer Glaubens- und StammeAbvüder anss wärmste. Berlin. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 11. ds. im Saale der Gesellschaft der Freunde vor sehr zahlreichem Auditorimn der an der Reformgemeinde als Chordirigent amtierende Kapellmeister Herr Eduard Levy über „Richard Wagner und das Judentnm". Unter Zugrundelegung des Satzes, daß die Beschäftigung mit der Kunst den menschlichen Charatter veredelt, wies der Redner darauf hin,daß die Kunst bewußt oder unbewußt die Vervollkommnung der Menschheit fördern solle. Die Praxis des Lebens beweist, daß eine Kunst, die nur den einzigen Wert der Anhäufung von kilnstlerischen Mitteln in sich trägt und nur auf die spezifischen Sinnesorgane wirkt, der sittlichen Vervollkommnung der Menschheit durchaus entgegensteht, ja sie sogar allmählich vollkommen verstummen läßt. So viele gewaltige Schönhetten und tiefe Erhabelrheiten auch ein Kunstwerk haben mag, nur dasjenige vermag der oben erwähnten Forderung zu genügen, dessen Wesen sich als höchste Aeutzerung der nach möglichster Idealisierung strebenden Seele sich darbietet, und nur die Schöpfer eines solchen Kunstwerkes veMenen in Wahrheit den Namen der Priester des Idealen. Ein prägnantes Beispiel für eine Inkonsequenz zwischen .Künstler und Mensch bietet uns Richard Wagner, und in der Natur ist keine schrillere Disharmonie erklungen, als indem sie diese gewaltige Persönlichkeit schlls. Er hat stets verlangt und begehrt, hat nie ein Sichbescheiden gekannt, nie wahrhaft anderen gehuldigt und andere hochgeschätzt. Besonders tadelnswert erscheint sein Verhalten gegen Meyerboer, der den damals noch völlig unbekannten Kollegen vor des Lebens Nöten errettete und dessen künstlerischer Einfluß es erst zuwege brachte, daß die ovu Wagrter in Paris geschaffenen Tonwevke in Dresden und Berlin zur Annahme gelangten. In seiner bekannten Broschüre „Das Judentum in der Mnsik" hat Wagner nicht nur Meyerbeer und Mendelssohn-Barthokdy, jenen beiden Kunstgrötzen, die damals die ganze Welt zur Bewunderung zwangen und heute noch als leuchtende Sterne am Klmsthimmel erstrahlen, auf Grund ihrer Stammeszugehörigkeit jede Befähigung abgesprochen, in der Musik Wahrhaftes zu leisten, soildern er hat auch die Juden im allgelneiueu für unfähig erklärt, in irgend einer Kunst etwas Tiefes, Wahres und Großes zu schaffen. Ntit treffender Schürfe wies der Redner in eingehender Nntersnchung, bei der er den die Werke Wagners überwuchernden künstlerischen Schönheiten gerechte Wiirdigullg zollte, die gegen die Juden als Gesammtheit in künstlerischer Beziehung erhobenen Anklagen zuriick und bewies, daß das von Wagner behauptete Fehlen nationaler Eigeuhetteu bei den Juden kein Beweis für eine ihnen etwa mangelnde kürcstlerische Prodllktions- und EmpfindnngSfähigkeit sein könne. Nach des Redners Ansicht gibt es überhallpt keine jüdischeMnsik und WagnersHaß gegen jüdischesWesen hat wohl mehr als eine Abneigung gegen romanisches Wesen zu gelten. Wenn der Besitz der verschiedenster^ Eigerlschaften entgegerlgesetzter Nationerr ein Berveis ist für die Befühiauilg der Jrrdividnen, in der Knust Großes zu leisterr. so müssen die Juden eberkso rvie jeder über solche spezielle Eigenart sich erhebende Mensch die Befähigung haben, der Krrilst einen leberrdigen, rvahren Jrrhalt zu schassen. Den sehr interessanten und lehrreichen Ausführungen des Vortragenden folgten die Zuhörer mit gespannter Aufmerksamkeit und lohnten tim durch wiederholten lebhaften Beifall.

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