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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-24 · 8 (24.2.1905) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdisches Volksblatt Nr. 8 Auch eilten statistischen Verein gestatteten Sie hier ins Leben zu rusen. Allerdings gleich mit der Reservation, daß Sie kein Freund der Statistik seien. Wir begreifen dies, denn die Statistik, wie z. B. die eben angeführte Statistik Ihrer Taten, ist doch zu unerbittlich, als das; man Sie durch Prasidentenautorität mnstinnnen könnte. Aber Sie waren gnädig genug, den Verein für Statistik ins Leben, rufen zu lassen, und siehe da, auch diesen Verein ereilte dasselbe Schicksal wie die übrigen, welche sich Ihrer Patenschaft erfreuen. Die R e f o r m, unse r e s Armenw e s e n s war schon oft nahe daran, durchgeführt zu werden, und immer warm Sie es, Herr Präsident, der es verstand, im geeigneten Moment auch diese gewiß sehr wichtige Bewegung Ihren Wünschen gefügig äu machen, und so liegt denn auch dieses zarte Kind jüdischer Fürsorge in dem Schachtgrabe, das Sie, Herr Präsident, für sonst lebensfähige Aktionen gegraben haben. Haben Sie nicht die Empfindung, Herr Kultuspräsident, daß Sie mit Ihrer autokratischen Herrschsucht sich im Gegensätze zum größeren Teile der Wiener Juden befinden, haben Sie noch immer nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß Sie aus dieser jungen, frischen, mutigen, auf ihre Rechte offen und laut pochenden Generation bereits herausgealtert sind, und daß die Zeit der vielen und großen Reden längst verschwunden und einer Epoche der aufstrebenden Arbeit Platz gemacht hat? . J . . Bei diesem Anlässe hätten wir auch an Herrn Kultusvorsteher Architekten Oskar M a r m o - r e k, eine Frage: Fühlen Sie nicht die peinliche Situation, in welcher Sie sich befinden? Empfinden Sie es nicht, daß Sie gewissermaßen als Aushängeschild für dieses Leichenbestattungsunternehmen des Herrn Dr. Alfred Stern benützt werden? Sie sind Mitglied des engeren Komitees im Kolonisationsverein. Beteiligte sprechen voll Entrüstung über den Ton, der in einer dieser Komiteesitzungen in bezug auf Palästina und seine Kolonisation angeschlagen worden sein soll. Die Entrüstung dieser Gutgesinnten hat sich auch gegen Sie gewendet, weil Sie trotz dieses Vorganges dieses ganze pseudonationale Unternehmen durch Ihr Verbleiben in diesem Vereine noch weiter decken. Man spricht offen davon, daß ein hervorragendes Mitglied dieser Gesellschaft kurz und bündig erklärt habe, daß P a l ä - st i n a „unserem" Herzen sowohl w i e unterer Vernunft entfrem - bet f e i, und daß wir das aufzubringende Geld viel besser für andere Zwecke verwenden könnten. Sie, Herr Vorsitzender des zionistischen Aktionskomitees, sollen dieseAuslassungen ohne Zurückweisung angehört haben, und es iit sondern nannten so teden Tag, an welchem eine Mondphase zu Ende ging. Sämtliche Sabbatutage wurden dann als Feiertage betrachtet und später wnrde jeder siebente Tag des Monats als Saöbatu gefeiert. Die Bestimmung des siebentägigen Zyklus als Zeitzyklus wurde später von der Monddrehung gänzlich abgesondert und auf diese Weise entstand die Feier des siebenten Tages der Woche. Ter astralische Charakter der Sabbatllfeier wird durch die Erklärungen des Vortragenden dann noch eingehender erläutert; er weist ferner nach, daß die Inden diese Feier von den Vabylouiern übernommen haben. Im zweiten Teil seines Vortrages befaßte sich der Verfasser mit der kalendarischen Bestimmung der biblischen Feiertage; auf Grund eingehender Studien ist er zu dein Ergebnisse gelangt, daß in der Bestimmung der Feiertage der lunisvlarische Charakter derselben prägnant zum Ausdruck kommt. Im Laufe seiner Ausführungen wies Vortragender aus die in der Bibel nachweisbaren ägyptischen kulturhistorischen Elemente hin und gelangt zu dem Resultat, daß die Aegyptivlvgie und die Bibel einander zulNiudest sv nahe stehen, wie „Babel mit» Bibel". Der interessante Vortrag fand lebhaften Beifall. Allerlei Wiener Statistik. In: Monate D ez e mb e r 1004 wurden in W i e n insgesamt 2252 Ehen gefchlvssen, davon waren 207!) röm.-kath., 82 jüdts ch, 50 evang. A. B., IN evang. H. B., 12 k o n s e s s i o n s l v ö, 0 griechisch-kath., 3 griechisrh-orielltalisch und l alt-kath. G eboren wurden in Wien in demselben Monate insgesamt 430!) Personen, davon waren M72 röm.- nur dem energischen Proteste eines Vertreters der orthodox - religiösen R i ch - t u n g zu verdanken, daß diese kühne Verletzung des nationalen und religiösen Gefühles vieler Tausender nicht unwidersprochen blieb. Haben Sie wirklich keine höhere Ambition, als den Funerator bei den Begräbnissen, die Herr Dr. Alfred Stern den schönsten und wichtigsten Plänen veranstaltet, abzugeben? Glauben Sie nicht, daß die Herren Dr. Ernst Franz Weis! und Schiff, die es ablchnten, auch fernerhin einer solchen Komödie als Staffage zu dienen, und aus dem Vereine austraten, viel konsequenter handelten als Sie, indem Sie solches Verfahren mit Ihrem Namen decken? Trostlos sind diese Zustände! Sie sind geeignet, auch die kleinen Reste des jüdischen Gemeinsmnes zunichte zu machen. Es wundert uns nicht mehr, daß man heute für die beste und wichtigste jüdische Angelegenheit keine Mitarbeiter mehr findet. Alles ist von Widerwillen erfaßt. Der Glaube an Selbstlosigkeit und an die Liebe für das jüdische Volk ist geschwunden. Aber auch das Vertrauen des jüdischen! Volkes zu ihren Autoritäten, und das ist es, was uns in all diesen Fragen am wichtigsten erscheint und was Sie, beide Herren, an die dieser offene Brief gerichtet ist, besonders bedenken mögen. Hat einmal das jüdische Volk seinen Glauben an die Autorität, das Vertrauen an seine Führer verloren, dann, ivird es mit aller Kraft diese Führer, die es in seiner Fortentwicklung hin dcrn, beiseite schieben und sich selbst führen zu dem Ziele, das ihm .Natur und Gesetz vorschreiben. Dies zu sagen, erachteten wir als unsere publizistische Pflicht, als die Pflicht eines Organes, das mitten drinnen steht in der Volksbewegung. und es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rechte des Volkes gegen Selbstherrschaft und Unehrlichkeiten jeder Art zu schützen und z i vertreten. Der verjudete Ultramontanismus. Heute herben m der österreichischen Kaifevstadt an der Donau fünfzig deutschvölkische Studenten werktätig ihre Verachtung. für Rom, für das Rom: des Papstes bekundet, indem sie öffentlich zum Protestantismus übertraten. Der Statthalter Luthers auf Erden hielt vorher eine kurze Ansprache, die den Ueberlretenden die Lehren Luthers zu Mitteln die Atifgabe hatte ... Es kann nicht unsere Aufgabe sein, festzustellen, durch welche Beweggründe die jungen Herren veranlaßt wurden, gerade jetzt ihren Gegensatz zur römischen Kirche zu betonen, und es ist auch nicht unsere Sache, diesen Abfall kath., und zwar 2636 eheliche und 1336 uneheliche, 6 griechisch-kath. (2 eh. und 4. unoh.), 2 alt-kath. (beide eh.j, 1 (eh.) griechisch-orientalisch, 124 ovang. A. B. (00 eh. und 25 nneh.i, 11 evang. H. B. (7 etz., 4 uneh.), 233 jüdisch (107 eh. und 36 uneh.), 2 (eh.) k o n fe s s o n s l o s, 7 unbekannter Konfession. Bon den jüdischen Geburten waren 127 männl., 106 weibl. G e st v rb e n sind in Wien im selben Monate insgesamt 2403 Personen, davon waren 2160 röm.-kath., 147 jüdisch (und zwar 78 männl. und 60 weibl.), 66 evang. A. B., 13 evang. H. B., 4 griechischvrientalilsch, 2 griech.-kath., 1 alt-kath., 1 konfessionslos und 15 unbekannter Konfession. Zivilehen wurden vvm Magistrate als politische Behörde 0 vollzogen. Dabei waren beide Teile jüdisch 1, beide Teile konfessionslos 4, der Bräutigam jüdisch uNd die Braut konfessionslos 3, der Bräutigam konfessionslos, die Braut jüdisch 1. Austritte ans dem I n d e n t u in erfolgten im Monat Dezember 66, 31 Männer, 25 Frauen. Z u m I » dentn in ü b e r t r a t e n 0 (1 männl., 8 weibl.). Die Influenza im Talmud. Der „Standard" brachte vor einiger Zeit unter vorstehender Ueberschrift ans der Feder des Herrn Naphialie Herz Imber einen Artikel, ans welchem wir nachstehende Stellen heransheben: Zweierlei Arten von Epidemien kennt der Talmud: örtliche Epidemien und wandernde Epidemien. Unsere heutigen Wahrnehmungen und die Resultate der Wissenschaft lassen diese Einteilung gerechtfertigt erscheinen. Sv gibt es z. B. eine einheimische und eine asiatische Cholera. Die Entstehnngsnrsache der totalen, örtlichen Epidemien führt der Talmud ans die Bodenbeschaffenheit, ans die ungeteutscher Jünglinge von dent nationaler Entwicklung angeblich abholden Katholizismus zu beklagen. Uns scheint das Ereignis nur dämm auch von unserem Standpunkt einige Beachtung zu fordern, tDeil die „Los von Rom"-Bewegung stets zu gleicher Zeit auch benützt wird zum Ansturm gegen unser Volkstum, und weil die mit so lautein Geschrei aus der Umarmung Norns Strebenden ihrem Kampfe gegen den Katholizismus erst dadurch Gewicht geben zu können vermeinen, indem sie ihn als eine Blüte — jüdischen Geistes und jüdischer Moral bezeichnen. Das Lied ist nicht neu; Houston Stewart Chamberlain gab ihm die wissenschaftliche Grundlage des Jahrhunderts. Und nun tritt in den „Neuen Bahnen", die seit fünf Jalwen bereits den: Wiener Deutschtum gewiesen werden, cm neuer Kämpe auf den Plan: der Münchener Amtsgerichtsrat a. D. W. von Colomb. Mit einer Captatic benevolcntiae freilich: er sei als Laie der Aufgabe nickt gewachsen, die „Abstammung der Moral der Jesuiten in der jüdischen Moral zu suchen". Man wird fragen, warum er es trotzdem tut. In edler Bescheidenheit erwidert hierauf Herr van Colomb, daß er nur versuchen wollte, seine Beobachtungen aus langjähriger richterlicher Praxis „anzuführen". Es ist ja kaum eine erquickliche Sache, die „Anführungen" Colombs aus ihrem Schlummer in den verschwiegenen „Neuen Bahnen" zu stören und sie vor eine breitere Oeffentlichkeit zu bringen. Da aber der tückische Anfall auf unser Volkstum von einer Seite ausgeht, bei völkisches Bewußtsein als der Inbegriff alles Edlen gilt, da das Stammeln des Herrn von Colomb, Amtsgerichtsrats a. D. — stolz betitelt „Die Moraltheologie der Jesuiten" ein typisches Beispiel dafür ist, wie cs der deutschnationalen Propaganda an Agitatiouskrafi gebricht, wenn sic nicht ihren „Postulates" auch eine Dosis Antijudäismus beimengen kann, da uns der Vorwurf, den Katholizismus verjudet zu haben, aufzeigt, daß zwischen uns Juden und den uns umgebenden Nationen ein tieferer Unterschied klafft, als bloß der einer verschiedenen religiösen Weltanschauung, sei es gestattet, dem alten Liede, alles Uebel komme von den Juden, einige Worte zu widmen. Herr von Colomb ist wie sein Vorfahre Christoph ein Entdecker. Er fand den Satz, daß es „eine geschriebene Moral im Gegensatz zu der im Volke lebenden Moral" gebe. Durch diese Entdeckung entkräftet er von vornherein alle Argumente, die auf Grund wie immer gearteter Dokumente jüdischer Wesenheit (Bibel, Talmud uslv.) gegen seine Behauptung, die jüdische Moral habe den Katholizismus durchseucht, ins Fol» geführt werden könnten. Denn sunde Lage einer Gegend zurück, während er für die wandernden Epidemien die Ursache in der schlechten Beschaffenheit der Luft sucht, und den Wind aüklagt, den Krankheitsstoff überallhin zu verbreiten, von Land zu Land zu tragen. Auch von der Influenza kennt der Talmud zwei Arten, die gelinde und die heftige Influenza. Bon einigen Rabbinern wird diese Krankheit p (Cvrdiacus) genannt. Imber erklärt den Namen daher, daß die Krankheit zuerst unter den Kurden in Kurdistan auftrat, so daß auch die iatmNdische Influenza gleich der modernen russischen Ursprungs gewesen wäre. „Die Wurzel der Krankheit," sagt der Talmud, „ist die Kälte; ja, diese ist sogar die Wurzel aller.Krankheiten". Ein Rabbi sagt: „Jedes Ding steht in Gottes Hand, allsgenommen Külte und Hitze: diese hat der Mensch in seiner Gewalt: er mutz sich daher vor diesen Extremen hüten, wenn er gesund bleiben will". Ein anderer Rabbi geht nort) weiter und sagt: „00 Prozent aller Menschen sterben in Folge der Killte und der hundertste allein infolge natürlicher Kraftabnahme." Der Teil des lnenschlichen Körpers, welcher durch die Külte affiziert wird, sind die Lungen. Daher die obligate Lllngenlllltersllchllng, welche die Rabbiner für geschlachtetes Vieh angeordnet haben. Imber verweist auf den Zusammenhan" zwischen der Lnngeickrankheit der Tiere mit der Schwindsucht, mit welcher vft Menschen befallen iverden, die Fleisch von erkrankten Tieren genießen. Offenbar versuchen die Rabbiner alle Krankheiten aus Ansteckungen znrttckzu führen und scheinen mit dieser Anschanuung die neuen Theorien Pasteurs vvrgeahni zu haben. Ein Rabbiner sagte: „Wer einen Kranken besucht, Himmi ein Vierzigstel seiner Krankheit mit." Deshalb rät der Talmud, in den ersten 3 Tagen nach ausgebrochener Krankheit keinen Besuch bei Kranken zu machen. Der Talmud empfiehlt auch besonders das Warmhalten des Magens, und fyunn' nicht durch äußerliche Erivärrmrngsmtttel,

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