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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · page 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr. 7 Xk'ib, utiD Die 31cucrbc0üvDelt kühlen siel) ent ihnen ihr Mütchen Damit, Dar, sie ihnen horrende Lteliern an den Hals binden. Tiefes Mißtrauen erfüllt atich die großen Kreditinstitute, auf welche die jüdischen Genossenschaften — weil sie wenig eigenes Kapital hallen — inehr als die niehtjüdifchen angewiesen find, und utaeht Urnen sehr schwer, ihren Reeskomptebedarf zu decken. Im Interesse der jüdischen handelsbeflissenen Bevölkerung liegt es, die Kreierung neuer Genossenschaften einznlletlen und nur auf den inneren kräftigen Ausbau der bereits bestehende t ihrAugeiunetk zu richten. Ties kann dadurch erreicht lverden, dag mau einen großen Teil der erzielten Reingetvinne — statt hohe Dividenden auszusehütteu — zur Kräftigung der bestehenden Reservefonds verwende. Bis vor kurzem waren die jüdischen Geltossenschafteu ohne jedwede ntoralisehe Führung tmd nur auf sich selbst angewiesen. (Die nichtjüdischen Genossenschaften find in dem seit 30 Jahren bestehenden Verband der Erwerbs¬ und Wirtschaftsgenossenschaften in Lemberg vereinigt.) Vor drei Jahren entstand '.n Lemberg ein Allgemeiner Verband der Galizischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, welcher sich die Organisation der jüdischen Genossenschaften zur Aufgabe tnachte. Tie Tätigkeit dieses Verbandes erstreckt sich vorläufig darauf, Den jüdischen Genossenschaften — welche zumeist fachmännischer Leitung entbehren — durch das Verbandsorgan „Selbsthilfe", welches zweimal im Monat in polnischer und jüdischer Sprache erscheint, Belehrung bei wichtigen Vorkommnissen und sonstige Instruktionen zu erteilen, ferner besorgt der Verband durch eigens hierfür eingestellte Revisoren die gesetzlich oorgeschriebene Revision der dem Verbände angehörenden Genossenschaften. Wenn auch diese Tätigkeit sehr erwünscht war und nicht genug gelobt werden kann, so ist sie für die Frage denn doch nicht hinreichend und will man aus den Genossenschaften das machen, was sie sein sollen und im Interesse der jüdischen Handel- und Gewerbetreibenden sein müssen, nämlich eine Säule des gesamten jüdischen Wirtschaftslebens, so muß auch materielle Hilf' durch Beschaffung von flottem und billigen Kredit herbeigeholt werden. Diese stelle ich mir in der Gründung einer großen Genossenschaftsbank als Aktiengesellschaft vor, welche vorzüglich das Eskomptegeschäft mit den Genossenschaften pflegen soll. Im Lande sind viele jüdische Kapitalisten und jüdisches Kapital vorhanden und dieses kann hier eine sichere und gilt verzinsliche Anlage finden. Der jüdische Allgemeine Verband, welcher auf moralischem Gebiete eine so rührige Tätigkeit entwickelt, wäre auch zur Inangriffnahme dieses Planes berufen. Vermischte Nachrichten. Die Konstituierung der Handelskammern hat ergeben, daß in Lemberg auf Grund vorhergehender Abmachungen Herr Sam. v. Horovitz zum Präsidenten und L. Batsrhewski zum Vizepräsidenten gewählt wurden. In Krakau wurde Herr Albert M a n d e l s b u r g zum Kammerpräsidenten wiodergewählt, ebenso erfolgte tn Brvdy die Wiederwahl des bisherigen Kammerpräsidenten Herrn Bloch. Gewerbeschulen in Palästina. Die türkisch-'n Zeitungen veröffentlichen eine Jrade des Sultans, wonach sämtliche Negierungsschulen des Reiches gründlich reformiert werdert sollet!. Der wichtigste Punkt dieses Neformprogramtues besteht in der Schaffung von. besonderen Schulen für Gewerbe, Handel und Landwirtschaft. Auch in den bereits bestehenden Schulen soll diesen Fächern ein größeres Arbeitsfeld eingeräumt werden. Gleichzeitig damit soll auch eine gesteigerte Industrialisierung des Reiches, speziell Palästinas, in Angriff genommen werden. Ottomanifche Bank in Jerusalem. Wie uns aus Jerusalem gemeldet wird, wird demnächst die türkische Regierung dort eine Filiale der Ottomanbank eröffnen. Die hierzu nötigen Lokalitäten sind bereits gemietet. Der ernannte Direktor dieser Filiale hat bereits in Jerusalem Wohnung genommen. Mit dieser Bank wird Jerusalem vier öffentliche Banken besitzen, und zwar neben der oben genannten Ottomanbank die jüdische Anglo- Palttstinabank, die Französische Credit Lyonnais und die Deutsche Palästtnabank. Nebett diesen öffentlichen Bankinstituten gibt es hier noch zwei Privathäuser, deren Inhaber Juden sind, und zwar das Bankhaus Valero sein Spaniole) und das Bankhaus Biuilk, dessen Inhaber, ein Jude, aus Aden in Indien staunnt. Am nreisten wird das Bankhaus Valero u. Co. unter der Konkurrenz der Ottotnanbauk zu leiden haben, da dieses Haus zutneist mit Arabern und Türken in Verbindung steht. Arbeitsgelegenheit für Inden. Die Petroleu'mrafftnerie Gartenberg n. Schreier, Jaslo (Galizien) sncht 8—10 tüchtige Schlosser. Bevorzugt werden solche, die in diesem Fache schon gearbeitet haben. Hauptsächlich werden Röhren- Monteure gesucht. Voraussichtlicher Verdietlst 0—1 Kronen per Tag. Unverheirateten lverden außer dein Barlvhne auch freie Wvhuuug, Beheizung und Beleuchtung bewilligt. Die Dampffabrik für Hvlzprvdultiou in Verbindung mit Sägemühle itt Jaslo sucht einen Werkfübrer für Hand- und Masthinentischlerei,' 10—.12 Haudtischler für Bauarbeit,' 2—0 Maschiueutischler, welche sich zu Holzbearbeitutigsmaschineu eignen,' 4—6 Bauschlosser zum Beschlagen von Fenstern und Türen. Der Verdienst des Wertführers beläuft sich auf 120—160 Kronen monatlich. Haudtischler bekommen 4—6 Kronen, Maschiueutischler 0—4 Kronen und Bauschlosser 4—5 Kronen täglich. Reflektanten auf die obigen Stellen mögen sich an Dr. A. Kornhänser, Jaslo, wenden. „Brrcket-Shops". Anläßlich der nun beigrlegten Schwierigkeiten der London and Paris Exchange, Ltd., bringt der „Ecouomist", eine der vornehmsten errgltschen Finanzwochenschriften, einen beherzigenswerten Artikel, aus dem zu Nutz und Frommen der kontinentalen Leser folgende? wiedergegeben sei: Während bei dem legitimen Börsengeschäfte der Makler ein Interesse daran hat, dem Klienten gute Papiere zu empfehlen, da dieses meistens zu neuen Geschäften führt, nimmt der Bncket-Shop darauf Bedacht, daß der Kunde verliert. Das Publikum hat zum guten Teile gar keine Ahnung davon, daß der Bncket- Shop meist für eigene Rechnnug arbeitet und daß sein Verdienst der Verlust des Klienten ist und umgekehrt. Der Bncket-Shop ist also nicht der Vermittler und Makler, wie das beim legitimen Börsenverkehr der Fall ist. Am treffendsten läßt sich wohl der Inhaber eines Bucket-Shops mit einem „Buchmacher" vergleichen. Er sucht unerfahrene Leute zur Spekulation anzuregen, indem er ihnen goldene Berge verspricht. Solange der Klient verliert, blüht das Geschäft in den Londoner Bucket-Shops. Jedes dieser einigermaßen bekaunten Unternehmen hat aber noch immer seine Kassen schließen müssen, wenn die Kursbewegung stark nach oben ging nnd es die Gewinne nicht mehr auszahlen konnte. Dabei werden von den Klienten Depots verlangt mrd ein Teil der Deckung geht schon mit dem Beginne der Transaktion verlöre». Denn wenn zum Beispiel der Kurs eines Papieres 2l/iQ bis 23/l6 notiert, wird als Kaufpreis 23/iC angesetzt, bei der späteren Abrechnung, selbst wenn sich die Kurse gar nicht verändert haben, aber nur 2 y, 6. Eine vorübergehende Schwankung wird nur zu leicht den Rest der Deckung absorbieren. Die Rekonstruktion der London and Paris Exchange wäre keineswegs wünschenswert und müßte früher oder später zu neuen Schwierigkeiten führen. Nicht wünschenswert wäre es, weil Unternehmen dieser Art nicht ermutigt werden sollten, und neue Schwierigkeiten werden herbeigeführt, weil das Vertrauen, soweit davon überhaupt die Rede sein konnte, geschwunden ist. Leipzig. Der Israelitische Handwerker- Verein zu Leipzig hielt vorige Woche im Kristallpalast eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Herr Dr. Moses-Berlin hielt einen Vortrag über „D a s H a n d w e r k unter den Juden". Redner wies zunächst den Vorwnrf her Gegner zurück, daß die Juden zu jeder ernsten Arbeit unfähig seien. Die Liebe zum Handwerk, so führte der Referent weiter aus, habe schon im Altertum unter den Juden geherrscht nnd sie habe sich bis zum heutigen Tage erhalten. In Rußland lebten zur Zeit etwa sechs bis sieben Millionen Inden, von denen die Hälfte Handwerker seien. Vor 00 Jahren fei den Juden auch in Deutschland die Gleichberechtigung durch ein Edikt erteilt worden. Sie besäßen jetzt über 80 Vereine in Deutsehland, die die Förderung des Handwerks im Judentum bezweckten«. Die letzte Berufsstatistik habe einen Rückgang der Inden beim Handel und eine Z u n a h m e bei ui H a n d lv e r k und A ck e r b a u ergeben. Konkurrenz sei hellte auf jedem Gebiete. Das jüdische Handwerk könne d u r eh Stolz und S e l b st b e w u ß t s e i n gewaltig g r o ß g e z o g e n w e r d e n. Das Handwerk, kaufmäunisch betrieben, habe noch heute goldenen Boden. Durch starke Organisationen und gegenseitige Unterstützung könne das Handwerk gehoben werden. Es sei zu diesem Zweck ein Z e n t r a I v e r band nt i t A rbeit s n a eh w eise n gegründet worden, der prosperiere und sich der Anerkennung der Logen und Gemeinden erfreue. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage schloß sich eine lebhafte Debatte an, in der besonders die besser situierte n G l a u b e n s g e n o s s e tt z u i II tt t e r st i't tz tt n g De s H a n «D - w e x k sauf g e fort) e r t w n r d e n. Der Versammlung wohnten auch die Spitzen der jüdischen Geinein de bei. Paris. Vor zwei Jahren warfen die Barone Rothschild 10 Millionen Francs ans für die Errichtung von hygienischen und billigen Arbci'terwohithätlserit. Am 31. März D. I. läuft die Frist zur Einreichung der Konkurrenzen ab. lieber 300 Architekten werden sich an der Konkurrenz beteiligen. 50 OjOO Francs sind für die Prämiierung nicht akzeptierter, lobenswerter Arbeiten gewidmet. Der Ungarische israelitische Handwerks¬ und Ackerüanverein hielt unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Armin Nenmann eine Ausschußsitznng ab. Der Präsident gedachte pietätvoll des Ablebens der langjährigen Bercinsiititglieder B. Leopold Hollitfcher. Jakob Birnbaum und Koloman Schwarz, deren Andenken im Protokoll verewigt wurde. Der Sekretär meldete, daß Baron Moviz Herzog de C s e t e die zum Andenken an seine Mutter gegründete Stiftung von -1000 K. ans 10 000 K. erhöhte, ferner daß dem Verein letzthin folgende Spenden zngekommen sind: Von Herrn Beta Snranyi und Geschwister 600 K.,' von Witwe Dr. Adolf Fried 300 K., von Dr. Armin Neuntem und von der Ersten Ofeu-P oller Dampfmühlen-A.-G. je 200 K., ferner an Gründtingsbei trägen von Ferdinand Beck de Madaras^. Sophie Brüll und der Firma Pollacsek und Scheiber je 200 K. Den edelmütigen Spendern ivurde Dank votiert. Der königlich ungarische Handelsininistev hat dem Verein für die an mehrere Schüler der mechanischen Lehranstalt verliehenen Stipendien seinen Dank ausgesprochen, was mit Freuden zur Kenntnis genommen wurde. Zur Vorlage gelangten die halbjährigen Fortgangszeugnisfe der Vereinsstipendtsten an den höheren Geioerbeschulen, die vollkommen befriedigend befunden, ivurden. Aus Antrag des Schnlkomitees wurden drei vorzüglichen Schülern der staatlichen höheren Gewerbeschule wettere Stipendien von je 100 Kronen bewilligt. Der Stand der Handwerkszöglinge wurde durch die Neuaufnahme von 15 Zöglingen ans 300 ergänzt.' Schließlich berichtete das Ackerbaukomitee über die Ackerbcmzöglinge, deren Anzahl im abgelaufenen Jahre 45 betrug. Dieselben waren in Oekonomien und Ackerbauschulen untergebracht. Nach Abschluß ihrer vorwiegend praktischen! Ausbildung wurden bisher 21 Aekerbauzö glitt ge frei gesprochen, die sämtlich in Landwirtsihaften Stellung fanden, wo si>e sich vollkommen bewähren. Auf Grund der bisherigen günstigen Resultate ivurde beschlossen, in dieser Richtung eine erhöhte Tätigkeit zu entfalten. Der Arbeitsmarkt in England, namentlich in L o n d o tt, ist zur Zeit! so schlecht, daß viele Tausende von Arbeitern: aller Berufe brotlos sind. Sehr schlimm, ist auch die Not unter unseren eingewanderten Glatibensgenossen. Angesichts der überaus traurigen Lage, in der sie sieh befinden, ist unter allen Umständen weiterer Zuzug nach England fernzuhalten. Wenn Auswanderer ohne ganz festen Anhalt jetzt nach England gehen, so wandern sie unmittelbar ins tieffiie Elend und sie vermehren das Elend der hungernden Massen, die bereits drüben sind. AMKRXKA A b v o i s e aus HAVRE joden Samstag Bequeme, rauche Fahrt, ausgezeiehi ete Verpflegung samt Wein und Lilcör. Fahrkarten nach allen Stationen sämtl. amerikanischer Bahnlinien zu Originalproisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko; Französisch© Linie | WIEN, IV., Weyringergasse 8.

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