Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 7 (17.2.1905)
- Date
- 1905-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Handel und Gewerbe. Beilagezu Nr. 7 des „Jüdischen VolksblaLL". Die Kreditverhältnisse in Galizien. Von.' Desider Harlig in Gorlice. Mit der nachstehenden Arbeit will ich versa chen, ein Bild über die Kreditverhaltnisse in Galizien zu entwerfen lind die Kreditorgamsatiinen ziffernmäßig zu beleuchten. Nachdem dieser Bericht für das „Jüdische Volksblatt" bestimmt ist, will ich vorzüglich nleine Staniniesbrüder im Auge behalten lind das lim so mehr, als es doch, eine allbekannte Tatsache ist, daß der Handel unb das Gewerbe in Galizien, insbesondere in, der Provinz, fast ausschließlich in den Händen der Juden ruht. Der kulturelle Fortschritt eines Landes kommt auch in der Entwicklung seines Handels, Gewerbes und Jndllstrie zum- Ausdruck und mit der Entwicklung dieser geht auch die Entwicklung des Kreditwesens Hand in Hand, und so finden wir in den kulturell fortgeschrittenen Lälldern die ausgedehntesten und umfangreichsten Kreditorganifationcir. Galizen ist bekanntlich im allgemeinen, so auch auf dein Gebiete des Handels und der Industrie zurückgeblieben lind die Kroditverhältnisse hier waren bis irr die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die denkbar prinntivsten. Von Banken oder sonstigen Kreditanstalten war keine Spur vorhanden und die geringen' Kreditbedürfnisse der Bevölkerung befriedigten zumeist die jüdischen „Kapitalisten", welche infolge ihrer minimalen' Lebensbedürfnisse und Sparsamkeit immerhin etwas Bargeld erübrigen konnten!, irnt mit diesem Gelbe Darlehensgeschäfte zu betreiben'. . Erst in den sechziger Jahren begann' sich eine Kreditorganisation zu regen und es entstanden einige große Banken, so z. B. die Landesbank, Hypothekenbank, Galt zische Sparkasse usw.. Heute besitzt! Galizien mehrere große Banken, welche teils im Lande selbst entstanden, teils als Zweigniederlassungen Wiener Banken gegründet worden! sind. In erster Reihe ist die O es terreichi s ch-Uuga ri s che Bank zu nennen, welche gegenwärtig zehn selbständige Filialen und acht Nebenstelleid in, Galizien, unterhält. Die bekannte rigorose Geschäftsführung unserer Notenbank ist in Galizien am rigorosesten und nur erstklassige Papiere finden, dort Unterkunft. Die anderen großen Banken sind — teils weil sie das eigentliche Kreditgeschäft nur wenig pflegen, teils ans national-konfessionellen Gründen — dem mittleren Kaufmannsstande ebenfalls schwer zugänglich und so würde speziell 'der jüdische Provinzkaufmaun oder Handwerker seinen Kreditbedarf kaum decken können, wenn nicht die Segnungen' der Schultze- Delitzfchen Idee auch bei uns Einkehr, gehalten hätten! und die jüdische Bevölkerung in ihrem eigenen Lebensinteresse davon ausgiebigen (sogar allzu ausgiebigen) Gebrauch gemacht hätte. Ich habe hier die Erwerbs- und Wirtschaftsgenosseuschasken nach dem System Schultze- Delitzsch im Sinne, welche in Oesterreich nach dein Gesetze vom 0. April 1873 Angeführt worden sind. Gleich nach dem Erscheinen des soeben zitierten Gesetzes fingen in den größeren Provinzstädten solche Genossenschaften, zu entstehen an, und nach und nach verbreiteten sie sich nn ganzen Lande. Es würde den. Rahinen dieses Artikels überschreiten, wollte ich den Werdegang sämtlicher Genossenschaften hier einzeln schildern. Ich beschränke mich daraus, nn nachstehenden ein Gesamtbild dieser Kreditorganisation' zu geben, atis welcher die ersprießliche Wirksamkeit derselben wird entnommen werden können. Bevor ich die Ziffern sprechen lasse, will ich erwähnen, daß die Genossenschaften in Galizien in jüdische und nichtjüdische geteilt )verden und daß die ersteren' infolge dieser Klassifizierung nicht! wenig zu, erdulden haben. Eiue! Teilttng in jüdische und nicht jüdische Genossen-! schäften kann zwar auf Vollkommenheit keinen! Anspruch erheben, nachdem den jüdischen Gej nossenschasteu viele Nichtjuden als Mitglieder! angehören, und umgekehrt; maßgebend für die; Scheidung in jüdische und nichtjüdische Gei nassen schäften sind für uns die Verwaltungen i der betreffenden Genossenschaften, und die-! jenigen mit jüdischer Verwaltung werden wir - als jüdische betrachten.! Im ganzen wurden in Galizien bis zuni! Ende des Jahres 1903 j 1100 Genossenschaften gegründet, hiervon sind eingegangen! 200 es verblieben somit! 900 Kreditgenossenschaften; zieht man hier-! von die mit! 260 bezifferten Genossenschaften itach dem! System Raiffeisen ab, so verbleiben!_____ | 650 Kveditgenossenschasten nach dein System! des Professors Schultze-Delitzfch.? Diese 650 Genossenschaften wiesen im i Jahre 1903 folgende Ziffern ans:! A in Mill. Kr.! Gesamtumsatz 1173.—; und überstieg den. des Vorjahres um 159.— | Die Zahl der Mitglieder aller | Genossenschaften betrug 521 120 und! die Höhe der von, ihnen eiugezahlten : Geschäftsanteile 27.5! Der Reservefonds betrug 8.8 rind die Zahl der in diesen Genvssen- schäften fruchtbringend angelegten! Gelder belief sich auf 110.6 i Die von diesen Genossenschaften im Jahre 1903 an. ihre Mitglieder; erteilten Kredite erreichten die Höhe; von 264.3! und übersteigen die des- Vorjahres um 54.6 j Der Stand der am! 31. Dezember! 1903 noch nicht rückgezahlten Dari lehen betrug . 156.9! und der Reingewinn sänstlichcr Ge-! nosseuschaften im Jahre 1903 er-! reichte die Ziffer. 2.128 : und überstieg die des Vorjahres um 0.257 Für wohltätige Zwecke verausgabten diese .Genossenschaftelt im Jahre 1903 0.116 Der Zinsfuß von öcn erteilten Tür lehen variiert zwischen 5% und 12% pro rata temporis; der Zinsfuß von den. eingelegten Spargeldern zwischen 4% und 8%, .die Höhe dw gezahlten Dividenden ztvischen 2% und 10% von den eingezahlten Geschästsanteilen. Unter jüdischer Verwaltung, standen zu Ende des Jahres 1903 403 Genossenschaften oder zirka 63%. Der Stand derselben mit Ende 1903 War folgen der: Totalumsab K. Zahl der Mitglieder 241 379 602 361 177.03 Geschäftsanteile K. 10 673 661.45 Reservefonds K. 4 396 689.83 Spareinlagen St. Die Gesamtzahl der von dies en Genoss enschaften im Jahre 1903 erteil¬ 47 014 122.26 ten Darlehen' betrug K. und überstiegen die des 137 464 128.36 Vorjahres um K. unddie zu Ende 1903 nicht amortisierten Dar¬ 17 438 238.33 lehen betrugen! K. D-r Reingewinn, welchen diese Genossenschaften im Jahre 1903 erziel¬ 66 374 726.28 ten', betrug K und für.wohltätige Zwecke 927 620.02 verausgabtensie K. 46 300.66 Es muß leider zugegeben werden', daß nicht alle Genossenschaften auf einer gleich hohen ethischen und moralischen Stufe stehen, vielmehr koni'inen vereinzelte Fälle vor, wo sie ihr Privilegium arg mißbrauchen und den Behörden Anlaß zum Einschreiten geben, aber in einem Garten, wo viele nützliche Produkte gedeihen, muß auch Unkraut Vorkommen; das ist eimual ein gleich eisernes Gesetz wie in der Natur, so auch in der Gesellschaft. Eine große Gefahr für die gedeihliche Entwicklung der jüdischen Genossenschaften ist die Hyperproduktion derselben; während in einer auch bedeutenden Stadt nur eine, selten zwei christliche Genossenschaften existieren undin den kleineren Städten gar keine vorhanden sind, findet man in dem kleinsten Neste vier, fünf, ja stellenweise sogar zehn jüdische Genossenschaften vor; daß solche zusammen-gepserchte. Institute keine Tasensberechtigung haben und sich nicht gedeihlich entwickeln können, braucht gar nicht hervorgehoben zu werden. Aus diesen Umstand ist es zurückzuführen, daß den jüdischen Genossenschaften hierzulande — auch' den gutfundierten — die Existenz immer mehr erschwert wird-; zu der inneren Konkurrenz gesellt sich ein Mißtrauen von außen und man fängt an-, die rapide Verbreitung der jüdischen Genossenschaften als ein wirtschaftliches Uebel anzusehen. Die Aussichtsbehörden rücken ihnen' häufig hart an den KUNDMACHUNG:. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der ^tfcdkFÖstcweicbiscbco ßsboipptC^Qcscllscbafl' werden hiermit zu der am ff-.—-t—.-. Samstag Sen 4. JKärz 5. J. um 6 Uhr abends . .. 1 im Gebäude der Gesellschaft, Freiung Nr. 8, ßtattflndenden zweiundfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung ein geladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden: 1. Vortrag des Rechenschaftsberichtes des Verwaltuugsrates und Vorlage des Bilanz Abschlusses pro 1004. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses über den Rechnungs-Abschluss des Jahres 1004. 8. Beschlussfassung über die Verwendung des Reinertrfignisses des Jahres 1004. 4. Antrag des Verwaltuugsrates auf Abänderung der Statuten. (Insbesondere der 18 28 bis 45.) 6. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrales. 0. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuss sur Prüfung der Rechnungs- Abschlüsse des JahreB 1005 (8 40 der Statuten). Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, weiche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienhttcbcrn der Gesell schalt eingetragen waren (Nachdruck wird nicht honoriert.) WIEN, am v. und an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien vom 9. Februar 1. J. angelangen bis längstens 18. Februar, 4 Uhr nachmittags, bei der Liquidatur der NiederUsterreichischen Eskompte-Gesellschaft zu erlegen. Die Aktien sind arithmetisch geordnet mittels einer einfachen Konsignation einaureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abfcehaltener Generalversammlung dis Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auezuüben, so bat er die betreffend*, auf den Nanaoa des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszuetellen. ar 1006. Der Verwaltungsrat.