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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Jüdisches Volksblatt Seile 5 der Veröffentlichung des Sümmenrefultates hcrauSzurückeu. Allerdings sollte der Eindruck dieser so beredten Ziffernsprache durch die einfach unwahre Behauptung, das; die Zionisten den Gegner EbenS, Herrn Zweig, aufgestellt hätten, abgeschwächt werden. Mis;trauen gegen Dr. Eben gesät zu haben, ist ein unbestrittenes Verdienst der diesmaligen Opposition. Vielleicht kann dieser Sieg ein Gutes mit sich bringen: die Redlichen werden zur Besinnung kommen und um sich eine ernste Opposition gegen« die liberale Verkommenheit ' unseres KultusvorstaudeS organisieren. Josef Meist. Londoner Brief. ZDer Zerfall der Anglo Jewish Association. — Hasflüchtende Präsidimu. — Sir Philipp Magnus hinauskomplimentiert. — Kanada contra Uganda. — Eine Antwort Rothschilds an die Zionisten.) Die größte jüdische Vereinigung Englands, welche durch Privatbeteiligung erhalten wird, und sich über ganz England erstreckt, nämlich die Anglo Jewish Association, befindet sich in einer Krise. Die -K'rise ist sowohl cmcumcte als auch eine äußere. Diese mächtige Vereinigung, welche bis vor noch nicht allzu langer Zeit das ganze jüdische Leben Englands beherrschte, leidet zunächst an demselben Nebel, an welchem auch die früher so mächtigen großen assimilatorischen Vereinigungen des Kontinents langsam aber sicher zugrunde gehen, daß nämlich ihr Programm nicht mehr jene Werbekraft besitzt, welche unbedingt notwendig ist, um große Massen zu vereinigen. Der Werdegang der Anglo Jewish Association ist überhaupt ein eigentümlicher und durch seine retrograden Bestrebungen interessanter. Ursprünglich zu dein Zwecke ins Leben gerufen, sowohl die kulturelle Forderung der Juden im Osten als auch die Verbesserung der politischen und sozialen Lage dieser Juden durch Intervention bei den betreffenden Regierungen zu betreiben, hat die A. I. A. diesen letzteren wichtigeren Teil immer mehr vernachlässigt und den -ersten Teil ihres Programmes die kulturelle Hebung der östlichen Juden durch Errichtung und Unterstützrmg von Schulen in einer Weise ausgeführt, welche der immer mehr anwachsenden nationalen Strömung int Judentum! Zuwiderlies. Die Unzufriedenheit der englischen Juden äußerte sich zunächst in dem allmählichen Schwinden der Mitgliederzahl. Die große und einst reichste jüdische Vereinigung Englands begann mit Defiziten zu arbeiten und mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber noch immer konte sie auf die Juden von Groß-London rechnen. Nun scheint auch hier der Unmut der besseren Elemente zum Ausbruch kommen zu wollen, denn in der jüngsten Agitationsversammlung dieser Vereinigung in Manchester kam es zum offenen Bruch rmd es geschah etwas, was in London zu den Seltenheiten gehört, nämlich die anwesenden Mitglieder beschlossen eine Resolution, welche das Präsidium veranlaßte, den Beratungssaal zu verlassen, und die zurückgebliebene Majorität faßte unbekümmert um dieses Vorgehen des Präsidenten weiter seine gegendie Leitung gerichteten Beschlüsse. Diese kleine Revolution innerhalb der N. I. A. ist um so bedeutungsvoller, als es ja bekannt ist, daß an der Spitze der Assoziation Sir Montefiore steht, und daß der Versammlung in Manchester der einflußreiche Vizepräsident Sir Philipp Magnus präsidierte. Eine Mitteilung des Daily Expreß ist geeignet, auch das JilleressoJhrer geschätzten Leser in Anspruch zu nehmen. Hiernach schweben jetzt zwischen Lord Rothschild u. dem Oberkommissär für die Immigration Kanada sehr erliste Unterhandlungen, welche die Gründung großer jüdischer Kolonien in Manitoba und in den nordwestlichen Provinzen von Kanada bezwecken. GeuaunterOberkommissär erzählte einemKorrespoudenteu des obenerwähnten Blattes, daß er im Palais Rothschild verschiedene Konferenzen hatte und soeben auf dem Wege nach Kanada sei, um der dortigen Regierung den letzten Standpunkt Rothschilds schriftlich zu übermitteln. Nach Aussage des Oberkommissärs Smith gibt >cs im lvestlichen Teile von Kanada ungefähr 72 Millionen Acker Land, wovon im ganzen 5 Millionen bearbeitet werden, während der übrige Teil brach liegt. Er behauptet ferner, daß jüdische Kolonien in Kanada viel mehr. Vorteile au streifen würben, als Die vorgefchlagcue Kolonisation in -Ostafrika. Während die Kulturfähigkeit des kanadischen Bodens speziell in dem in Frage stehenden Telle des Landes be-' reits -erwiesen ist, steht das von Uganda nochlange nicht fest. Ferner ist es bekannt, daß die Farmer in Kanada über naheliegende Absatzmärkte für ihre Produktionen verfügen, wahrend solche Märkte in Uganda erst geschaffen werden müßten und die Verfrachtung der Produkte auf die jetzt bestehenden entfernt liegenden Absatzgebiete mit großen Spesen verbunden ist. Mr. Smith behauptet, daß die Regierung von Kanada bereit sei, jüdischen Kolonisten die nötige Fläche Bodens für Kolouifatiouszwecke zu überlassen. Dieser Boden wäre nach 3 Jahren Eigentum der Kolonisten, jedoch nur für den Fall, wenn er rationell bearbeitet wird. Lord Rothschild hat sich prinzipiell mit demVorschlag einverstanden erklärt und ist bereit, das Projekt unter gewissen Bedingungen auszuführen. Die Kolonisten sollen zunächst aus den überschüssigen jiddischen Elementen vom Londoner Ostend und in zweiter Reihe aus neueren Emigranten ans Rußland und Rumänien bestellt werden. In cingeweihten jüdischen Kreisen Londons wird behauptet, daß dieser Entschluß Rothschilds eine Antwort ist auf die seitens der Zionisten kundgetane Absicht, das Ugandaprojekt! den jüdischen Großfinanciers znrDurchführung anzuöieten. Caft-Ender. Unsere tschechischen Assimilanten. Mehr denn je beschäftigt sich der tschechische „Rozvoj“ mit dem Zionismus. In der Nr. 3 spricht B. Hachenburg in einem Leitartikel „wohlwollend" über die Ausbreitung des Zionismus. Welch tiefe Abgründe uns von ihm scheiden, soll der Schlußsatz bezeugen: „Die Gegensätze zwischen den tschechischjüdischen Assimilanten und unseren heimischen Zionisten sind ohne Zweck hart. Wenn ich sage ohne Zweck, so bin ich mir vollkommen der Tragweite meiner Worte bewußt. Beide Parteien haben recht, jede von ihrem Standpunkte." Des weiteren meint der Verfasser ehrlich, daß ihre Partei zu klein ist und ihre Beziehungen zu gering find. „Unsere Wege gehen auseinander. Und doch", fährt er fort, „existiert etwas, das wichtiger ist als unser Theoretisieren, und dieses Etwas ist jenes große Elend der östlichen und südlichen Juden. Schwer lastet auf diesen die Hand des Schicksals und Hilfe zu leisten ist menschliche Pflicht. Nicht deshalb, weil sie Juden find (?!). sondern weil ihre Verhältnisse so elende sind. Für ihre Wunden ist eine Arznei vonnöten. ES ist die Frage, ob der Zionismus sich als diese Arznei erweisen wird. Ich persönlich wünsche, daß er eS werde." Darauf sei kurz erwidert: Der Zionismus hilft den östlichen Juden — bei aller Hochachtung menschlicher Gesetze — vor allem deshalb, weil es unsere Stammesbrüder sind, die mau nicht in der Küche mit „Wohltaten" abspeist, sondern die man als Familienangehörige zu Tische — in die „Gute Stube" — zu rufen die Pflicht hat. Für den löblichen Wunsch besten Dank. Aber merken Sie auf eines, Herr Hachenburg: Nicht fromme Wünsche äußern, sondern — arbeiten! daist unsere Parole! Na—-. Vereinsnachrichten. Vortrag aus jüdischer Geschichte. Donnerstag den 23. Fcibrnar 1905, präzise halb 8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Archltöktenvereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 0, ein Vortrag des Herrn Dr. A. Kaminka statt. Thema: „Jvsephus Flavins". Eintritt frei ohne Karten. Der Tempelvereiu „Beth Hachneseth", Wien (3. Bez., Untere Viadnktgasse 13) hält Sonntag den 19. Februar, präzise 10 Uhr vormittags in der BereinSkanzlet, 3. Bez., Untere Viadnktgasse 13, eine ordentliche Generalversammlung ad. Gegenstände der Tagesordnung sind: 1. Verlesung des Prvtokolles der letzten Generalversammlung, 2. Rechenschaftsbericht des Vorstandes, 3. Bericht der Revisoren, 4. Wahl zweier Vorstandsmitglieder für die Dauer eines Jahres, 5. Wahl zweier Revisoren, 6. Anträge uuii) Interpellationen. Zum Zwecke der Errichtung eines würdigen Gotteshauses im 8. Bez. hat sich ein aus 30 Mitgliedern bestehendes TempelbankvnlÜee konstituiert, dessen Vorarbeiten in diesem Jahre so weit gediehen sind, daß mit den Sammlungen für den Tempelbaufonds begonnen werden konnte. Durch die während dieser Zeit erfolgten Knlluswahlen hat die Tätigkeit des Tempelbankomitees eine kleine Unterbrechung erfahren, doch ist die berechtigte Hossuung vorhanden, das; das Teulpelbaukomitee seine intensive Arbeit binnen kürzester Zeit wieder 'anfnimmt und das hohe Ziel in absehbarer Zeit der Verwirklichung näher bringt. Die bereits erzielten Sanunlnugen, deren Ausweis baldigst zur Acröffetttlichnug kommen lvird, beweisen, daß im 3. Bezirke für den Gedanken eines Tempelbanes das regste Interesse herrscht, dessen Befriedigung nur eine Frage der nächsten Zeit ist. Wien. lJ ü d i s ch e T o y u b c e hall c.) Bortragsordnnng: Sonntag 19. Februar. Doktor Leogold Kahn: Messianitäl und Judentum. Montag 20. Februar. Dr. H. Stransky: Thema Vorbehalten. Dienstag 21. Februar. M. Berkowiez: Die Frau im jüdischen Schrifttum. Mittwoch 22. Februar. Professor Dr. I. Polla k: Bau und Verrichtung der Sinneswerkzenge. Donnerstag 23. Februar. Dr. Alex. Hausmann: Das Geld. Freitag 24. Februar. Bibelertlärnlkg. Samstag 25. Februar. Konzert. Sonntag 26. Februar. Professor Dr. W. I e r usalem: Der Ursprung der Sprache. — Die Kurse der Toynbeehalle haben Montag 6. Februar begonnen. Vorläufig finden folgende Kurse statt: Jeden Montag halb 8 Uhr abends Schnittzeichnen (Frl. Jsabella Kohn). Jeden Dienstag viertel 8 Uhr abends Englisch (Iran Jda Berliner). Jeden Donnerstag viertel 8 Uhr abends Französisch i.Frl. Rösa Spielmaun). Ort der Kurse: Religionsschule der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Am Samstag den 18. Februar 1905, 8 Uhr abends, findet in K h u n e r s Restauration, 1. Bez., Aölergasse 6, eine Experteuverfammlung statt. Tagesordnung: 1. Vorschläge über Verbesserungen der empfehlenden Verzeichnisse. 2. Disknssion über allgemeine gewerbliche Angelegenheiten. Wien. HL i t. G e s el 1 rg k e rt s v e r e in jüd. Mädchen „Moria".) Sonntag den 19. 5s. wird Herr Hermann Blumenthal, Schriftsteller, eine Vorlesung eigener Dichtungen halten. Beginn halb 4 Uhr nachmittags im Kongreßsaale, 9. Bez., Türkenstratze 9. Gäste Herzlichst willkommen. Verein jüdisch-jugendlicher Arbeiter in Wie«, 9. Bez., Türkenstratze 9. Sonntag den 19. Febr., unr 3 Uhr nachmittags, findet im Restaurant Haar, Wien 20. Bez., Treustr. 12, eine öffentliche Vereinsversammlnng statt. Tagesordnung: 1. Warum organisiert sich die arbeitende jüdische Jugend? Referent: Dr. Heinz Kohn. 2. Der Verein zur Beförderung der Handwerker unter den inländischen Israeliten. 3. Eventuelles. Gäste herzlichst willkommen. Arbeitende Jugend erscheinet zahlreich! Hamburg. Im Israelitischen Tempel v e r b a n d e wurde infolge Anregung des Herrn Prediger Dr. Leimdörfer eine Reihe religionswifsenschaftlicher Vorträge von hervorragenden Gelehrten gehalten. Ende November hielt der Geheime Regierungsrat Prof. Cohen- Marburg einen Vortrag über die „Bedeutung des Judentums für die Weltkulten". Im Jänner sprach Dr. G. Karpeles über „Maimontdes". Im Februar spricht Herr Prof. Geiger über „Herder und das Judentum", im März Rabbiner Dr. Salfeld-Mainz über „Ursache und Wirkung der mittelalterlichen Judenverfolgungen", Weltverband aller hebräischen Vereine. Während der Tagung des sechsten Ziomstenkongresses wurde in Basel ein W e l t v e r - band a l ler h ebrä i s chen Ve re i n e gegründet, in dessen Zentralkomitee die in Berlin wohnenden Herren Schriftsteller Rüben B r a i n i n, Dr. Heinrich Löwe, Josef L i n und A. M. G o n z a r gewählt wurden. Außerdem wurden verschiedene namhafte Schriftsteller als Vertreter des Verbandes in anderen Ländern gewählt. Das Verbandskomtee beabsichtigt, zur Zeit des nächsten Zionistenkongresses einen aus Delegierten der hebräischen Vereine aller Länder zusammengesetzten Kongreß abzuhalten, über dessen Programm das Komitee nähere Mitteilungen machen wird. Anfragen in bezug auf den hebräischen Weltverband sind zu richten an den Vorsitzenden des Zentralkomitees, Herrn Schriftsteller Rüben B r a i n i n, Berlin, Metzstraße 64. ,Meibliche Fürsorge." Aus Frankfurt wird uns berichtet: Bon großem Interesse für weitere Kreise ist ohne Zweifel der Jahresbericht des Vereines „Weibliche Fürsorge" pro 1903—4. Der Idee seiner Gründung treu bleibend, ist die „Weibliche Fürsorge" in ihrer Frankfurter sozialen Tätigkeit Abteilung des Israelitischen Htlfsvereines, >d. h. technisch eine Abteilung, dem Geiste nach ein Organ, dessen der Hilssverein sich gern bedient und das sich von seiner Zentralstelle unterstlitzt und gekräftigt fühlt. Die Säuglingskommiffion unter dem Vorsitz von Schwester Oberin Minna Hirsch und dem ärztlichen Beirat von Dr. Deutsch arbeitete mit nenn Damen und beaufsichtigte 40 Kinder (darunter 3 unehe-

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