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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 i»ts» In vergangener Woche wurden die €imiiljcv M!(lniviud(}[ei zue Urne flcnifai. Einige Ehrliche, Die nach eigener Uederzengung zu handeln noch nicht verlernt ßalien, unterzogen sich der nicht ganz leichten Allsgabe, in Der sonst konstanten Indolenz unserer geehrten Glanbesgenosseu eine chegenagitation gegen Die mehrjährige Herrschast des deutschationeilcn Redakteurs, Advetaten und.Kultusgemeindepräsidenten Tr. Jakob E b e n zll entfalten. Vielleicht hatte er manche an seine Wahl gernüpfien Hoffnungen getäuscht, vielleicht war in nwnchem trägen Esihirn Die Erkenntnis aufgeblitzt, daß ein Kultusvorsleher wehr als bloß äußerer Repräsentam sein muffe; Die Tatsache genügt, das; die Unbefangensten sich als entschiedene Gegner eines Mannes bekannten, Dessen Person g> eignet ist, Die Olinützer Iliden aller Orten zu diskreditieren. Es war keine bewußt.' Opposition, die mit programmatischen Forderungen vor die Wähler hintreten konnte, sondern die instinktive Erkenntnis, daß den alten Verderbern unseres Gemeindewesens endlich der Garaus gemacht werden müßte. Nur die wenigen Zionisten konnten behaupten, daß sie aus einer wohlbegründcten Anschauung heraus die Gemcindeklique bekämpften. Schon der Rechenschaftsbericht, den Tr. Eben in der offiziellen Wähleroersamm.lring vonr 80. Jänner erstattete, war eine arge Provokation. Mit einer unsagbaren Oberflächlichkeit konstruierte er eine Geschichtsphilosophie der Assimilation. Eine krasse Ignoranz der Geschichte, Entstellung von Tatsacherr, die das Sklaventum des Golus so überaus treffend charakterisierend. Berufung auf die großen Männer des Judentums, die es zu „einer internationalen Geltung" gebracht, der so oft von unterem Gegner geäußerte Vorwurf, wir wollten alle kulturellen Zusammenhänge lotfcrn und uns in ein System der Absonderung einfptnnen, das alles mußten wir hier zlim tausendsten Male vernehmen. Und die Horde klatschte tosenden Beifall. Gnädig verzieh Herr Dir. Eben den Zionisten die „nicht genug der Pfeile des Angriffes und Spottes" gegen ihn richten können. Und toi*' feine Worte fand er für Herzls Bedeutung für das Judentum! Die feige Anpassungsfähigkeit des liberalen Journalisten trat nirgends deutlicher hervor, als wo er ausgeklügelte Worte des Lobes für die große Bewegung d.s Zionismus fand. Wollte er etwa uns damit blenden? Glaubte er, daß .vir es ihm vergessen hätten, wie er sich der peinlichen Situation, Herzls Andenken durch die Gemeinde ehren zu sollen, zu entwinden suchte, und nur durch den Korporationen ersucht, sich der Sache anzunehme«. Die Entscheidung hängt im gewiffen Sinne von dem Ausspruche der Sachverständigenkommission ab, welcher der Stadtrat die Lösung der Angelegenheit anvertraut hat. Der Klub hat weiterden Stadtradt ersucht, in diesem Falle in die Kommission die Sachverständigen aus der Konskriptionskommission zu berufen, welche in sich Vertreter aller künstlerischen, wissenschaftlichen und und Fachkorporationen vereinigt, und außerdem einen Delegaten des „Lind za starou Prahu“ beizuziehen. Ein jüdisches Mädchen auf dem Kriegspfade. Vor einigen Wochen — so schreibt ein in Chardin erscheinendes Blatt — erregte auf dem Charbiner Bahnhof ein schmucker, rotbackiger Kosak die allgenreine Aüferksamkeit. Bald stellte es sich heraus, daß unter der Kosakenuniform ein junges Mädchen steckte, die ans dem Kriegsschauplatz well und breit bekannte Jelena (Helena) Michailowna Smolka. Während der letzten chinesischen Wirren beschloß die siebzehnjährige Jelena, Tochter eines in Wladiwostok lebenden jüdischen Soldaterr, in der Grenzwache Dienste zu nehmen. Ta sie seit ihrer frühesten Kindheit mit Chirresen und Koreanern in Berührung gekommen war, beherrschte sie vollkommen die koreanische unchinesische Sprache. Das unternehmende junge Mädchen vertauschte seinen Namen gegen den männlichen Namen Michael, besorgte sich Männertteidung und bestand in Wladiwostok das Examen eines Militärdolmetschers. Ende 1W0 diente die Snrol'ka als Dolmetscher und Mitglied der Grenzwache ans der Station Ningnta, wobei sie zu Pferde alle Streifzüge ilnd Scharmützel der Grenzwache mitmachte. Im Jahre 1001 wurde sie mit einer Ssotnja der Feldwache zur Vornahme einer Rekognoszierung nach Katga ablommandiert. Nach einem beschwerlichen Tages- Jüdisclics Volksblatt mo ca tischen Truck, Den die Zionisten auf ihn übten, sich genötigt sah, den Sitzungssaal der Gemeinde für eine Trauerseier zu überlassen? Was kümmern schließlich Fragen des Judentums die GemAnde, die bescheiden „im engeren Nahmen ihre Ausgaben Zu erfüllen trachtet"! Und da war vor allem der große Friede, Den der liberale Journalist mit den Andersgläubige,' schloß. Der 'Antisemitismus, der langsinn seine Fühler auch ans den liberalen Boden von Olmütz ansstreckte, ward geschlagen, die Unmoral von der Tafel verdrängt, che sie rwch v rdaut batte. Die liberalen Juden, die sich im öffentlichen Leben noch nicht genug kompromittiert harten, mußten diese Scharte answetzen und wählten den antisemitischen Tr. S o m m c r „um des Friedens willen" zum Gemcinderat. Der Ittde B r i e ß wurde Vizepräsident der Handelskammer, die Armeninstitute wurden vereinigt und sollen von nun an Unterstützungen ohne Unterschied der Konfession verteilen. Natürlich übersieht man, daß auf allen Seiten der gesellschastliche Nniisemittsmus um sich greift, daß unsere „liberalen Stadtväter" fürsorglich alle ösfenilichen Stellen der Kommune Inden verschließen. Anstatt, wo Kot nt, zu fegen, zieht man sein säuberlich Galoschen an und kümmert sich nicht werter um die Verunreinigung des ösfenilichen Lebens und folgt als strammer Liberaler denn kreischenden Ruse nach-Bekämpfung alles Nichtdeutschen. So schneidet man wacker ins eigene Fleisch und darf sich füglich nicht wundern, wenn der Fürsterzbischof Dr. Baue r, der anfangs Friedensgelüste zeigte, durch die Angriffe des „Mährischen Tagblatt", dessen Spiritus rector Dr. Eben ist, veranlaßt, einer Deputation des Jüdischen Frauenwohltätigkeitsvereines, die ihn a npumpen kam (diese Tatsache spricht Bände), erklärte, für jüdische Zwecke nichts geben zu können. Das war also das klägliche Ergebnis der so freudig begrüßten Friedenspolitik. Im übrigen war die Verwaltung der Gemeinde ihren ruhigen Schritt wettergegangen. Die Beamten, deren Kcnntnisse im Hebräischen und Deutschen — sie kennen nämlich beides so gut wie nicht — so ziemlich aus gleicher Stufe stehen, waren dieselben geblieben, die Gemeinde mußte noch immer die Fehler des früheren Vorstandes büßen, der die naive Angst vor dem Schuldenmacheu rechtzeitig zu verlernen gewußt hatte, die B i b l i c t h e k war mangels genügender Unterstützung bei der Zahl von 436 Bänden stehen geblieben. Als nennenswerte Neuerung hebt oer Bericht das Anbringen von vier neuen Sitzen aus dem Emporium des Tempels hervor, von denen die Spitzen der Gemeinde in genügender DG - in auf die Misere Plebs hnrabblicken dürfen. marsch schlug die Ssotnja ihr Nachtlager in einer Fansa auf. Als sich die Soldaten zur Ruhe gelegt hatten, wurde die Fansa von Chnnchnsen angegriffen. Die Smolka, die in dieser Nacht die Wache hatte, bemerkte jedoch rechtzeitig die drohende Gefahr, setzte ihre Kompagnie davon in Kenntnis und als die Chnnchnsen nähten, wurden sie von einem mörderischen Feuer empfangen und zur Flucht gezwungen. Bei diesem Scharmützel erhielt Jelena Smolka ihre erste Verwundung an der linken Schulter. Für diese und andere Hervorragende Taten bekam sie eine Geldbelohnung, einen Säbel mit einem silbemen Griff mit der Inschrift „Für Tapferkeit" und eine silberne Medaille. Als Japan die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnete, richtete Jelena an den Kommanidanten der Armee das Gesuch, sie in die Reihen der Freiwilligen aufzunehmen. Ohne die Antwort abzuwarten, eilte sie nach Chardin und trug ihre Bitte dem General Wolkow vor, der sie jedoch abschlägig beschted. Die Smolka legte nun wieder Männerkleider an, steckte ihre Tapser-keitsmedaille au die Brust und suchte nach einer Gelegenheit, um sich der Armee ans eigene Gefahr anzuschließen. Da man damals in Charbin an Privatpersonen keine Fahrkarten nach dem Süden verkaufte, versteckte sich die findige Smolka in einem Güterwagen und gelaugte als blinder Passagier nach Liavjang, wo sich damals das Hauptquartier befand. Jelena tras dort ehemalige Kameraden von der Grenzwache, und durch die Vermittlung des Jessauls Wischnjakvw vom 2. Nertschinöker Kvsakenregiment gelang es ihr, ihre Aufnahme in die aktive Armee durchzusetzen. Bald darauf erhielt ihre Ssotnja den Befehl, eine Rekognoszierung der Umgebung der Stadt Huanschensien vvrznnehm-eu. Wie schon früher einmal bei einer ähnlichen Gelegenheit, konnte die Smolka dank ihren Sprachkenntuissen ihrer Ssotnja einen großen Dienst erweisen, indem sie auf das Nahen einer größeren feindlichen Abteilung aufmerksam Nr. 7 Stiftungen gab's während der verslojset neu Verwaltnngsperiode verhältnismäßig wenige. Herr B r i e ß sah sich veranlaßt, anläßlich seines 70. Geburtstages unter anderem Studierende ohne Unterschied der Kousestiol nur einer Stiftung zu bedenken, Herr Iel l in e l. den die Lorbeeren des Herrn .SUüpnann nickt r!,a süßen, öffnete diesmal de i sonst Ivolüdehiitewn Geldsack. Eine peinliche Episode bildete die Beteiligung der Gemeinde an der Konferenz der mährischen Kultusgemeinden in P r e r u it, wo die Stellungnahme zu der r u f j i s ch e n E m i g r a i i o n s b e Iv e g n n g ans der Tagesordnung stand. Unbezahlbar lvaren die Worte, mit denen Herr L ö w, der Vizepräsident, sich ans der Affäre zu ziehen suchte: „W i r lieg e n n i ch tan d e r H a n p t st r e ck e!" Mauschel, wie gefällt dir das? Das Sündenregister der Klique ist nicht unbeträchtlich. Statt der Rüpelhaftigkeit eines gewissen Beamten, der gegen Vorgesetzte nur mit Faustg e Walt nörgelst, die gebührende Antwort.zu geben, hat man gnädig Verzeihung geübt statt endlich einmal die längst versprochene Regel n n g des N eligio n s u n t e r r i ch t e s in die Hand zu nehmen, steht man ruhig der moralischen Verelendung unserer Jugend zu und spielt dabei noch Beschützer drangsalierter Lehrer. Daß Herr Dr. Eben bei alledem nur' eine der Regierung getreue Opposition dulden kann, ist begreiflich. Und so hat er zwei neue Gemeindcvertreter ans den besseren Kreisen der Olinützer Gesellschaft in den Vorstand berufen. Daß bei ihm stets eine gewisse Achtung vor der Intelligenz in der eigenen Mitte zu vermissen war, ist nicht neu. Schließlich schadet cs nicht sonderlich, wenn ungeübte Vorstandsmitglieder beim Ablefen der Referate, wenn's schwierige Fremdwörter sind, stocken. Das Maß der Verdienste war voll. Herr Dr. E b e n, der Mann, der sich ans der K affe d e s F r a n e n - w o hl t ä t i g k e i t sv c r e i n e s'f ü r die Verteidigung einer a r m e n F r a tk bezahlen ließ, hat den vollen Altspruch auf den Namen eines Volksmannes, er stieg zunt Volke herab und ließ sich int dritten Wahlkörper kandidieren. Er hat eine Antwort gehört, die ihnr noch lange im Gedächtnisse bleiben wird. Vier S t i m m e n s e i n e r B e - amte n g a b cn d e n A u s s ch l a g für seine W i e d e r w a h l. Es ivar kein Siegesjubel, der den neuen Vorsteher erfüllte, doch >die Angst der letzten 48 Stunden war durch den schließlichen Erfolg reichlich belohnt. Herr Dr. Eben nah m t r o tz al lebe nt die Wahl a m Doch fühlte er ivohl die Peinlichkeit seines Sieges, und das offizielle Orgarr der Ktiltnsgemeinde, das „Mährische Tagblatt", wagte es erst ant kommenden Tage, mit machte, so daß sich die Ssotnja rechtzeitig zurückziehen könnte. In der Folge wurde Jelena von Generäl Aiennenkampff unter dem Namen Michail Smolka als Freiwilliger und Dolmetscher dem 2. Nertschinsker Kosakenregiment znkommandiert. Mit diesem Regiment hat die Smollä zahlreiche Rekognoszierungen mitgemachi, wobei sie einmal von einer feindlichen Kugel leicht am Fuße verwundet wurde. Während ihres Svldatenlebens ertrug sie ohne Murren alle Strapazen und Entbehrungen: sie schlief unausgekleidet in der gemeinschäftlichen Fansa, war gleichzeitig mit den Kameraden im Sattel sang, scherzte und speiste mtt ihnen und verlangte nur, daß marc sie als Malln behandle. Doch Jelella ist ein Weib, und dazu ein junges und hübsches, ulld so kvmlte es trotz ihrer Zurückhaltung nicht ausbletben, daß sich in dem „weWerlosen. dem schrecklichetl Kriege" nicht nur viele ihrer Kameraden, sorldern auch Vorgesetzte Offiziere in sie verliebten. Im übvigell legten aber die Offiziere lllld Svldatell in ihreill Bellehlnen Jelena gegenüber die größte Zllrückhaltung an den Tag. Gegelllwärtig hält sich Smolka in Charbtn auf, um für ihr Regimellt verschiedene Etnkällse zu besorgen. Sie trägt daher ihre schrnucke Kösaken-Uniform, und lverm die Charbiner Damen über den hübschell, weiblichell Soldatelt spöttelil wollen, weist Jelella alle Stiche mit einem liebenswürdigelt Lächeln zurück, — weiß sie doch, daß der Spott vielfach mit Neid gelnischt ist. — Solche Dienste leistet ein jiidisches Mädchen den Russen. Sollte voll ihrell Datell llichts zu öeit Ohren des Zaren gelangen? Aus Ettis Island. Im Laufe des letzten Monates wurden in Ellis Island zurückgehalten : Samuel H e r s ch k o w i t s ch (16 Jahre alt) aus U n g v a r in Ungarn, Leib B e i n d e r - 5kischenew, Salonwu M e l z e r (30 Jahre alt) aus Minsk.

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