Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-02-17 · 7 (17.2.1905) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433084--2819-2436721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 7 ltche), die größtenteils aus der FreiHerrlich von Rothschttdschen Stiftung mit Milch versorgt wurden. Die regelmäßig im GemeiNdehospital vorgenommene Wägung der Kinder ergab schr befriedigende Resultate, und diese Kinderschau bildet zugleich auch einen Antrieb für die Mütter, die Kleinen besser und sauberer zu halten, als sie es Vielleicht sonst getan hätten. Kinder, die ungefähr zwei Jahre alt sind, und die entweder kein Elternhaus haben oder dem elterlichen Einfluß entzogen werden müssen, werden der Kostkinderkommission zugewiesen. Dieselbe arbeitete unter dem Vorsitze der Armenpflegerin Schwester Rosa G o l d st e i n mit 9Damen. Sie beaufsichtigte ISKinöer (darunter fünf uneheliche), die teils in Frankfurt, teils au' dem Lande in Familienpflege untergebracht sind. Jedes Kind wird von der beaufsichtigenden Dame mindestens viermal im Jahre besucht. Die Kostkinderkommission arbeitet vielfach gemeinsam mit dem Almosenkasten der israelitischen Gemeinde und dem Armenamte, sofern es sich my die Bewilligung der Pflegegelder handelt. Als ein Gebiet von eminentester Wichtigkeit hat sich innerhalb der „Weiblichen Fürsorge" die Stellenvermittlung herausgebilbet. Dieselbe hält ihre Sprechstunden zweimal in der Woche tm Lokale des Hrlfsvereines ab. Die laufenden Kosten der Einrichtung (Zeitungsannoncen, Porti usw.) hat die „Weibliche Fürsorge" selbst zu bestreiten. Die Kommission für Stellenvermittlung, die unter dem Vorsitze von Frau Sidonie D a n n mit 19 Damen arbeitet, berichtet über die fünf ersten und darum schwierigsten Monate ihrer Tätigkeit das Folgende: Es haben sich 229 Arbeitgeber, 148 Arbeitnehmer an uns gewandt, 32 Stellen wurden vermittelt: 2 Lehrmädchen, 2 Lageristinnen, 3 Buchhallerinnen, 7 Verkäuferinnen, 1 Sekretärin, 4 Haushälterinnen, 2 Kinderfräulein, 2 Fabriksarbeiterinnen, 2 Schneiderinnen, 3 Dienstmädchen, 1 Pflegerin, 2 Gesellschafterinnen, 1 Kindergärtnerin. Am 14. Jänner schuf eine konstituierende Versammlung aus der „Weiblichen Fürsorge" den „Israelitischen Frauenverein zur Förderung gemeinsamer Interessen" unter dem Vorsitz von Frl. P a p p e n h e r m. Die galizische Frage in. ihrem Zusammenhang mit der Sittlichkeitsfrage und der Bekämpfung des Mädchenhandels stand vielfach im Vordergründe der Vereinsarbeit. Für diese Zwecke verfaßte Frau Henriette Fürth ein sozialhygienisches Flugblatt, das (in Deutsch, Russisch, Polnisch und im jüdischen Jargon) auf Kosten des Jüdischen Zweigkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels (Hamburg), des Hilfskomitees für die osteuropäischen Juden (Frankfurt a. M.) und des Hrlftsvereins der deutschen Juden (Berlin) in 20 000 Exemplaren hergestellt wurde. Frau R. S ch welm hatte die Arbeit der Versendung des Flugblattes übernommen, eine Leistung, die nicht gering anzuschlagen, sondern schr dankenswert ist. Es sind bis heute schon 14 300 Exemplare der Warnungsschritt in 33 Paketen mit etwa 40 Begleitschreiben in die Welt gegangen: nach London, Paris, Wien, New Aork, Hamburg und nach vielen Orten Galiziens an Stellen, die mit der wandernden jüdischen Bevölkerung Fühlung haben. Der Anfang und der Versuch, Wanderbibliotheken nach Galizien zu bringen, wurde dadurch gemacht, daß an einen dortigen Verein, der sich darum beworben hatte, eine vorsichtige Auswahl von 23 Bänden deutscher Bücher geschickt wurde. Bestrebungen zur Einrichtung eines Kindergartens in Galizien und zur Entsendung einer tüchtigen Krankenpflegerin sind noch zu keinem abgeschlossenen Resultate gediehen, trotzdem von einer Frankfurter Dame in verständnisvollster Weise für diese Zwecke eine Summe von 3000 Mark zur Verwendung durch die „Weibliche Fürsorge" zur Verfügung gestellt wurde. Ein anderes Gebiet, auf dem die „Weibliche Fürsorge" tätig war, waren die Vorarbeiten zur Gründung des Bundes jüdischer Frauenvereine, die sich gelegentlich des Internationalen Frauenkongresses (Juni 1904 in Berlin) vollzog. Mit diesem Bericht hat der Verein „Weibliche Fürsorge" weiteren Kreisen den Beweis rüstigen und zielbewußten Strebens aus den gesamten Gebieten weiblicher Hilfstätigkeit erbracht. Der Vorstand besteht aus den Damen Bertha Pappenheim, 1. Vorsitzende, Henriette Fürth. 2. Vorsitzende, Lilly Epstein, 1. Schriftführerin, Bertha Holzmann, 2. Schriftführerin, Sidonie Dann, Schatzmeisterin, Fanny Blau, Klem. Cramer, Schwester Oberin Minna Hirsch, Elise Hochstädter, Johanna Lenne, Mathilde Pfeiffer, Therese Reifenberg, Ella Seligmann, Johanna Stern, Emma Strauß-Ellinger. Jüdisches Jnbiläums-Waifenhans. Gemäß Beschlusses der jüdischen Kultusgemeinde wurden in das jüdische Waisenhaus in Czernowitz neuerlich 9 Waisenkinder, und zwar 5 Knaben und 4 Mädchen, ausgenommen. Gegenwärtig sind in diesen! Waisenhause, welches sich der unausgesetzten Fürsorge des Kultusrates erfreut, 84 Kinder unterbracht. Mttlhansen im Elsaß. Am 1. Jänner d. I. wurde hier eine „Gesellschaft für die Geschichte der Juden in Elsaß-Lothringen" gegründet. Der Jahresbeitrag beträgt Mark 8—, für Gemeindebeamte die Hälfte. Berlin. (Aufruf des jüdisch e n Franc n b u n d e s.) Der Jüdische Frauenbund erläßt folgenden Aufruf: „Im Juni d. I. ist in Berlin gelegentlich der Tagung des Internationalen Frauenkongresses die Gründung eines Jüdischen Frauenbundes beschlossen worden. Dieser soll den englischen und amerikanischen Frauenbünden gleich alle deutschen jüdischen Franenvereine umfassen und zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. Die zwei Uächsteheuden Paragraphen eines Statutenentwurfes, die den allgemeinen Arbeitsplan umgrenzen, lauten: Paragraph 2. Zweck des Bundes ist der Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbett, a) in gegenseitiger Anregung für die Interessen der Allgemeinheit. Als Arbeitsgebiete gelten zunächst die Wege und Ziele sozialer Htlfstätigkett, der Volkserziehung, der Förderung des Erwerbslebens jüdischer Frauen und Mädchen, Hebung der Sittlichkeit, Bekämpfung des Mädchenhandels usw. b) Im Erwecken des Interesses an allgemein-jüdischen Bestrebungen der Gegenwart und durch Stärkung des Gemeinschaftsbewußtseins. Paragraph 3. Der Bund verfolgt die Gesamttutereffen der jüdischen Frauenwelt. Er will Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zu Vergleichen, zur Kenntnisnahme mustergilttger Einrichtungen, zur Anregung selbständiger Schöpfungen geben und enthält sich jeden Eingriffes ttr die Selbständigkeit der einzelnen Vereine. Politische und religiös«: Parteifragen sind ausgeschlossen. Wie aus den angeführten Paragraphen hervorgeht, handelt es sich darum, die den Vereinen gemeinsamen Interessen aufzusuchen nnh zu fördern und die Mischen Frauen für ihre großen Aufgaben in der Familie, tu der Gemeinde und im Staate tüchtiger zu machen. Der jüdische Frauenbund soll ferner eine Auskunftsstelle für alle Fraueninteressen werden. Es steht zu hoffen, daß durch eine derartig große, sich stetig ausdehnende Organisation das Solidaritäts- und Verantwortlichkeitsgefühl der jüdischen Frauen geweckt und gestärkt wird. Es ist feiner Zell in Berlin ein provisorisches Komitee gewählt worden, das demnächst in einer Konferenz die nächsten Aufgaben des Bundes beraten wird. Dieser Konferenz wird bald eine Delegiertenversammlung der bis dahin angeschlossenen Vereine folgen, in der alle etwaigen Wünsche und Anträge zur Besprechung kommen. Wir richten an alle jüdischen Frauenvereiine Deutschlands die . Bitte: schließt euch zusammen zum Jüdischen Frauenbund! Der jährliche Mit gliedsbeitrag eines Vereines bis 100 Mitglieder ist auf 10 M. festgesetzt: je weitere 100 Mitglieder haben gegen Zahlung von weiteren 10 M. noch eine Stimme. Anmeldungen und Anfragen und zu richten an Frau Henriette May. Berlin, Wilhelmstraße 133. Für das provisorische Komitee des Jüdischen Frauenbundes: Berta Pappenheim, Frankfurt a. M., Sidonie Werner, Hamburg, Henriette May, Berlin." Wir empfehlen die Aktton unseren nattonaljüdischen Frauenveretnen zur Nachahmung. Frankfurt a. M. Der Vorstand der Jüdischen Haushaltungsschule beginnt seinen soeben erschienenen Jahresbericht mit einer vergleichenden Statistik über die Erwerbschaneen der jüdischen weiblichen Jugend; das Resultat dieser seiner Erhebungen läßt ihn wiederholt den Wunsch aussprechen: es möchten die Eltern bei der Berufswahl der Mädchen vor ollem an den Beruf der Hausgehilfin denken. Denn betrachtet man die einzelnen Berufe, so weiß jeder, der sich mit sozialen Fragen beschäftigt, wie gering z. B. die Besoldung der bei Schneiderinnen und Modistinnen arbeitenden Mädchen ist. Nach einjähriger Lehrzeit mit höchstens ganz geringe? Vergütung bekommen die Mädchen in der Regel-einen Monatsgehalt von Mk. 25 steigend bis'zu Mk. 40 nach zwei Jahren. Dabei sind sie fast immer während der toten Saison ohne Arbeit und Verdienst. Besser besoldet werden die Mädchen in kaufmännischen Stellungen; aber die Vorbildung ist hier eine viel länger währende, teurere. Eine oft kaum zu überwindende Schwierigkeit bietet sich in diesem Berufe den Mädchen, die Samstags nicht arbeiten; und so kommt cs immer wieder vor, daß die Mädchen gegen den Wunsch der Eltern sich durch die bittere Notwendigkeit gezwungen -zu sehen glauben, Samstags zu arbeiten. Aber selbst für diele bedeutet der kaufmännische Beruf nicht immer eine ausreichende Versorgung. Der Durchschnittsgehalt ist hier von Mk. 60 im zweiten Jahre steigend bis zu Mk. 90 im vierten Jahre. Das Lehrjahr bringt auch hier keine nennenswerte Vergütung. Der Beruf der Lehrerin, der eine mehrere Jahre währende kostspielige Vorbereitung und Begabung für den Lehrberuf beansprucht, kann nur Auserwählten zuteil werden und ist bei der heutigen antisemitischen Strömung für die Jüdin auch nicht aussichlsreich. In dem Berus einer Hausgehilfin! dagegen finden die Mädchen sofort gut bezahlte Stellungen. Hier hat das Mädchen volle Pension, freie Wäsche, für sie wird immer das Krankengeld und zumeist die Jnvaliditätsmarke ganz bezahlt, an ihre Toiletten werden 'einerlei Ansprüche gestellt, in vielen Familien iekcmmt sie im Gegenteil Hauskleider sowie gute, abgelegte Sachen ihrer Dienstgeberinnen zun: Geschenk; sie kann ihr Unterkommen ihrem religiösen Sinn gemäß wählen, denn glltes häusliches Hilfspersonal wird bei allen Glau'bensrichtungen gesucht und geschätzt. Sie wird bei vielen Anlässen beschenkt, fast nie braucht sie ihren Gehalt für ihve Bedürfnisse cmzugreifen und bald füllt sich ihr Sparkassenbuch, das die Grundlage zu ihrer späteren Versorgung bilden soll. Wie sorglos lebt sie inr Vergleiche zur Modistin, zur Schneiderin und zur Verkäuferin. Sie umgibt der Schutz der Familie, in der sie lebt, und das Beispiel wie der Zwang behüten sie vor gefährlichen (Sin* flüssen, die anderen jungen Mädchen, welche spät abends ihre Arbeitsstätte verlassen müssen, nur zu oft nahe kommen. Persoualnachrichten. , Wien. (Barmizwa h.) Letzten Samstag feierte George Markus, der einzige Sohn des Mitgliedes des zionistischen Lande skomtte es Herrn Markus, seine Barmizwahfeier. Im Tempel (3. Bez., Viaduktgaffe 13) erschienen aüs diesem Anlässe unter anderen der Vorstand des Bethausvereines, der Obmann öer Bezirkskommission, ferner der Obmann des zionistischen Landeskomitees, Dr. Krenberger, der Obmann der „Machsike-Hadath", Herr Meis e l s, der Sekretär der Kultusgemeinde Dr. A d I e r, ferner der Obmann des Ausschusses der jüdisch-akademischen Verbindungen Löhner, ferner die Herren Torczyner, Komc th usw. Angenehm berührte die Zuhörer das Verständnis, mit welchem der Konfirmand die Hafthara rezitierte. Die Rede, welche Herr Rabbiner Dr. A b e l e s an den Konfirmanden richtete, zeichnete sich, wie gewöhnlich, durch geistreiche Anwendung von Vibelversen und Midraschstellen ans. Den Eltern des Barmizwah kamen ans Anlaß der Feier eine große Anzahl von brieflichen und telegraphischen Glückwünschen zu. Erklärrmg! Bezugnehmend auf die Berichte über die außerordentliche Generalversammlung des Mädchen- und Frauenvereines „Bikur Chaulim" in Nr. 3 dieses Blattes, erkläre ich hiermit, daß ich durch Unwohlsein verhindert war, der außerordentlichen Generalversammlung, sowie auch den derselben vorangegangenen Sitzungen beizuwohnen und infolge der gefaßten Beschlüsse mein Mandat als Vizepräsidentin niedergelegt habe und aus dem Vorstande ausgetreten bin. Mimi Berliner. Trauergottesdienst. Aus Veranlassung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde wurde Sonntag den 12. ös. abends in der Synagoge der Seitenstettengaffe für den verstorbenen Präsidenten, kaiserlicher Rat Heinrich Klinger, eine Gedächtnisfeier abgehalten. Oberkanior Singer intonierte mit Begleitung des der Direktion des Chorleiters, Herrn Professors Josef Sulzer. unterstehenden verstärkten Chores den vom Altmeister des Synagogengesanges Oberkantor Professor Salomon Sulzer komponierten Trauerpfalm 49, hieraus hielt Oberrabbiner Dr. Gttdemann die Gedächtnisrede, in welcher er ein übersichtliches Lebensbild des Verstorbenen entrollte, den er als „Friedenspräsidenten" feierte. Hierauf sang Oberkantor Singer das Reguiemlied mtt dem Chore, und mit der Absingnng des Psalms 16, Vers 8, wurde die Feier beendet, der das Präsidium der Kultusgemeinde und zahlreiche Freunde des Verstorbenen beiwohnten. Budapest. (Mischehen.) Im Laufe der vorigen Woche wurden in Budapest nicht weniger als fünf Mischehen zwischen Juden und Christen aufgeboten. In zwei Fällen ist öer Bräutigam ein Jude und in drei Fällen die Braut eine Jüdin. Aber auch sonst ist die offizielle Liste der jüngsten Eheaufgebote vom Gesichtspunkte der Abfallsbewegung interessant. Wir finden da unter anderen eine griechisch-katholische Panline Lövy, eine römisch-katholische Sarah Gelb, einen rönttschckatholischen Julius Pollak und eine evangelisch-rüformierte Rosalie Markus. New Aork. Im Alker von 70 Jahren starb Herr K. H. Sarasohn, Begründer und Eigentümer der „I e w tsh Daily New s" und der „New Nork Jewish Gazette". Berlin. Bet dem jüngsten Krönungs- und Oröensfest sind, soweit sich übersehen läßt, folgende Glaubensgenossen ausgezeichnet worden: Honorarprofessor Dr. Landaner-Straßburg i. E., Kaufmann Moritz Rosenow-Berlin, Stadtrat Dr. Weigert-Berlin und Fabrikant Jakob Weinberg- Berlin mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse, Geh. Justizrat Prof. Dr. Frensdorff-Göttingen, Geh. Regievltngsrat Prof. Dr. Liebermann-Berlin, Geh. Justizrat Dr. Rietzer-Berlin mit dem Kronenorden 2. Klasse, Prof. Dr. Breßlau-Strahburg i. E. und Geh. Regierungsrat Prof. Dr. H. Munk-Berlin mit de«! Kronenorden 9. Klaffe und Konsul Dr. SoVernhoim-Berlin mtt dem Kronenorden 4. Klaffe. Berlin. Die königliche Akademie der Wissen schäften hat den Professor an der Universität in R o m, Jgnazio G u i d i, znm korrespondierenden Mitgliede in ihrer philosophisch-historischen Klasse «gewählt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.